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Auswahl von Imre Tóth´s Collagen

Collage

Die älteste bekannte Collage Imre Tóths aus dem Jahr 1949. Der ungarische Text geht darauf ein, dass die Theologie jahrhundertelang den Versuch unternommen hat, Wissenschaft und Philosophie für ihre Zwecke zu beeinflussen. Es befindet sich in Privatbesitz.

Ein Turm mit wissenschaftlichen Ausdrücken, daneben ein Kleriker, der sich abmüht ein sich wehrendes Holzpferd in den Turm zu führen.


Je suis jeu

Diese auf einer Werbeanzeige beruhende Collage geht nur vordergründig auf eine ordinäre Sexualität ein, vielmehr entwachsen der Banane tanzende Beine, auf denen der Kopf einer Statue des Philosophen Platons balanciert. Platon wandelt das berühmte Diktum Descartes ab, wonach nun der Tanz seine Existenz garantiere, nicht mehr allein das Denken. Es handelt sich um einen Tanz des Geistes, also einer Verbindung von Körperlichkeit und Geistigkeit, die in dem Denkansatz Descartes' vielleicht zu kurz kam.

Eine halb geöffnete Banane, aus der Frauenbeine herauskommen. Am Knie eines Beines ist eine Büste des Philosophen Platon angebracht. Darüber die Anleihe bei Descartes:


Haymeric le Gnostiq

Diese Collage mit dem Kürbis hat Tóth 1984 gefertigt.

Collage mit Kürbis


Haymeric le Gnostiq [2]

Tóths Spitzname Haymeric le gnostiqe ("Emmerich der Gnostiker") spielt auf seinen Erkenntnisdrang an. Dieses Bild wurde 1968 in Bukarest gefertigt und thematisiert eine der Forschungsleistungen Tóths, mit der er 1966 an die Öffentlichkeit trat. Anhand einer Analyse der Schrift "Elemente" des griechischen Mathematikers und Philosophen Euklid von Alexandria hatte Tóth festgestellt, dass die antiken Griechen bereits Kenntnis von sog. nicht-euklidischer Geometrie haben mussten, d.h. einer Geometrie, in der die Winkelsumme im Dreieck von 180 Grad abweicht. In populärer Aufmachung veröffentlichte er seine These 1969 im "Scientific American".

Abstraktes Portrait


Immaculé conception

Ausführlich trägt diese Collage den Titel "Immaculé conception: La Géométrie non-Euclidienne sortant, toute armée, de la Tête d'Aphrodite de Cnide" und stammt aus dem Jahr 1981. Thema der Collage ist die Entstehung der nicht-euklidischen Geometrien. Hierzu wählte er eine Statue der Aphrodite aus dem Jahrhundert, in dem Euklid seine Erkenntnisse fand. Nach Vittorio Hösle besteht die "zündende Bildidee" darin, "die durch die Hand der Göttin verdeckte Scham als hyperbolisches Dreieck zu konzipieren". Der Titel spielt sowohl auf die christliche Lehre der unbefleckten Empfängnis an, als auch auf den antiken Mythos der Geburt der Athene, die dem Kopf des Gottes Zeus entsprang. Ausführliches dazu in dem Band "Imre Tóth (1921–2010) und die Institutionalisierung der Wissenschaftsgeschichte an der Universität Regensburg", Regensburg, Universitätsverlag Regensburg, 2021, S. 88-89.

Torso einer Statue der Götting Aphrodite mit Winkelmaß und einer Darstellung der Raumkrümmung


Leibniz

Die Collage des Künstlers Anthony Hill (1930-2020) ist eine Hommage an seinen langjährigen Freund Tóth, die er ihm 1997 schenkte. Beide führten einen umfangreichen Briefwechsel miteinander, der sich heute in Privatbesitz befindet. Die Tóth sein Leben lang beschäftigende Frage des Gottesbeweises - das Theodizéeproblem - wird hier angesprochen. Leibniz kam zu dem Schluss, wir lebten in der besten aller möglichen Welten, was spätestens nach dem Erdbeben von Lissabon 1755 von Intellektuellen in der ganzen Welt in Zweifel gezogen wurde. Tóth hingegen sah hingegen in Gott das innerweltliche Bewusstsein der Welt, wie er einmal erklärte.

Porträt von Gottfried Wilhelm Leibniz in leichter Verfremdung


Imre Tóth

"Ein Leben zwischen Kunst und Wissenschaft"

Imre Tóth

(1921-2010)

Ausschnitt aus einem griechischen Text von Aristoteles mit Bearbeitungsspuren von Imre Tóth