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Ein Einblick in die freiwillige Fortbildungsmaßnahme für Praktikumslehrkräfte

Die Aufgaben von Praktikumslehrkräften bei der Betreuung der Lehramtsstudierenden im pädagogisch-didaktischen Praktikum sind vielfältig und anspruchsvoll: sie organisieren und koordinieren, beraten und begleiten, leiten Reflexionen und Gespräche.

Um Praktikumslehrkräfte bei diesen Aufgaben zu unterstützen und anzuleiten, werden an der Universität Regensburg im Rahmen des KOLEG2-Projekts Angebote geschaffen. Die Mitarbeiter:innen der Maßnahme „Freiwillige Fortbildungen für Praktikumslehrkräfte“ widmen sich dieser Aufgabe. Mit Dr. Sigrun Schirner und Antonie Höldrich, die Teil des Teams sind, sprach ich über die erarbeiteten Unterstützungsangebote und die Ziele der Maßnahmen.


Sie forschen und lehren am Lehrstuhl für Schulpädagogik und sind Teil des KOLEG2-Teams. Können Sie sich und ihre Arbeitsschwerpunkte kurz vorstellen?

Sigrun Schirner:Ich bin Psychologin, seit 2008 am Lehrstuhl und seit 2011 akademische Rätin. Neben anderen Tätigkeiten am Lehrstuhl biete ich das Vorbereitungsseminar an, auf das wir sicherlich später noch zu sprechen kommen. Vor KOLEG habe ich an Fortbildungen von Dr. Wolfang Götzfried für Lehrkräfte mitgewirkt. Aktuell beschäftige ich mich im Rahmen des KOLEG2-Projekts vor allem mit der Begleitforschung zu unserer Maßnahme.

Antonie Höldrich: Ich bin Pädagogin, Coach und Trainerin für Führungskräfte mit den Schwerpunkten Positive Psychologie, Systemisches Coaching, Stressmanagement, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Seit Beginn (2015) des KOLEG-Projekts bin ich für Konzeption und Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich.

Bereits in der ersten Förderphase des KOLEG-Projekts wurde am Lehrstuhl für Schulpädagogik ein Unterstützungsangebot für Praktikumslehrkräfte geschaffen. Wie hat das genau ausgesehen?

Sigrun Schirner: Vielleicht beginne ich einen Schritt davor - also warum machen wir das überhaupt? Schulpraktische Erfahrungen gelten als Herzstück der Lehrkräfteausbildung. Der Lehrstuhl für Schulpädagogik ist für das pädagogisch-didaktische Praktikum - das erste universitäre Praktikum – verantwortlich. Hier sollen die Studierenden aller Lehrämter zunächst die pädagogisch-didaktischen Gesichtspunkte des Praktikums kennenlernen und vor allem den Perspektivwechsel von Schüler:innen zu Lehrer:innen vollziehen.

Doch das Praktikum ist kein Selbstläufer, da beispielsweise die Studierenden viele Lerngelegenheiten ohne Vorbereitung und Unterstützung nicht optimal nutzen können. Auch ist es wichtig, dass Praktikumslehrkräfte auf ihre Aufgabe vorbereitet werden, was lange Zeit nicht der Fall war. Beides ist schade, weil gerade in Praktika die Verbindung von Theorie und Praxis hergestellt werden kann. Sie eignen sich ideal, um theoretische Inhalte der Universität in der Praxis anzuwenden und die Rolle als Lehrkraft ganzheitlich zu begreifen.

Um das Praktikum zu verbessern, setzt die Schulpädagogik sowohl Angebote für Studierenden als auch für Praktikumslehrkräfte um: Einerseits werden die Studierenden aller Lehrämter in einem Seminar auf das Praktikum vorbereitet. Und sie erhalten Arbeitsaufträge, die sie während des Praktikums bearbeiten und die als Basis für Theorie-Praxis-Reflexionen dienen. Andererseits haben wir im Rahmen von KOLEG die Fortbildungsmaßnahme für Praktikumslehrkräfte entwickelt und bieten ein individuelles Coaching für Praktikumslehrkräfte an. Aus der Forschung ist bekannt, dass Fortbildungen durch ein solches Coaching wesentlich effektiver werden. Da Antonie Höldrich die Maßnahmen konzipiert und durchgeführt hat, kann sie das Unterstützungsangebot vorstellen.

Antonie Höldrich: Ja, gerne. In einem ersten Schritt fand eine Bedarfsanalyse mit unterschiedlichen Akteuren (Lehrkräfte, Praktikumslehrkräfte, Studierenden, Regierungen) statt, woraus zentrale Inhalte der Fortbildung entwickelt wurden.

Die Aufgaben und Rollen einer Praktikumslehrkraft sind vielfältig und anspruchsvoll und sie agiert immer als Vorbild auf verschiedenen Ebenen, als Lehrkraft im Schulalltag, als Praktikumslehrkraft in der Rolle eines Erwachsenenbildners, in der Zusammenarbeit mit dem Kollegium etc. Zudem sollen sie dabei unterstützen die Inhalte des Vorbereitungsseminars und Gehefts in die „Praxis“ zu bringen und damit zur Theorie-Praxis-Verknüpfung beitragen. In der Fortbildung geht es darum die Rollen bewusst zu machen, Aufgaben zu klären, Struktur zu geben und Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Dazu werden Themen wie Rollenklarheit, Beziehungsaufbau, Zielsetzung, Kommunikation oder Reflexion und Feedback behandelt. Die Praktikumslehrkräfte setzen sich in intensiven Kleingruppenphasen mit unterschiedlichen Themen auseinander und erweitern ihre Beratungskompetenzen. Die Herausforderung für uns ist es, die unterschiedlichen Erwartungen zu kombinieren und Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Im Austausch mit den Lehrkräften entstand mehrfach der Wunsch nach Intensivierung der Themen, so dass wir zusätzliche Impulsworkshops oder Supervision angeboten haben.

Ein besonderes Element unserer Fortbildung ist ein Coaching-Angebot, das wir den Praktikumslehrkräften machen können. Was ist damit gemeint? Ich besuche die Lehrkräfte, während sie mit Studierenden arbeiten, beobachte ihre Umsetzung der Fortbildungsinhalte und gehe anschließend mit ihnen in ein Reflexions- und Feedbackgespräch. Während den Corona- Maßnahmen haben wir Coaching auch via Zoom angeboten.

Und wie habt ihr diese Vielzahl an Themen in einen zeitlichen Rahmen gebracht?

Antonie Höldrich: Ursprünglich hatten wir ein zeitliches Konzept mit zwei Mal eineinhalb Tagen während des Schuljahres. Weil das zeitlich für viele Lehrkräfte schwierig war, haben wir dann auf ein modulares System umgestellt. Insgesamt finden dabei fünf Module jeweils am Nachmittag statt. Durch die Corona-Pandemie haben wir nun auf eine Online-Version umgestellt, die ein paar mehr Module enthält.

Warum kommt der theoriegeleiteten Reflexion der schulischen Praxis diese zentrale Bedeutung zu?

Antonie Höldrich: Es ist grundsätzlich wichtig, dass Studierende lernen theoriegeleitet zu reflektieren. Dafür ist es wichtig, dass auch die Lehrkräfte ihre Arbeit reflektieren, aktuelle Theorien kennen und die Verbindung zum Vorbereitungsseminar herstellen können. Deswegen bereiten wir aktuelle Theorien in den Fortbildungen auf und reflektieren gemeinsam; so wird die Theorie für die Praktikumslehrkräfte erfahrbar. Im Anschluss daran entwickeln wir, wie Reflexion mit Studierenden, bezogen auf das pädagogisch-didaktische Praktikum, umgesetzt werden kann. Es geht uns nicht um fachdidaktische Inhalte, das lernen sie in den folgenden Praktika.

Die Wirksamkeit der Fortbildungen und des Coachings wurden dabei begleitend untersucht. Welche Ergebnisse waren für sie dabei besonders aufschlussreich?

Sigrun Schirner: Wir haben zwei Forschungsschwerpunkte: Die Evaluation der Fortbildung und das Selbstwirksamkeitserleben der Praktikumslehrkräfte. Dies überprüfen wir in einem Prä-Post-Follow-Up-Kontrollgruppen-Design. Bezogen auf die Fortbildungen zeigen sich im längsschnittlichen Vergleich sehr positive Veränderungen in Hinblick auf zentrale Schulungsthemen; also inwiefern die Fortbildung beim Unterrichten und in der Begleitung der Studierenden unterstützt. Außerdem fühlen sich die Lehrkräfte nach der Fortbildung sicherer im Umgang mit den Studierenden. Schöne Rückmeldungen bekamen wir auch in den offenen Textfeldern.

Antonie Höldrich: Beispielsweise wurde uns, in Form von Statements ganz konkret rückgemeldet: „Theorie in der Praxis lernen“, „Feedback vertiefen, viele praktische Arbeitsphasen“, „Bereicherung für einen selbst“. Solche Aussagen freuen uns natürlich und zeigen die Zufriedenheit mit Gesamtkonzept, Gestaltung, Tagesstruktur, Inhalt, Atmosphäre und Methoden. Aus Rückmeldungen während der Fortbildung können wird auch schließen, dass die verwendeten Tools, Gruppenphasen und Verbindung von Theorie und Praxis hilfreich für die Lehrkräfte sind.

Wie wurde das Konzept der Angebote aufgrund der Daten modifiziert bzw. wie sehen die Fortbildungen und Coachings nun aus?

Antonie Höldrich: Insgesamt gab es nur ein paar kleinere Veränderungen, wie beispielsweise der modulare Aufbau der Fortbildung. Im Großen und Ganzen haben uns die Rückmeldungen gezeigt, dass es gut läuft und die Lehrkräfte es als hilfreiches Angebot verstehen, sodass es keine große, tiefgreifende Veränderung gegeben musste. Während der Corona-Pandemie haben wir verstärkt online-Angebote gemacht, um den Austausch zu fördern.

Sigrun Schirner: Unser Ziel ist auch, die Angebote zu verstetigen. Dazu haben wir eine Multiplikator:innenschulung entwickelt und suchen dafür nun interessierte Lehrkräfte. Zudem fasst Antonie Höldrich die Ergebnisse und Erfahrungen zusammen und schreibt ein Handbuch.

Antonie Höldrich: Richtig. Das Handbuch enthält dann auch die theoretischen Inhalte, sodass die zukünftigen Multiplikator:innen damit arbeiten können. Eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Universität und Praktikumslehrkräften soll weiterhin bestehen bleiben.

Wenn wir einen Blick nach vorne nehmen: Was sind die Meilensteine im kommenden Jahr?

Antonie Höldrich: Wir führen die Schulungen weiter: Zwei Kurse laufen bereits und für nächstes Jahr habe ich im Moment drei Kurse angeboten, für die bereits einige Anmeldungen eingegangen sind. Außerdem sind wir auf der Suche nach Multiplikator:innen.

Gibt es noch etwas, was ihr abschließend sagen möchtet?

Antonie Höldrich: Ich möchte gern hervorheben, dass die Lehrkräfte freiwillig kommen. Gerade jetzt, in dieser anstrengenden Zeit, haben sie viel um die Ohren und nehmen sie sich trotzdem die Zeit für diese Fortbildung, um ihre Praktikant:innen noch besser betreuen zu können. Sie sind motiviert und voll dabei - das finde ich richtig toll!

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