Die Ausbildungsveranstaltungen der Universität zu Themen wie nachhaltiger Entwicklung oder sozialer Gerechtigkeit eröffnen den Studierenden wissenschaftliche Perspektiven, die eine rationale Sicht der Welt und des Weltgeschehens anbieten. Angesichts der jüngsten (welt-)politischen Entwicklungen kann die Vernunft jedoch nicht länger als eine Instanz betrachtet werden, die von allen gesellschaftlichen Interessengruppen gleichermaßen verstanden und respektiert wird, etwa als Grundlage gesellschaftlich relevanter Entscheidungen und Kompromisse. Insbesondere der weltweit zu beobachtende Zuwachs an Zustimmung für ultrarechte Positionen bis hin zu offenem Faschismus ist als eine dramatische Gefahr für die offene Gesellschaft und ihr auf Vernunft gegründetes Leitbild zu bewerten.
Angesichts dieser globalen Entwicklungen ist es nicht länger ausreichend, lediglich ein Wissen dessen zu vermitteln, was vernünftig wäre. Als konstruktive Reaktion darauf soll in der hier angebotenen Veranstaltung die Fähigkeit geschult und gestärkt werden, vernünftige Positionen in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten und ggf. auch zu einem Durchbruch gegen extremistische und faschistische Entwicklungen zu verhelfen. Dementsprechend ist es das Ziel, Studierende in den Techniken eines vernunftbasierten Aktivismus auszubilden. Aktivismus wird hierbei sehr breit verstanden, als jede Tätigkeit, die im öffentlichen Raum dem Vernünftigen zu mehr Geltung verhilft.
Das Angebot hat einen ausgeprägt pragmatischen Charakter. Beispielsweise sollen Rollenspiele die Fähigkeit zur Argumentation unter irrationalen Diskusbedingungen verbessern; die Planung und Umsetzung konkreter Projekte dient dazu, den Studierenden zu zeigen, wie sie selbstwirksam handeln können.
Dozentinnen und Dozenten: Prof. Dr. Ferdinand Evers, Dr. Adrian Seith (Institut für Theoretische Physik)
Teilnehmende: Die Veranstaltung ist fächerübergreifend und richtet sich an alle Studierenden der Universität Regensburg.
Ort und Zeit: RUN 0.34, Donnerstags 16-18 c.t.
Aufbaumodul im Zusatzstudium Nachhaltigkeit Gestalten (6 credits): Seminar (2 SWS) plus praktische Übungen (4 SWS); Eine Anerkennung als Wahlpflichtfach/Ausbildungsseminar/Spezialvorlesung durch die einzelnen Fachbereiche ist möglich.
Prüfung: Exposé, vorzustellen am 23. Juli
Die Veranstaltung besteht aus drei Blöcken, die in jeweils 3-4 Wochen behandelt werden. Im ersten Block geht es vornehmlich um die Vermittlung von Grundlagen. Dazu gehören nicht nur Fakten, sondern vor allem das Einüben der eigenständigen Recherche, d.h. die Fähigkeit sich verlässlich den Stand eines Forschungsgebietes selbst zu erarbeiten.
Der erste Block widmet sich der Frage „Was ist Aktivismus?“ Dazu wird anhand von zwei Vorträgen in das Thema eingeführt. Anschließend berichten Gäste von konkreten Erfahrungen in ihrer Arbeit als Aktivisti und stehen im Anschluss für ein Gespräch zur Verfügung
Der zweite Block zielt darauf ab zu üben, wie man eigene Recherche zu komplexen Themen daraufhin überprüfen kann, ob das sich ergebende Bild einigermaßen tragfähig und ausbalanciert ist. Hier kommen Rollenspiele zum Einsatz. Sie dienen einerseis dazu, das akademische Frage-Antwort Spiel einzuüben; andererseits soll die Resilienz in Gesprächssituationen gestärkt werden, die sich wergeben können wenn die Gesprächspartner sich nicht mehr auf einen einheitlichen Begriff dessen einigen können, was ein akzeptables Argument sein könnte.
Der dritte Block steht ganz unter dem Zeichen der Projektarbeit. Als Projektvorschlag steht die Verbesserung des Energiemanagements and er Universität Regensburg im Raum. Ein einführender Vortrag wrid die Hörer über die aktuelle Situation in Kenntnis setzen und eine erste Lageanalyse anbieten. Im Anschluss daran arbeiten die Studierenden an einer vertieften Analyse, planen praktikable Maßnahmen und setzen diese im Anschluss auch um.
| 16. April | 0.1 - Einführung | Prof. Ferdinand Evers, Dr. Adrian Seith (Laborleitung/Moderation) |
Erster Block - Was ist Aktivismus? | ||
| 30. April | 1.1 - Grundlagen des Aktivismus | (N.N.) |
| 07. Mai | 1.2 - Rechtssituation und erster Erfahrungsbericht | (N.N.) |
| 21. Mai | 1.3 - Erfahrungsberichte | (N.N.) |
Zweiter Block - Rechercheübungen | ||
| 28. Mai | 2.1 - Recherche Übung: Führende politische Trends weltweit | Prof. Ferdinand Evers, Dr. Adrian Seith (Laborleitung/Moderation) |
| 11. Juni | 2.2 - Kurze Analyse führender politischer Trends weltweit | Prof. Ferdinand Evers, Dr. Adrian Seith (Laborleitung/Moderation) |
| 18. Juni | 2.3 - Hält das selbstrecherchierte Bild dem Expertentest stand? | (N.N.) |
Dritter Block - Projektarbeit | ||
| 25. Juni | 3.1 Warum geschieht nichts? | (N.N.) |
| 2. Juli | Strategien und konkrete Maßnahmen | Prof. Ferdinand Evers, Dr. Adrian Seith (Laborleitung/Moderation) |
| 9. Juli | Zwischenbericht Projektarbeit | Prof. Ferdinand Evers, Dr. Adrian Seith (Laborleitung/Moderation) |
| 16. Juli | Projektabschluss | Prof. Ferdinand Evers, Dr. Adrian Seith (Laborleitung/Moderation) |
Kaldewey, David (2025): Die Krise der Faktizität, revisited: Wissenschaftsskepsis und Wissenschaftskommunikation im Kontext der COVID-19-Pandemie. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 50 (1). DOI: 10.1007/s11614-025-00601-w.
Anmerkung: Die Veranstaltung wird sich deutlich vom Practical Activism Conference der University of California unterscheiden. Weiterhin enthält sie sich jeder parteipolitischen Dimension.
Lecturers:
Prof. Dr. Ferdinand Evers
Dr. Jan Wilhelm
Institute of Theoretical Physics
University of Regensburg
Universitätsstraße 31
D-93053 Regensburg