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„Hier Welle Erdball“ − 100 Jahre Hörspiel International

Online-Symposium
„‚Hier Welle Erdball‘ − 100 Jahre Hörspiel International“

Samstag, 24. September und Sonntag, 25. September 2022

Leitung & Organisation: Dr. Dieter Lohr
Veranstaltungsort: VG 0.02 (Vielberth-Gebäude, Universität Regensburg) und online

Teilnahme: Der Link zum Workshop wird allen Interessierten nach einer formlosen E-Mail an dieter1.lohr@ur.de zugeschickt.

Konferenzsprache ist Englisch/Conference language is English


Beschreibung/Description

Hörspiele werden selten übersetzt, aufgrund ihrer Flüchtigkeit kaum in Feuilletons besprochen und von der Forschung nur in dem Sprachraum berücksichtigt, in dem sie ursprünglich gesendet wurden. Das Resultat ist, dass verschiedenartigste Hörspiel-Parallelwelten existieren, ohne einander zu kennen oder zuweilen sogar voneinander zu wissen.

Die internationale Tagung „‚Hier Welle Erdball‘ – 100 Jahre Hörspiel International“ bringt Medien- und Literaturwissenschaftler:innen, Autor:innen und Radiomacher:innen aus fünf Kontinenten zusammen, um einerseits diese kulturhistorische Lücke zu schließen und um andererseits einen interkulturellen Vergleich zu inspirieren. Ziel dieses Austausches ist zumindest die Skizzierung einer „globalen Hörspiellandkarte“, womöglich sogar einer „globalen Hörspielgeschichte“, die parallele und gegenläufige Entwicklungen aufzeigt und einander ähnelnde Tendenzen aufgrund politischer oder gesellschaftlicher Gegebenheiten und bisher unberücksichtigte gegenseitige Einflussnahmen beleuchtet. Bislang brachliegende Anknüpfungspunkte sind durchaus vorhanden:

  • Die Vorgeschichte des Hörspiels war insofern eine ausgesprochen internationale Angelegenheit, als um die Erfindung seines Mediums, des Radios, ein regelrechter Erfinderwettstreit im Gange war, der teilweise noch bis in die Gegenwart nachwirkt.
  • Die Frage, wann, wo und von wem das erste „richtige“ Hörspiel gesendet wurde, wurde in der Literatur lange Zeit entsprechend kontrovers diskutiert.
  • Die in Hörspielen verarbeiteten Themen sind dem Zeitgeist und „Moden“ unterworfen, die auch über Ländergrenzen hinweg zuweilen auffällige Parallelen aufweisen, zuweilen allerdings ebenso auffällig gegenläufig sind.
  • Dasselbe gilt für die Machart von Hörspielen, beispielsweise die Verwendung von Hintergrundgeräuschen, den Einsatz von Musik, die Anzahl der Sprecher:innen.
  • Diese inhaltlichen und formalen Gegebenheiten sind stark von politischen und gesellschaftlichen Zeitumständen des jeweiligen Landes abhängig, vom Stand der Technik, von wirtschaftlichen Voraussetzungen, Kriegen, Demokratisierungsprozessen, vom Wechsel politischer Systeme.
  • Überregional bekannte Schriftsteller:innen können Verbindungen zwischen verschiedenen Hörspielkulturen und einen lohnenden Ansatz zur Forschung darstellen.
  • Auch einzelne Hörspiele können überregionale Popularität und Relevanz erzielen. Orson Welles‘ Hörspielmeilenstein »The War of the Worlds« aus dem Jahr 1938 erfuhr über die Jahrzehnte hinweg zahlreiche Remakes in mehreren Ländern der Welt, angepasst an regionale und Zeitgeistumstände. Auch hier wären Trendlinien zu vermessen.

Zahlreiche weitere Fragen wären von Forschungsinteresse: Wie entwickelte sich das Hörspiel und welche Rolle spielt es in Regionen, in denen Analphabetismus weit verbreitet ist? Oder in Ländern, in denen das literarische Geschehen traditionell stark von staatlicher Zensur geprägt ist? Oder dort, wo der Rundfunk von Kolonialherren importiert wurde und wo dennoch in der Landessprache gesendet wird?

Am Ende des Hörspieljahrhunderts steht wiederum eine große Gemeinsamkeit, womöglich die größte seit der Erfindung des Hörspiels: Das Radio verliert weltweit in dem Maß an Bedeutung, in dem das Internet an Bedeutung gewinnt.

Welche Konsequenzen hat dies für das Hörspiel, und wie sieht seine Zukunft aus? Wird es als literarische Gattung aussterben, wird es vom Radio ins Internet abwandern, vom professionellen in den Amateurbereich? Wird es durch den Podcast ersetzt? Lassen sich hier länder-, sprach- und kulturübergreifende Gemeinsamkeiten erkennen, oder tun sich neue Unterschiede auf?

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Due to their ephemeral nature radio dramas are rarely translated, rarely reviewed in feature articles, and only considered by scholars in the language area in which they were originally broadcast. The result is that a wide variety of parallel worlds of radio dramas exist – at times even without knowing about each other.

The international conference “’This is Channel Earth’ –100 Years of Radio Drama International” brings together media and literary scholars, authors and radio producers from five continents, on the one hand to close this cultural-historical gap and on the other hand to inspire an intercultural comparison. The aim of this exchange is at least to outline a “global radio drama map”, possibly even a “global radio drama history”, which shows parallel and opposing developments and illuminates similar tendencies and mutual influences that have so far not been considered. Hitherto unused points of contact are definitely available:

  • The prehistory of the radio drama was a decidedly international affair insofar as there was a veritable inventor's competition about the invention of its medium, the radio, which in part still has an impact today.
  • The question of when, where and by whom the first “real” radio drama was broadcast has long been a controversial topic in the literature.
  • The topics dealt with in radio dramas are subject to the zeitgeist and “fashions”, which sometimes show striking parallels across national borders, but sometimes are just as strikingly opposite.
  • The same applies to the make of radio dramas, for example the use of background noises, the use of music, the number of speakers.
  • These content-related and formal conditions are strongly dependent on the political and social circumstances in the respective country, on the state of technology, on economic conditions, wars, democratization processes, on the change of political systems.
  • Internationally known writers can provide connections between different radio drama cultures and a worthwhile approach to research.
  • Even individual radio dramas can achieve supra-regional popularity and relevance. Orson Welles’ 1938 radio drama milestone “The War of the Worlds” has been remade numerous times over the decades in several countries around the world, adapted to regional and zeitgeist circumstances. Here, too, trend lines would have to be measured.

Numerous other questions would be of research interest: How did radio drama develop and what role does it play in regions where illiteracy is widespread? Or in countries where literary life is traditionally strongly influenced by state censorship? Or in places where radio was imported by colonizers and yet is broadcast in the local language?

At the end of the radio drama century, there is once again a great commonality, possibly the greatest since the invention of the radio drama: radio is losing importance worldwide to the same extent that the internet is gaining in importance.

What consequences does this have for radio drama, and what does its future look like? Will it die out as a literary genre, will it migrate from radio to the Internet, from the professional to the amateur sector? Will it be replaced by the podcast? Can we identify commonalities across countries, languages and cultures, or are new differences emerging?


Abstracts der Vorträge und Kurzbios der Vortragenden

coming soon

Programm

coming soon

  1. Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
  2. Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK)

Medienwissenschaft


Sekretariat | PT 3.0.58
Renate Vogl
Tel. +49 941 943-3420
Fax +49 941 943-4912
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93053 Regensburg