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Forschung

Derzeitge Forschungsprojekte am Institut für Evangelische Theologie von

  • Prof. Dr. Michael Fricke

  • Apl. Prof. Dr. Thomas Kothmann

  • Pfarrerin Dr. Tatjana Schnütgen, Dipl. Religions- und Gemeindepädagogin

  • Dr. Stephen James Hamilton

werden hier vorgestellt:



Prof. Fricke

Fricke

Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts

Prof. Dr. Michael Fricke

Forschungsprojekte

ELLRU (Effekte leiblichen Lernens im Religionsunterricht)

Diakonisches Lernen

FALKO (Fachspezifische Lehrerkompetenzen)

Explorative Studie zum digitalen Religionsbuch

FALKE-R: Fachspezifische Lehrerkompetenzen im Erklären im Fach Evangelische Religionslehre


ELLRU (Effekte leiblichen Lernens im Religionsunterricht)

Kurzbeschreibung

Stellen Sie sich vor: Religionsunterricht in der 4. Jahrgangsstufe … Thema „Mose am Dornbusch“ … Mose betritt heiligen Boden und zieht die Schuhe aus. Glauben Sie, dass es für die Schüler/innen und ihr Lernen einen Unterschied macht, ob sie barfuß auf einer Decke laufen, unter der kleine Steine und Zweige liegen, oder ob sie sich die Szene rein gedanklich vorstellen? Allgemeiner gefragt: Wie unterscheiden sich im Kontext des Religionsunterrichts „leibliches Lernen“ und Lernen, das auf imaginierter Erfahrung beruht?

Das Unterrichts- und Forschungsprojekt ist eine empirisch-theologische Untersuchung im quasiexperimentellen Design mit dem Ziel, die Qualität und Nachhaltigkeit zweier unterschiedlicher didaktischer Ansätze im Religionsunterricht zu überprüfen. Die Grundfrage ist, welche Lernerfolge sich durch „leibliches Lernen“ erzielen lassen und wie sie sich zu den Lernerfolgen verhalten, die durch das Lernen auf der Basis imaginierter Erfahrung gewonnen werden.

Grundlage sind zwei vierwöchige Unterrichtseinheiten im 4. Jahrgang zu den Lehrplanthemen „Sich nach Freiheit sehnen – Freiheit erleben“ (Mose) und „Nach den Wurzeln des Glaubens suchen – Wege zueinander finden“ (Martin Luther). Der Stand der Kenntnisse und Kompetenzen der Schüler vor und nach den Unterrichtseinheiten wird durch insgesamt vier Fragebögen und eine freie Präsentationsaufgabe erhoben. Rund 25 Lehrkräfte in ganz Bayern mit ihren Religionsklassen beteiligen sich an diesem Unterrichts- und Forschungsprojekt. Sie haben dazu eine spezielle Fortbildung absolviert. Die Studie bezieht ca. 500 Schüler/innen ein.

Forschungsfragen:

1)  Welche Lerneffekte erzielt ein Curriculum, das sich am Paradigma des leiblichen Lernens orientiert, im Religionsunterricht?

1a) Welche Lerneffekte ergeben sich entlang der kognitiven Dimension, d.h. der Kenntnis deklarativer Inhalte, der Empathiefähigkeit (sic!) und der Fähigkeit zum Perspektivenwechsel?
1b)  Welche Lerneffekte ergeben sich entlang der affektiven Dimension, d.h. der Wertzuschreibung an die unterrichteten Inhalte und der Identifikation mit ihnen?
1c)  Welche Lerneffekte ergeben sich entlang der produktiven Dimension, d.h. des kreativen Umgangs mit den Inhalten, deren inhaltliche Weiterentwicklung, sowie der Fähigkeit, die Inhalte auf die Gegenwart zu beziehen?

2)  Wie unterscheiden sich die Lerneffekte des leiblichen Curriculums von den Lerneffekten, die ein Curriculum erzielt, das sich imaginativ mit den Themen auseinandersetzt?

3)  Welche Rolle spielt die Religiosität der Schülerinnen und Schüler für besagte Lerneffekte?

3a)  Welche Rolle spielt die Religiosität der Schülerinnen und Schüler für die Lerneffekte im leiblichen Curriculum?
3b)  Welche Rolle spielt die Religiosität der Schülerinnen und Schüler für die Lerneffekte im imaginativen Curriculum?
3c)  Unterscheidet sich die Rolle der Religiosität der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich der Effektivität zwischen dem leiblichen und dem imaginativen Curriculum?

4)  Welche Nachhaltigkeit zeigen die leibliche Curricula und die imaginativen Curricula? Unterscheiden sich beide in ihrer Nachhaltigkeit?

(Projektbeginn: Februar 2008, Feldphase: September 2008 bis Juli 2009, Projektabschluss: Januar 2010)

Personen und Institutionen

Elisabeth Buck (www.bewegter-religionsunterricht.de)

Prof. Dr. Michael Fricke, Universität Regensburg (michael.fricke@theologie.uni-regensburg.de)

Prof. Dr. Ulrich Riegel, Universität Siegen (ulrich.riegel@uni-siegen.de)

Das Projekt wird an den Universitäten Regensburg und Siegen realisiert und durch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Bayern unterstützt.

 Publikationen

  • Fricke M., Riegel U. (2010a), Leibliches Lernen im Religionsunterricht, in: Zeitschrift Pädagogik und Theologie, Heft 3, 257-266.
  • Riegel U., Fricke M., Macha K. (2010b), Does the body matter? Effects of body-based learning in religious education, in: Journal of Empirical Theology 23/2, 21-38.
  • Fricke M.; Riegel U. (2011a), „Als wir barfuß über den Boden Gottes laufen konnten“. Eine empirische Pilotstudie zum leiblichen Lernen im Religionsunterricht der Grundschule, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (208 S.)
  • Riegel U., Fricke M. (2011b), „Es war schön, wo Gott beim Dornenbusch war“. Elementare Lernwege, um mit Kindern Gotteserfahrungen nachzuspüren, in: Freudenberger-Lötz P., Riegel U. (Hg.), Baustelle Gottesbild (Jahrbuch der Kindertheologie. Sonderband), Stuttgart (erscheint Herbst 2011).

Diakonisches Lernen

Publikationen

Werkbuch Diakonisches Lernen

Michael Fricke/Martin Dorner

Schüler und Schülerinnen wollen erleben, dass sie gebraucht werden. Im außerschulischen Lernen und Arbeiten entdecken sie den Wert des Sozialen .... (mehr)


Explorative Studie zum Digitalen Religionsbuch

Wie kommt ein digitales Religionsbuch bei Lehrkräften und Schüler/innen an? Eine explorative Studie der Evangelischen Religionspädagogik

Der Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts (Institut für Evangelische Theologie) der Universität Regensburg unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Fricke führt eine Untersuchung zum Einsatz des digitalen Zusatzangebots des Religionslehrbuchs „Herausforderungen“ für Evangelische Religionslehre an der Realschule durch (Kurzname „h5digi“).
Das digitale Schulbuch basiert auf dem zugelassenen Unterrichtswerk „Herausforderungen“ (Evangelisches Schulbuch für Realschulen) und verbindet die Vorzüge des Lernens in einer digitalisierten Welt mit den spezifischen Anforderungen eines Religionsunterrichts, in dem die aktive und eigenständige Auseinandersetzung der Lernenden mit religiösen Traditionen und Fragen wesentlich ist. „Herausforderungen digital“ bietet zahlreiche Funktionen für einen modernen, durch digitale Medien unterstützten Unterricht. Es handelt sich um ein Unterrichtswerk, das durch seinen Pilotcharakter auch für andere Schularten (Gymnasium, Berufsschule, Mittelschule) sowie den Religionsunterricht anderer Konfessionen von Interesse sein kann.

Technische Merkmale des „h5digi“:

Buchcover Herausforderungen1.    Es basiert vollständig auf HTML 5.
2.    Es ist mobil responsiv und auf jedem Endgerät mit Browser (PC, Mac, Tablet, Smartphone) nutzbar, ohne dass eine eigene App installiert werden muss.
3.    Es bietet mediale Möglichkeiten über Text und Bilder hinaus: Audiodateien, Videos, Interaktionen.
4.    Schüler/innen können Notizen digital und geräteunabhängig auf dem eigenen Account speichern, was verschiedene didaktische Szenarien ermöglicht (z. B. in der Schule am PC anfangen und nahtlos zu Hause am Smartphone weiterarbeiten).
5.    Es ist schulbuchintern verlinkt (Glossar, Spezialwissen, Grundwissen früherer Jahrgangsstufen, Querverweise).
6.    Von den Schüler/innen erstellte Inhalte (z. B. Texte oder Bilder) können online mit der Klasse und der Lehrkraft geteilt werden (temporär und datenschutzkonform).
7.    Es bietet die Möglichkeit spontaner Onlineumfragen im Klassenverband.

Die Erprobung und Evaluierung ist für den Zeitraum vom 9.11.2020 bis 21.05.2021 geplant. Es nehmen sechs Lehrkräfte an vier evangelischen Realschulen in Bayern mit ihren Religionsklassen teil, damit sind 118 Schülerinnen und Schüler beteiligt.
Es werden Umfang, Art und unterrichtliche Kontextualisierung des Zugriffs auf das Lehrwerk, Resonanz und Akzeptanz bei Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern untersucht.

Screenshot GRIPSZur Erfassung, wie die Lehrer/innen im Schulbuch eingesetzte Tools in Hinblick auf ihren Einsatz und ihre Funktion im Unterrichtsprozess sowie die Arbeit der Schüler/innen mit den Tools bewerten und einschätzen, wurden für jedes Kapitel Online-Logbücher über die Regensburger Moodle-Plattform GRIPS eingesetzt. Am Ende der Erprobungsphase werden die Lehrkräfte um eine schriftliche Schlussreflexion über das Potential des digitalen Schulbuches gebeten, die ebenfalls über die GRIPS-Plattform erhoben wird. Bei der Gestaltung und der technischen Konstruktion des GRIPS-Kurses, der Online-Logbücher und der Schlussreflexion unterstützte Frau Dr. Stephanie Rottmeier (ZHW).

Am Ende der Erprobungsphase werden die Lehrkräfte darüber hinaus gebeten, ihre Erfahrungen in einem Gespräch in der Gruppe der teilnehmenden Lehrkräfte zu reflektieren (Gruppendiskussion, qualitativ).
Die Schülerinnen und Schüler werden an zwei Messzeitpunkten um ihre Rückmeldung gebeten. Sie geben Auskunft, ob ihnen die Arbeit mit dem digitalen Buch Spaß gemacht hat und ob sie das Buch nützlich finden. Sie nennen Beispiele, was ihnen am digitalen Buch gefallen hat und beschreiben an einem selbstgewählten Beispiel, warum es ihnen gefallen hat.

Die empirische Untersuchung der Schulbuchverwendung im Religionsunterricht ist Neuland. Bisher gibt es in der religionspädagogischen Schulbuchforschung nur Studien auf inhaltsanalytischer Ebene.
Die Ergebnisse sollen einerseits über die Verwendung digitaler Lernarrangements und die dahinterliegenden Begründungszusammenhänge Aufschluss geben und andererseits Argumentationen bereitstellen, die bei der Entscheidungsfindung Hilfestellung geben, ob und in welcher Form eine komplette digitale Schulbuchreihe für den Evangelischen Religionsunterricht in Bayern, auch über die Realschule hinaus (z.B. Mittelschule, Gymnasium) zielführend sein kann. Außerdem lassen sich aus der Studie wichtige Anhaltspunkte für Fragen der Digitalisierung im Lehramtsstudium Evangelische Theologie/Religionslehre gewinnen.


FALKE-R: Fachspezifische Lehrerkompetenzen im Erklären im Fach Evangelische Religionslehre

FALKE-Religion

Zur Einschätzung von instruktionalen Erklärungen im Religionsunterricht – eine empirische Untersuchung im Rahmen des Projekts FALKE (R. Murmann/Prof. Fricke)

Die Studie FALKE-Religion (FALKE-R) ist eine empirische Untersuchung zur Einschätzung der Qualität von instruktionalen Erklärungen im Fach Religion. Sie ist in das Gesamtprojekt FALKE (Fachspezifische Lehrerkompetenzen im Erklären) eingebettet, in dem sich 13 Disziplinen an der Universität Regensburg dem unterrichtlichen Erklären widmen. Beteiligt waren die Didaktiken der Fächer Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Kunst, Mathematik, Musik, Physik, evangelische Religion sowie die Grundschulpädagogik, die deutsche Sprachwissenschaft und die Sprechwissenschaft. Das Projekt wurde im Rahmen der BMBF-Qualitätsoffensive Lehrerbildung gefördert.

FALKE-R fokussierte analog zum Gesamtprojekt FALKE die Frage, wie die Qualität von Sacherklärungen, die im Religionsunterricht gegeben werden, von vier Statusgruppen (Schüler/innen, Lehramtsstudierenden, Lehrkräften und universitären Fachdidaktiker/innen) eingeschätzt wird. Dazu produzierte FALKE-R als Stimuli sechs kurze unterrichtsnahe Videos, in denen eine Lehrkraft einen Sachverhalt erklärt. Alle vier Gruppen wurden nach ihrer Einschätzung der als Videovignetten in den Fragebogen implementierten Erklärungen befragt.  

Für die Videos der Studie wurden folgende Erklärthemen ausgewählt: „Wieso gibt es zwei Schöpfungstexte?“, „Was ist Kreationismus?“ sowie der „Perspektivenwechsel“. Die systematische Variation der Videos fokussiert auf unterschiedlichen Erklärzugängen. Bei dem Videopaar zu den Schöpfungstexten werden zwei unterschiedliche Arten des Erklärens präsentiert: Eine diachron-historische Lesart der Texte (Gen 1und Gen 2 entstanden zu unterschiedlichen Zeiten) versus eine synchron-literarische Lesart, die vor allem die Vorstellungen von Gott thematisiert (in Gen 1 und Gen 2 kommen unterschiedliche Gottesbilder zum Tragen). Bei dem zweiten Videopaar zum Kreationismus steht die Erklärung des Begriffs in einer Religion (Christentum) der Erklärung zum kreationistischen Denken in drei Religionen (Christentum, Judentum, Islam) gegenüber. Die beiden Erklärungen zum Perspektivenwechsel zeigen, dass man Dinge von verschiedenen Seiten betrachten kann. Die Erklärzugänge unterscheiden sich in der Wahl der gezeigten Motive, wobei der Bezug zur Religion einerseits implizit vorhanden ist (Torte; Küken) und andererseits explizit angesprochen wird (Taube). Beide Videos münden in den Arbeitsauftrag an die Schüler/innen, selbst entsprechende Beispiele zu suchen.

Das Erhebungsinstrument ist ein für alle Fächer analog aufgebauter Online-Fragebogen. Dieser enthält die Videovignetten mit den Erklärungen. Dabei bilden je zwei dieser Videovignetten ein inhaltlich zusammengehöriges Paar, bei dem die Antwort auf die identische Erklärfrage variiert wird. Die vier Statusgruppen geben ihre Urteile zur Qualität der gezeigten Erklärungen zu zwei Messzeitpunkten ab, die jeweils ca. 45 Minuten dauern: beim ersten Mal als spontane Einschätzung (Globalurteil) und beim wiederholten Ansehen als kriteriengestützte Einschätzung zu den fachübergreifenden Merkmalen Strukturiertheit, Adressatenorientierung, sprachliche Verständlichkeit, Sprech- und Körperausdruck, Persönlichkeitswirkung sowie zu je fachspezifischen Aspekten. Die meisten Items fordern eine ordinalskalierte Positionierung bzw. Einschätzung, bei Begründungen werden offene Formulierungen erbeten.    

FALKE umfasst N = 3.116, FALKE-R N = 317. Diese Zahl teilt sich auf in 143 Schüler/innen (Gy Jg. 8.), 71Studierende Lehramt (alle Schularten), 68 Lehrkräfte (überwiegend Gy) und 35 Fachdidaktiker/innen für Religion an der Universität. In allen Gruppen sind beide Konfessionen vertreten. Die vier Statusgruppen werden bei der Auswertung der Daten in zwei Gruppen gefasst. Die Schüler/innen als Rezipienten von Erklärungen stehen den Erklärenden (SLD-Gruppe) gegenüber. Dabei gelten Studierende als Novizen, Lehrkräfte und Didaktiker/innen als Experten.  


Prof. Kothmann

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Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts

Apl. Professor Dr. Thomas Kothmann

Forschungsprojekte

Über diesen Link erreichen Sie das Forschungsprofil von Apl. Prof. Dr. Thomas Kothmann


Dr. Schnütgen

Dr T S

Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts

Dr. Tatjana K. Schnütgen
Pfarrerin, Dipl. Religions- und Gemeindepädagogin (FH)

Lehrbeauftragte


Dissertation

„Du bist schön, du hast Energie, du bist nicht allein“ Tanz – Ästhetik – Spiritualität. Empirische und theoretische Erkundungen in kirchlichen Tanzszenen

Die Arbeit untersucht die Bezüge zwischen Tanz, Ästhetik und Spiritualität. Während Tanz ein kultur- und religionsübergreifendes Phänomen darstellt, ist Tanz im Christentum bzw. Kirchentanz ein Phänomen, das erst in den vergangenen Jahrzehnten neu in unterschiedlichen Spielarten und Stilen entwickelt wurde. Welche Bedeutung können „kirchliche Tanzszenen“ für die an ihnen Teilnehmenden – als Tanzende und Betrachtende – haben? Wie ist die damit verbundene ästhetische Erfahrung zu beschreiben? Welche Wirkungen für Glaube und Spiritualität und welche Implikationen für die Praktische Theologie bringt der Tanz mit sich? Kann die Kategorie der ‚ästhetischen Erfahrung‘ eine Vermittlungsfigur zwischen Tanz und Spiritualität bilden?

Durch eine umfangreiche qualitativ-empirische Untersuchung (36 Gespräche) werden neue Erkenntnisse zur Bearbeitung dieser Fragen gewonnen und in den Kontext interdisziplinärer Reflexionen gestellt. Dabei geraten Tanzwissenschaft, Philosophie, Empirie und Praktische Theologie in ein gemeinsames Feld, in dem tatsächliche und mögliche Wechselwirkungen auf vielfältige Weise sichtbar gemacht werden. Kirchentanz wird in seinen unterschiedlichen Aspekten nicht nur auf der Basis vorliegender Abhandlungen „über“ Tanz dargestellt, sondern seine Gestalt und Bedeutung aus den Äußerungen derer, die im Kirchentanz aktiv sind, generiert. Zum Forschungsweg gehört die Teilnahme an der Praxis, das Mittanzen. Die Beziehungen zu den Erforschten bewegen sich somit in einem Feld zwischen professioneller Distanz und Identifikation. Die durch theoretische Herangehensweisen und Methoden der empirischen Sozialforschung (Teilnehmende Beobachtung, qualitative Interviews) herausgearbeiteten Erkenntnisse werden schließlich unter den kulturwissenschaftlichen Reflexionsperspektiven der „Semiotik“ und „Performativität“ eingeordnet und gewürdigt.

 

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Dr. Hamilton

Hamilton

Lehrstuhl für Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen

 

Dr. Stephen James Hamilton
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

 

Forschungsprojekt

Kein Philosoph hatte in den letzten fünfzig Jahren eine größere Auswirkung auf die angelsächsische Theologie als der Österreicher Ludwig Wittgenstein (1889-1951). Wittgenstein wird normalerweise als „Sprachphilosoph“ eingestuft. Diese Beschreibung ist jedoch ohne Ergänzung eher irreführend, denn dem „späteren“ Wittgenstein zufolge ist Sprache immer in Kontexte eingebettet, die über Sprache hinausgehen und mit unseren Worten eine Wechselwirkung eingehen. Deshalb spricht Wittgenstein bekanntermaßen von „Sprachspielen“ und „Lebensformen“: Bilder, die die Wichtigkeit der Vielfalt der menschlichen Handlungsweisen, der Leiblichkeit (insbesondere der Gestik) sowie der menschlichen Gemeinschaft (sowohl lokal als auch universell) für die sprachliche Kommunikation einbeziehen. Genauer gesagt, kann man Wittgenstein demnach als einen Philosophen bezeichnen, der sich der sorgfältigen Beschreibung der mannigfaltigen menschlichen Sprachpraktiken und der Entfaltung ihrer Logik widmet.

 

Wittgensteins großer Einfluss auf die Theologie ist von seinem Selbstverständnis als Denker her zu verstehen. Nach Wittgensteins eigener Ansicht nämlich geht es in seiner Philosophie um die Befreiung von falschen Denkformen oder „Bildern“, die „uns gefangen halten“ (vgl. Philosophische Untersuchungen §115). In PU §133 beschreibt er beispielweise seine Methode als therapeutisch: „Es gibt nicht eine Methode der Philosophie, wohl aber gibt es Methoden, gleichsam verschiedene Therapien“. In §309 fragt Wittgensteins imaginiertes Gegenüber: „Was ist dein Ziel in der Philosophie?“ Worauf Wittgenstein bekanntermaßen antwortet: „Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“ Diese besondere Art von Philosophieren macht Wittgenstein für die Theologie anwendbar: Er ist nämlich ein Denker, der der Theologie hilft, eingebettete Fehler zu erkennen und loszuwerden (Freiheit von) sowie die Logik der eigenen (theologischen) Sprache besser zu begreifen und zu verwenden (Freiheit für).

 

Wittgenstein, obwohl selber kein Theologe, interessierte sich stark für die einzigartige Sprache der Theologie – und besonders für den Begriff „Gott“ – und bezeichnete Theologie daher als eine Art „Grammatik“ (vgl. §373). Die Beschreibung „Theologie als Grammatik“ haben Theologen und Theologinnen mit Begeisterung aufgenommen. Aber wie ist diese genauer zu verstehen? Wo braucht die Theologie „Therapie“? Wo muss der „Ausweg aus dem Fliegenglas“ gezeigt werden? Hier gibt es in der englisch- und deutschsprachigen Theologie verschiedene Antworten, die meine Habilitation darstellt. Meine Habilitation bietet eine übergreifende, systematische Zusammenfassung und Evaluation der Rezeption Wittgensteins in der Theologie, die englisch- und deutschsprachige wissenschaftliche Literatur einbezieht. Im zweiten Teil werde ich mich mit Wittgensteins Philosophie direkt auseinandersetzen im besonderen Hinblick auf seine theologische Relevanz.

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Institut für Evangelische Theologie


Universitätsstraße 31
D-93053 Regensburg