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Forschungsgebiete des Lehrstuhls

      

Die Forschungsgebiete des Lehrstuhls liegen im Familien- und Erbrecht in dogmatischer, rechtsvergleichender und transdiziplinärer Perspktive sowie in der Deutschen und Europäischen Rechtsgeschichte seit 1750 bzw. der Juristischen Zeitgeschichte. Im Bereich der Rechtsgeschichte/Juristischen Zeitgeschichte wurden/werden folgende von externen Förderern unterstützten Forschungsprojekte durchgeführt:

      


Europäisches Zivilrechtsdenken der Zwischenkriegszeit

Förderung: DFG (Tagungsförderung)

Die zivilrechtliche Entwicklung im Europa der Zwischenkriegszeit bildet das Fundament, auf dem die Entwicklung im westlichen Teil Mitteleuropas nach 1945/49, im östlichen Teil Mitteleuropas nach 1989/90 aufbaut. Das Zivilrechtsdenken und die daraus hervorgegangenen Gesetze und Gesetzentwürfe der Zwischenkriegszeit stehen an einer Schwelle. Einerseits sind sie die vielleicht letzten großen Leistungen des Zeitalters der liberalen Zivilrechtskodifikationen, das mit dem französischen Code Civil begonnen hatte, andererseits lassen sich auch bereits soziale oder paternalistische Tendenzen verspüren, die den Übergang zum heutigen sozialen Privatrecht markieren. Die europäische Zivilrechtswissenschaft zeichnet sich überdies durch hohe Qualität aus und verdient auch deshalb eine intensive wissenschaftliche Bearbeitung.

Publikationen:

Löhnig/Preisner (Hrsg.), Weimarer Zivilrechtswissenschaft, Tübingen 2014

Löhnig, Comparative Law and Legal History: A Few Words about Comparative Legal History, in: Adams/Heirbaut (eds.), The Method and Culture of Comparative Law, Oxford (Hart) 2014

Löhnig/Wagner, Nichtgeborene Kinder des Libaralismus? Zivilgesetzgebung im Mitteleuropa der Zwischenkriegszeit [in Vorbereitung]

  


Bürgerliches Recht im nachbürgerlichen Zeitalter

Förderung: DFG (Tagungsförderung)

Das europäische Privatrecht hat sich in den letzten 100 Jahren vom Liberalen Privatrecht zum Sozialen Privatrecht entwickelt. Die Grundlagen hierfür wurden im deutsch-französisch-italienischen Diskurs der Zwischenkriegszeit gelegt. Weitere maßgebliche Impulse erfolgten im Faschismus und im Zuge der Europäischen Integration der drei Staaten nach 1945. Die Genese des heutigen Sozialen Privatrechts soll als Basis für weitere Forschungen erstmals umfassend analysiert werden.

Publikationen:

Löhnig, Zur Geschichte des Verbraucherrechts vom Abzahlungsgesetz (1894) bis zum Ausbruch der großen Verbraucherschutzdebatten der 1960er Jahre, in: Kannowski/Schmidt-Kessel (Hrsg.), Geschichte des Verbraucherrechts, Jena 2017, S. 91

    


Das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch von 1861 als gemeines Obligationenrecht in Mitteleuropa?

Förderung: DFG (Tagungsförderung)

Das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch von 1861 gilt in nahezu allen Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes, darüber hinaus auch in den nicht zum Deutschen Bund gehörenden Gebieten des Kaisertums Österreich und des Preußischen Königtums. Außerdem steht es nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1866 Pate für das Ungarische Handelsgesetzbuch von 1875, das seinerseits das Handelsgesetzbuch für Bosnien-Herzegowina von 1883 prägt. Auch der Schweizerische Entwurf eines Handelsrechts von 1864 und der italienische Codice di commercio von 1882 werden durch das ADHGB beeinflusst. Da die Vorschriften für Handelsgeschäfte (Art. 271 ff. ADHGB) auch dann Anwendung finden, wenn nur einer der beiden Vertragspartner eine kaufmännische Tätigkeit ausübt (Art. 277 ADHGB), erfasst das ADHGB in der Praxis eine Vielzahl der Fälle und tritt an die Stelle das jeweils einschlägigen Schuldrechts, das nur noch bei Geschäften unter Nichtkaufleuten zum Zuge kommt. Angesichts der im 19. Jahrhundert bestehenden Rechtszersplitterung verdrängt das ADHGB auf diese Weise ab 1861 die partikularen Obligationenrechte und sorgt im alltäglichen Leben für Rechtseinheit und Rechtssicherheit.

Publikationen:

Löhnig/Wagner, Das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch von 1861 als gemeines Obligationenrecht in Mitteleuropa [in Vorbereitung]

   


High Courts under Nazi occupation

Förderung: DFG (Tagungsförderung)

Wie kann die justiz den Primat des Rechts gegen politische Einflussnahme verteidigen? Diese Frage ist so alt wie Rechtsstaatlichkeit und unabhängige Justiz selbst. Einen wichtigen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage kann der vergleichende Blick auf Höchstgerichte in Europa in einer Zeit höchster Bedrohung, nämlich zur Zeit der Besetzung während des Zweiten Weltkriegs, leisten.

Publikationen:

Löhnig/Brahy, "Hüterin der politischen Struktur des Landes“ – Zur Rolle der Justiz im besetzten Belgien 1940–1944, ZNR 34 (2012), 246

Löhnig/Preisner, Das Haager Kriegsvölkerrecht - Scheitern und Ruhm, in: Löhnig/Preisner/Schlemmer (Hrsg.), Krieg und Recht, Regenstauf 2014, S. 9

    


Rechtsvereinheitlichung trotz Rechtsbindung? - Die Rechtsprechung des Reichsgerichts zu den Partikularrechten 1879-1899 

Förderung: Exzellenzcluster 16 "Kulturelle Grundlagen von Integration" an der Universität Konstanz (EXC16) (abgeschlossen)

Mit dem am 1. Oktober 1879 in Leipzig eröffneten Reichsgericht wurde im Deutschen Reich ein reichseinheitliches Höchstgericht eingeführt. Mit der Schaffung dieses Gerichts korrespondierte jedoch nicht die Schaffung eines reichseinheitlichen Zivilrechts. Das bis heute geltende Bürgerliche Gesetzbuch trat vielmehr erst zum 1. Januar 1900 an die Stelle zahlreicher Partikularrechte und des Gemeinen Rechts. Martin Löhnig untersucht, wie das Reichsgericht mit dieser Rechtszersplitterung umgegangen ist. Hat das Gericht die Rechtsvielfalt bewahrt? Oder hat es Rechtsvereinheitlichung durch Rechtsprechung betrieben und dadurch zur inneren Reichsgründung beizutragen versucht? Und falls ja, mit welchen Mitteln und in welchen Bereichen?

Publikationen:

Löhnig, Rechtsvereinheitlichung durch Rechtsprechung? Zur Judikatur des Reichsgerichts 1879-1899, Tübingen 2012 = La aportación del Tribunal Supremo de Alemania al proceso de unificación civil. Un análisis de su jurisprudencia (1879-1900), Dykinson, Madrid 2017 [im Erscheinen]

Löhnig, Entwicklungspfade des Deliktsrechts: Zur Anwendung des österreichischen ABGB durch das deutsche Reichsgericht, ZEuP 2011, 890

Löhnig, Killing Legal Complexity - The jurisdiction of the German Reichsgericht in the first years of its existence, in: Donlan/Heirbaut, The Laws' Many Bodies, Berlin 2015, 249

Löhnig, Generalklauseln in der Rechtsprechung der österreichischen Senate des Reichsgerichte, RGÖ 2017 [im Erscheinen]

   


Entnazifizierung nationalsozialistischen Rechts - Zum Umgang mit Rechtsnormen aus den Jahren 1933-1945 in der Rechtsprechung nach 1945

Förderung: DFG im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes (abgeschlossen)

Nach 1945 galten weiterhin zahlreiche Rechtsnormen aus den Jahren 1933 - 1945, die auf Grundlage der nationalsozialistischen Ideologie erlassen wurden und weltanschauliche Wertungen etwa zum Wesen der Ehe erforderten. Untersucht wird, wie erstinstanzliche Richter im Wertevakuum der unmittelbaren Nachkriegszeit mit derartigen Normen umgegangen sind und wie sich in der Anwendung dieser Normen bis 1949 die Re-Ideologisierung und Spaltung Deutschlands bis hin zur Gründung zweier deutscher Staaten spiegelt.

Publikationen:

Löhnig, Ehelichkeitsanfechtung durch den Staatsanwalt (1938 - 1961), ZRG (Germ) 124 (2007), 323

Löhnig, Scheidungsalltag an einem erstinstanzlichen Gericht vor und nach dem „Zusammenbruch“: Die Amberger Scheidungsakten der Jahre 1944-1946, ZRG (Germ) 125 (2008), 501

Löhnig, Die Justiz als Gesetzgeber: Zur Anwendung nationalsozialistischen Rechts in der Nachkriegszeit, Regenstauf 2010

Löhnig (Hrsg.), Zwischenzeit - Rechtsgeschichte der Besatzungsjahre, Regenstauf 2011

Birndorfer, Der erstinstanzliche Prozessalltag 1938 bis 1949 anhand der Ehescheidungsakten des Landgerichts Amberg, Regenstauf 2013 (Rechtskultur Wissenschaft).

Sonnenschein, Entnazifizierung nationalsozialistischen Arbeitsrechts - Die Rechtsprechung nordrhein-westfälischer Arbeitsgerichte 1945-1949, Regenstauf 2014 (Rechtskultur Wissenschaft)

Löhnig, Re-Education by jurisdiction: On enforcing a Christian-occidental understanding of marriage in Western Germany after 1945, HSE (Historia Social y de la Educación / Social and Education History) 3 (2014), 133

Löhnig, Breaking with bourgeois rules and traditions: The divorce files of Eastern German courts in the late 1940es, Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis, 2015, 538

Löhnig, Neue Zeiten - Altes Recht: Die Anwendung von NS-Gesetzen durch deutsche Gerichte nach 1945, De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2017 [im Erscheinen]

Ascher, Die Anwendung nationalsozialistischen Arbeitsrechts in der amerikanischen Besatzungszone, Regenstauf 2017 (Rechtskultur Wissenschaft) [im Erscheinen]

  


Das Bayerische Konkordat von 1924

Förderung: Stiftung des Bayerischen Volkes; Stiftung Die besten Köpfe für die Universität Regensburg

Der Entstehungsprozeß des Konkordats von 1924 liegt noch im Dunkeln, obschon dieser Vertrag die Rechtsstellung der katholischen Kirche in Bayern bis heute regelt. Die entsprechenden Quellen sind freilich vollständig erhalten. Erst bei einer Gesamtschau auf den Verhandlungsprozeß läßt sich nachzeichnen, wie der Inhalt der 16 Artikel des Konkordats zustande kam, die das Verhältnis zwischen dem Freistaat Bayern und der Katholischen Kirche bis heute bestimmen. Erst auf dieser Grundlage ist es möglich herauszuarbeiten, welche Kompromisse die Verhandlungsparteien bei den unterschiedlichen Regelungen eingegangen sind, welche Punkte sie für besonders wichtig erachtet haben, welche Verhandlungsstrategien sie gewählt haben und wie sie ihre Verhandlungsmacht wechselseitig einschätzten.

Publikationen:

Löhnig/Preisner, "Möglichst viele vollendete Tatsachen schaffen", Zur Geltung und Fortgeltung des Bayerischen Konkordates von 1924, ZRG (Kan) 97 (2011), 219

     


200 Jahre Bayerisches Strafgesetzbuch von 1813

Förderung: Stiftung des Bayerischen Volkes, Wilhelm H. Ruchti-Stiftung (abgeschlossen)

Das 1813 in Kraft getretene Bayerische Strafgesetzbuch markiert den Beginn der modernen deutschen Strafgesetzgebung. Seinem Verfasser Paul Johann Anselm v. Feuerbach (1775–1833) brachte dieses Werk den Ruhm als Begründer der modernen, rechtsstaatlichen Strafrechtswissenschaft in Deutschland ein. Trotz des vordergründigen schnellen Scheiterns des Bayerischen Strafgesetzbuchs sind viele seiner Wesenszüge zum Vorbild für spätere Kodifikationen geworden und gelten bis heute als Prüfsteine für die Modernität von Strafrechtskodifikationen. Analysiert werden aus interdisziplinärer Perspektive die geschichtlichen und rechtsphilosophischen Hintergründe sowie der dogmatischen Gehalt des Bayerischen Strafgesetzbuchs von 1813.

Publikation:

Koch/Kubiciel/Löhnig/Pawlik (Hrsg.), Feuerbachs Bayerisches Strafgesetzbuch - Die Geburt rationalen, modernen und liberalen Strafrechts, Tübingen 2014



  1. Fakultät für Rechtswissenschaften
  2. Bürgerliches Recht

Forschung

Prof. Dr. Martin Löhnig

Labor

RW (L) 023
++49 941/943-2624
++49 941/943-2603 (Fax)