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Die Mistel - Zwischen Himmel und Erde

Zahlreiche Neugierige lockt heuer die Ausstellung Samen – Schätze der Menschheit des Lehrstuhls für Ökologie und Naturschutzbiologie in die Universitätsbibliothek Regensburg, um die Vielfalt und Schönheit von Samen sowie deren Bedeutung für die Menschheit zu bewundern. Eine Pflanze erregte nicht nur hinsichtlich ihrer raffinierten Fortpflanzungsmethode unsere Aufmerksamkeit: die Mistel.

Bereits um die Jahrhundertwende hat der Pseudo-Epiphyt als Weihnachtsschmuck ausgehend von England und Frankreich vehementen Einzug in unsere Wohnzimmer gehalten, so dass das Hamburger Fremdenblatt im Dezember 1906 ob der neuen Sitte klagte: „Der Bedarf [an Misteln] ist zehnmal größer als der der deutschen Weihnachtsbäume. Ganze Häuser werden vermistelt.“

Auch die Kunst jener Zeit wurde auf die ungewöhnliche Pflanze aufmerksam und wusste sie geschickt – nicht zuletzt wegen ihrer symbolistischen Bedeutung –  für Alltagsgegenstände und Kleinkunst im Jugendstil zu nutzen.

Man darf wohl zu Recht vermuten, dass die neuzeitliche Beliebtheit der grünen Zweige mit der Gelegenheit eines Kusses einhergeht. Die Bedeutsamkeit der Mistel reicht jedoch bis in antike Zeiten und Mythen zurück.

Die Mistel hat es nicht nur Druiden, Helden oder Medizinern in vergangenen Zeiten schwergemacht, ihre mannigfache Bedeutung zu erfassen. An diesem Zustand hat sich auch heute nicht viel geändert: Tubeuf zählte in seiner Monographie im Jahre 1923 bereits mehr als 200 Abhandlungen über jenen Halbschmarotzer. Daher fügen wir unserer Weihnachtskarte, wie gewohnt, einen kurzen Flyer zum Einlesen bei. Zur vertieften Lektüre haben wir für Sie eine Auswahl an weiterführender Literatur im Quellenverzeichnis zusammengestellt.

Als Kartenmotiv wählten wir dieses Jahr einen Kupferstich von Pierre-Joseph Redouté aus dem Jahre 1800 aus, der die gebräuchlichste Mistelart zeigt, die weißbeerige Mistel (viscum album).

Die Universitätsbibliothek Regensburg wünscht Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein glückliches und gesundes neues Jahr, erholsame Tage, ersprießliche Lektüre und liebenswürdige Begegnungen unter dem Mistelzweig!


Pierre-Joseph Redouté: Viscum album commune

Unser Kartenmotiv 2019: Pierre-Joseph Redouté: Viscum album commune. Gui blanc commun. In: Henri Louis Duhamel du Monceau: Traité des arbres et arbustes que l'on cultive en France. 2. Aufl. Paris [1800]. Bd. 1. Tab. 26. S. 87. Universitätsbibliothek Regensburg. Dauerleihgabe Regensburgische Botanische Gesellschaft.


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