Zu Hauptinhalt springen

Drittmittelprojekte

Hier finden Sie eine übersicht über aktuelle und vergangene Drittmittelprojekte des Lehrstuhls für die Ökonomie des öffentlichen Sektors. Bei Fragen zu den einzelnen Projekten wenden Sie sich bitte direkt an die Projektmitarbeiter*innen. 


Die Zukunft der Rente zwischen Demographie und Altersarmut

Projekttitel

Die Zukunft der Renten zwischen Demographie und Altersarmut - Eine dynamische Gleichgewichtsanalyse mit differentieller Sterblichkeit und heterogenen Haushalten

Finanziert Durch

Fritz-Thyssen Stiftung

Projektvolumen

150 000 Euro

Projektmitarbeiter*innen

Prof. Dr. Fabian Kindermann
Veronika Püschel, M.Sc.

Projektbeschreibung

Steigende Lebenserwartung und niedrige Geburtenraten bedrohen zunehmend die Finanzierung des umlagefinanzierten Rentensystems in Deutschland. Die Politik hat deshalb Reformen eingeleitet, welche mittelfristig das Rentenniveau absenken und das Renteneintrittsalter erhöhen sollen. Jedoch besteht in der aktuellen Diskussion die Sorge, dass diese Reformen einen drastischen Anstieg der Altersarmut zur Folge haben könnten. Das beantragte Projekt widmet sich daher der Thematik der Altersarmut in Deutschland und insbesondere der Frage, ob und wie diese ökonomisch sinnvoll eingedämmt werden kann. 

Dazu sollen zunächst die Determinanten einer steigenden Altersarmut dokumentiert werden. Insbesondere wird untersucht, inwiefern demographische Trends, wie die ungleiche Entwicklung in Lebenserwartungen und der Wandel hin zu weniger steten Familienstrukturen, zusammen mit den institutionellen Rahmenbedingungen der Rentenversicherung eine Verschärfung der Altersarmutsproblematik zur Folge haben. Neue adminstrative Daten der Deutschen Rentenversicherung erlauben es uns, das Rentenzugangsverhalten und die Einkommenssituation im Alter von Personen mit unterschiedlichen demographischen Charakteristika zu dokumentieren, besondere Risikogruppen herauszuarbeiten und die Frage zu klären, ob unter den derzeitigen demographischen Gegebenheiten die offiziell postulierte Teilhabeäquivalenz nicht durchbrochen wird und in Wahrheit eine regressive Verteilung stattfindet.

Die gewonnenen empirischen Befunde sollen anschließend unter Zuhilfenahme eines strukturellen ökonomischen Entscheidungsmodells unter Unsicherheit interpretiert werden. Dieses Modell ermöglicht eine realistische Abbildung von Einkommensrisiken während des Erwerbslebens und eine differenzierte Berechnung der bei Rentenzugang fälligen Rentenzahlung. Gegenüber bislang vorliegenden Studien ähnlichen Typs beinhaltet es verschiedene methodische Innovationen. Einerseits wird Heterogenität innerhalb einer Kohorte in einer bislang noch nicht gekannten Differenzierung abgebildet, indem Männer, Frauen und Ehepaare getrennt nach Einkommensklassen und Kinderzahl unterscheiden werden. Andererseits erweitert das Modell den gängigen Lebenszyklusansatz um extensive Arbeitsangebotsentscheidungen, die Modellierung von Gesundheit und Erwerbsunfähigkeit sowie Unterschiede in der Lebenserwartung. Das strukturelle Modell soll einerseits dabei helfen, Aussagen über verheiratet Ehepaare zu treffen, die in der Datenstichprobe der Rentenversicherung nicht direkt identifiziert werden können. Andererseits dient es als Grundlage für eine ausführliche Politikanalyse. Dazu wird das Lebenszyklusmodell schlussendlichen in einen allgemeinen Gleichgewichtsrahmen eingebettet, der die Beurteilung von Verteilungs- und Effizienzwirkungen unterschiedlicher Rentenreformen erlaubt, wie beispielsweise eine Erhöhung der Progressivität der Rentenformel und/oder eine Flexibilisierung des Renteneintritts.


Modelle begrenzter Rationalität und Umverteilung im Kontext der Rente

Projekttitel

Modelle begrenzter Rationalität und Umverteilung im Kontext der Rente

Finanziert Durch

Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projektvolumen

479 888 Euro

Projektmitarbeiter*innen

Prof. Dr. Fabian Kindermann
Dr. Johannes Huber

Auslandskooperationen

Prof. Krzysztof Makarski (Warsaw School of Economics and GRAPE)
Prof. Joanna Tyrowicz (University of Warsaw and GRAPE)

Projektbeschreibung

Können sich Individuen gut genug auf Ihren Ruhestand vorbereiten? Unterstützt der Staat das Sparen für das Alter in ausreichendem Maße? Sind Annuitätenverträge das optimale Finanzprodukt für die Absicherung des Lebensabends? Dies sind fundamentale und drängende Fragen in Zeiten, in denen die öffentlich finanzierten Rentensysteme unter enormem demographischen Druck stehen. 

Das Standardmodell der Makroökonomik über die Lebenszyklusersparnisse von Haushalten würde alle diese Fragen mit einem klaren "JA!" beantworten. Jedoch stehen zwei wesentliche empirische Fakten im Kontrast zu diesen Modellvorhersagen. Erstens hängt ein Großteil der Individuen ihrem optimalen Vorsorgesparplan hinterher. Und zweitens sind Annuitätenverträge kaum zu beobachten. Das Ziel dieses Projekts ist es, diese Phänomene besser zu verstehen und dabei zur makroökonomischen Literatur über das Sparverhalten von Haushalten für die Rente beizutragen. 

Wir werden uns mit Verhaltensmustern beschäftigen, die man als "beschränkte Rationalität" bezeichnet. Diese Bezeichnung steht für eine Vielzahl von verhaltensökonomischen Phänomenen, die dazu führen, dass wir uns entgegen unserer eigenen Interessen verhalten bzw. diese nicht vollständig verstehen. Wir werden uns zudem mit dem empirischen Fakt befassen, dass sich Individuen mit höherer Bildung und höherem Einkommen einer weit höheren Lebenserwartung gegenübersehen als solche ohne Hochschulabschluss und mit geringeren Lebenseinkommen. 

Im Zentrum dieses Projekts steht die Entwicklung eines Simulationsmodells, das beschränkt rationale Verhaltensmuster explizit berücksichtigt. Mit diesem soll anschließend die Wirkungsweise der sog. 401(k)-Konten der USA analysiert werden. Dieses große Staatsprogramm zur Förderung von Altersersparnissen wurde bereits in den 1970er Jahren aufgelegt, weshalb bereits längere Datenreihen vorliegen. Zudem gibt es in den USA zahlreiche detaillierte Daten zum individuellen Sparverhalten. Schließlich existiert auch eine größere empirische Literatur über die Wirkungsweise der 401(k)-Konten, deren Ergebnisse jedoch wenig eindeutig sind. Wir hoffen, mit Hilfe eines strukturellen Modells hier Klarheit zu schaffen. 

Zudem soll untersucht werden, ob das 401(k)-Programm die Vermögensungleichheit der USA beeinflusst hat und ob es Altersarmut erfolgreich bekämpfen kann. In einem weiteren Schritt werden die Zielkonflikte einer verpflichtenden Annuisierung von Altersersparnissen bei heterogenen Lebenserwartungen hinsichtlich individueller Wohlfahrt und ökonomischer Ungleichheit beleuchtet. Schlussendlich soll in einem politökonomischen Rahmen den politischen Ursprüngen des 401(k) Programms auf den Grund gegangen werden. Aktuell haben fast alle Länder der OECD ein oder mehrere Programme zur steuerlichen Förderung der Altersvorsorge im Sinne des 401(k). Die politökonomische Literatur hat sich hingegen vornehmlich auf die Mechanismen hinter der Existenz öffentlicher Rentensysteme konzentriert.



  1. FAKULTÄT FÜR WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN
  2. Institut für Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie

Lehrstuhl für VWL, Ökonomie des öffentlichen Sektors

Prof. Dr. Fabian Kindermann 

   

Wirtschaft

Sekretariat:

Telefon +49 941 943 2712
Fax +49 941 943 812711
sekretariat.kindermann@ur.de

Mo-Do, 9-11.30 Uhr