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2004-2000


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Wintersemester 2003/2004 


Vorlesungen

Vorlesung: Einführung in die Theoretische Philosophie (Rott)
2 st., Di 10-12; Raum: H 14
Diese Vorlesung unternimmt einen einführenden Streifzug durch das Gebiet der theoretischen Philosophie. In primär systematischer Vorgehensweise werden Themen aus Metaphysik, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Philosophie des Geistes und Naturphilosophie behandelt. Untersucht wird das Verhältnis von Welt, Sprache und Denken, und dessen Auswirkungen auf menschliches Handeln. Zu den behandelten Themen gehören die Fragen nach den letzten Bausteinen der Welt, nach den Möglichkeiten und Grenzen des Gewinns von Erkenntnis und Wissen, nach Weltbezug und Handlungsbezug von Sprache, sowie die Begriffe von Bedeutung, Repräsentation und Intentionalität, Interpretation, Kognition und Bewußtsein. Ein genaues Programm mit Literaturhinweisen erscheint zum Semesterbeginn im Internet. Zur Einstimmung kann gelesen werden: Thomas Nagel, Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie, Stuttgart: Reclam 1990, v.a. Kapitel 1-5.

Übung zur Vorlesung (Rott)

2st., Mi 10-12; Raum: H 19
In der Übung zur Vorlesung wird den Studierenden Gelegenheit gegeben, anhand einer aktiven Auseinandersetzung mit kürzeren Texten klassischer und zeitgenössischer Autoren grundlegende philosophische Fähigkeiten zu entwickeln und zu üben. Hierzu gehören rezeptive ebenso wie produktive Fertigkeiten: genaue Lektüre, Begriffs- und Argumentationsanalyse ebenso wie strukturierte Wiedergabe und Entwicklung eigenständiger Gedanken, mündlicher Vortrag mit Diskussion, kurze schriftliche Ausarbeitungen von Thesen.

Vorlesung: Einführung in die Geschichte der Philosophie Was heißt Denken? (Schönberger)

2st., Do 10-12; Raum: H 7; Beginn: 23.10.2003
Die Leitfrage dieser Einführungsveranstaltung wird sein: Was heißt Denken? Die Philosophie versteht sich seit ihren Anfängen als eine besonders intensive und unnachgiebige Weise des Denkens. Was Philosophie und was Philosophieren heißt, zeigt sich deshalb besonders gut im Umgang mit der Weise, wie die bedeutendsten Denker der Philosophiegeschichte gedacht haben. Zugleich haben die wichtigsten Gestalten dieser Geschichte auch darüber nachgedacht, was Denken heißt: was es voraussetzt, was es leistet, wie es sich zu anderen Tätigkeiten des Menschen (Forschung, Arbeit, Kunst etc.) verhält. Zuletzt macht aber der Blick auf die Geschichte der Philosophie deutlich, dass ihre großen Epochen dadurch initiiert wurden, dass neue Weisen des Denkens entwickelt worden sind (“transzendentale Fragestellung”, “dialektisches Denken”, etc.). Zu diesen Fragen soll diese Einführungsvorlesung einen ersten Überblick eröffnen.

Übung: Ausgewählte Texte zur Vorlesung (Schönberger)
2st., Mo 10-12; Raum: PT 2.0.5; Beginn: 20.10.2003
In der die Vorlesung begleitenden Übung werden einige der besonders wichtigen und interessanten klassischen Texte herausgegriffen und diejenigen Passagen erarbeitet und kritisch diskutiert, die einen repräsentativen Begriff des Denkens entwickeln. Das Programm wird in der ersten Sitzung vorgelegt.


Proseminare

Philosophische Logik (Rott)

2 st., Do 16-18; Raum: PT 2.0.5
Lehrveranstaltungen zur Einführung in die Moderne Logik behandeln üblicherweise die klassische Aussagen- und Prädikatenlogik. Wenn diese auch als Methode zur Schärfung des Denkens und sprachanalytischen Empfindens sehr gut geeignet sind, so ist ihnen doch nicht unmittelbar anzusehen, daß ihr Gegenstand philosophisch genannt werden kann. Dies ist anders im Gebiet der sog. Modallogik, der Logik der Wörter “möglich” und “notwendig”. Das Proseminar führt in die grundlegenden Konzepte und Methoden der Modallogik ein, in Axiomatik und Mögliche-Welten-Semantik. Wir erarbeiten dann die Besonderheiten, die sich ergeben, wenn die Modallogik deontisch (“dürfen” und “sollen”) oder epistemisch (“für möglich halten”, “glauben”, “wissen”) interpretiert wird. Eine Art zweistelliger Modallogik stellt die Logik kontrafaktischer Konditionalsätze dar (“Wenn das-und-das der Fall wäre, dann …”). Im letzten Teil des Seminars soll die Logik der Dynamik epistemischer Zustände besprochen werden, in der neben genuin logischen auch Züge praktischen Räsonierens auszumachen sind. Diese Lehrveranstaltung setzt den Besuch einer Einführung in die Logik oder äquivalente Kenntnisse voraus (zur Feststellung der Äquivalenz bitte vorher mit dem Seminarleiter in Verbindung setzen). Die Zwischenprüfung im Fach Philosophie ist keine formale Voraussetzung, Studierende höherer Semester sind aber sehr willkommen. Literatur zur Einstimmung: Stephen Read, Das ungläubige Staunen: mögliche Welten, in ders., Philosophie der Logik, Reinbek b.H.: Rowohlt 1997, S. 120-147. Brian Chellas, Modal Logic: An Introduction, Cambridge: Cambridge University Press 1980. Hans Rott, Wie man seine Meinung ändert: Logik und Ökonomie in der Theorienrevision, Blick in die Wissenschaft (Forschungsmagazin der Universität Regensburg), Heft 14 (2002), S. 40-45.

John Stuart Mill, Der Utilitarismus (Essaykurs) (Steinfath)

3 st., Mo 16-19; Raum: W 115; Beginn: 20.10.2003
Dieses Proseminar ist vor allem als Übung im Verfassen kurzer Texte zu philosophischen Themen gedacht. Im Laufe des Semesters soll jeder Teilnehmer vier Essays schreiben, die ausführlich besprochen werden. Grundlage dafür wird die gemeinsame Diskussion zentraler Passagen aus John Stuart Mills Utilitarismusschrift sowie einiger anderer Texte zur Verteidigung und Kritik des Utilitarismus als einer der wichtigsten Richtungen in der Moralphilosophie sein. Da mit dem Seminar ein etwas anderer Weg in der Lehre beschritten werden soll, werden wir mit der Seminarform experimentieren müssen. So ist daran gedacht, Seminarsitzungen in der üblichen Form durch Sitzungen zu ergänzen, die der Besprechung der von den Teilnehmern geschriebenen Texte vorbehalten bleiben. Um dafür genügend Zeit zu haben, ist das Seminar dreistündig angelegt. Textgrundlage: John Stuart Mill, Der Utilitarismus, Reclam; Übersetzung D. Birnbacher. 

Platon, Gorgias (Steinfath)

2 st., Di 14-16; Raum: PT 2.0.8; Beginn: 21.10.2003
In Platons Dialog Gorgias werden zentrale Fragen der Moralphilosophie in lebendiger Weise erörtert. Gegen den Verdacht einiger Sophisten, daß die Moral ein Instrument der Schwachen zur Unterdrückung der Starken ist, wird zu zeigen versucht, daß eine moralische Lebensführung für jeden glückszuträglich ist. Das Problem des Verhältnisses von Moral und Glück hat bis heute nicht an Relevanz verloren. Wir werden es auf der Grundlage einer genauen Lektüre des gesamten Gorgias diskutieren. Textgrundlage: Platon, Gorgias, in: Platon: Sämtliche Werke 1, Reinbek 1994 (Rowohlt; Übersetzung Schleiermacher) oder Platon, Gorgias, Stuttgart 1989 (Reclam; Übersetzung Schleiermacher). Als griechische Ausgabe kann empfohlen werden: E. R. Dodds (Hg.), Plato, Gorgias. A Revised Text with introduction and commentary, Oxford 1990 (Clarendon Press).

Aristoteles, De anima (Buch III) (Grotz)

2 st., Di 12-14; Raum: PH 5.0.21; Beginn: 21.10.2003
Das Buch “Über die Seele” ist eine der zentralen Aristotelischen Schriften. Es stellt aber keine Psychologie im modernen Sinn einer Lehre vom Un- oder Unterbewußten dar. Psychê (Seele) ist für Aristoteles vielmehr, der antiken Auffassung entsprechend, zunächst und zuerst Prinzip des Lebendigen, wozu auch Formen von Nicht-Bewußtem, also der vegetative Stoffwechsel einer Pflanze und die sinnliche Wahrnehmung eines Tieres, zu zählen sind. Höchste Form des Lebendigen ist aber der Geist, der zu diesem Reich des nicht-bewußt Lebendigen in einer eigentümlichen Doppelstellung steht: einerseits ihm integriert ist, andererseits es wesentlich übersteigt. Am deutlichsten kommt dies wohl zum Ausdruck in Aristoteles’ – problematischer und folgenreicher – Doppelung des Geistes in einen passiven (Nous pathêtikos) und in einen aktiven, den sogenannten (d.h. von Aristoteles nicht so genannten) Nous poietikos. Textgrundlage für das Seminar: Aristoteles, Über die Seele. Griechisch – Deutsch, hg. von Horst Seidl, Hamburg 1998 (Philosophische Bibliothek 476). Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Protokolls; Voraussetzung für einen benoteten Schein ist die Anfertigung einer schriftlichen Arbeit oder die Übernahme eines Referates und eines Protokolles.

G.W.F. Hegel, Einleitung zur “Phänomenologie des Geistes” (Grotz)

2 st., Mi 14-16; Raum: CH 33.1.93; Beginn: 22.10.2003
Hegels “Phänomenologie des Geistes” gehört zu den klassischen, aber auch zu den schwierigsten Texten der Philosophiegeschichte. Im Rahmen eines Proseminars sollte sich daher eine Einleitung in dieses umfangreiche Buch beschränken – auf Hegels eigenes, berühmtes Einleitungskapitel, worin einige zentrale Positionen nicht nur der ”Phänomenologie”, sondern des Hegelschen Denkens überhaupt thematisch werden: so etwa die Bewegung der Begriffe oder der spekulative Satz. Als Textgrundlage dient: G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, hg. von E. Moldenhauer und K. M. Michels, Frankfurt a. M. 1970 [u.ö.] (= Werke in zwanzig Bänden, Bd. 3; stw 603). Angaben zu weiterer Literatur erfolgen im Laufe des Semesters. Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Protokolls; Voraussetzung für einen benoteten Schein ist die Anfertigung einer schriftlichen Arbeit oder die Übernahme eines Referates und eines Protokolles.

Sprache und Bedeutung (Reischer)

2 st., Mo 12-14; Raum: H 5. Ersetzt das PS “Neuere Philosophie des Geistes” von Hinzen
“Bedeutung” ist ein, wenn nicht der, grundlegende Begriff der Sprachphilosophie. Er übergreift die Disziplinen der Semantik und Pragmatik, die Bedeutung auf jeweils unterschiedlichen Sprachebenen ansiedeln (Sprache vs. Sprechen/Rede). Da Bedeutungen im Netzwerk der menschlichen Sprache und Kommunikation be- und entstehen, stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang mit Bezug(nahme), Intention(alität) und nicht zuletzt auch Bedeutungsgenese. Das Seminar versucht Fragen nach dem Wesen der Bedeutung, ihrer Entstehung (auch unter sprachevolutionärer Perspektive) und Bewahrung zu klären.

Immanuel Kant - Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (Rosenthal)

3 st., Di 16-19
Die Veranstaltung entfällt leider!


Hauptseminare

Kolloquium für Fortgeschrittene (Rott)

2 st., Di 16-18; Raum: PT 4.3.5
In diesem Kolloquium werden - in inzwischen bewährter Weise - ausgewählte Texte aus allen Bereichen der (nicht nur theoretischen) Philosophie gelesen und diskutiert. Insbesondere bietet es Studierenden Gelegenheit, ihre eigenen philosophischen Interessen und Gedanken, die auch im Zusammenhang mit der Vorbereitung einer größeren Arbeit stehen können, einer lebhaften Diskussion zu stellen. Hierzu können geeignete Texte aus der Literatur, aber auch aus eigener Feder vorschlagen werden. Obschon als Veranstaltung für Fortgeschrittene ausgewiesen, steht dieses Hauptseminar allen interessierten und engagierten Studierenden offen. Das Programm ist inhaltlich nicht festgelegt, zur Vorbereitung desselben ist eine rechtzeitige formlose Kundgabe der intendierten Teilnahme am Seminar erwünscht.

F.W.J. Schelling: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit (Schönberger)

2 st., Di 8.30-10; Raum: W 115; Beginn: 21.10.2003
Dieser Text Schellings gehört zu den wichtigsten der klassischen deutschen Philosophie. Schelling hat darin jedoch nicht primär die menschliche Willens- und Handlungsfreiheit im Blick, sondern die Frage, wie überhaupt Wirklichkeit und Möglichkeit zusammen gedacht werden können. Die hier im Vordergrund stehenden Möglichkeiten betreffen insbesondere die Alternative von Gut und Böse, von Sinn und Sinnwidrigkeit. Daher wird auch das Problem verfolgt, wie sich die Existenz des Übels in der Welt verständlich machen läßt. Der Text soll im Seminar in Form von Textreferaten bearbeitet werden, die in eine möglichst intensive und kritische Diskussion einführen sollen. Eine vorherige Lektüre zumindest eines Teils des Textes ist empfehlenswert. Der Text ist in mehreren Ausgaben zugänglich.

Colloquium: Thomas von Aquin, Über die Seele (Schönberger)

2 st., Do 8.30-10; Beginn: 23.10.2003; Raum: PT 2.0.7
Im vorneuzeitlichen Verständnis bezieht sich der Begriff der Seele sowohl auf das Prinzip des Lebens als auch auf den Ort des Denkens. Die in diesem Text versammelten Problemfragen behandeln daher sowohl Themen der Anthropologie wie der Erkenntnistheorie, also etwa folgende: Wie verhält sich die Seele zum Leib? Wie verhält sich der Verstand zu den übrigen kognitiven Funktionen des Menschen? Ist die Seele unsterblich? Die Texte, die aus diesem Werk im Seminar herangezogen werden, werden in deutscher Übersetzung bereitgestellt. An die Lektüre soll sich eine Diskussion anschließen, die auch andere repräsentative philosophische Theorien der Antike und der Neuzeit einschließt. 

Der moralische Status menschlicher Embryonen (Steinfath)

2 st., Di 10-12; Beginn: 21.10.2003; Raum: PT 2.0.9
Das HS entfällt, wird aber im nächsten Semester nachgeholt! Siehe die Änderung im HS 31 125, vormals Hinzen/Mecke, jetzt Steinfath/Mecke. 

Phänomenologische Werttheorie: Brentano und Meinong (Steinfath/Fröhlich)

2 st., Mi 10-12; Beginn; Raum: CH 33.1.93: 22.10.2003
In der deutschsprachigen Philosophie der zweiten Hälfte des neunzehnten und der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts galt der Begriff des “Werts” als einer der Kernbegriffe ethischer Reflexionen. “Theorien der Werte” avancierten zu den Lieblingsprojekten der damaligen Universitäts-Philosophie. Nachdem die Wert-Forschung lange totgesagt war, erlebt sie heutzutage wieder eine Renaissance. Im Seminar soll Anfängen der Wertphilosophie in den Arbeiten von Franz Brentano und Alexius Meinong nachgegangen werden, die in einem sehr weiten Sinne als “phänomenologisch” bezeichnet werden können. Von Brentano soll vor allem Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis gelesen werden, von Meinong insbesondere Psychologisch-ethische Untersuchungen zur Werth-Theorie. Da die Texte leider vergriffen oder unerschwinglich sind, wird zu Beginn des Semesters eine Kopiervorlage der zu behandelnden Texte vorliegen: Franz Brentano, Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis, Hamburg 41955. Alexius Meinong, Gesamtausgabe, hg. v. Rudolf Haller und Rudolf Kindinger Bd. III, Abhandlungen zur Werttheorie, Graz, Akademische Druck- u. Verlagsanstalt: 1968.

Die Zeit des Menschen und die Zeit danach (Steinfath/Mecke)

2 st., Fr 10-12; Raum: H 7
Im Anschluß an Heideggers Brief über den "Humanismus" ist insbesondere in der französisch-sprachigen Philosophie eine intensive Diskussion über die Fragwürdigkeit der Bestimmung des Menschen als animal rationale und ein mögliches Ende der Tradition des "Humanismus" geführt worden. Diese Diskussion hat eine ungeahnte Brisanz im Kontext der Debatten um Künstliche Intelligenz, Künstliches Leben und die Aussichten auf gezielte technische Eingriffe in die genetische Konstitution von Menschen erhalten. Wir stehen heute (erneut) vor der Frage, wie wir uns als Menschen verstehen können und wollen. Das interdisziplinäre Seminar soll Bildern und Reflexionen zu einem möglichen Ende des Menschen in seiner bisherigen Gestalt in der Literatur, im Film und in der Philosophie nachgehen. Von philosophischer Seite wird es außer um die "posthumanistischen" Spekulationen im Anschluß an Heidegger auch um die Erörterung ethischer Probleme gehen, die vor allem mit dem Fortschritt der Gentechnik verbunden sind. Genauere Hinweise zum Seminarprogramm finden sich im Netz unter:
Kurssoft auf „Saturn-soft4\Soft4“ (K:) PT / Interdisziplinaer / Zeit des Menschen. Das Seminar steht Studenten aller Fächer offen. Eine Ringvorlesung mit international hoch-rangigen Wissenschaftlern wird die Veranstaltung ergänzen.

Der modale Realismus von David Lewis (Meixner)

2 st., Fr 12-14; Raum: PT 1.0.1
Es liegen hierzu keine Informationen vor.

Semiotik (Reischer)

2 st., Do 12-14. Ersetzt das HS “Thomas Nagel, Der Blick von Nirgendwo” von Rosenthal!
Die Lehre von den Zeichen ist in zweifacher Hinsicht fundamental. Sie ist zum einen “Instrument aller Wissenschaften” (Morris), zum anderen anerkennt sie Zeichen als wesentliches Merkmal des Menschseins: “Die menschliche Zivilisation hängt von Zeichen und Zeichensystemen ab, und der menschliche Geist ist nicht zu trennen von Zeichenprozessen” (Morris). Zeichen sind so auch die Grundlage jeder Sprachlichkeit: “Semiotische Kompetenz und semiotisches Wissen sind der sprachlichen Kompetenz logisch vorgeordnet” (Keller). Ziel des Seminars ist es, anhand der semiotischen Positionen von Saussure, Morris, Peirce und Keller (inkl. Platon, Aristoteles, Frege und Wittgenstein) das Wesen von Zeichen und Zeichenprozessen zu erhellen.


Allgemeines

Philosophisches Institutskolloquium
Di 18-20 Uhr (14-täglich)
In diesem zweiwöchentlich stattfindenden Kolloquium stellen eingeladene Gäste und Regensburger Philosophen ihre Gedanken zur Diskussion. Die Vorträge werden individuell per Aushang angekündigt. Alle Interessierten, auch aus anderen Fächern, sind herzlich willkommen.

Pfeil




Vorlesungen

Paradoxien: Zwickmühlen des Denkens und Handelns und ihre systematische Bedeutung (Rott)
2 st., Di 10-12
Wenn harmlos scheinende Voraussetzungen zu absurden, gar widersprüchlichen Konsequenzen führen, entstehen Paradoxien. Paradoxien wurden von jeher als vergnügliche Herausforderungen des menschlichen Scharfsinns begriffen. Bei nur oberflächlicher Beschäftigung mit ihnen kann leicht der Eindruck entstehen, es handle sich um isolierte Phänomene, lokale Problemfälle, die – auch dann, wenn man sie nicht beseitigen kann – weiter keine schwerwiegenden Konsequenzen haben. Es hat sich jedoch gezeigt, daß alle philosophische Theoriebildung, die sich um die Ausbildung von Standards für "vernünftiges" oder "richtiges" Denkens und Handelns bemüht, von solcherart Problemen ganz grundlegend infiziert wird. Die Vorlesung behandelt eine Serie von Paradoxien, führt in die je-weilige Problematik ein und stellt Ansätze zu ihrer Lösung vor. Zu den besprochenen Themen sollen gehören: die Lügnerparadoxie, die Haufenparadoxie, die Paradoxie der unerwarteten Prüfung, Paradoxien der Bestätigung, das Vorwortparadox, Simpson's Paradox, Newcomb's Paradox und das Gefangenendilemma. Als begleitende Literatur empfehle ich: R. Mark Sainsbury, Paradoxien, Reclam, Ditzingen 2001. William Poundstone, Im Labyrinth des Denkens – Wenn Logik nicht weiterkommt: Paradoxien, Zwickmühlen und die Hinfälligkeit unseres Denkens, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995.

Einführung in die philosophische Anthropologie (Schönberger)
2st., Do 10-12
Philosophische Disziplinen verstehen sich nicht von selbst. Sie setzen ein entsprechendes Interesse und eine zumindest implizite Theorie über ihre Möglichkeit voraus. Daher steht die philosophische Anthropologie in einem eigentümlichen Spannungsfeld: Zum einen lassen sich alle Hervorbringungen des Menschen – Religion, Dichtung, Mythos, Wissenschaft und schließlich die Philosophie selbst – als jeweils spezifische Selbstdeutungen des Menschen interpretieren; die Philosophie kann sich daher die Aufgabe stellen, diese Deutungen ihrerseits noch einmal systematisch zu deuten. Zum anderen aber ist der Begriff "Anthropologie" einer der neuzeitlichen Philosophie; in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist mit dieser Disziplin sogar eine bestimmte Richtung innerhalb der Philosophie definiert worden. Dies hat natürlich Kontroversen darüber ausgelöst, ob dieses Unternehmen einer philosophischen Anthropologie überhaupt sinnvoll ist. Die Vorlesung will ausgehend von der Kritik an der Anthropologie ein Konzept einer solchen entwickeln. Dieses soll zugleich ermöglichen, die klassischen Felder der Anthropologie – Bewußtsein, Leib und Seele, Geschichte, Sprache Personalität usw. – in der Weise sich zum Thema machen, daß ersichtlich wird, was sie zum Selbstverständnis des Menschen beitragen. Innerhalb dieser thematischen Gliederung soll jeweils ausführlich auf die klassischen antworten der Philosophiegeschichte eingegangen werden.Texte zur Vorlesung: Platon: Phaidon
Aristoteles: Über die Seele. Augustinus: Über die Größe der Seele. Thomas v. Aquin: Summa theologiae, I. Teil, Frage 75-89; 93 (Dt. Thomas-Ausgabe, Bd. 6-7). Descartes: Meditationen über die erste Philosophie, VI. Kant: Anthropologie in pragmatischer Absicht. Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Scheler: Die Stellung des Menschen im Kosmos. Plessner: Die Stufe des Organischen und der Mensch. Gehlen: Der Mensch.

Die Ethik des Aristoteles (Steinfath)
2 st., Mi 12-14 Uhr, Beginn: 09.04.2003
Die Ethik des Aristoteles gehört bis heute zu den einflußreichsten Ethikkonzeptionen, die in der philosophischen Tradition entwickelt worden sind. Ausgehend von der Frage nach dem für Menschen besten Leben werden in ihr u. a. die Struktur von Charaktertugenden, die Voraussetzungen zurechenbaren Handelns, die Formen der Gerechtigkeit, der Wert der Freundschaft und Wesen und Bedeutung der Lust erörtert. Die Vorlesung soll zum einen einen Überblick über zentrale Themen und Argumentationsstränge der ethischen Schriften von Aristoteles verschaffen. Zum anderen sollen Einsatzpunkte für eine sachliche Fortführung und Kritik von Aristoteles’ Überlegungen herausgearbeitet werden. Es empfiehlt sich, die Vorlesung mit einer eigenen Lektüre ausgewählter Passagen der Nikomachischen Ethik von Aristoteles zu begleiten; entsprechende Lektürevorschläge werden in der Vorlesung gegeben. Für eine erste Orientierung eignet sich: J. O. Urmson, Aristotle’s Ethics, Oxford 1988.

Einführung in die Philosophie Platons (anhand der Dialoge Phaidros und Phaidon) (Schäfer)
2 st., Do 12.30 s.t.-14.00 Uhr
Man kommt an Platon in der Philosophie nicht vorbei, er ist fast schon entnervend allgegenwärtig. Die Vorlesung will dem Rechnung tragen und in die verschiedenen im Philosophiestudium stets wiederkehrenden Platonischen „Lehren“ zu Erkenntnis, Ontologie, Anthropologie und Ethik einführen, wie sie im Dialog Phaidon angesprochen werden. Dazu ist allerdings zuerst ein Blick auf den Phaidros nötig, einen Dialog, in dem Platon zu verstehen geben will, wie philosophische Gedanken sprachlich zum Ausdruck gebracht werden sollen (wenn überhaupt). Die Darstellung der Platonischen Philosophie im Phaidon wird also im wesentlichen von den Vorgaben des Phaidros abhängen.Primärliteratur sind die beiden genannten Dialoge Platons (am besten in der gängigen „Schleiermacher-Übersetzung“). Sekundärliteratur wird fortlaufend während der Veranstaltung angegeben.


Proseminare

David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (Rott)
2 st., Mi 10-12
Nachdem sein früh veröffentlichtes Hauptwerk A Treatise Concerning Human Understanding (1739/40) nicht den erhofften Anklang gefunden hatte, entschloß sich Hume zu einer Neubearbeitung des ersten Teils, die erstmals 1748 erschien und heute unter dem deutschen Titel Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand bekannt ist. Von manchen als Verdünnung des früheren Werkes geschmäht, ist die Untersuchung sicher um ein Vielfaches schöner geschrieben und kann als Ausdruck einer gereiften Philosophie angesehen werden. In den Kapiteln des Buchs finden sich zahlreiche Lehrstücke (über den Ursprung und die Verknüpfung von Vorstellungen, über skeptische Zweifel an der Verstandestätigkeit, über Kausalität und Wahrscheinlichkeit, über Freiheit und Notwendigkeit und über Wunder), die Hume als philosophischen Autor unsterblich gemacht haben. Ausgaben bei Reclam und Meiner.

Max Scheler: Die Stellung des Menschen im Kosmos  (Schönberger)
2 st., Mo 10-12
Max Scheler hat in einer Reihe von Schriften versucht, die Anthropologie nicht bloß als eine Disziplin der Philosophie neben anderen zu verstehen, sondern als deren Grundlegung. In beiden Stellungen tritt die philosophische Anthropologie aber, so scheint es, in Konkurrenz zu dem, was andere Wissenschaften vom Menschen sagen. Max Scheler macht darauf aufmerksam, daß auch Wissenschafttreiben selbst schon ein Vollzug des Menschseins neben anderen ist. Daher versucht er nicht nur, verschiedene traditionelle Deutungen zu vereinigen, sondern so zu überwinden, daß ein neues einheitliches Bild des Menschen entsteht. Das Seminar wird sich einerseits dem Text in Form von mehreren Textreferaten zuwenden, anderer-seits die in den Textabschnitten angesprochenen Themen auch in anderen Schriften Schelers und bei anderen bedeutenden Vertretern der modernen Anthropologie verfolgen. Textgrundlage: Max Scheler, Schriften zur Anthropologie, Stuttgart (Reclam) 1994 [UB 9337]. 

John Locke: Second Treatise of Government/Über die Regierung (Steinfath)
2 st., Mo 16-18, Beginn: 07.04.2003
John Lockes Second Treatise of Government / Über die Regierung von 1689 gehört zu den wichtigsten Schriften der politischen Philosophie überhaupt; sie gilt vielen als theoretische Gründungsurkunde des modernen Liberalismus. Staaten existieren für Locke zum Schutz des Lebens, der Freiheiten und des Eigentums ihrer Bürger und sind nur solange legitim, wie sie sich deren Zustimmung erfreuen. Im Mittelpunkt des Proseminars steht die intensive gemeinsame Lektüre von Über die Regierung; zur Vertiefung sollen außerdem einzelne Passagen von Lockes Brief über Toleranz und seines Hauptwerks, des Versuch über den menschlichen Verstand gelesen werden. Textgrundlage: John Locke, Über die Regierung, Reclam; engl. Two Treatises of Government, hg. von P. Laslett, Cambridge.

Das Ressentiment in der Ethik: Platon, Nietzsche, Scheler (Fröhlich)
2 st., Do 8-10
Die Ethik des Ressentiment ist die Moral des Fuchses, welcher die Trauben, die ihm zu hoch hängen, abwertet: Sie seien ohnehin sauer. In der philosophischen Ethik geht es freilich nicht um Trauben, sondern um die Macht. Diese vernachlässige z.B. Sokrates, indem er so einen Unfug wie Philosophie treibe, meint zumindest Kallikles, der dritte Gesprächspartner in Platons Dialog Gorgias: Sokrates predige eine Moral der Schwachen. Dagegen sei es von der Natur vorgesehen, daß die Starken herrschten. Ganz ähnlich argumentiert auch Nietzsche in seinem 1887 erschienenen Werk Zur Genealogie der Moral. Die Ethik der Schwachen sieht er vor allem in der christlichen Moral verwirklicht. Scheler wiederum greift Nietzsches Kritik auf, versucht allerdings das Christentum von dem Vorwurf zu befreien. Er interpretiert darüber hinaus die Ressentiment-Moral als Werteverschiebung und Wertefälschung, die v.a. in der Neuzeit einen tiefgreifenden „Umsturz der Werte„ hervorgerufen habe, der alle Lebenswerte den Nutzwerten unterordne.
Wir lesen im Seminar Platons Gorgias, v.a. den dritten Abschnitt (ab 481b), Nietzsches Genealogie (v.a. die erste Abhandlung) und Schelers Ressentimentschrift. Grundlage zum Erwerb eines benoteten Scheins ist, neben Anwesenheit und Mitarbeit, die Übernahme eines Referats und die schriftliche Ausarbeitung des Referatsthemas in Form einer Seminararbeit. Die Themen werden im Seminar bekanntgegeben. Literatur: Platon, Gorgias, verschiedene Ausgaben und Auflagen, vorzugsweise in der Übertragung von Schleiermacher, z.B. bei rororo oder in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft. Friedrich Nietzsche, Zur Genealogie der Moral, Stuttgart: Reclam, 2000. Max Scheler, Das Ressentiment im Aufbau der Moralen, Frankfurt a.M.: Klostermann, 1978.

Texte zum Freiheitsproblem (Grotz)
2 st., Di 12-14
Menschliche Freiheit ist eines der Themen in der Philosophie, das sich über die Zeiten und Schulgrenzen hinweg eine Konstanz bei den Denkern gesichert hat. Da wir nicht völlig zügel- und hilflos über das Meer der Freiheitsreflexionen kreuzen, aber auch nicht in einer zwanghaften Beschränkung auf einen Text oder gar eine Textpassage das Heil suchen können, sollen im Seminar einige klassische Positionen vorgestellt werden, die das Thema zwar auf den Begriff bringen, aber nicht auf einen allzu einsinnigen: Aristoteles‘ Nikomachische Ethik (3. Buch), Plotins Enneade VI.8, Descartes‘ 4. Medi-tation, Schellings Freiheitsschrift von 1809 und Schopenhauers „Preisschrift über die Freiheit des menschlichen Willens“. Genauere Textangaben erfolgen in der ersten Sitzung.

Über das Lachen (H. Bergson, H. Plessner, J. Ritter) (Grotz)
2 st., Fr 12-14
Philosophieren ist eine ernsthafte Angelegenheit. Daß der geschäftige Ernst des Philosophen auf ‚Außenstehende‘ zuweilen lächerlich wirken kann, hat schon Platon in seiner Erzählung von der Thrakischen Magd, die über den ‚Sternengucker‘ Thales und seinen tiefen Fall in den Brunnen lacht, karikiert. Gleichwohl besitzt die Philosophie ein besonderes Instrumentarium, um sich an solchen Verunglimpfungen zu rächen: die Reflexion über das Lachen. Dem zutiefst menschlichen Phänomen des Lachens wollen wir nachgehen anhand von drei gehaltvollen Texten, welche das Lachen philosophisch ernst nehmen. Literatur: Henri Bergson, Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen, Jena 1921. Helmuth Plessner, Lachen und Weinen. Eine Untersuchung nach den Grenzen menschlichen Ver-haltens, München 1950. Joachim Ritter, „Über das Lachen“, in ders., Subjektivität. Sechs Aufsätze, Frankfurt a.M. 1974, S.62*92.

Philosophie und die Lebenswissenschaften (Hinzen)
2st., Fr 10-12
Die Wissenschaftstheorie besteht in einer Reflexion auf die Struktur, Herkunft, Geltung und Reichweite menschlichen Wissens. Obwohl ein Fokus auf unserem Wissen von der physikalischen Struktur unseres Universums hierbei oft massgeblich ist, wird dieser Kurs sein Augenmerk auf die Biologie und Evolutionstheorie lenken. Insbesondere wird es um die biologischen Grundlagen der menschlichen Natur gehen, insoweit es eine solche Natur gibt. Tatsächlich wird vor allem die Frage interessieren, ob es sie gibt, worin sie besteht, und wie der Geist des Menschen als ein Teil seiner Biologie verstanden werden kann. Die Aktualität dieser Fragen im Lichte gegenwärtiger Diskussionen über die Möglichkeiten der Gentechnik ist offenkundig. Da es sich in der Philosophie der Biologie (also der Reflexion auf philosophisch relevante Aspekte der Biologie) immer noch um ein neues Gebiet handelt, existieren noch keine geeigneten deutschen Lehrbücher, so dass wir zum Teil auf englische Texte zugreifen werden müssen. Das sollte aber auch Anfänger nicht davon abhalten, diesen Kurs zu besuchen. Dieses Proseminar setzt keine Biologiekenntnisse voraus, und stellt sie bereit, wo dies notwendig ist. Es gehört zum Teilbereich Wissenschaftstheorie, der selbst Teil der theoretischen Philosophie ist.

Rationalismus (Von Descartes und Leibniz bis Kant und Chomsky) (Hinzen)
2 st., Do 8-10
Der Rationalismus ist eine Position in der Erkenntnistheorie, die letztlich auf Platon zurückgeht und besagt, dass Wissen auf angeborenen Strukturen im menschlichen Geist basiert. Ihm entgegengesetzt ist der Empirismus, für den der Geist an und für sich leer ist, und wie ein Behälter erst allmählich durch die Erfahrung mit Inhalt gefüllt wird. Die Dichotomie dieser Positionen prägt die gesamte Philosophiegeschichte von Platon bis in unsere Tage. In diesem Proseminar werden wir zunächst die rationalistische Position zu verstehen und zu artikulieren versuchen. Ich möchte Sie ebenfalls von ihrer grundlegenden Richtigkeit überzeugen, und davon, dass die moderne Kognitionstheorie sie stützt. Zu diesem Zweck werden wir bei Descartes' Konzeption von Vernunft aus dem 17. Jahrhundert beginnen, und mit Chomskys Vernunftkonzeption aus dem 20. bzw. 21. Jahrhundert aufhören. Wie in meinem anderen Kurs leider auch werden wir es nicht vermeiden können, manche englische Texte zur Grundlage unserer Lektüre zu machen.


Hauptseminare

Analytische und postanalytische Philosophie der Jahrhundertwende (Putnam, Rorty, Searle) (Rott)
2 st., Do 16-18
Ihren Ursprung in Mitteleuropa und in England nehmend, hat die Analytische Philosophie einen großen Teil des philosophischen Diskurses im 20. Jahrhundert nachhaltig beeinflußt. Kennzeichnend für sie waren zunächst das Bestehen auf kritischer Analyse der Sprache (entweder das Insistieren auf das Funktionieren der Umgangssprache oder die Konstruktion präziserer logischer Kunstsprachen), dann aber – weniger inhaltlich als methodisch festgelegt – das akribische Rechenschaftgeben über Prämissen und Schlußweisen philosophischer Argumente. In den letzten Jahrzehnten geriet die Analytische Philosophie nicht nur von Seiten anderer Schulen, sondern auch von innen heraus zunehmend unter Kritik. Zweifel an der Fruchtbarkeit sich fortgesetzt ausdifferenzierender Spezialdiskussionen wurden unüberhörbar. Muß die Analytische Philosophie durch Fremdeinflüsse neu belebt werden, sollen die Grenzen zur Kontinentalen Philosophie ganz aufgehoben werden oder soll man sie zugunsten anderer, lebensnäherer Formen des Philosophierens ganz aufgeben? Im Seminar werden ausgewählte Texte dreier berühmter zeitgenössischer Philosophen besprochen, die ihre Laufbahn als analytische Philosophen begannen, im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte die Analytische Philosophie aber in ihrer je eigenen Weise transformiert haben. Ziel der Lektüre ist eine Bestandsaufnahme, die Schlaglichter auf die Möglichkeiten und Perspektiven des Philosophierens über Welt, Geist und Sprache zu Beginn des 21. Jahrhunderts werfen soll. Literatur: Hilary Putnam, Für eine Erneuerung der Philosophie, Reclam, Ditzingen 1997. Richard Rorty, Philosophie und die Zukunft, Fischer, Frankfurt 2000. John Searle, Geist, Sprache und Gesellschaft. Philosophie in der wirklichen Welt, Suhrkamp, Frank-furt 2001.

Henri Bergson: Materie und Gedächtnis (Schönberger)
2 st., Di 8.30-10. Achtung Änderung! Ersetzt das angekündigte HS ‘Platonismus - Islam - Christentum: Philosophie zwischen den Kulturen’.
Wie allen seinen Schriften wendet sich Bergson auch in dieser kritisch einzelnen Wissenschaften zu, deren Methoden und Resultate er zugleich ausgiebig rezipiert und diskutiert. Die Gehirnforschung und Psychologie des 19. Jahrhunderts scheint den Materialismus zur Konsequenz zu haben. Diese bestreitet Bergson in der vorliegenden Schrift auf eine höchst interessante Weise: er entwickelt dort einen, über die traditionelle Lehre vom Gedächtnisvermögen weit hinausgehende Konzeption der Erinnerung und versucht zu zeigen, daß die damit verbundenen Phänomene materialistisch nicht zu erklären sind. Die einigermaßen umfangreiche Schrift wird im Seminar in verkraftbare Sinneinheiten unterteilt, die dann in Form von Textreferaten dargestellt werden sollen. Diese sollen die Grundlage für eine Dis-kussion der Argumente Bergsons bilden. Am Ende des Seminars soll ein Ausblick auf die gegenwär-tige Diskussion stehen, um zu prüfen, in welcher Weise sich Bergsons Konzeption angesichts des wissenschaftlichen Fortschritts halten läßt, und in welcher Weise dies nicht möglich ist. Textgrundlage: Henri Bergson, Materie und Gedächtnis. Eine Abhandlung über die Beziehung zwi-schen Körper und Geist, Hamburg (Meiner) 1991 [Philosophische Bibliothek 441].

Kant: Kritik der Urteilskraft (Steinfath)
2 st., Di 14-16, Beginn: 08.04.2003
Die Kritik der Urteilskraft ist ein komplexes und schwieriges Werk. Im Zentrum des Hauptseminars soll die Lektüre seines ersten Teils stehen, in dem Kant seine philosophische Ästhetik entwickelt. Kants Hauptfrage betrifft die Möglichkeit objektiver ästhetischer Urteile über das Schöne und Erhabene bei gleichzeitiger Anerkennung ihrer Verwurzelung in unseren Empfindungen. Text: Kant, Kritik der Urteilskraft, hg. von W. Weischedel, stw 57 (Suhrkamp).

Probleme der Moralbegründung (Steinfath)
2 st., Mo 18-20, Beginn: 07.04.2003. Achtung Änderung! Ersetzt das angekündigte HS ‘Kolloquium für Fortgeschrittene’.
Die Frage nach der Begründung der Moral hat Philosophen seit Platon umgetrieben. Aber was soll es überhaupt heißen, die Moral zu begründen, und welche Wege zur Begründung lassen sich grundsätzlich beschreiten? Im Hauptseminar sollen vorwiegend neuere Arbeiten zur Begründungsproblematik gelesen und diskutiert werden. Dabei werden u. a. intuitionistische, kontraktualistische, diskursethische und mitleidsethische Ansätze zur Sprache kommen. Einführung und detailliertes Programm in der ersten Sitzung.

Die ‘Praktische Ethik’ Peter Singers im Kontext der aktuellen bioethischen Diskussion (Schmucker-von Koch)
2 st., Do 18-20
Keine Informationen verfügbar.

Franz Rosenzweig: Der Stern der Erlösung. Blockseminar (Nickl)
Einführung 09.04.2003. 2 st., Mi 14-17
Die Veranstaltung muß leider entfallen wegen anderweitiger Verpflichtungen!

Glaube und Vernunft gemäß Hume, Kant, Mackie (Bonk)
2 st., Do 18-20
Das Hauptseminar knüpft auf lockere Weise an die Veranstaltung des vergangenen Wintersemesters "An der Grenze von Naturwissenschaft und Metaphysik" an. Denn indem ich dort verdeutlichte, wie der Versuch einer naturwissenschaftlichen Welterklärung durchaus zu Problemen führt, die den Rekurs auf eine "umfassende Intelligenz im Hintergrund der Naturgeschichte" sinnvoll erscheinen lassen, gibt es auch Einwände gegen alle rationaltheologischen und theistisch-metaphysischen Theorieversuche, die es sehr wohl verdienen, ernst genommen zu werden. Zu deren bekanntesten und hervorragendsten dürften die der Philosophen David Hume, Immanuel Kant und, aus jüngster Zeit, John Mackie gehören. Deren Metaphysikkritik und kritische Religionsphilosophie soll im Mittelpunkt der Themen dieses Seminars stehen, wobei darüber hinaus auch eine systematische Annäherung an das spannungsreiche (vielleicht auch fruchtbare) Verhältnis von Glaube und Vernunft intendiert ist. Besuche meines vorhergehenden Seminars stellen selbstverständlich keine Teilnahmebedingung dar! Der Erwerb eines Seminarscheins setzt jedoch die Übernahme eines der Referate sowie deren schrift-liche Ausarbeitung bis Oktober 2003 voraus. 


Kolloquien

Philosophisches Institutskolloquium
Di 19-21 Uhr (14-täglich)
In diesem Kolloquium stellen Philosophierende aus Regensburg und anderen Orten aktuelle eigene Arbeiten vor. Neben bereits vollständig ausgearbeiteten Präsentationen werden in dieser Reihe auch Berichte "aus der philosophischen Werkstatt" erstattet, die eine noch im Fortgang befindliche Arbeit einem kritischen Auditorium zur Diskussion stellen. Es ist die Idee der Veranstaltung, daß außer schon etablierten Vortragenden auch Doktoranden und Magistranden die Gelegenheit nutzen, ihre Überlegungen einem weiteren Publikum zu präsentieren und somit zum inner- und interfalkultären Dialog beitragen.
Die Vorträge werden individuell per Aushang angekündigt.

Kolloquium für Fortgeschrittene (Rott)
2 st., Di 16-18  Raum: PT 4.3.5
In diesem Kolloquium werden – in inzwischen bewährter Weise – ausgewählte Texte aus allen Berei-chen der (nicht nur theoretischen) Philosophie gelesen und diskutiert. Insbesondere bietet es Studie-renden Gelegenheit, ihre eigenen philosophischen Interessen und Gedanken, die auch im Zusammen-hang mit der Vorbereitung einer größeren Arbeit stehen können, einer lebhaften Diskussion zu stellen. Hierzu können geeignete Texte aus der Literatur, aber auch aus eigener Feder vorschlagen werden. Obschon als Veranstaltung für Fortgeschrittene ausgewiesen, steht dieses Hauptseminar allen interes-sierten und engagierten Studierenden offen. Das Programm ist inhaltlich nicht festgelegt, zur Vorbe-reitung desselben ist eine rechtzeitige formlose Kundgabe der intendierten Teilnahme am Seminar erwünscht.

Colloquium für Fortgeschrittene (Schönberger)
2 st., Do 8.30-10
Das Problem des Gegensatzes II. Achtung Änderung! Ersetzt das angekündigte HS ‘Duns Scotus: Über das erste Prinzip’. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung wird das Thema des Colloquiums aus dem Wintersemester 2002/03 in diesem Sommersemester fortgesetzt. Grundlage des Colloquiums ist weiterhin Hegels Wissenschaft der Logik. Aus dem Kapitel der Wesenslogik über die Reflexionsbegriffe werden die Abschnitte über den Begriff des Unterschieds und des Widerspruches in Form einer Satz für Satz-Lektüre interpretiert.

Pfeil




Vorlesungen

Einführung in die moderne Logik (Rott)
2 st., Di 10-12
Logik ist für Philosophierende aus zweierlei Gründen interessant. Einerseits gibt sie uns Mittel an die Hand, das eigene Argumentieren auf Schlüssigkeit und Stringenz hin zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren; in diesem Sinne kann Logik als ein Werkzeug betrachtet werden – ein Werkzeug nicht nur für die Philosophie, sondern für jeden rationalen Diskurs. Auf der anderen Seite wird Logik, insofern sie einen solchen Anspruch erhebt, gleichzeitig zum Objekt philosophischen Studiums. Welches sollen die erwähnten Normen der Schlüssigkeit und Stringenz sein? Auf welche Art und Weise kann unser alltägliches Denken in eine Form gebracht werden, die logischer Analyse zugänglich ist? Welche Grammatik und welche Bedeutungstheorie ist einer Sprache für die Logik angemessen? Und wenn auf diese Fragen eine Antwort gefunden ist, welche metatheoretischen Konsequenzen ergeben sich daraus, d. h. welche Eigenschaften hat ein entsprechend charakterisiertes System der Logik? In der Vorlesung werden diese Fragen behandelt und Antworten theoretisch vorgestellt, in der begleitenden Übung (siehe dort) werden sie darüber hinaus praktisch eingeübt. Nach der gegenwärtig gültigen Studienordnung ist der Besuch der Logik-Veranstaltung kein Pflichtbestandteil des Studiums der Philosophie, doch wird er allen Studierenden dieses Fachs dringend empfohlen. Ein Skriptum zur Vorlesung wird zur Verfügung gestellt. Zur vorbereitenden und ergänzenden Lektüre über verschiedene Facetten der Logik eignen sich Hoyningen-Huene, P., Formale Logik – Eine philosophische Einführung, Stuttgart: Reclam 1998. Kutschera, Franz v. und A. Breitkopf, Einführung in die moderne Logik, Freiburg i. Br.: Alber 2000. Lemmon, E. J., Beginning Logic, Hackett 1979. Read, St., Philosophie der Logik – Eine Einführung, Rowohlt 1997.

Skepsis und Gewohnheit. Eine Problemgeschichte von Platon bis Wittgenstein (Schönberger)
2st., Do 10-12
Die antike Philosophie hat eine neue Form von Verläßlichkeit jenseits traditionaler Lebensordnungen endeckt: das Wissen. In der Sophistik wurde jedoch ein tiefgreifender Zweifel an der Objektivität und Ausweisbarkeit des Wissens erzeugt. Die beiden Klassiker, Platon und Aristoteles, haben angesichts dieser Ausgangslage den Versuch unternommen, einen Begriff von Wissen zu entwickeln, der skeptische Einreden zuläßt, von diesen aber nicht aufgehoben wird. Ob es einen solchen Begriff von Wissen tatsächlich geben kann, und wenn ja, auf welchem Gebiet und in welchem Kontext, dies war Gegenstand der Diskussion in der Geschichte der Philosophie. Einer der Höhepunkte dieser Diskussion ist natürlich der Neuansatz bei Descartes. Die Vorlesung wird die wichtigsten Etappen dieser Diskussionsgeschichte vorstellen und intensiv erörtern. Eine Liste der einschlägigen Texte wird zu Beginn des Semesters verteilt werden.

Grundprobleme der Ethik (Steinfath)
2 st., Mi 12-14, Raum H 42, Beginn: 16.10.
Die Vorlesung dient der Einführung in zentrale Fragen und Ansätze der Moralphilosophie. Im ersten Teil geht es um eine kritische Rekonstruktion der Grundzüge unseres vortheoretischen Verständnisses von Moral. Was ist überhaupt unter einer Moral zu verstehen? Welche Rolle spielen Forderungen, Regeln und Prinzipien in der Moral? Welche Relevanz kommt morali-schen Tugenden zu? Gibt es moralische Ideale jenseits dessen, was wir einander moralisch schulden? Der zweite Teil ist der Erörterung der Begründungsproblematik in der Moral gewidmet. Wie lassen sich moralische Forderungen begründen? Sind sie auf Gebote Gottes, auf die Werte der Natur, auf Imperative der Vernunft oder auf spezielle Gefühle wie das Mitleid zurückzuführen? Im dritten und letzten Teil der Vorlesung wird vor allem die Frage diskutiert, wie weit die Schutzfunktion der Moral reicht. Gilt die Moral nur gegenüber Menschen? Wie sollen wir mit menschlichem Leben vor der Geburt umgehen? Schulden wir Tieren und der nicht empfindenden Natur moralischen Respekt? In die Behandlung von Fragen dieser Art werden auch klassische moralphilosophische Konzeptionen z. B. von Aristoteles, Hobbes, Kant und Mill einbezogen. Die Vorlesung ist jedoch systematisch, nicht historisch angelegt. Literatur: W.F. Frankena, Analytische Ethik. Eine Einführung, München: dtv 1975. B. Gert: Morality. Its Nature and Justification, New York: Oxford University Press 1998. J. Mackie, Ethik. Die Erfindung des moralisch Richtigen und Falschen, Stuttgart: Reclam 1981. E. Tugendhat, Vorlesungen über Ethik, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993. 


Proseminare

Übungen zur Vorlesung „Einführung in die moderne Logik“ (Rott)
2 st., Mi 10-12
Logik besteht weniger in einem Wissen über einen Gegenstand als in einer Fähigkeit, etwas zu tun. Deshalb sind die Übungen zur Logik eigentlich wichtiger als der Vorlesungsteil – wenn dieser auch für jene unabdingbar ist. In der Übung werden die in der Logik-Vorlesung besprochenen Themen des Formalisierens, des Beweisens und Widerlegens als Fähigkeiten eingeübt. Ein Hauptziel der Übung ist nicht nur der Erwerb einer praktischen Kompetenz, sondern auch die Erhöhung des Reflexionsniveaus in Bezug auf das, was man eigentlich tut, wenn man eine These (nach strengen Regeln) argumentativ untermauert.

Anselm von Canterbury. Über den freien Willen (Schönberger)
2 st., Mo 10-12
Die Philosophie der Neuzeit hat Freiheit zu einem Grundbegriff gemacht. Sie hat sich auch selbst als eine Epoche der Befreiung verstanden. Der Begriff der Freiheit hat aber bereits im mittelalterlichen Denken eine herausragende Stellung gewonnen. Ein Beispiel für die zugleich grundsätzliche wie subtile Diskussion dessen, worin die Freiheit des Willens besteht, ist der frühmittelalterliche Denker Anselm von Canterbury, der vor allem durch einen neuartigen Beweis für die Existenz Gottes berühmt ist. Das Seminar wird die relativ kurze Schrift Über den freien Willen zugrunde legen, daneben aber auch andere Texte Anselms, seiner Vorgänger und Nachfolger berücksichtigen. Die Lehrveranstaltung versteht sich als Lektüre- und Interpretationsseminar so daß die Voraussetzung für die Teilnahme in der Bereitschaft besteht, ein Textreferat sowie ein Protokoll zu übernehmen.

Thomas Hobbes, Leviathan (Steinfath)
2 st., Di 8-10, Raum: H 8, Beginn: 15.10.
Thomas Hobbes (1588-1679) gilt als der Begründer der modernen politischen Philosophie und zugleich als einer der einflußreichsten Denker der Neuzeit überhaupt. Im Mittelpunkt des Proseminars wird die Lektüre der ersten beiden Teile des Leviathan (1651), ergänzt um Auszüge aus De Cive und De Homine stehen. Wir werden nach Hobbes’ Menschenbild fragen und seine bis heute diskutierte Verteidigung staatlicher Zwangsgewalt im Detail nachzuvollziehen versuchen. Literatur: Thomas Hobbes, Leviathan, hg. von I. Fetscher, Frankfurt a.M.: Suhrkamp (stw 462). T. Hobbes, Vom Menschen/ Vom Bürger, hg. von G. Gawlick, Hamburg: Meiner (Phil. Bibl. Nr. 158). Eine empfehlenswerte englische Ausgabe des Leviathan ist: Hobbes, Leviathan, hg. von E. Curley, Indianapolis: Hackett 1994.

Moralische Begründungen (Fröhlich)
2 st., Mi 8-10
Das Proseminar richtet sich an Anfänger des Philosophiestudiums sowie an Lehramtskandidaten (EWS und LGy). Vermittelt wird ein Grundverständnis einiger exemplarischer ethischer Positionen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Im Zentrum steht dabei die Begründungsfrage. Der Fortgang der Veranstaltung richtet sich nach der Textauswahl, die am Anfang des Semesters bekanntgegeben wird. Folgende Autoren werden behandelt: Aristoteles (384/3-322/1 v. Chr.) war der erste, der von Ethik im heutigen Sinne überhaupt sprach. Der Mensch wolle glücklich werden, meinte er, und er führte dazu in seiner Nikomachischen Ethik aus, daß, damit er es werden könne, bestimmte staatliche, aber auch persönliche Bedingungen vorherrschen müßten. Im inhaltlichen Anschluß an den ehemaligen Kopf der stoischen Schule Panaitios schrieb Cicero (106-43 v. Chr.) im Jahr 44 v. Chr. einen Brief an seinen Sohn Markus: De officiis. Dort orientiert er sich v.a. an der Lebenspraxis, der er das sittlich Gute (honestum, das Ehrenhafte) gegenüberstellt. Nach Immanuel Kant (1724-1804) – wir werden Teile aus der Kritik der praktischen Vernunft und aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten lesen – wissen wir alle, was Pflicht heißt. Betrachtet man die Struktur dieses Wissens, gelangt man zu den Elementen und Prinzipien der Moralität. Der synthetische Aufweis der Verbindung von Sittlichkeit und Freiheit führt uns dann zu einer Kritik der praktischen Vernunft. John Stuart Mill (1806-1873) versucht in seinem Buch Utilitarianism die politische Idee der Nützlichkeit zu begründen und sie gegen Angriffe zu verteidigen. Den Abschluß bildet Max Scheler (1874-1928) mit seinem Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik. Scheler ist der Meinung, daß ethische Grundlagen nur in der Person des Handelnden zu finden sind. Grundlage zum Erwerb eines benoteten Scheins ist, neben Anwesenheit und Mitarbeit, eine schriftliche Arbeit. Die Themen werden im Seminar bekanntgegeben. Literatur: Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, übers. u. m. e. Einf. und Erläut. versehen v. Olof Gigon, München 1991. Cicero, De officiis/Vom pflichtgemäßen Handeln, lat.-dt.  Stuttgart. Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, hg. v. Wil-helm Weischedel, Frankfurt am Main 101989 u.a. Auflagen. John Stuart Mill, Utilitarismus, Stuttgart 1997. Max Scheler, Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik. Neuer Versuch der Grund-legung eines ethischen Personalismus, Bern, München 51966.

F. J. W. Schelling. Texte zur Philosophie der Kunst (Grotz)
2 st., Di 12-14
Kunst ist nicht bloß ein weiterer Bereich, mit dem sich das Wunderkind des Deutschen Idealismus unter vielem anderen auch noch auseinandergesetzt hätte, sondern in einer bestimmten Phase seines Philosophierens auch „wahres und ewiges Organon“, d.h. notwendige Artikulationsform, aller Philosophie. Es wird also in diesem Seminar weniger darum gehen, ob und wie Schellings Theoreme uns bei der Interpretation von Kunstwerken behilflich sein können, als vielmehr um den systematischen Stellenwert von Kunst für Schellings Philosophieren. Literatur: F.W.J. Schelling, Texte zur Philosophie der Kunst, hrsg. von W. Beierwaltes, Stuttgart 1982 u.ö. (Reclam-Bibliothek 5777). D. Jähnig, Schelling. Die Kunst in der Philosophie, 2 Bde., Pfullingen 1966/69.

Ernst Cassirer. Texte zur Symboltheorie (Grotz)
2 st., Mi 14-16
Lange Zeit als epigonale Ausgeburt des seinerseits epigonalen Neukantianismus verschrieen, erfreut sich Ernst Cassirers facettenreiches Werk heute einer kleinen Renaissance. In diesem Seminar sollen Texte aus dem thematischen und zeitlichen Umfeld von Cassirers „Philosophie der symbolischen Formen“ (1923(29) gelesen werden. Mit der „symbolischen Form“ sucht Cassirer seine grundsätzliche philosophische Überzeugung, daß der Mensch immer nur vermittelt Zugang zu ,seiner‘ Welt gewinnen kann, auf einen universalen Begriff zu bringen und zugleich bis in die kleinsten Verästelungen der verschiedensten Weltbilder (ob sie nun naturwissenschaftlich oder mytisch-,primitiv‘ geprägt sind) zur Geltung zu bringen. Literatur: Ernst Cassirer, Wesen und Wirkung des Symbolbegriffes, Darmstadt 1958; ders., Philosophie der symbolischen Formen, 3 Bde., Darmstadt 21954 u.ö. Außerdem sei verwiesen auf die im Erscheinen begriffene Gesamtausgabe (Meiner-Verlag).

Einführung in die Philosophie (Hinzen)
2 st., Fr 10-12
Die Veranstaltung richtet sich an Studienanfänger und gibt einen Überblick über aktuelle Grundprobleme der Philosophie, unter Berücksichtigung ihrer verschiedenen Bereiche (Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ethik, etc.). Es geht mehr darum, Tore zu diesen verschiedenen Bereichen und ihren Verbindungen aufzustossen, als sich in einzelne Probleme zu vertiefen. Diese Einführung berücksichtigt nicht die Geschichte der Philosophie. Sie gibt ferner Hinweise zur philosophischen Arbeitsweise und ihrer Methodik. Ich bitte darum, dass sich alle Teilnehmer bis eine Woche vor dem Semester persönlich oder per e-mail für diesen Kurs anmelden. Voraussetzung zur Teilnahme ist die vorgängige Lektüre von Thomas Nagel, Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie, Stuttgart: Reclam.

Sprachphilosophie: Wittgenstein (Hinzen)
2st., Do 12-14
Wittgenstein ist einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Wir werden uns insbesondere mit seinem zweiten Hauptwerk, den "Philosophischen Untersuchungen", befassen, das ich in der Suhrkampausgabe vor Semesterbeginn anzuschaffen bitte. Es soll ein Verständnis dafür geweckt werden, welche Rolle dieses Werk in heutigen Diskussionen in der Philosophie spielt, und damit ein Verständnis dieser Diskussionen selbst. Ich erwarte von allen Teilnehmern, dass sie sich in den Semesterferien mit diesem Text bereits etwas vertraut machen, und erbitte ebenfalls Ihre Anmeldung (persönlich oder per email).
Dieses Proseminar gehört zum Teilbereich Theoretische Philosophie, und ist für alle Semester im Grundstudium geeignet.


Hauptseminare

Rationalität und Kognition (Rott/Bäuml)
2 st., Do 16-18
Seit jeher haben sich Philosophen damit beschäftigt, Normen für den rechten Gebrauch des menschlichen Verstandes aufzustellen. Im 20. Jahrhundert festigten sich Rationalitätstheorien für ideale Personen in den klassischen Paradigmen der Logik und Entscheidungstheorie. In den letzten Jahrzehnten sind diese Konzeptionen zunehmend unter Druck geraten. Welchen Wert, so muss man sich fragen, haben Theorien der Vernunft, wenn sie Fähigkeiten voraussetzen, von denen von vornherein bekannt ist, daß sie die menschlichen kognitiven Kapazitäten bei weitem übersteigen? Die Psychologie und die Kognitionswissenschaften modellieren das Denken und Verhalten tatsächlicher Agenten. Wie im Laufe der letzten 20 Jahre u.a. am Beispiel psychologischer und ökonomischer Entscheidungsforschung deutlich wurde, können deskriptive Disziplinen mit den normativen Zielsetzungen der Philosophie jedoch durchaus in Konflikt geraten. Eine der Aufgaben, deren sich die Geistes- und Sozialwissenschaften heute gegenübersehen, ist entsprechend die Entwicklung von Theorien, die Rationalitätsaspekte und kognitive Aspekte des Denkens und Verhaltens – vor allem die bekannten menschlichen Beschränktheiten und Fehlbarkeiten ("bounded rationality") – integrieren. Das interdisziplinär angelegte Seminar soll am Beispiel der Entscheidungsforschung nachzeichnen, (a) wie diese Herausforderung von philosophischer und psychologischer Seite in den letzten Dekaden angegangen wurde und (b) Ideen herausarbeiten, wie diese Herausforderung in Zukunft angegangen werden könnte. Literatur (unverbindlich, ausführliche Liste in der ersten Seminarsitzung): Gigerenzer, G., Adaptive Thinking: Rationality in the Real World, Oxford University Press 2000, Paperback Februar 2002. Nozick, R., The Nature of Rationality, Princeton University Press, Paperback 1995 (jetzt auch als preiswertes E-book). Slovic, P., S. Lichtenstein und B. Fischhoff, 'Decision Making', in R. C. Atkinson, R. J. Herrnstein, G. Lindzey und R. D. Luce (eds.), Stevens Handbook of Experimental Psychology, Bd. 2: Learning and Cognition, New York: Wiley,  S. 673-738. 

René Descartes. Meditationen über die erste Philosophie (mit Einbeziehung der Einwände und Descartes’ Erwiderungen) (Schönberger)
2 st., Di 8.30-10
Descartes gilt als Anfang der Philosophie der Neuzeit. Seine Meditationen über die Erste Philosophie müssen als sein philosophisches Hauptwerk angesehen werden. Er hat dieses Werk in sechs Meditationen eingeteilt, in denen die Probleme der Gewißheit, der Existenz Gottes, der Freiheit und des Verhältnisses von Geist und Materie behandelt werden. Da Descartes sein Werk berühmten Zeitgenossen (Hobbes, Gassendi, Arnauld, etc.) zur Verfügung gestellt hat, um es von ihnen kritisieren zu lassen, und er auf diese Kritik erwidert hat, kann das Seminar die Gelegenheit ergreifen, den Text zugleich mit den Stellungnahmen Descartes' (seine Verteidigungen, seine Modifikationen?) zu interpretieren.

Naturethik (Steinfath)
2 st., Di 18-20, Raum H 42, Beginn: 15.10.
Das Seminar zerfällt in zwei Teile. Im ersten wird es um den moralischen Status von Tieren gehen. Schulden wir Tieren auf ähnliche Weise moralischen Respekt wie Menschen? Welche Argumente sprechen dafür, welche dagegen? Im zweiten Teil soll der moralische Status der pflanzlichen und unbelebten Natur diskutiert werden. Hat die nicht empfindende Natur einen eigenen moralischen Wert oder sollten wir sie allein (und allenfalls) aus Eigeninteresse achten? Das Für und Wider moralischer Rücksichtnahme auf Tiere und Natur soll anhand neuerer einflußreicher Artikel erörtert werden. Literatur: D. Birnbacher (Hg.), Ökologie und Ethik, Stuttgart: Reclam 1980. A. Krebs (Hg.), Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 (stw 1262).

Gerechtigkeit und Gleichheit (Steinfath)
2 st., Mo 18-20, Raum: PT 2.0.7,  Beginn: 21.10.
Sowohl in klassischen als auch in neueren Theorien der Gerechtigkeit wird ein enger Zusammenhang zwischen den Ideen der Gerechtigkeit und der Gleichheit behauptet. Verfechter mehr oder minder egalitärer Theorien meinen, niemand solle aufgrund natürlicher oder sozialer Unterschiede, für die er nichts kann, schlechter oder besser dastehen als andere. Aber läßt sich diese Grundintuition halten? Im Hauptseminar sollen sowohl neuere Vertreter egalitärer Gerechtigkeitskonzeptionen als auch deren Kritiker zu Wort kommen. Wichtige Aufsätze zur neueren Egalitarismuskritik finden sich in: A. Krebs (Hg.), Gleichheit oder Gerechtigkeit, Frankfurt a. M. 2000 (stw 1495). Für die Verteidigung einer egalitären Position vgl. z. B. E. Tugendhat, Vorlesungen über Ethik, Frankfurt a. M. 1993, 18. Vorlesung.

An der Grenze von Naturwissenschaft und Metaphysik (Bonk)
2 st., Do 18-20
Seit dem weitgehenden Zusammenbruch des deterministischen Paradigmas (Stichworte: Indeterminismus in der Quantentheorie, Chaostheorie, Selbstorganisation der Materie), mehren sich die Versuche, aus den Potentialen einzelner Naturwissenschaften wie Physik, Kosmologie, Evolutionstheorie und Neurophysiologie selbst heraus zu Antworten auf die sogenannten großen Fragen der Philosophie und Metaphysik zu gelangen. Da einigen dieser Antworten von den Naturwissenschaftlern eine auch dem gebildeten Laien zugängliche Gestalt verliehen worden ist, können wir philosophischen Haupt-seminaristen es m. E. riskieren, uns diese anzueignen und gegebenenfalls auch kritisch zu hinterfragen. Ich denke dabei an Publikationen wie die folgenden (bin aber auch für andere Vorschläge offen): Paul M. Churchland, Die Seelenmaschine; Manfred Eigen und Ruthild Winkler, Das Spiel; Günter Ewald, Die Physik und das Jenseits; Brian Greene, Das elegante Universum; Stephen Hawking, Das Universum in der Nußschale; Rupert Sheldrake, Das Gedächtnis der Natur; Lee Smolin, Warum gibt es die Welt?
Scheine gibt es bei Übernahme eines Referats und dessen schriftlicher Ausarbeitung. 


Kolloquien

Kolloquium für Fortgeschrittene (Rott)
2 st., Di 16-18  Raum: PT 4.3.5
In diesem Kolloquium werden – in inzwischen bewährter Weise – ausgewählte Texte aus allen Bereichen der (nicht nur theoretischen) Philosophie gelesen und diskutiert. Insbesondere bietet es Studierenden Gelegenheit, ihre eigenen philosophischen Interessen und Gedanken, die auch im Zusammenhang mit der Vorbereitung einer größeren Arbeit stehen können, einer lebhaften Diskussion zu stellen. Hierzu können geeignete Texte aus der Literatur, aber auch aus eigener Feder vorschlagen werden. Obschon als Veranstaltung für Fortgeschrittene ausgewiesen, steht dieses Hauptseminar allen interessierten und engagierten Studierenden offen. Das Programm ist inhaltlich nicht festgelegt, zur Vorbereitung desselben ist eine rechtzeitige formlose Kundgabe der intendierten Teilnahme am Seminar erwünscht.

Colloquium für Fortgeschrittene. Das Problem des Gegensatzes II (Schönberger)
2 st., Do 8.30-10
Nachdem im ersten Teil des Colloquiums anhand von aristotelischen Texten die Logik des Gegensat-zes und dessen verschiedene Arten thematisiert worden ist, wird sich der zweite Teil insbesondere den antagonistischen Formen des Gegensatzes zuwenden. Es wird also mit anderen Worten um die Frage gehen, unter welchen Bedingungen aus der Gegensätzlichkeit eine Art von Dynamik – sei es in der Natur, in der Gesellschaft, in der Geschichte – hervorgehen kann. Im Zentrum des Colloquiums werden daher Texte aus der Logik Hegels stehen. Einige andere Antagonismustheorien sollten in Form von Referaten vorgestellt werden. Die Teilnahme am ersten Teil ist nicht notwendige Bedingung für die sinnvolle Teilnahme an diesem zweiten Teil des Colloquiums.

Pfeil




Vorlesungen

Wahrheit und Bedeutung (Rott)
2 st., Di 10-12
Um die Wahrheit einer Aussage oder einer Äußerung zu beurteilen, muß man wissen, was die Begriffe oder Wörter bedeuten, aus denen sich die Aussage zusammensetzt. Um die Bedeutung einzelner Wörter zu erkennen oder verstehen zu lernen, muß man davon ausgehen, daß diese Wörter von den Sprechern und Schreibern der jeweiligen Sprachgemeinschaft richtig verwendet werden, und dies heißt: daß die Äußerungen der Sprecher in den meisten Situationen auch wahr sind. Hiermit tut sich offenbar eine Zirkularität auf bei der Beantwortung der Frage, welchem Begriff – Wahrheit oder Bedeutung – das Primat zukomme. Ausgehend von dieser vertrackten Frage und regelmäßig auf sie zurückkommend, wird die Vorlesung einen Streifzug durch die moderne Sprachphilosophie und die philosophische Theorie der Interpretation unternehmen. Zur Einstimmung wird empfohlen: Donald Davidson, 'Truth and Meaning', Synthese 17 (1967), 304–323 (wieder in D.D., Inquiries into Truth and Interpretation, Oxford 1984, deutsche Übersetzung in D.D., Wahrheit und Interpretation, Frankfurt a.M. 1990).

Einführung in die Religionsphilosophie. Die Geschichte ihrer wichtigsten Konzeptionen und gegenwärtige Problemstellungen (Schönberger)
2 st., Do 10-12. Beginn 18.04.
Seit der Antike hat sich die Philosophie mit Begriff und Phänomen der Religion in verschiedener Weise beschäftigt: Kritisch bzw. affirmativ im Verhältnis zu inhaltlichen Überzeugungen, analytisch im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Religion und Sprache, hermeneutisch im Hinblick auf das Verhältnis von Anthropologie und Religion. Die Vorlesung stellt sich die doppelte Aufgabe, zum einen, einen ersten Überblick über die wichtigsten Positionen der Religionsphilosophie zu geben, zum anderen aber eine Skizze zu einer möglichen gegenwärtigen Gestalt der Religionsphilosophie zu zeichnen. Einschlägige Literatur wird bei den jeweiligen Kapiteln kurz vorgestellt.

Schopenhauer (Welsen)
2 st., Mo 12-14, H 19. Beginn: 15.04.
Schopenhauer ist ein Denker, der von der akademischen Philosophie häufig unterschätzt oder vernachlässigt wurde. Dies mag daran liegen, daß er zeitgenössische Vertreter derselben wie Fichte, Schelling und Hegel mit polemischer Kritik überhäufte. Dennoch verdient Schopenhauer weitaus mehr Beachtung, als ihm gegenwärtig zuteil wird. Einer seiner originellsten Gedanken läuft darauf hinaus, daß er in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung eine überaus originelle Synthese vier philosophischer Disziplinen vollzieht: der Erkenntnistheorie, der Metaphysik der Natur, der Ästhetik sowie der Ethik. Ferner nehmen seine Erkenntnistheorie und seine Metaphysik der Natur die Ergebnisse der zeitgenössischen empirischen Wissenschaften ernst, ohne eine materialistische oder naturalistische Position zu beziehen. Anderseits ist Schopenhauers metaphysischer Ansatz nicht dogmatisch und respektiert die empirische Wirklichkeit, wie sie von den Naturwissenschaften beschrieben wird. Weitere Aspekte, die Beachtung verdienen, sind Schopenhauers pessimistische Weltsicht, seine Auffassung des Verhältnisses von Körper und Geist sowie seine Religionsphilosophie. Primärliteratur: A. Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Bd. I. Zürich 1977. Sekundärliteratur: C. Janaway: Self and World in Schopenhauer’s Philosophy. Oxford 1990; R. Malter: Arthur Schopenhauer. Stuttgart - Bad Cannstatt 1991; P. Welsen: Schopenhauers Theorie des Subjekts. Würzburg 1995.


Proseminare

Einführung in die Wissenschaftstheorie (Rott)
2 st., Mi 10-12
In diesem Proseminar sollen Grundbegriffe und -probleme der Wissenschaftstheorie erörtert werden. Hierzu gehören: Der Begriff der Erklärung in seinen verschiedenen Spielarten und seine Grenzen, Bestätigung und Widerlegung wissenschaftlicher Hypothesen, die Struktur und Dynamik wissenschaftlicher Theorien, sowie die Natur der Mathematik. Das Proseminar ist für Studierende anderer Fächer als der Philosophie geeignet. Das Seminar stützt sich in erster Linie auf: Karel Lambert und Gordon G. Brittan, Jr., Eine Einführung in die Wissenschaftsphilosophie, Ber-lin 1991. Ergänzend können herangezogen werden: Wilhelm K. Essler, Joachim Labude und Stefanie Ucsnay, Theorie und Erfahrung. Eine Einführung in die Wissenschaftstheorie, Freiburg 2000. Volker Gadenne und Aldo Visintin (Hrsg.), Wissenschaftsphilosophie, Freiburg 1999. Ian Hacking, Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften. Ditzingen 1996. Willard Van Orman Quine und Joseph S. Ullian, The Web of Belief, New York, 2. Auflage 1978. Ein genaues Seminarprogramm wird in der ersten Sitzung ausgegeben.

Übung: Phänomenologie und Musik im Zwanzigsten Jahrhundert (Fröhlich/Kleinertz)
2st., Do 13.30-15.00, PT 4.0.47 (Tonstudio des Instituts für Musikwissenschaft)
Beginn: 18.04.

Im Mittelpunkt der interdisziplinären Übung steht die Frage nach Erkennbarkeit und Identität von Musikwerken sowie damit zusammenhängende Probleme der Interpretation. Zunächst sollen aus philosophischer Sicht mit Hilfe der von Edmund Husserl begründeten Phänomenologie generelle Gattungsmerkmale von Musikwerken herausgearbeitet werden. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der Identität eines musikalischen Werkes. Wir bemerken sehr schnell, daß sich diese Gattung von „Gegenständen" generell von den uns gewohnten Seinsweisen von Gegenständen des Alltags unterscheidet: Hören wir dasselbe Werk, wenn wir verschiedene Aufführungen von ihm erleben? Oder ist seine Identität in der Partitur, in der Komposition des Urhebers oder gar in der jeweiligen Aufführungspraxis einer bestimmten historischen Epoche zu suchen? Die Phänomenologie bietet eine methodische Möglichkeit, diese unterschiedlichen Arten des Auftretens von Musikwerken zusammenzunehmen, ohne daß die Seinsweise des Werks auf einzelne dieser Aspekte reduziert wird. Anhand von ausgewählten Beispielen aus Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion, aus Mozarts Don Giovanni, einigen Klaviersonaten und einer Symphonie Ludwig van Beethovens soll dann die Frage angegangen werden, ob sich diese allgemeinen Kategorien, die mit Hilfe der phänomenologischen Methode gewonnen wurden, auch auf die Interpretation von Einzelwerken übertragen und fruchtbar machen lassen. Hierbei entstehen v.a. Probleme in Bezug auf die Gültigkeit von interpretatorischen Aussagen angesichts sich ständig wandelnder historischer Sichtweisen durch die musikwissenschaftliche Forschung und subjektiv-relativer Erlebnisweisen bei Aufführungen der Kompositionen.Literatur: Roman Ingarden, Untersuchungen zur Ontologie der Kunst. Musikwerk, Bild, Architektur und Film, Tübingen 1962. Um Anmeldung bei einem der beiden Dozenten wird gebeten.

Augustinus, Was ist Zeit? (Confessiones XI) (Grotz)
2 st., Di 12-14. Beginn: 16.04.
"Wenn mich niemand fragt, weiß ich's; wenn mich jemand fragt und ich's ihm erklären will, weiß ich's nicht." In eine unangenehme Prüfungssituation hat sich da Augustinus manövriert mit der Frage, was Zeit ist. Am Prüfer allein kann es wohl nicht liegen: Es ist ja Augustinus selbst, der (sich) diese Frage im elften Buch seiner "Bekenntnisse", dem sog. Zeittraktat, stellt. Oder liegt es doch am Fragenden? Kann der menschliche Geist Zeit vielleicht gar nicht als einen Gegenstand vorstellen, sie also nicht zeitfrei denken? Oder ist Zeit doch nur eine – gar eine beliebige – Maßeinheit für alle objektive Veränderung? Oder erhält Zeit erst von etwas prononciert Zeitfreiem her ihren Stellenwert? Solche und ähnliche Fragen zu stellen lehrt uns der berühmte Augustinische Text. In Form eines verstehenden Nachfragens wollen wir uns Augustins Erklärungen ein Stück weit nahebringen. Für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Protokolls Voraussetzung, für einen Scheinerwerb zusätzlich die Anfertigung einer Hausarbeit.
Literatur: Ausgaben und Übersetzungen von Augustins „Bekenntnissen" sind Legion. Den Interessierten sei aber eine zweisprachige Ausgabe mit materialreichem Stellenkommentar und philosophiehistorischer Einführung empfohlen: Kurt Flasch, Was ist Zeit? Augustinus von Hippo. Das XI. Buch der Confessiones. Historisch-philosophische Studie. Text – Übersetzung – Kommentar, Frankfurt a. M. 1993.  

Wilhelm von Ockham: Summe der Logik (Einführung) (Grotz)
2 st., Mi 14-16. Beginn: 17.04.
Wilhelm von Ockham (ca. 1285–1349) ist einer der genialsten und streibarsten Köpfe seiner Zeit. Mit nur 30 Jahren hat er ein umfangreiches theologisch-philosophisches Werk bereits vollendet, sich aber auch um eine Juniorprofessur gebracht infolge von Schwierigkeiten mit dem Kanzler der Oxforder Universität sowie dem Papst in Avignon, von wo aus er unter den Schutz des Kaisers und endlich nach München entfliehen kann. Für dieses bewegte Leben sind nicht zuletzt Wilhelms revolutionäre politische und philosophische Schriften verantwortlich, so auch das noch in Oxford verfaßte Logiklehrbuch. Diese auch in ihrem Umfang gewaltige Summa bietet nun nicht bloß eine zusammenfassende Darstellung 'des' logisch korrekten Denkens und Sprechens, sondern ihre neuartigen Einsichten in die Analyse von Satzurteilen sind an eine durchschlagende Neubewertung metaphysischer und erkenntniskritischer Positionen gebunden. Für die Teilnahme am Seminar ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Protokolls Voraussetzung, für einen Scheinerwerb zusätzlich die Anfertigung einer Hausarbeit. Literatur: Den kritisch edierten lateinischen Text bietet der erste Band von Ockhams Opera philosophica unter dem Titel "Summa logicae" (ed. Philotheus Boehner, St. Bonaventure, NY 1974). Als zweisprachige Auswahlübersetzung ins Deutsche liegt vor:  W.v.O., Summe der Logik, Teil 1 (Kap. 1–4; 63–67), übs. und hrsg. von Peter Kunze, Hamburg 21999 (Phil. Bibl. 363). Leicht greifbar ist auch eine lateinisch-deutsche Aus-wahl aus "Texten zur Theorie der Erkenntnis und der Wissenschaft", die Ruedi Imbach 1984 im Reclam-Verlag ediert hat (RUB 8239).

Gefühle (Hinzen)
2 st., Mo 12-14
Gefühle (Emotionen) sind – ein relativ vernachlässigter – Teil der Philosophie des Geistes. Darin fragen wir uns, was Emotionen sind, welche Rolle sie spielen in der Erklärung von Verhalten, welche Arten von Emotionen es gibt, wie rational sie sind, und ob sie Rationalität verhindern oder ermöglichen. Wir wählen die Gefühle in diesem Proseminar, das sich an Anfänger richtet, als unser Thema und versuchen, einigen dieser Fragen nachzugehen. Dabei werden wir uns auch verschiedene Exkurse in die Philosophie des Geistes erlauben, damit Sie dieses Proseminar auch im Sinne einer breiteren Einführung in die Philosophie des Geistes nutzen können. Scheinerwerb ist auf verschiedene Weisen möglich. Sie können eine Reihe von kurzen Essays schreiben, in denen Sie sich mit einer Reihe von abgesprochenen Themen argumentativ auseinandersetzen. Das trainiert Ihre Argumentations- und Formulierungsfähigkeit und baut eventuelle Schreibhemmungen ab. Oder Sie referieren den einen oder anderen Text und arbeiten Ihr Referat schriftlich aus. Anmeldungen sind für diese Veranstaltung nicht erforderlich. Eine Vorbereitung auf das Thema anhand der angegebenen Literatur ist wünschenswert. Literatur: Richard Wollheim, Emotionen – eine Philosophie der Gefühle, München 2001. Jon Elster, Alchemies of the Mind – Rationality and the Emotions, Cambridge University Press 1999. Antonio Damasio, Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins. München 2000.

Geschichtsphilosophie im 20. Jahrhundert (Schäfer)
2 st., Mo 14-16. [Die ursprünglich für dieses Semester geplante und bereits teilweise mit prospektiven Teilnehmern vorbesprochene Blockübung „Journalistisches Schreiben für Philosophen" kann widriger Umstände halber leider nicht stattfinden.]
Anhand einiger Texte prominenter deutschsprachiger Philosophen (Jaspers, Popper, Jonas, Spengler, u.a.) sollen in diesem Hauptseminar die virulenten Fragen behandelt werden, mit denen sich die Geschichtsphilosophie des 20. Jhdts. unablässig beschäftigt hat: Gibt es so etwas wie einen historischen „Fortschritt" oder eine gerechtfertigte „Menschheitshoffnung", die aus einer philosophischen Betrachtung der Geschichtsentwicklung ablesbar wäre? (Oder kennzeichnet die Geschichte etwa das Phänomen der ewigen Wiederkehr desselben?) Und: Kann man gewisse gemeingültige Muster historischer Entwicklung isolieren, vielleicht sogar eine Art „Formelsammlung" erstellen, die weltgeschichtliche Prozesse berechnen ließe, ähnlich wie eine mathematische für mathematische Probleme anwendbar ist? Schließlich: Gelten die Antworten, wo sie gegeben werden, gleichermaßen für die Taten- und Geistesgeschichte? Oder ist „Geistesgeschichte" ohnehin schon ein Oxymoron? Voraussetzungen: Ein hohes Maß an Lesebereitschaft, da die meisten der Lektüretexte recht umfangreich sind. Zum Erhalt eines Seminarscheins ist die Übernahme eines Referats und einer Seminarar-beit erforderlich.

Grundlagen der Ethik: Eine systematische Einführung (Welsen)
2 st., Di 18-20, H 7. Beginn: 16.04
Seit jeher geht der Mensch der Frage nach, wie er handeln solle. Unter den verschiedenen Disziplinen, die Antworten auf diese Frage vorgelegt haben, nimmt die Philosophie insofern eine privilegierte Stellung ein, als sie systematisch zu klären versucht, welches die elementaren Begriffe der Ethik sind und wie sich normative Aussagen begründen lassen. Ziel der Veranstaltung ist es, die wichtigsten Ansätze einer philosophischen Ethik vorzustellen und im Zuge dieses Unternehmens deren systematische Grundlagen zu erarbeiten sowie einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Primärliteratur: D. Birnbacher / N. Hoerster (Hg.): Texte zur Ethik. München 1976. Sekundärliteratur: F. v. Kutschera: Grundlagen der Ethik. Berlin / New York 1982; A. Pieper: Einführung in die Ethik. Tübingen 1991; E. Tugendhat: Vorlesungen über Ethik. Frankfurt a. M. 1993.

Spinoza: Kurze Abhandlung von Gott, dem Menschen und dessen Glück (Welsen)
2 st., Mo 16-18, H 5. Beginn: 15.04.
Zusammen mit Descartes und Leibniz zählt Spinoza (1632-1677) zu den führenden Vertretern der rationalistischen Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anders als Descartes, der von einer strikten Trennung der körperlichen und der geistigen Substanz ausgeht, nimmt Spinoza an, daß es nur eine Substanz gibt, die der gesamten Wirklichkeit innewohnt. Damit wird er zum Wegbereiter eines Pantheismus, auf den sich Denker wie Schelling und Hegel berufen können. Ferner ist von Interesse, daß Spinoza eine deterministische Position – also die Auffassung, daß alle Ereignisse notwendig bestimmt sind – vertritt. Schon in seiner frühesten Schrift, der „Kurzen Abhandlung", die erst im vorigen Jahrhundert entdeckt wurde, skizziert Spinoza die wichtigsten seiner Gedanken zur Erkenntnistheorie, Metaphysik und Tugendlehre. Primärliteratur: B. de Spinoza: Kurze Abhandlung von Gott, dem Menschen und des-sen Glück. Hamburg 1991. Sekundärliteratur: W. Bartuschat: Spinoza. München 1996; E. Cassirer: Das Erkenntnisproblem. Bd. II. Darmstadt 1974, 73-125; R. Specht: „Spinoza." In: O. Höffe (Hg.). Klassiker der Philosophie. Bd. I. München 1985, 338-359. 


Hauptseminare

Der Sinn des Lebens (Rott)
2 st., Do 16-18
Shakespeares Macbeth nennt das Leben "ein Märchen, das ein Dummkopf erzählt, voll Schall und Bombast, aber ohne Sinn" und Tolstoi meinte einmal, das Leben sei nichts als ein "dummer, böser Spaß", den sich jemand mit ihm erlaubt habe. Solcher negativen Auskünfte trotzend, hören die Menschen nicht auf, nach dem Sinn ihres Lebens zu suchen, und sie erwarten Antworten insbesondere auch von Seiten der Philosophie. Frei nach Kant gesprochen, gehört die Frage nach dem Sinn des Lebens zu jenen, von denen die menschliche Vernunft belästigt wird, die sich nicht beantworten, aber auch nicht abweisen lassen. Die akademische Philosophie scheut sich jedoch meistens, sich dieses großen Themas überhaupt erst anzunehmen. Die Aufgabe scheint zu groß und zu vage umschrieben. In diesem Hauptseminar, das für Studierende ab dem 3. Jahr gedacht ist, wollen wir uns der Frage annehmen und untersuchen, welche Antworten sich sinnvollerweise geben lassen könnten. Die zu lesenden Texte finden sich allesamt in deutscher Übersetzung in der Sammlung Der Sinn des Lebens, herausgegeben von Christoph Fehige, Georg Meggle und Ulla Wessels, München 2000. Ein genaues Seminarprogramm wird in der ersten Sitzung ausgegeben. "Das einzige absolute Wissen, das der Mensch haben kann, ist, daß das Leben sinnlos ist." (Tolstoi)

Handlungsstruktur und ethische Beurteilung (klassische Texte) (Schönberger)
2 st., Mo 10-12. Beginn 15.04.
Die verschiedenen Formen der Ethik erheben nicht nur unterschiedliche Ansprüche im Hinblick auf ihre eigene Leistungsfähigkeit, sondern rücken auch unterschiedliche Gegenstände in das Zentrum ihrer Konzeption: Werte, Absichten und Gesinnungen, Handlungen. Insofern die Handlung in aller Betrachtung menschlicher Praxis ein zentrales Element sein muß, wird die Frage unausweichlich, wie Handlungen zu beurteilen sind. Diese Frage aber setzt eine andere voraus, welche Gesichtspunkte überhaupt für die Beurteilung einer Handlung von Relevanz sind: In welchem Verhältnis steht die innere Absicht zur äußeren Ausführung? Welche Berücksichtigung verdienen die jeweiligen Umstände bei der Beurteilung einer Handlung? Gibt es so etwas wie eine innere Struktur der Handlung? Wohl in keinem Text der mittelalterlichen Philosophie sind diese Fragen mit vergleichbarer Systematik und Vollständigkeit behandelt worden wie in einem Traktat aus der Summa theologiae des Thomas von Aquin. Ich möchte die Neuherausgabe der Übersetzung dieser Texte zum Anlaß nehmen, in diesem Seminar die genannten und ähnliche Fragen gründlich zu diskutieren. Literaturangaben: Thomas von Aquin, Über sittliches Handeln, Lateinisch/Deutsch, Stuttgart 2001 (Reclam 18162)

Platon: Theaitet (Schönberger)
2 st., Di 8.30-10. Beginn 16.04.
In diesem Dialog stellt Platon die Frage: Was ist Erkenntnis? Angesichts der Entwicklung der Wissenschaften und Künste in Griechenland kann er davon ausgehen, daß es Erkenntnis gibt. Angesichts der tiefgreifenden Kontroversen kann er jedoch nicht davon ausgehen zu wissen, worin Erkenntnis besteht. In diesem Dialog setzt sich Platon mit Positionen auseinander, die man später Phänomenalismus bzw. Sensualismus bzw. Relativismus genannt hat, d.h. mit den Positionen des Protagoras und der hinter ihm stehenden Konzeptionen und Traditionen. Die Klärung dieser Sachfragen setzt voraus, die Struktur des Urteils, in dem wir Erkenntnisse artikulieren, zu klären; darüber hinaus kann der Be-griff der Erkenntnis nur dann als geklärt gelten, wenn auch die Möglichkeit des Irrtums einsichtig gemacht worden ist. Auch diese beiden Problemfelder sind Gegenstand dieses Dialoges. Der Text wird in Abschnitte eingeteilt, so daß jeweils einführende Textreferate eine möglichst intensive Interpretation und Diskussion dieses Textes vorbereiten können. Eine bestimmte Übersetzung wird nicht vorgeschrieben.

Henri Bergson: Denken und schöpferisches Werden (Nickl)
2 st., Mi 13-16 (vierzehntäglich). Beginn: 17.04.
Anhand der 1934 erschienenen Essaysammlung (orig. "La pensée et le mouvant") führt das Seminar in die Philosophie von Henri Bergson (1859-1941) ein. Ausgehend von der Erfahrung der Dauer (durée), der qualitativ erlebten Zeit, die mit der physikalisch meßbaren Zeit inkommensurabel ist, entwickelt er seinen Begriff der Intuition, die – anders als der Intellekt – ins Innere der Sachen selbst vorzustoßen vermag; rehabilitiert er das Gefühl als Quelle der Erkenntnis; stößt er – in Auseinander-setzung mit der Naturwissenschaft – ein Tor zu Metaphysik auf. Textgrundlage: Henri Bergson, Denken und schöpferisches Werden, eva-Taschenbuch 50, Hamburg 32000, 24 DM. Literaturhinweis: Gilles Deleuze, Henri Bergson zur Einführung, Hamburg (Junius) 21997.

Die Aktualität der Philosophischen Anthropologie Helmuth Plessners im Horizont der gegenwärtigen bioethischen Debatte (Schmucker-von Koch)
2 st., Do 18-20
Hierzu liegen keine Informationen vor.

Hans Jonas "Das Prinzip Verantwortung" (Welsen)
2 st., Mi 18-20, ZH 2. Beginn: 17.04.
In den letzten Jahren ist die Dringlichkeit ethischer Fragen in das Zentrum des öffentlichen Bewußtseins gerückt. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, daß die Folgen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts einerseits immer gravierender, anderseits aber schwerer abschätzbar geworden sind. In diesem Zusammenhang sind z. B. die Kernenergie, die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt, die Gentechnologie sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu nennen. Hans Jonas, dessen Ansatz in der Veranstaltung diskutiert wird, zählt zu den ersten Philosophen, die angesichts der genannten Herausforderungen die Frage nach der Verantwortung des Wissenschaftlers für die Zukunft der Menschheit zu beantworten versuchten. Primärliteratur: H. Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt a. M. 1979.


Kolloquien

Kolloquium für Fortgeschrittene (Rott)
2st., Di-16-18, PT 4.3.5
In diesem Kolloquium werden – in inzwischen bewährter Weise – ausgewählte Texte aus allen Bereichen der (nicht nur theoretischen) Philosophie gelesen und diskutiert. Insbesondere bietet es Studierenden Gelegenheit, ihre eigenen philosophischen Interessen und Gedanken, die auch im Zusammen-hang mit der Vorbereitung einer größeren Arbeit stehen können, einer lebhaften Diskussion zu stellen. Hierzu können geeignete Texte aus der Literatur, aber auch aus eigener Feder vorschlagen werden. Obschon als Veranstaltung für Fortgeschrittene ausgewiesen, steht dieses Hauptseminar allen interes-sierten und engagierten Studierenden offen. Das Programm ist inhaltlich nicht festgelegt, zur Vorbereitung desselben ist eine rechtzeitige formlose Kundgabe der intendierten Teilnahme am Seminar erwünscht.

Colloquium für Fortgeschrittene. Das Problem des Gegensatzes (Schönberger)
2 st., Do 8.30-10. Beginn 18.04.
Wenn wir denkend fragen, worin das Denken besteht, sind wir unausweichlich mit dem Problem konfrontiert, wogegen wir das Denken absetzen sollen. Man unterscheidet beispielsweise Inhalt und Vollzug des Denkens – aber ist dies immer zu unterscheiden? Wenn sich nun beispielsweise das Denken gegenüber dem Gegebenen nicht nur irgendwie, sondern nach bestimmten Kriterien unterscheidet, so liegt es nahe, hierfür den Begriff des Gegensatzes einzuführen. Der Begriff des Gegensatzes hat aber in der Geschichte des philosophischen Denkens schnell die Frage auf sich gezogen, ob es Gegensätze jetzt wiederum nur im Denken oder auch in der Wirklichkeit gibt. Fragen dieser Art setzen allerdings einen klaren Begriff von Gegensätzlichkeit voraus – m.a.W.: Welche Arten von Gegensätzen gibt es überhaupt? Anhand klassischer Texte der Philosophie soll diesen Fragen mit aller Intensität nachgegangen werden. Die zu Grunde gelegten Texte werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Pfeil




Vorlesungen

Der Begriff der Wirklichkeit. Zur Metaphysikgeschichte der Antike und des Mittelalters (Schönberger)
2 st., Do 10-12
Neben den unendlich vielen Problemstellungen, einzelne und komplexe Wirklichkeiten zu beschreiben und zu erklären, hat die europäische Denkgeschichte immer wieder die Frage bewegt, worin denn das Wirklichsein selbst besteht. Es ist klar, daß dieser Frage nicht in der selben Weise nachgegangen werden kann wie denjenigen Fragen, die einzelne Dinge, Komplexe von Sachverhalten und Regionen der Wirklichkeit (Bewußtsein; materielle Wirklichkeit) angeht. Man nennt diese Art des Denkens Metaphysik. Seit Kant steht die Metaphysik in dem Verdacht, gar kein Wissen erlangen zu können, seit dem 19. Jahrhundert sogar in dem Verdacht, bloß einer sich zu Ende neigende Epoche des Denkens anzugehören. Diese Vorlesung macht es sich zur Aufgabe, zum einen die verschiedenen Typen von Metaphysik, wie sie in der Antike und dem Mittelalter ausgebildet worden sind, in ihrer Vielfältigkeit darzustellen, zum anderen aber der Grundfrage der Metaphysik, worin denn das Wirklichsein besteht, nachzugehen. Sofern es sich nicht bloß um philosophiegeschichtliche Darstellungen handeln wird, wird auch die  Frage unvermeidlich, welche Ansprüche des Wissens bzw. Verstehens eine Metaphysik überhaupt erheben kann, aber nicht zuletzt auch, unter welchen Bedingungen Metaphysik überhaupt kritisierbar ist.

Geschichte der Ethik (Welsen)
2st., Di 14-16
Ziel der Veranstaltung ist es, einen historischen Überblick über die wichtigsten Ansätze in der Ethik zu vermitteln. Dabei wird freilich keine histori-sche Vollständigkeit im Sinne einer Erfassung mög-lichst vieler – womöglich auch systematisch weniger bedeutsamer – Positionen angestrebt. Statt dessen folgt die Veranstaltung dem Motto "Systematik ohne Historie ist leer, Historie ohne Systematik ist blind" und versucht, systematische Fragen der Ethik anhand klassischer Positionen aus der Geschichte der Ethik zu entwickeln. So wird darauf einzugehen sein, ob es eine Erkenntnis normativer Sachverhalte gibt oder nicht, ob diese eigenständig sind oder sich auf natürliche Sachverhalte reduzieren lassen, welcher Art die letzte-ren sein könnten und auf welche Weise gegebenenfalls eine Begründung normativer Aussagen geleistet werden könnte. Literatur: F. v. Kutschera: Grundfragen der Ethik. Berlin / New York 21999; A. MacIntyre: Geschichte der Ethik im Überblick. Königstein 31995; J. Rohls: Geschichte der Ethik. Tübingen 21999; P. Welsen (Hg.): Ethik. Freiburg / München 1999.


Proseminare

Aristoteles, Metaphysik, IX (Wirklichkeit und Möglichkeit) (Schönberger)
2 st., Mo 10 - 12
In der Sammlung von erst später "Metaphysik" genannten Schriften des Aristoteles findet sich eine Abhandlung, in der die verschiedenen Begriffe von Wirklichkeit und Möglichkeit erörtert werden. Hierbei ist nicht nur von Interesse wie sich eine objektive Möglichkeit ("Es ist möglich, daß ....") zur subjektiven Möglichkeit ("Ich kann ...") verhält, sondern auch, ob es Möglichkeit überhaupt gibt. Aristoteles setzt sich in diesem Text mit der These auseinander, daß alles was ist, wirklich und notwendig ist, alles andere aber unwirklich und unmöglich. Ausgehend von den aristotelischen Untersuchungen werden wir aber auch die Frage zu erörtern haben, was es für das menschliche Selbstverständnis bedeuten würde, wenn es ohne den Möglichkeitsbegriff auszukommen hätte. Textgrundlage: Aristoteles, Metaphysik, Hamburg (Meiner).

David Humes Moralphilosophie (Fröhlich)
2 st., Mo 14-16
Im Zentrum der Seminararbeit steht die kritische Lektüre einiger Texte des schottischen Historikers und Philosophen David Hume (1711-1776). Zuerst beschäftigen wir uns mit einer Auswahl aus dem zweiten und dem dritten Buch (Über Affekte und Über Moral) des 1739/40 erschienenen Treatise of Human Nature. Hume gründet darin die Ethik im wesentlichen auf einen „moralischen Sinn" (moral sense), später wird er diesen auch ein „moralisches Gefühl" (moral sentiment) nennen. Ganz anders argumentiert Hume in der Enquiry concerning the Principles of Morals von 1751: Dieser Text stellt in radikaler Neufassung gegenüber dem Treatise als alleinigen Grund für jedes moralische Handeln die Nützlichkeit (utility), das eigene Wohl oder das der anderen zu befördern, heraus. Diese Überlegungen Humes bilden die Grundlage für alle weiteren Versuche des Utilitarismus eines Jeremy Bentham oder eines John Stuart Mill. Grundlage zum Erwerb eines benoteten Scheins ist, neben Anwesenheit und Mitarbeit, die Übernahme eines Kurzreferats (einem etwa 30minütigen Zusammenfassen einer überschaubaren Textpassage) und die Ausformulierung eines Themas in einer schriftlichen Arbeit. Folgende Texte sind für den Besuch des Seminars anzuschaffen: David Hume, Ein Traktat über die menschliche Natur, Buch II. Über Affekte, Buch III. Über Moral, Hamburg: Meiner, 1978; David Hume, Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral, Hamburg: Meiner, 1972. Als Begleitlektüre sei empfohlen: Jens Kulenkampff, David Hume, München: Beck, 1989.

Logik (Hinzen)
2 st., Do 10-12
Logik ist die Kunst des Denkens. Wie in der Kunst selbst, gibt es Meisterdenker, auf der einen Seite, und solche, die es erst werden wollen, auf der anderen. Logik stellt die nötige Erziehung bereit. Sie sagt Ihnen, wie Sie korrekt denken und schliessen sollen. Insbesondere kann sie etwas sehr Erstaunliches, nämlich Ihnen sagen, was, wenn bestimmte Ihrer Annahmen wahr sind, notwendig auch noch wahr ist. Kurzum, sie setzt Standards für das, was ein gültiger Schluss ist, und es sind solche Standards, die wir kennenlernen werden. Solches Wissen ist nicht nur an sich selbst interessant und nützlich, sondern zum Beispiel auch notwendig, um bestimmte Argumentationen in der heutigen Philosophie kompetent nachvollziehen zu können.

Hinzen. Übungen zur Logik (Hinez)
2 st., Fr 12-14
In dieser Übung wird es um die Vertiefung des in der Logik vorgestellten Wissens gehen, sowie um praktische Fähigkeiten im Beweisen und Formalisieren. Mathematisches Wissen wird nicht vorausgesetzt. Der Besuch der Übung ist obligatorisch für den Scheinerwerb in dem anderen, vorlesungsartigen Teil der Logik.

Grotz. Thomas von Aquin, Untersuchungen über Gottes Macht. (Quaestiones disputatae de potentia Dei)
2 st., Di 10 - 12
Ein umfangreicher lateinischer Text, von dem es, horribile dictu, keine deutsche Übersetzung gibt und dessen Titel verheißt, hier sei philosophisch Verwertbares nicht ohne Theologie zu bekommen: Ist so etwas einem/r Studierenden der Philosophie zuzumuten? Natürlich nicht, sollte man als Ertrag dieses Seminars eine in unsere Sprache gebrachte Kurzfassung der Thomasischen Position erwarten, die man dann teilen kann oder auch nicht. Natürlich schon, sofern gegenwärtige Spielarten eines Möglichkeitsbegriffs durch ein alternatives Konzept von Möglichkeit/Vermögen in ihren Grenzen erkannt werden können. Ein solches historisch geleitetes Gewahrwerden von Grenzen muß sich aber nicht gleich zu einer nostalgischen Kritik an ›der‹ Moderne stilisieren, sondern bietet zunächst einmal die systematische Chance, sich auch seiner eigenen Verwendung von »Möglichkeit« philosophisch bewußt zu werden. Ausgaben: S. Thomae Aquinatis Quaestiones disputatae. Vol. II: De potentia, De anima [...], cura et studio P Bazzi et al. Turin/Rom: Marietti 1960 [nur lateinischer Text]. (a) Engl. Übersetzung: Thomas Aquinas: On the Power of God. Transl. by English Dominican Fathers, ed. L. Shapote, 3 Bde. London: Burns 1932–34. (b) Italienisch [noch unvollständig]: Tommaso d’Aquino: La potenza di Dio. Questioni I–III. Traduzione di Luca Tuninetti, Firenze: Nar-dini 1991. – La potenza di Dio. Questioni IV–V. Trad. e note di Gilfredo Marengo, Fiesole: Nardini 1994. – La potenza di Dio. Questioni VI–VII. Trad. e note di Gilfredo Marengo, Fiesole: Nardini 1995. (c): Eine deutsche Übersetzung ist bisher nicht erschienen. Den Seminarteilnehmern möchte ich aber eigene Übersetzungsentwürfe als Arbeitsgrundlage zur Verfügung stellen.

Nikolaus von Kues, Die belehrte Unwissenheit (De docta ignorantia) (Grotz)
2 st., Mi 8.30-10
Vielleicht ist der 600. Geburtstag des Cusaners (1401–1464) ein willkommener Anlaß, den Jubelsenior mit seinem berühmten philosophischen Erstling selbst zu Wort kommen zu lassen. In diesem Seminar soll dies anhand von ausgewählten Stellen geschehen, an denen wir die Kunst, einen schwierigen Text verstehend zu lesen, erproben können. Denn daß dieser Text seinen Leser beansprucht, zeigt sich bereits an solchen Konzepten wie dem Zusammenfall der Gegensätze, dem eingeschränkt Größten und natürlich an der titelgebenden »belehrten Unwissenheit« – die im übrigen nicht bloß ein lauer Aufguß des Sokratischen Nichtwissens ist. Ideales Ziel dieser Veranstaltung wäre es, wenn wir nicht nur ein interesseloses Wohlgefallen an einem großen Namen der Philosophiegeschichte finden, sondern auch uns (!) Rechenschaft darüber geben könnten, daß und warum Cusanus ein großer Denker ist. Literatur: Nikolaus von Kues: Die belehrte Unwissenheit (De docta ignorantia) Lateinisch-deutsch. Übersetzt und mit Vorwort und Anmerkungen hrsg. von Paul Wilpert und Hans Gerhard Senger. Hamburg: Meiner 2001 (Philosophische Bibliothek 264 a–c) [Diese 3-bändige Ausgabe ist z. Zt. als verbilligte Jubiläumsausgabe erhältlich.] Die aktuellste Einführung ins Denken des Nikolaus von Kues ist: Kurt Flasch: Nicolaus Cusanus. München: C.H. Beck 2001 (Beck’sche Reihe Bd. 562). Dort findet die bzw. der Interessierte weitere wichtige Literatur vermerkt.

Die utilitaristische Ethik (Welsen)
2st., Mi 12-14
Im ausgehenden 18. Jahrhundert entstand in England mit dem Utilitarismus ein moralphilosophischer Ansatz, der bis in die Gegenwart eine beherrschen-de Rolle in der ethischen Diskussion spielt. Nach utilitaristischer Auffassung hängt der Nutzen oder Wert einer Handlung vom Glück ab, das sie mit sich bringt. Freilich genügt es nicht, daß einzelne Menschen zu ihrem Glück gelangen, um eine Handlung als gut einzustufen, sondern das Kriterium, auf das es ankommt, ist das Glück aller Beteiligten bzw. der Gesellschaft als ganzer. Dabei wird Glück zumeist mit der Freude gleichgesetzt, die aus einer Handlung resultiert, so daß sich der Utilitarismus als Hedonismus erweist. Das Ziel der Lehrveranstaltung besteht darin, die wichtigsten Gedanken der utilitaristischen Ethik anhand des klassisch gewordenen Textes Der Utilitarismus von John Stuart Mill zu erarbeiten und zu diskutieren. Primärliteratur: J. S. Mill: Der Utilitarismus. Stuttgart 1976. Sekundärliteratur: D. Birnbacher: John Stuart Mill. In: O. Höffe (Hg.). Klassiker der Philosophie. Bd. II. München 21985, 134-152; A. Ryan: John Stuart Mill, London/Boston 1974; P. Winch: Die Idee der Sozialwissenschaft und ihr Verhältnis zur Philosophie. Frankfurt a. M. 1966, 87-122.

Einführung in die Philosophie (mit Hilfsmittelkunde) (Fröhlich)
2st., Di 8-10, Beginn: 16. Oktober 2001, H 35
Die Teilnahme an diesem Einführungskurs ist für all jene verpflichtend, die im Fach Philosophie eine Prüfung ablegen wollen. Im Seminar werden die Hilfsmittel (Bibliographien, Lexika, Handbücher u. dgl.) vorgestellt, die zum wissenschaftlichen Arbeiten im Studium der Philosophie befähigen. Darüber hinaus soll ein Verständnis für die Disziplinen, Grundprobleme und Methoden der Philosophie vermittelt werden. Ein besonderer Einblick wird in die philosophischen Hauptströmungen der deutschen Philosophie des Zwanzigsten Jahrhunderts gegeben. Um einen benoteten Schein zu erhalten, wird eine schriftliche Hausarbeit abzufassen sein. Das Thema wird im Kurs bekanntgegeben. Literatur: Kurt Salamun (Hg.), Was ist Philosophie? Neuere Texte zu ihrem Selbstverständnis, 3. Auflage, Tübingen 1992. 


Hauptseminare

Rationalität und Indifferenz. Texte zum Freiheitsbegriff (Schönberger)
2 st., Di 8.30-10
Der primäre Zugang zu dem, was Wollen heißt, liegt in unserer Selbsterfahrung: Wenn wir nicht wollende Wesen wären, würde uns eine Begriffserklärung des Wortes Wille nichts helfen. Diese ursprüngliche Zugänglichkeit schließt aber noch keine endgültige Einsicht in das ein, was die Willenstätigkeit insgesamt ausmacht. Zu dieser gehört sicherlich wesentlich der Bezug zur Vernunft, denn nur dann ist der Wille als ein menschliches Vermögen gefaßt und von sonstigen Antrieben und Faktoren zu unterscheiden. Andererseits aber kann er auch nicht bloß als Ausführungsorgan der Vernunft und ihrer Beurteilungsleistung von Handlungsfolgen und Zielen gedacht werden. Mit besonderer Intensität ist dieses Problem im späten Mittelalter verhandelt worden, so daß es sich lohnt, mit neu übersetzten Texten dieser Frage ausführlich in einem Seminar zu widmen. Textgrundlage: Texte und Übersetzungen werden im Seminar zur Verfügung gestellt.

Colloquium für Fortgeschrittene. Friede als Thema der Philosophie (Schönberger)
2 st., Do 8.30-10
Augustinus und Dionysius Aeropagita sind die beiden bedeutendsten Vertreter des christlichen Neu-platonismus. Sie gehören allerdings verschiedenen Traditionslinien zu, und doch findet sich bei bei-den zum ersten Mal eine nicht bloß politisch-praktische, sondern metaphysische Theorie des Friedens. Von diesen beiden Texten soll in diesem Colloquium ausgegangen werden, um dann auf der Grundlage des dionysischen Textes die bedeutendsten mittelalterlichen Kommentare zu diesem Text zu inter-pretieren. Es wird sich vor allem um die Kommentare des Thomas von Aquin und des Albertus Magnus handeln. Es wird also nicht nur um die Frage gehen, welches die Alternative ist, wenn Heraklits Satz: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge", nicht zutrifft, sondern auch um die unterschied-lichen Aneignungsformen jener beiden mittelalterlichen Denker, die zueinander im Lehrer-Schüler-Verhältnis stehen.

Klassische Texte zur Idealismus-Realismus-Kontroverse (Bonk)
2 st., Do 18-20 - Beginn: 25.10.2001
Stellen Raum, Zeit und Materie die eigentliche und fundamentale Wirklichkeit dar oder liegt diese in dem - sei es göttlichen, sei es endlichen - Geist oder Bewußtsein, darin Raum, Zeit und Materie "vorgestellt" werden? Mit anderen Worten: Sind Geist oder Bewußtsein bloße Epiphänomene materieller Prozesse oder ist vielleicht die materielle Welt nur eine Oberflächenerscheinung von Bewußt-seinswesen bzw. geistigen Substanzen? Obwohl in den gegenwärtigen Hauptströmungen des Philoso-phierens ein breiter Konsens für die jeweils erstgenannte, realistische Position erkennbar ist, bleibt doch die idealistische Option eine durch interessante Argumente gestützte, beständige Alternative. In dem Hauptseminar sollen die bedeutendsten idealistischen Argumentationsstrategien ebenso dargestellt und diskutiert werden wie die der realistischen Gegenseite. Dabei denke ich v.a. an Texte von Berkeley, Hume, Kant, Schopenhauer, Lotze, Bergson, Frege, Russell, Moore, Rickert und Scheler. Bedingungen für einen Scheinerwerb sind, neben der regelmäßigen Teilnahme, die Übernahme sowie der Vortrag eines Referats und dessen schriftliche Ausarbeitung.

Der Utilitarismus (Welsen)
2 st., Fr 15-17
Die Veranstaltung entfällt!

Philosophie der Psychologie (für Fortgeschrittene) (Hinzen)
2 st., Mi 9-11
Diese Veranstaltung soll wegen des Freisemesters von Herrn Rott ein Forum schaffen für fortgeschrittenere Studenten im Bereich der theoretischen Philosophie. Es soll auf freien Diskussionen ba-sieren, andererseits aber thematisch klar fixiert sein: ich möchte neuere Überlegungen zu den Möglichkeiten, insbesondere aber den Grenzen evolutionärer Erklärung in der Psychologie und in der Biologie im allgemeinen behandeln. Was genau erklären uns Mechanismen der "natürlichen Selektion"? Darwinistische Überlegungen spielen offensichtlich eine ungeheure Rolle in der heutigen Philo-sophie des Geistes. Welche Rolle genau, und ob mit guten Gründen, sind Fragen, die wir uns stellen werden. InteressentInnen würde ich bitten, sich bei mir anzumelden.

Aristoteles: Die Nikomachische Ethik (Welsen)
2st., Mo 16-18
Mit seiner Nikomachischen Ethik begründet Aristoteles die Ethik als eigenständige philosophische Disziplin, die zusammen mit der Politik und der Ökonomik die praktische Philosophie ausmacht. Da-bei ist das Verhältnis von Theorie und Praxis keineswegs so zu verstehen, daß letztere auf eine Anwendung der ersteren hinausliefe. Vielmehr geht es Aristoteles darum, daß in der praktischen Philo-sophie eine andere Art menschlichen Wissens thematisiert wird, die ihre eigene Berechtigung hat. Die entschei-dende Wendung, die Aristoteles im Vergleich zu Platon vollzieht, liegt darin, daß er mit der Idee des Guten den Universalismus verwirft, um die Ethik an den Kontext der Polis zu binden. Das liegt daran, daß der Mensch ein auf Gemeinschaft angelegtes Lebewesen ist, das eines institutionellen, durch Tradition vermittelten Rahmens bedarf, um sich selbst zu verwirklichen. Was die in-haltliche Seite der Ethik anbelangt, so lehrt Aristoteles, das höchste Gut, nach welchem der Mensch strebe, sei das Glück, das im gelingenden Leben bestehe. Die Aristotelische Ethik ist nicht nur von historischem, sondern auch von bleibendem systematische Interesse. Davon zeugt nicht zuletzt die zeitgenössische Auseinandersetzung zwischen dem Universalismus und dem Kontextualismus. Primärliteratur: Aristoteles: Die Nikomachische Ethik (übers. v. O. Gigon). München 41981. Sekundärliteratur: O. Höffe: Praktische Philosophie. Das Modell des Aristoteles. Berlin 21996; J. Ritter: Metaphysik und Politik. Studien zu Aristoteles und Hegel. Frankfurt a. M. 1969;  W. D. Ross: Aristotle. London 61995.

Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (Welsen)
2st., Di 18-20
In seiner Grundlegung der Metaphysik der Sitten stellt Kant mit dem kategorischen Imperativ das Prinzip seiner Ethik auf und versucht es zu begründen. Dabei geht es ihm insbesondere darum, der Ethik ein apriorisches Fundament zu verleihen und auf diese Weise die universale Gültigkeit von Normen sicherzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, kann die Ethik nach seiner Auffassung nicht etwa auf Güter oder Ziele zurückgreifen, sondern muß sich reiner praktischer Vernunft – und das heißt: eines formalen Ver-fahrens –  bedienen. Ziel der Veranstaltung ist es, Kants Begründung der Ethik anhand einer präzisen Lektüre des Textes zu rekonstruieren und auf ihre Tragfähigkeit hin zu befragen. Primärliteratur: I. Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, in: Werksausgabe, Bd. VII (hrsg. v, W. Weischedel). Frankfurt a. M. 1968. Sekundärliteratur: D. Henrich: Selbstverhältnisse, Stuttgart 1982; O. Höffe: Immanuel Kant, München 21988; H. J. Paton: Der kategorische Imperativ. Berlin 1962.


Kolloquien

Philosophisches Institutskolloquium
Di 19-21 Uhr (14-täglich)
In diesem Kolloquium stellen Philosophierende aus Regensburg und anderen Orten aktuelle eigene Arbeiten vor. Neben bereits vollständig ausgearbeiteten Präsentationen werden in dieser Reihe auch Berichte "aus der philosophischen Werkstatt" erstattet, die eine noch im Fortgang befindliche Arbeit einem kritischen Auditorium zur Diskussion stellen. Es ist die Idee der Veranstaltung, daß außer schon etablierten Vortragenden auch Doktoranden und Magistranden die Gelegenheit nutzen, ihre Überlegungen einem weiteren Publikum zu präsentieren und somit zum inner- und interfalkultären Dialog beitragen. Die Vorträge werden individuell per Aushang angekündigt.

Pfeil




Vorlesungen

Die Philosophie des Pragmatismus (Rott)
2st., Di 10-12 Uhr
"Es kann nirgendwo einen Unterschied geben, der nicht irgendwo anders einen Unterschied macht." Dies ist eine bekannte Fassung der sog. pragmatischen Maxime. Im letzten Jahrzehnt erlebte die philosophische Öffentlichkeit ein Wiederaufleben der Philosophie des Pragmatismus, das interessante Neuentwicklungen, aber auch die Gefahr einer inflationären Verwendung dieses Begriffs mit sich brachte. In der Vorlesung soll zunächst ausgearbeitet werden, welche Elemente das Programm des Pragmatismus im – durchaus vielfältigen – Verständnis der "Altpragmatisten" Ch. S. Peirce, W. James, J. Dewey und F.C.S. Schiller mit sich führte. Dann soll verfolgt werden, wie pragmatistisches Philosophieren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Angriffe von Seiten der logisch-empiristischen Philosophie (z.B. von B. Russell) nicht nur überstand, sondern sich mit dieser vereinigte zu einer breiten Strömung, die schließlich – in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts – die Barrieren zwischen Analytischer und Kontinentaler Philosophie überwinden helfen sollte. Wir betrachten, auf welche Weise Neopragmatisten wie D. Davidson, H. Putnam, R. Rorty oder I. Levi  die hergebrachten pragmatistischen Elemente wiederbeleben und erweitern. Zu pragmatistischen Themen und Thesen gehören: die Einbettung theoretischer Probleme in den Bereich praktischer Vernunft, die fundamentale Bezogenheit jeder Beurteilung auf Praktiken und Werte, die experimentelle Methode, die Zukunftsgerichtetheit und Kontextabhängigkeit von Wissen und Wahrheit, Holismus, Antirepräsentationalismus und Pluralismus. Auswahlbibliographie: Texte zur Philosophie des Pragmatismus, hrsg.v. E. Martens, Stuttgart, Reclam 1975 (RUB 9799). Die Renaissance des Pragmatismus, hrsg.v. M. Sandbothe, Weilerswist, Velbrück 2000. H. Putnam, Pragmatism – An Open Question, Oxford, Blackwell 1995; dt. Pragmatismus – Eine offene Frage, Frankfurt a.M., Campus-Verlag 1995. R. Rorty, Consequences of Pragmatism, Minneapolis, University of Minnesota Press 1982. R. Rorty, Hoffnung statt Erkenntnis – Einleitung in die pragmatische Philosophie, Wien, Passagen 1994. Auch im Internet sind wichtige klassische Texte (v.a. von Charles S. Peirce und  William James) sowie neuere Arbeiten zum Pragmatismus zu finden.

Der geschichtliche Begriff der Philosophie (Schönberger)
2 st., Do 10-12 Uhr - Beginn 26.04.2001
Die Philosophie hat es mit der Schwierigkeit zu tun, daß sie sich als denkerische bzw. wissenschaftliche Bemühung oder als Teil der Kultur von außen beschreiben läßt, diese Beschreibungen aber inner-halb der Philosophie selbst unweigerlich ganz oberflächlich wirken, daß aber alle nicht oberflächlichen inneren Beschreibungen der Philosophie in ihr selbst sofort kontrovers sind. Wie kann man also zu einem Begriff der Philosophie gelangen? Man muß konstatieren, daß die Philosophie in immer neuen Anläufen, d.h. in jedem neuen Versuch die Wirklichkeit und den Menschen - also sich selbst - in ihr zu verstehen, immer auch neue Versuche der Definition der Philosophie sind. Diese Vorlesung möchte einen Gang durch die gesamte Philosophiegeschichte unternehmen und die wichtigsten Selbstdefinitionen der Philosophie in ihren Voraussetzungen, Implikationen und Kontexten vorstellen. Trotz dieser Absicht auf einen philosophiegeschichtlichen Überblick wird sie jeweils an ganz konkreten und klassischen Texten ihren Ausgang nehmen. Einen ersten großen Block bildet selbstver-ständlich die griechische Philosophie, denn in ihr wurde nicht nur das Wort geprägt, sondern auch erstmals ein Konzept und sogar ein Ideal der Philosophie bzw. des Philosophen ausgebildet. Nach zwei kurzen Stationen bei mittelalterlichen Denkern wird die Vorlesung dann die besonders disparaten Philosophieentwürfe der neuzeitlichen Epoche thematisieren. Die jeweiligen Kerntexte werden im Verlauf der Vorlesung zur begleitenden Lektüre rechtzeitig angegeben.

Klassische Metaphysik (Schäfer)
2st., Do 12.30 s.t. - 14 Uhr - Beginn 26.04.2001
Was heißt „Analogie des Seins"? Wozu dienen „Kategorien"? Was sind „Transzendentalien", und warum sind sie frei untereinander austauschbar? Wie bestimmt man die Begriffspaare „Substanz und Akzidenz", „Akt und Potenz", „Essenz und Existenz"? Und was ist dann der Unterschied zwischen aktiver und passiver Potenz, zwischen erster und zweiter Substanz, zwischen reinem Akt und ... und was ist eigentlich dessen „Gegenstück"? In der Vorlesung soll versucht werden, überblicksartig das geschlossene System einer klassischen Metaphysik vorzustellen, das alle diese nach wie vor maßgeb-lichen philosophischen Grundbegriffe erklärt und in einen sinnvollen Gesamtzusammenhang bringt. Literatur dazu wird während der Veranstaltung laufend bekanntgegeben; im allgemeinen wird sich die Vorlesung aber an den im 19. Jahrhundert berühmten „Gredt" (letzte Auflage: J. Gredt, Die aristotelisch-thomistische Philosophie Bd.2, Freiburg 1935) halten, insofern dessen Bezugnahmen auf Ari-stoteles und Thomas sich nicht in krassem Gegensatz zum Stand heutiger Forschung befinden.


Proseminare

Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie (Rott)
2st., Mi 10-12 Uhr
Die Mediationen von Descartes (Originalausgabe Paris 1641) stellen eines der wichtigsten Standard-werke der neuzeitlichen Philosophie dar. In ihnen beschreibt Descartes seinen Erkenntnisweg, der zunächst durch ebenso fundamentalen wie methodischen Zweifel alles vermeintliche Wissen destruiert, danach seinen Ankerpunkt in der Gewißheit der eigenen Existenz als Denkender findet (das be-rühmte Cogito-Argument), Beweise für die Existenz Gottes darbietet und endlich auf die Realität der Außenwelt und die Unsterblichkeit der Seele schließt (der berühmte Cartesianische Leib-Seele-Dualismus). Im Proseminar sollen die Meditationen gründlich gelesen und diskutiert werden. Wir wollen darauf hinarbeiten, sie zuvörderst vom Inhalt her, dann aber auch formal und stilistisch als ein bedeutendes, heute noch lebendiges Paradigma abendländischen Philosophierens zu begreifen. Zweisprachige Textausgaben gibt es im Meiner- (eds. Gäbe/Buchenau) und im Reclam-Verlag (ed. Schmidt). Latein-Kenntnisse sind keine Voraussetzung für den Besuch des Seminars, das sich sehr gut für An-fänger in Philosophie eignet.

Platon: Protagoras (Schönberger)
2 st., Mo 10-12 Uhr - Beginn 23.04.2001
"Der Mensch ist das Maß aller Dinge". Der Sophist Protagoras, der diesen Satz geprägt hat, hat dem vorliegenden platonischen Dialog den Namen gegeben. Platon setzt sich in diesem Text mit der So-phistik und ihrem Anspruch auseinander, politische Kompetenz und Tüchtigkeit vermitteln zu kön-nen. Dies scheint dem sokratischen Intellektualismus, für den Tugend Wissen und also lehrbar ist, ganz ähnlich zu sein. Worin sich aber (platonische) Philosophie von der Sophistik unterscheidet, läßt sich an diesem Dialog besonders gut vorführen. Im übrigen greift dieser Text eine ganze Reihe von interessanten Themen auf, etwa die Stellung der Philosophie zum Mythos oder das, für Sokrates eben-falls schwierige Problem der Willensschwäche: Warum tun wir das, was wir für falsch halten, ob-gleich wir es für falsch halten? Das Seminar wird diesen Dialog - mit einigen wichtigen Seitenblicken - abschnittwiese interpretieren und intensiv diskutieren. Dies soll in der Form von Textreferaten geschehen. Dies setzt, was aber ohnehin selbstverständlich ist, regelmäßige Teilnahme und engagierte Mitarbeit voraus.

Physik und Philosophie. Ausgewählte Texte von M. Planck, A. Einstein
und W.Heisenberg
(Fröhlich)
2st., Mo 14-16 Uhr - Beginn 27.04.2001
Die Geschlossenheit der naturwissenschaftlichen Forschung gegenüber Fragen, die den unmittelbar eigenen Bereich übersteigen, ist seit jeher ein Mythos. Der Beginn der gesamten abendländischen Philosophie ist in den naturphilosophischen Überlegungen der Vorsokratiker zu suchen und so be-gnügte man sich auch viel später meist nicht mit dem Erforschen der bloßen Dingwelt, sondern fragte darüber hinaus und stieß in die Gefilde klassischer Problemkreise der Philosophie vor. In diesem Sin-ne beschäftigten sich auch die großen Physiker Einstein, Planck und Heisenberg mit philosophischen Fragestellungen. Im Kurs soll anhand einschlägiger Texte der drei Forscher untersucht werden, an welcher Stelle philosophische Probleme aufbrechen oder solche explizit gestellt werden. Der Kurs wendet sich unmittelbar an Anfänger des Philosophiestudiums bzw. des Philosophierens. Formale Voraussetzungen bestehen nicht. Die Textauswahl ist noch nicht getroffen. Zu Beginn des Kurses wird aber entweder eine Kopiervor-lage oder ein Semesterapparat und eine Textliste zur Verfügung gestellt. Grundlage zum Erwerb eines benoteten Scheins ist, neben Anwesenheit und Mitarbeit, die Übernah-me eines Kurzreferats (einem etwa 20minütigen Zusammenfassen einer überschaubaren Textpassage) und die Ausformulierung eines Themas in einer schriftlichen Arbeit.

Einführung in die Philosophie (mit Hilfsmittelkunde) (Fröhlich)
2st.; Fr 8-10 Uhr - Beginn 23.04.2001
Die Teilnahme an diesem Einführungskurs ist für all jene verpflichtend, die im Fach Philosophie eine Prüfung ablegen wollen. Im Seminar werden die Hilfsmittel (Bibliographien, Lexika, Handbücher u. dgl.) vorgestellt, die zum wissenschaftlichen Arbeiten im Studium der Philosophie befähigen. Darüber hinaus soll ein Ver-ständnis für die Disziplinen, Grundprobleme und Methoden der Philosophie vermittelt werden. Ein besonderer Einblick wird in die philosophischen Hauptströmungen der deutschen Philosophie des Zwanzigsten Jahrhunderts gegeben. Um einen benoteten Schein zu erhalten, wird eine schriftliche Hausarbeit abzufassen sein. Das Thema wird im Kurs bekanntgegeben. Literatur: Kurt Salamun (Hg.), Was ist Philosophie? Neuere Texte zu ihrem Selbstverständnis, Tübingen 31992.

Heidegger: Einsichten und Wirkungen (Hinzen)
2st., Fr 8-10 Uhr
Martin Heidegger ist einer der international wirkungsmächtigsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts, vielleicht der wirkungsmächtigste. Heute stellt sich die Situation so dar, dass es einer-seits immer noch sehr viele an Heidegger orientierte Philosophen gibt, andererseits aber Heideggers Philosophie weithin diskreditiert ist, oder gar nicht ernst genommen wird. Für ein Verständnis unserer deutschen Ideen- und Kulturgeschichte in den letzten hundert Jahren ist es jedenfalls wichtig, Heideg-ger und seinen Einfluss (vor allem auf die französische Philosophie, aber auch auf die amerikanische) kennen und abschätzen zu lernen. Dieses Proseminar soll Ihnen das ermöglichen. Ich möchte, dass Sie insgesamt drei Essays schreiben, in denen Sie sich mit Heidegger kritisch auseinandersetzen. Unter Essays verstehe ich dabei knappe, kritische Analysen von Gedanken, zusammen mit einem Versuch, sich selber darüber klar zu werden, wie man sich zu ihnen verhält, und warum.

Sören Kierkegaard: Entweder-Oder (Nickl)
Mi., 14-16 Uhr (vierzehntäglich) - Beginn 25.04.2001
Ruiniert die ästhetische Sensibilität die Ethik? Oder ist die Ethik der einzige Weg, das Ästhetische zu retten? Kierkegaard plädiert für das "Gleichgewicht zwischen dem Ästhetischen und dem Ethischen in der Herausarbeitung der Persönlichkeit", ja für die "ästhetische Gültigkeit der Ehe". Gelesen wird vor allem der 2. Teil von Entweder-Oder. Das Seminar ist zugleich als Einführung in Kierkegaard gedacht. Kierkegaard, Entweder-Oder (1843), München 1998 (= dtv 30134, DM 35).

Einführung in Meister Eckhart (Grotz)
2 st., Di 12-14 Uhr - Beginn 24.04.2001
Lange Zeit wurde der »Meister« Eckhart vorwiegend als Prediger deutscher Zunge wahr- und ernstge-nommen. Erst die Publikation und die intensive Erforschung seines lateinischen Werkes haben daran grundlegend etwas geändert. Entdecken läßt sich nun einer der (ge)wichtigsten mittelalterlichen Den-ker, hinter dem wiederum der Mystiker Eckhart fast ganz zu verschwinden scheint. Ob dem so ist, ob durch Eckharts Werk der vielbeschworene Riß zwischen einer deutschen Mystik und einer lateinischen Scholastik geht: dieser Frage wollen wir in diesem Seminar anhand von einigen zentralen Denkmotiven Eckharts nachgehen. Daß Philosophie nicht zu einem irrationalen Gerede verkommen muß, sobald sie sich an Themen wagt, die an die Grenze des Denkens und Sprechens rühren, zeigt sich an Eckhart beispielhaft im doppelten Sinn Wer sich vorab einen Überblick verschaffen will, dem seien an neueren Publikationen empfohlen: Kurt Ruh, Geschichte der abendländischen Mystik, München 1996, Bd. III, S. 214–353 (dort auch zahlreiche weiterführende Literatur). Rolf Schönberger: »Meister Eckhart«, in: Philosophen des Mittelalters. Eine Einführung, hrsg. von Theo Kobusch, Darmstadt 2000, S. 202–218. Lateinkenntnisse sind erwünscht, jedoch nicht unabdingbar. Eine Auswahl von Eckhart-Texten wird in der ersten Sitzung präsentiert.

Aristoteles, Kategorien (Grotz)
2 st., Mi 8-10 Uhr - Beginn 25.04.2001
Von nur etwa 30 (groß bedruckten) Seiten Umfang ist diese Einführungsschrift des Aristoteles von schlichtweg klassischem Charakter: »bewundert viel und viel gescholten«. Als die erste Schrift des so genannten Aristotelischen Organon bieten die »Kategorien« ein ›Hilfsmittel‹ für die Frage, wie und unter welchen Hinsichtnahmen Seiendes überhaupt ›angesprochen‹ – eben »kategorisiert« – werden kann. Neben dem Kennenlernen des Textes sollen einige der traditionellen Kritikpunkte wie etwa die Frage nach der Vollständigkeit der Kategorientafel oder die Frage nach der sprachlichen ›Vorbelastung‹ der Kategorien im Mittelpunkt des Seminars stehen. Literatur: Aristoteles, Categoriae, ed. Lorenzo Minio-Paluello, Oxford 1949 u. ö. (textkritische griechische Ausgabe). Aristoteles, Kategorien, übersetzt und erläutert von Klaus Oehler, Berlin 21986 (mit umfangreichem Kommentar und reicher Literatur). Kurt von Fritz, »Der Ursprung der aristotelischen Kategorienlehre«, in: K.v.F., Schriften zur griechischen Logik, Bd. 2, S. 9–51. Griechischkenntnisse wären kein Schaden, sind aber keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme. 


Hauptseminare

"Der Mann ohne Eigenschaften" – Robert Musil als Dichter und Philsoph (Rott/Mayer)
3 st., Do 16-19 Uhr
Als Meister der Ironie und Demaskierung, als eleganter Essayist wie als scharfsinniger Denker wird Musil – gerade in einer von den Naturwissenschaften geprägten Zeit – in seiner Bedeutung immer besser erkannt. Der Roman "Der Mann ohne Eigenschaften", zugleich eines der großen Lese-Erlebnisse und ein Muster an Reflexionskraft, wird in diesem interdisziplinären Seminar aus litera-turwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive untersucht: Ein Einstieg über die poetologisch relevantesten Essays soll zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Roman hinführen. Dabei wird Musils philosophischer Hintergrund – darunter der Einfluß Nietzsches und die Erkenntniskritik Machs – ebenso ausgeleuchtet wie die Verbindungen zu den Diskursformen der Mathematik und My-stik, des Krieges, der Sexualität und der Schizophrenie. Wegen des großen Umfangs des Romans (auch verfügbar als Rowohlt-Taschenbuch, 2 Bände) sollte mit der Lektüre frühzeitig begonnen werden. In der Vorbesprechung wird über die Möglichkeit einer Lektüregruppe gesprochen. Erste Hilfestellungen können bieten: Helmut Arntzen, Musil-Kommentar zu dem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften", München 1982; Matthias Luserke, Robert Musil (Sammlung Metzler), Stuttgart und Weimar 1995, bes. S. 83-109 (jeweils mit Bibliographie).

Das Problem des Weltanfangs. Klassische Texte der mittelalterlichen Kosmologie (Schönberger)
2 st., Di 8.30-10 Uhr - Beginn 24.04.2001
Zur menschlichen Verständigung über die Welt gehört die Frage, ob diese Welt von jeher bestanden hat oder einen Anfang in der Zeit hatte. Diese Frage ist bekanntlich mit Kants Antinomienlehre in seiner Kritik der reinen Vernunft als unlösbar zurückgewiesen worden, und daher - auch abgesehen von der Überzeugungskraft der Kantischen Argumente - aus der philosophischen Diskussion für lange Zeit verschwunden. Die jüngsten Entwicklungen auf diesem Gebiet sprechen allerdings für eine Re-naissance dieser Frage. Das Kantische Problem ist allerdings bereits im Mittelalter erörtert worden, insofern es dort nicht nur um die sachliche Frage nach dem zeitlichen Anfang, sondern auch nach der epistologischen, nach der Beweisbarkeit dieser These oder der Gegenthese gegangen ist. Das Seminar möchte auf der Grundlage einer neu erschienenen Anthologie die wichtigsten Positionen in dieser Frage vorstellen und intensiv diskutieren. Auch eine Rekapitulation der antike Diskussion sowie ein Vorblick auf die neuzeitliche ist vorgesehen. Textgrundlage: Über die Ewigkeit der Welt. Texte von Bonaventura, Thomas von Aquin, Boethius von Dacien, mit einer Einleitung von R. Schönberger; Übersetzung und Anmerkung von P. Nickl, Frankfurt (Klostermann) 2000.

Grundlagen der Kognitionswissenschaft (Hinzen)
2st., Mo 12-14 Uhr (Achtung: diese Veranstaltung ersetzt die vorher angekündigte Veranstaltung "Sprache und Geist, II")
Menschliche Kognition ist immer - mindestens seit Platon - ein Thema der Philosophie gewesen. Heute stehen philosophische Überlegungen in diesem Gebiet aber im Kontext einer ganzen Reihe neuerer und noch junger Wissenschaftszweige: insbesondere der Kognitiven Psychologie, der Neuro-wissenschaft, der künstlichen Intelligenz, und der Linguistik. Diese werfen einerseits ein neues Licht auf traditionelle Konzepte der Philosophie wie etwa Bewusstsein, Ich, Körper, oder Denken. Das in-spiriert die philosophische Reflexion auf diese Konzepte auf neue Weise. Andererseits werfen die Kognitionswissenschaften philosophische Grundlagenfragen auf, die der Philosophie des Geistes an-gehören. Die Veranstaltung will einen systematisch aufgebauten Einblick geben in die Grundkonzep-te, Methodologien, Resultate wie auch potentiellen Grenzen der heutigen Kognitionswissenschaft. Ich werde die jeweils erste Seminarstunde vorlesungsartig konzipieren; danach können wir dann in der zweiten Stunde Ihre Fragen und Einwände diskutieren. Für den Scheinerwerb stelle ich am ehe-sten zwei Klausuren vor (in der Mitte und am Ende des Semesters), aber in begründeten Sonderfällen können wir das auch nach Vereinbarung handhaben.

Edmund Husserl: Ideen zu einer reinen Phänomenologie (Meixner)
2st., Fr 12-14 Uhr
Die Veranstaltung muss leider entfallen!

Grundfragen der Bioethik (Schmucker-von Koch)
2st., Do 18-20 Uhr
Bei der Erstellung lagen noch keine Informationen vor.

John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit (Welsen)
2st., Mo 17-19 Uhr
Ganz ohne Zweifel zählt John Rawls zu den bedeutendsten Vertretern der praktischen Philosophie des 20. Jahrhunderts. In seinem Hauptwerk, Eine Theorie der Gerechtigkeit, geht der amerikanische Phi-losoph der Frage nach, wie die sozialen Institutionen innerhalb eines gerechten Staates zu gestalten seien und an welche Prinzipien man sich bei seiner Errichtung zu halten habe. Es ist kenn-zeichnend für Rawls, daß er die Auffassung vertritt, es gebe eine universal gültige Lösung für dieses Problem, die sich mit Hilfe eines formalen Verfahrens ermitteln lasse. So schlägt er vor, im Ausgang von einer Situation, in der die Beteiligten nicht wüßten, welche Rolle sie in der zu errichtenden Gesellschaft einnehmen würden, gelangten sie zum Abschluß eines Ge-sell-schaftsvertrages, der sowohl gleiche Grundrechte für alle als auch ein gewisses, an das Ziel des Gemeinwohls gebundenes Maß an sozialer Ungleichheit beinhalte.
Primärliteratur: J. Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Frankfurt a. M. 1979.


Kolloquien

Kolloquium für Fortgeschrittene (Rott)
2 st., Di 16-18 Uhr (vierzehntäglich) - Beginn 24.04.2001 - Raum: PT 4.3.5
In diesem Kolloquium werden – in inzwischen bewährter Weise – ausgewählte Texte aus allen Berei-chen der (nicht nur theoretischen) Philosophie gelesen und diskutiert. Insbesondere bietet es Studie-renden Gelegenheit, ihre eigenen philosophischen Interessen und Gedanken, die auch im Zusammen-hang mit der Vorbereitung einer größeren Arbeit stehen können, einer lebhaften Diskussion zu stellen. Hierzu können geeignete Texte aus der Literatur, aber auch aus eigener Feder vorschlagen werden. Obschon als Veranstaltung für Fortgeschrittene ausgewiesen, steht dieses Hauptseminar allen interes-sierten und engagierten Studierenden offen. Das Programm ist inhaltlich nicht festgelegt, zur Vorbe-reitung desselben ist eine rechtzeitige formlose Kundgabe der intendierten Teilnahme am Seminar erwünscht. — In diesem Semester kann das Kolloquium ausnahmsweise nur vierzehntäglich stattfin-den. Erste Sitzung: 24. April 2001.

Philosophisches Institutskolloquium
Di 19-21 Uhr (14-täglich)
In diesem Kolloquium stellen Philosophierende aus Regensburg und anderen Orten aktuelle eigene Arbeiten vor. Neben bereits vollständig ausgearbeiteten Präsentationen werden in dieser Reihe auch Berichte "aus der philosophischen Werkstatt" erstattet, die eine noch im Fortgang befindliche Arbeit einem kritischen Auditorium zur Diskussion stellen. Es ist die Idee der Veranstaltung, daß außer schon etablierten Vortragenden auch Doktoranden und Magistranden die Gelegenheit nutzen, ihre Überlegungen einem weiteren Publikum zu präsentieren und somit zum inner- und interfalkultären Dialog beitragen.
Die Vorträge werden individuell per Aushang angekündigt.

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Vorlesungen

Logik (Rott)
2-st., Di 10-12 Uhr. Beginn: 17.10.2000. H 12
Logik ist für Philosophierende aus zweierlei Gründen interessant. Einerseits gibt sie uns Mittel an die Hand, das eigene Argumentieren auf Schlüssigkeit und Stringenz hin zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren; in diesem Sinne kann Logik als ein Werkzeug betrachtet werden - ein Werkzeug nicht nur für die Philosophie, sondern für jeden rationalen Diskurs. Auf der anderen Seite wird Logik, insofern sie einen solchen Anspruch erhebt, gleichzeitig zum Objekt philosophischen Studiums. Welches sollen die erwähnten Normen der Schlüssigkeit und Stringenz sein? Auf welche Art und Weise kann unser alltägliches Denken in eine Form gebracht werden, die logischer Analyse zugänglich ist? Welche Grammatik und welche Bedeutungstheorie ist einer Sprache für die Logik angemessen? Und wenn auf diese Fragen eine Antwort gefunden ist, welche metatheoretischen Konsequenzen ergeben sich daraus, d. h. welche Eigenschaften hat ein entsprechend charakterisiertes System der Logik? In der Vorlesung werden diese Fragen behandelt und Antworten theoretisch vorgestellt, in der begleitenden Übung (siehe dort) werden sie darüber hinaus praktisch eingeübt. Nach der gegenwärtig gültigen Studienordnung ist der Besuch der Logik-Veranstaltung kein Pflichtbestandteil des Studiums der Philosophie, doch wird er allen Studierenden dieses Fachs dringend empfohlen. Die Vorlesung wird selbständig, d. h. ohne Rückgriff auf vorhandene Literatur vorgehen. Zur begleitenden Lektüre und Information über verschiedene Seiten des Fachs eignen sich: Paul Hoyningen-Huene, Formale Logik - Eine philosophische Einführung, Stuttgart: Reclam 1998; Franz von Kutschera und Alfred Breitkopf, Einführung in die moderne Logik, Freiburg i.Br.: Alber 2000; E. J. Lemmon, Beginning Logic, Hackett 1979; Stephen Read, Philosophie der Logik - Eine Einführung, Rowohlt 1997; Hans Rott: Die Philosophie der Logik und Mathematik.

Philosophische Raum-Zeit-Theorien (von Leibniz bis ins 20. Jahrhundert) (Bonk)
2-st., Mo 16-18 Uhr. Beginn: 16.10.2000. H 14
Gegenseitige Erkenntnisse und Hypothesen über Raum und Zeit, wie sie v. a. von Kosmologen, Quantenphysikern, Gravitationstheoretikern und Thermodynamikern geliefert werden, lassen die entsprechenden philosophischen Theorien wieder besonders interessant erscheinen. Manches wurde hier bereits vorweggenommen, anderes könnte für die Wissenschaftler noch inspirierend wirken. Umgekehrt werfen die neuen wissenschaftlichen Tendenzen und Resultate möglicherweise ein gewisses Licht auf die Aktualität bzw. Obsoletheit bestimmter philosophischer Systeme und Positionen von Leibniz bis Cassirer und Smolin.

Gerechtigkeitstheorien (Schäfer)
entfällt!

Die antike Philosophie (Welsen)
2-st., Fr 15-17 Uhr. H 5
Kein Kommentar vorhanden.


Proseminare

Grundfragen der Philosophie (Hommes)
2-st., Mo 8-10 Uhr. H 5
In diesem Proseminar wird es um die Begriffe von "Wissenschaft" und "Wahrheit" gehen im Sinn einer Einführung in die Philosophie. Zugrunde gelegt wird Gerhard Krüger "Grundfragen der Philosophie" (Frankfurt am Main 1965). Dieser Text ist in der Bibliothek mehrfach vorhanden, für die Teilnehmer des Proseminars werden wesentliche Teile daraus als Kopie zur Verfügung stehen. Das Proseminar ist geeignet auch für Studienanfänger der Lehrämter an Grund-, Haupt- und Realschulen im erziehungswissenschaftlichen Studium (Philosophie). Zur Erlangung der Bestätigung einer "erfolgreichen Teilnahme" bzw. eines "benoteten Scheins" ist die Anfertigung einer schriftlichen Arbeit (nicht mehr als 15 Seiten) erforderlich. Abgabetermin für diese Arbeit ist 15. März 2001. Das Thema wird im Verlauf des Semesters benannt.

Übungen zur Logik (Rott)
2-st., Mi 10-12 Uhr. Beginn: 18.10.2000. W 116
Logik besteht weniger in einem Wissen über einen Gegenstand als in einer Fähigkeit, etwas zu tun. Deshalb sind die Übungen zur Logik eigentlich wichtiger als der Vorlesungsteil - wenn dieser auch für jene unabdingbar ist. In der Übung werden die in der Logik-Vorlesung besprochenen Themen des Formalisierens, des Beweisens und Widerlegens als Fähigkeiten eingeübt. Ein Hauptziel der Übung ist nicht nur der Erwerb einer praktischen Kompetenz, sondern auch die Erhöhung des Reflexionsniveaus in bezug auf das, was man eigentlich tut, wenn man eine These (nach strengen Regeln) argumentativ untermauert.

Essaykurs "Freiheit und Notwendigkeit" (Rott)
2-st., Fr 10-12 Uhr (14-tägig). ZH 8
Der Kurs soll zur Einübung einer Arbeitsform dienen, die an deutschen Philosophieinstituten noch (zu) wenig Verbreitung gefunden hat: der sog. "Essay", ein kleiner Aufsatz, der ein gegebenes Thema in eigenständiger Gedankenführung auf wenigen Seiten diskutiert. Dies soll nicht etwa in feuilletonistischer Form geschehen, sondern in möglichst klarer Sprache und konzentrierter Argumentation mit deutlich erkennbaren Thesen. Im Laufe des Semesters sollen die Teilnehmer, angeregt durch die Lektüre geeigneter Texte, mehrere solcher kleinen Arbeiten verfassen, die - nach oder vor der Korrektur durch den Kursleiter - gemeinsam im Seminar diskutiert werden. In dieser Veranstaltung ist die Arbeitsform entscheidend, die thematische Ausrichtung ist nachgeordnet und gegenwärtig noch nicht festgelegt. Neben dem andernorts angegebenen Thema "Freiheit und Notwendigkeit" sind - je nach Interessenlage der Studierenden - auch Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen" (in L. Wittgenstein, Werkausgabe in 8 Bänden, Bd. 1, Frankfurt am Main 111997, S. 225-618) als Thema denkbar. Die Veranstaltung ist allen engagierten Studenten zugänglich; je nach Jahrgang und/oder Niveau der Arbeiten können Pro- oder Hauptseminarscheine erworben werden. 

J. G. Fichte: Einführung in sein Werk (Bonk)
2-st., Fr 12-14 Uhr. Beginn: 20.10.2000. ZH 8

Einführung in die Philosophie (mit Hilfsmittelkunde) (Fröhlich)
2-st., Mi 8-10 Uhr. Beginn: 18.10.2000. H 9
Die Teilnahme an diesem Einführungskurs ist für all jene verpflichtend, die im Fach Philosophie eine Prüfung ablegen wollen. Im Seminar werden die Hilfsmittel (Bibliographien, Lexika, Handbücher u. dgl.) vorgestellt, die zum wissenschaftlichen Arbeiten im Studium der Philosophie befähigen. Darüber hinaus soll ein Verständnis für die Disziplinen, Grundprobleme und Methoden der Philosophie vermittelt werden. Um einen benoteten Schein zu erhalten, wird eine schriftliche Hausarbeit abzufassen sein. Das Thema wird im Kurs bekanntgegeben.

Schelers Wertethik (Fröhlich)
2-st., Mo 14-16 Uhr. Beginn: 16.10.2000. W 005
"Die Wahrheit ist das Kennzeichen ihrer selbst und des Falschen (Spinoza)." Leben und Gesamtwerk Max Schelers (1874-1928) zu betrachten, ist ein derart zwiespältiges Unterfangen, daß man diese Aufgabe im Rahmen eines Proseminars besser auf sich beruhen läßt. Wir wollen uns stattdessen mit einigen zentralen Passagen aus Schelers "Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik" von 1913/16 befassen, um Aufschluß über das zu bekommen, was Scheler mit seinem "Wertfühlen" meint. Scheler baut damit keine detaillierte Ethik auf, er legt aber ihre Grundlage. In dezidierter Front gegen eine rein formalistische Begründung der Ethik richtet Scheler sein Augenmerk auf die Möglichkeit, mittels Phänomenologie - wie er sie versteht - eine unmittelbar evidente Anschauung von Werten als intentionale Aktkorrelate zu gewinnen. Diese unterscheidet er streng von Gütern und Zwecken. Zu Beginn der Veranstaltung steht die Textauswahl als Kopiervorlage zur Verfügung. Grundlage zum Erwerb eines benoteten Scheins ist, neben Anwesenheit und Mitarbeit, die Übernahme eines Kurzreferats (einem etwa 20minütigen Zusammenfassen einer überschaubaren Textpassage) und die Ausformulierung eines Themas in einer schriftlichen Arbeit. Literatur: Max Scheler, Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik. Neuer Versuch der Grundlegung eines ethischen Personalismus, Bern, München 51966. Max Scheler, Grammatik der Gefühle. Das Emotionale als Grundlage der Ethik, hrsg. v. Paul Good, München 2000. Wolfhart Henckmann, Max Scheler. Phänomenologie der Werte, in Margot Fleischer (Hg.), Philosophen des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 1996, 94-116.
Wolfhart Henckmann, Materiale Ethik, in Annemarie Pieper (Hg.), Geschichte der neueren Ethik, Bd. 2, Tübingen, Basel 1992, 82-102.

Hegel heute (Hinzen)
2-st., Mo 10-12 Uhr. W 116. Beginn: 16.10.2000
Große Denker unserer intellektuellen Geschichte werfen ihre Schatten auf das Denken, die Politik und die Kunst unserer Gegenwart. Wenn wir heute philosophieren, sollten wir wissen, woher unser Denken kommt und versuchen, zu diesen Einflüssen in eine Distanz zu treten und sie zu bewerten. Unsere Frage wird also sein, in welcher Weise sich Hegel in unserer heutigen philosophischen Reflexion und anderen Aspekten unserer Kultur reflektiert, wie er weitergedacht wird, und wie gegen ihn gedacht wird. Es soll dabei sowohl um deutsche Positionen gehen (Vittorio Hösle, Rainer Marten, aber auch ältere Positionen wie etwa Heideggers), französische (Derrida) und amerikanische (Robert Brandom, John McDowell), wobei der theoretische Fokus auf der Frage liegen soll, was für ein Bild des Menschen wir heute zeichnen bzw. wie wir uns selbst verstehen wollen. Das Proseminar richtet sich an Studenten der ersten ca. sechs Semester. Es rechnet sich dem Bereich der theoretischen Philosophie zu, und integriert innerhalb von dieser Aspekte der Bereiche Anthropologie, Erkenntnistheorie und Metaphysik. Diese Veranstaltung wird zugleich ein Seminar zur Schreibpraxis sein: Es soll systematisch geübt werden, daß Sie sich gegenüber klar umrissenen Themen über die eigene Meinung klarwerden und diese knapp und konzise formulieren und verteidigen können.

Repräsentieren und Experimentieren: Wissenschaftstheoretische und Wissenschaftshistorische Gesichtspunkte (Hinzen/Reinhardt)
Interdisziplinäres Seminar. 2-st., Do 10-12 Uhr. Beginn: 19.10.2000. W 116
Thematik: Die Wissenschaftstheorie, die der theoretischen Philosophie angehört, untersucht die Struktur, Begründung und Reichweite des durch die modernen Naturwissenschaften repräsentierten Wissens. Eine Frage ist, wovon dieses Wissen Wissen ist – womöglich von Wahrheit in einem objektiven und menschenunabhängigen Sinn? Oder ist die Wissenschaft eher eine bestimmte Konstruktion der Welt? Im ersten Teil des Seminars wollen wir diese Frage diskutieren und dabei neuere Publikationen von Autoren wie Ian Hacking und Nancy Cartwright diskutieren. Im zweiten Teil werden wir wissenschaftshistorische und entstehungsgeschichtliche Überlegungen zur Theorienbildung betrachten. Die Wissenschaftshistoriker betrachteten die Entwicklung der Wissenschaft lange Zeit als eine bloße Abfolge von Theorien. Wissenschaftliches Handeln, das Experiment, wurde im besten Fall für die Bestätigung oder Widerlegung von Theorien geeignet angesehen. Seit den 1980er Jahren hat sich dies – auch durch die Auseinandersetzung mit philosophischen Arbeiten – tiefgreifend geändert. Vertreter des New Experimentalism untersuchen das Wechselspiel von Instrument, Experiment und Theoriebildung, die Stabilisierung und Anerkennung experimenteller Ergebnisse und die Formen ihrer Darstellung, die Eigendynamik experimenteller Forschungsprogramme und ihre Funktion als Mittel zur Schaffung von Autorität.  Im zweiten Teil des Seminars werden die wesentlichen Ansätze und Ergebnisse dieser Forschungsrichtung diskutiert. Die Themen reichen von der ‘Geburt’ der experimentellen Methode im 17. Jahrhundert über das Verhältnis von theoriegeleiteten versus explorativen Experimenten im 19. Jahrhundert bis zu den Experimentalsystemen in den Biowissenschaften und der Großforschung in der Physik des 20. Jahrhunderts. Vorgestellt werden auch historiographische Methoden wie graphische Darstellungsformen und die Replikation experimentellen Handelns. Einführungsliteratur: Ian Hacking, Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften (Stuttgart: Reclam 1996, Universal-Bibliothek Nr. 9442, zur Anschaffung empfohlen) oder die englische Ausgabe Representing and Intervening. Introduction Topics in the Philosophy of Natural Science (Cambridge 1983).
Adressatenkreis: Das Seminar richtet sich an fortgeschrittene Studierende des Grundstudiums sowie Studierende im Hauptstudium. Erwartet wird die Lektüre der Einführungsliteratur, kontinuierliche Mitarbeit und die Bereitschaft zur Übernahme einer kurzen Präsentation. Weitere Literatur wird in Form eines Readers zum Seminarbeginn bereitgestellt. Für Anmeldungen und weitere Informationen stehen wir unter wolfram.hinzen{at}psk.uni-regensburg.de oder carsten.reinhardt{at}psk.uni-regensburg.de gerne zur Verfügung.


Hauptseminare

Erfahrung und Erkenntnis (Hommes)
2-st., Mo 10-12 Uhr. H 5
Dies Hauptseminar dient der Klärung der Begriffe "Erfahrung" und "Erkenntnis" mit dem Ziel einer Wiedergewinnung jener Weite, die den Begriff von Vernunft ursprünglich auszeichnet. Zugrunde gelegt wird die kleine Schrift von Gerhard Krüger "Religiöse und profane Welterfahrung" (hrsg. von Richard v. Schaeffler, Klostermann-Verlag, Frankfurt am Main 1973, DM 19,40). Benotete Scheine durch Übernahme von Berichten zu Arbeiten weiterer Autoren bzw. durch Vorlage einer schriftlichen Arbeit (nicht mehr als 15 Seiten, Abgabe spätestens 15. März 2001) nach Absprache mit dem Seminarleiter.

Zum Begriff der Praktischen Philosophie (Hommes)
2 st., Mi 17-19 Uhr. H 9
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit des Hauptseminars werden Texte stehen, die sich mit Ursprung und Sinn der Praktischen Philosophie bei Aristoteles beschäftigen. Dazu werden insbesondere verschiedene Beiträge von Joachim Ritter herangezogen aus seiner Sammlung "Metaphysik und Politik" sowie "Subjektivität". Zur Erlangung eines benoteten Scheins ist die Übernahme eines Referats bzw. die Anfertigung einer schriftlichen Arbeit (nicht mehr als 15 Seiten) bis spätestens 15. März 2001 erforderlich. Als zusätzliche Lektüre wird empfohlen: Manfred Riedel (Hrsg.) "Rehabilitierung der praktischen Philosophie, Band I: Geschichte, Probleme, Aufgabe, Band II: Rezeption, Argumentation, Diskussion. Verlag Rombach Freiburg.

Der Begriff der Person (Rott/von Kutschera)
2-st., Do 16-18 Uhr. Beginn: 19.10. ZH 7
Der Personenbegriff hat in Alltag und Philosophie eine lange Tradition. Er entzieht sich jedoch einer griffigen Charakterisierung, da er Aspekte und Funktionen in sich vereint, von denen nicht klar ist, inwieweit sie zusammenpassen. Einer Person werden Individualität (Integrität), Vernunft (Rationalität) und Freiheit (Autonomie) zugeschrieben; sie wird dadurch zu einem "Ich", zu einem mit (Selbst-)Bewußtsein ausgestatteten Subjekt, das von Dingen und - nach überwiegender Meinung - von Tieren wesentlich abgegrenzt ist. Strittig ist die Denkmöglichkeit, ob Personen eineindeutig mit einer Klasse von körperlichen Lebewesen zusammenfallen oder ob Personalität gar eine Eigenschaft ist, die durch das Voranschreiten der Naturwissenschaft reduktionistisch überflüssig werden könnte. Lassen Argumente aus dem Bereich von Metaphysik und Philosophie des Geistes diese Frage unentschieden, so scheint die im Begriff der Person enthaltene moralische Komponente hier ausschlaggebend zu sein. Personen sind Träger von Rechten und Pflichten, und Personen sind es, die wir für Handlungen verantwortlich machen. Der Zusammenhang aller dieser Facetten des Personenbegriff ist Gegenstand des Seminars. Eine preiswerte Orientierung über einige klassische und neuere Beiträge gibt das unten genannte Büchlein; eine ausführliche Themenliste wird in der ersten Sitzung bereitgestellt. Person - Philosophische Texte von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. v. Martin Brasser, Stuttgart, Reclam 1999.

Monadisches Denken in Geschichte und Gegenwart (Bonk)
2-st., Do 18-20 Uhr. Beginn: 19.10.2000. W 115
Im Anschluß an die zurückliegende Regensburger Tagung gleichen Titels werden solche Texte von Giordano Bruno bis Uwe Meixner gelesen und diskutiert, die als Beispiele für "monadische Metaphysik" gelten können. Dabei steht die Frage im Hintergrund, ob eine solche Gestalt des Denkens in sich schlüssig und mit dem gegenwärtigen Wissen über die Welt vereinbar ist.

Edmund Husserl: Cartesianische Meditationen (Meixner)
2-st., Fr 10-12. Beginn 20.10.2000. R 005
Husserls "Cartesianische Meditationen" sind eine Einführung in die transzendentale Phänomenologie in Anknüpfung an und Auseinandersetzung mit Descartes' epochalen "Meditationen über die Erste Philosophie". Eine Beschäftigung mit diesem Text lohnt sich deshalb, weil er einen vom gegenwärtigen objektivistisch-naturalistischen Paradigma vollständig abweichenden philosophischen Weg geht, nämlich vom Subjekt zum Objekt, und nicht umgekehrt, freilich in anderer Weise, als dies schon Descartes versuchte, der letztlich dem Objektivismus verhaftet blieb. Der Text soll im Hauptseminar vollständig gelesen und diskutiert werden. Eine Einzelausgabe ist bei Meiner erhältlich.


Kolloquien

Kolloquium für Fortgeschrittene (Rott)
2-st., Di 16-18 Uhr. Beginn: 17.10.2000. PT 4.3.5
In diesem Kolloquium werden - in inzwischen bewährter Weise - ausgewählte Texte aus allen Bereichen der (theoretischen) Philosophie gelesen und diskutiert. Insbesondere bietet es Studierenden Gelegenheit, ihre eigenen philosophischen Interessen und Gedanken, die auch im Zusammenhang mit der Vorbereitung einer größeren Arbeit stehen können, einer lebhaften Diskussion zu stellen. Hierzu können geeignete Texte aus der Literatur, aber auch aus eigener Feder vorschlagen werden. Obschon als Veranstaltung für Fortgeschrittene ausgewiesen, steht dieses Hauptseminar allen interessierten und engagierten Studierenden offen. Das Programm ist inhaltlich nicht festgelegt und wird gemeinsam in der ersten Sitzung erarbeitet; zur Vorbereitung hierzu ist eine rechtzeitige Kontaktaufnahme und formlose Kundgabe der intendierten Teilnahme am Seminar erwünscht.

Colloquium für Fortgeschrittene (persönliche Anmeldung erforderlich) (Hommes)
2-st., Mi 19-21 Uhr PT 4.3.32

Pfeil



Sommersemester 2000


Vorlesungen

Erkenntnistheorie (Rott)
2st., Di 10-12
Einer verbreiteten Definition zufolge ist die "Erkenntnistheorie ... jener Teil der Philosophie, der zunächst die Tatsachen des Erkennens als solche beschreibt, analysiert, genetisch untersucht (Erkenntnispsychologie) und dann vor allem den Wert der Erkenntnis und ihrer Arten, Gältigkeitsweise, Umfang, Grenzen der Erkenntnis präft (Erkenntniskritik)." (Eisler, Wörterbuch der philosophischen Begriffe) Heute wird der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Terminus "Erkenntnistheorie" häufig enger als Bezeichnung für die Theorie äber die Bedingungen des Wissens und seiner Begrändung verstanden. In der Vorlesung soll ein historischer und systematischer Streifzug durch Problemfelder der Erkenntnistheorie unternommen werden, der schließlich in die Frage einmändet, wie die Rolle der Erkenntnistheorie - die ehemals als Fundierung der Wissenschaft verstanden wurde - in einer Welt aussehen kann, in der sich die Einzelwissenschaften inhaltlich und methodisch längst von philosophischer Bevormundung emanzipiert haben. Hierzu wird das Verhältnis von (normativer) Erkenntnistheorie und (deskriptiver) Psychologie und Kognitionswissenschaft zu beleuchten sein.

Spontaneität. Philosophische Theorien der Urspränglichkeit in der Philosophie der Antike (Schönberger)
Do 8.30-10, Beginn: 04.05.2000, Raum: H 7
Seit Kant gilt "Spontaneität" weithin als ein Begriff, durch den sich das Spezifische der menschlichen Freiheit, aber auch die Tätigkeit des menschlichen Denkens charakterisieren läßt. Insofern ist mit diesem Begriff das Zentrum dessen ins Auge gefaßt, was den Menschen wesentlich bestimmt: Denken und Wollen. Daneben aber gibt es eine Tradition, die auch bei manchen Vorgängen in der Natur von Spontaneität reden möchte - etwa das Lebendige im Unterschied zum Anorganischen. Was wir nun eigentlich meinen, wenn wir von Spontaneität sprechen, läßt sich nicht einfach als offenkundig betrachten. Der Blick in die Geschichte des Denkens zeigt nun, daß es charakteristische und aufschlußreiche Umprägungen dieses Konzeptes gibt. Die Vorlesung wird versuchen, die Transformation des Begriffs der Selbstbewegung zu dem der Selbstbestimmung darzustellen. Beides sind Konzepte der Spontaneität. Um dies zu zeigen, wird ein gewisser Schwerpunkt auf der Erörterung des platonischen Begriffs der Seele und des aristotelischen der Natur liegen. Ihrer beider Virulenz zeigt sich dann insbesondere in der mittelalterlichen Phase der Konzeptionsgeschichte (insbesondere den dort entwickelten Theorien des Willens). Diese Phase bildet wiederum einen sinnvollen und unumgänglichen Ausgangspunkt, um von da aus einige neuzeitliche Umprägungen bei Leibniz und Kant zu interpretieren. Einschlägige Texte werden im Laufe der Vorlesung angegeben.


Proseminare

Was heißt philosophieren? (Hommes)
2st., Mo 8-10 Beginn: 08.05.2000, Raum: H 5
In diesem Proseminar, das sich an Anfänger wendet, geht es um eine Einführung in die Philosophie, nicht um die Erläuterung des Systems der Philosophie. Die Teilnehmer sollen vertraut gemacht werden mit der Denkweise der Philosophie, ihren Gegenständen, Begriffen und Methoden. Dazu dient gemeinsame Arbeit an der "Einführung in die Philosophie" von Herman Nohl (1. Auflage 1935). Das Proseminar ist geeignet auch für Studienanfänger der Lehrämter an Grund-, Haupt- und Realschulen im Erziehungswissenschaftlichen Studium (Philosophie). Da für dies Proseminar keine Referate vorgesehen sind, ist zur Erlangung der Bestätigung einer "erfolgreichen Teilnahme" bzw. eines "benoteten Scheins" die Anfertigung einer schriftlichen Arbeit (nicht mehr als 15 Seiten) erforderlich. Abgabetermin für diese Arbeit ist 15. September 2000. Das Thema der Arbeit wird im Verlauf des Semesters benannt. Im Sinn eines Tutoriums ist zu diesem Proseminar eine Begleitäbung (2 Stunden wöchentlich) vorgesehen. Zeit und Ort werden zu Beginn des Semesters mit den Interessierten vereinbart. Textausgabe: Nohl, Herman, Einführung in die Philosophie, 9. Aufl. - Frankfurt a.M.: Klostermann, 1998, kt. 18,--

Kant: Prolegomena zu einer jeden känftigen Metaphysik die als Wissenschaft wird auftreten können (Rott)
2st., Mi 10-12
Die 1783 erschienenen Prolegomena versuchen eine - im Vergleich zu der zwei Jahre älteren Kritik der reinen Vernunft - leichter faßliche Einführung in Kants richtungsweisende theoretische Philosophie zu geben. Durch Hume aus seinem "dogmatischen Schlummer" geweckt, geht es Kant zentral um die Frage, wie Metaphysik als Wissenschaft (neben der Mathematik und den Naturwissenschaften) möglich sei. für die Bestimmung von Inhalt, Umfang und Grenzen einer wissenschaftlichen Metaphysik hält insbesondere die Aufklärung dessen, wie sog. "synthetische Urteile a priori" möglich sind, den Schlüssel bereit. Im Proseminar soll der Originaltext sorgfältig gelesen und diskutiert werden. Scheine sind durch kürzere Referate mit übersichtlichem Handout und schriftlicher Ausarbeitung zu erwerben. Als Textgrundlage eigenen sich die meisten handelsüblichen Ausgaben (z.B. bei Meiner, Reclam oder Suhrkamp).

Platon, Gorgias (Schönberger)
2st., Di 14-16, Beginn: 08.05.2000, Raum: PT 2.0.7
Dieser Dialog Platons entspinnt sich an der zunächst ganz harmlos anmutenden Frage, worin die Redekunst besteht. Der Dialog ist nach dem berühmtesten Rhetoriklehrer der griechischen Antike, Gorgias von Leontinoi, benannt, den Platon selbst in seinem Dialog auftreten läßt. Im Zuge der Auseinandersetzung des Sokrates mit Gorgias tritt immer stärker zutage, daß die besondere Attraktivität der Rhetorik in der Macht liegt, die sie dem Redner verleiht. Dies gibt Sokrates nun Anlaß, die Frage nach dem Verhältnis von Recht und Macht zu stellen, sondern auch die Ambivalenz der Künste und Wissenschaften vor Augen zu führen. Wenn dieser labile Zustand aber ein hohes Gefahrenpotential enthält, ist die Frage, wie diese Indifferenz überwunden werden kann. Maßstab dafür scheint einzig ein Konzept des richtigen Lebens sein zu können. In diesem Zusammenhang entwickelt Sokrates seine berühmte Behauptung, Unrecht leiden sei besser als Unrecht tun. Dies verteidigt er in der ersten systematischen Kritik an sophistischen Hedonismus, der These also, das Gute bestände ausschließlich in der Befriedigung der Lust. Wir wollen den Text im Seminar abschnittweise interpretieren. In die sachliche Diskussion der Begriffe und Thesen sollen jeweils Textreferate einführen. Es soll keine bestimmte Textausgabe verbindlich gemacht werden.

G. E. Moore: Einführung in sein Werk (Bonk)
2st., Fr 12.30-14.00, Beginn: 05.05.2000, Raum: W 115
George Edward Moore (1873-1958) gehört zu den Begründern und Klassikern der analytischen Philosophie, wobei seinem Werk zugleich eine Schlüsselrolle in der neueren britischen Geistesgeschichte zukommt (Stichworte: Neorealismus, Bloomsbury, Ethischer Intuitionismus, Sprachanalyse, "ordinary language", Verteidigung des Common sense). Sein Mißtrauen gegenüber "großen Theorien", "Systemen" und sog. "tiefen Fragen" sowie sein sachlicher, nüchterner, differenzierungsfreudiger, sprachbewußter und detailbesessener Stil hat Generationen von Philosophen bewußt oder unbewußt mitgeprägt. Ungewöhnlich ist sein frischer Blick auf alte philosophische Probleme, der nicht selten beinahe dem eines Kindes gleicht. Dazu paßt auch sein aufrichtiges Bekenntnis: "Ich glaube kaum, daß die Welt oder die Wissenschaften mich je auf irgendwelche philosophischen Probleme gebracht hätten. Was mich auf philosophische Probleme gebracht hat, sind die Dinge, die andere Philosophen über die Welt oder die Wissenschaften behauptet haben." (Referate und detaillierte Thesenpapiere bzw. schriftliche Hausarbeiten)

Einführung in die Philosophie (mit Hilfsmittelkunde) (Fröhlich)
2st., Do 17-19 Beginn: 11.05.2000, Raum: H 4
Die Teilnahme an diesem Einführungskurs ist für all jene verpflichtend, die im Fach Philosophie eine Prüfung ablegen wollen. Im Seminar werden die Hilfsmittel (Bibliographien, Lexika, Handbücher u. dgl.) vorgestellt, die zum wissenschaftlichen Arbeiten im Studium der Philosophie befähigen. Darüber hinaus soll ein Verständnis für die Disziplinen, Grundprobleme und Methoden der Philosophie vermittelt werden. Um einen benoteten Schein zu erhalten, wird eine schriftliche Hausarbeit abzufassen sein. Das Thema wird im Kurs bekanntgegeben.

Einführung in die Phänomenologie Edmund Husserls (Fröhlich)
2st., Mi 8-10, Beginn: 03.05.2000, Raum: W 113
Husserl (1859-1938) ist der Begründer der zu seiner Zeit neuen philosophischen Methode der Phänomenologie. Diese hat sich seither in zahlreiche, die Philosophie des 20. Jahrhunderts entscheidend mitprägende, und von Husserls Ansatz z.T. stark abweichende Richtungen fortentwickelt. Im Kurs soll Husserls Position, wie sie sich seit 1911 in seinen Veröffentlichungen manifestiert, an Hand einiger ausgewählter Textabschnitte beleuchtet werden. Husserl hat hier versucht, das gesamte durch die Sinne vermittelte Sein an das dieses Sein konstituierende Subjekt rückzubinden. Textgrundlage des Seminars wird sein der 1911 erschienene Aufsatz Philosophie als strenge Wissenschaft (in HUA XXV) sowie eine Auswahl aus den Ideen I (HUA III) und möglicherweise aus der Krisis (HUA VI). Da es sich um Texte aus mehreren Büchern handelt, wird den Kursteilnehmern zu Beginn des Seminars eine Kopiervorlage der behandelten Ausschnitte zur Verfügung stehen. Grundlage zum Erwerb eines benoteten Scheins ist neben Anwesenheit und Mitarbeit, die Übernahme eines Kurzreferats (etwa 20minütiges Zusammenfassen einer überschaubaren Textpassage) und die Ausformulierung eines Themas in einer schriftlichen Arbeit. Zur Vorbereitung und zum Einlesen sei vorab empfohlen: Edmund Husserl, Die phänomenologische Methode, Ausgewählte Texte I, Stuttgart: Reclam 1985, DM 14. (Enthält auch die im Seminar behandelten Passagen aus den Ideen I!)

Geist und Wissen (Hinzen)
2st., Di 8-10
Diese Veranstaltung soll als Einführung dienen in den heutigen Stand von Versuchen, bestimmte Aspekte von Geistigkeit und Kognition zum Thema der theoretischen Wissenschaften zu machen. Geist und Wissen werden also unsere Gegenstände sein, und wir werden fragen, wie diese Dinge bzw. welche ihrer Aspekte erforschbar sind, wenn überhaupt. Ein Schwerpunkt wird liegen auf der Untersuchung von Stärken und Schwächen einer innatistischen Position, d.h. der Auffassung, dass relevante Teile unseres Wissens angeboren sind und sich nicht einer Interaktion mit der Welt verdanken. Ein anderer Schwerpunkt wird die heute sehr bedeutsame Idee betreffen, dass sich Denken in einer sprachähnlichen internen Struktur vollzieht (Theorie der mentalen Repräsentationen). Die Form dieser Veranstaltung wird nicht oder nur zum Teil die übliche Referatsform sein. Vielmehr soll der Schwerpunkt darauf liegen, theoretische Probleme zunächst klar zu umreissen, und sich dann klar darüber zu werden, wie man sie für sich selbst beantworten möchte. Dies kann etwa in Form von mehreren kleineren wissenschaftlichen Essays geschehen. 

Grundlagen und Ansätze der Entscheidungstheorie (Hinzen)
2st., Fr 8-10
Die Freiheit, abgewogene Entscheidungen zu treffen, gilt als entscheidendes Merkmal unserer menschlichen Natur. Im Entscheidungsbegriff kristallisieren sich eine Menge anderer schwieriger Begriffe, wie etwa die Begriffe der Überzeugung, der Wahrscheinlichkeit, der Wünschbarkeit, und der Präferenz. Die Entscheidungstheorie, die bestimmte Aspekte des Entscheidungsbegriffs analysiert, hat in den letzten Jahrzehnten eine ungeheure Entwicklung durchgemacht, sowohl in der ökonomie und Statistik wie auch in der Philosophie. In dieser Veranstaltung soll in die Grundannahmen und Resultate dieser Theorie übersichtsartig eingeführt werden. Wir werden mit Prinzipien der Entscheidungstheorie und verschiedenen Typen von Entscheidungsproblemen beginnen; am Ende werden wir hoffentlich ebenfalls noch einige Aspekte der Themen "Entscheidungstheorie und Ethik" sowie "Individuelle und soziale Entscheidungen" kennenlernen.

Theorien über den Tod (Schäfer)
2st., Do 12.30 s.t. - 14.00, Beginn: 04.05.2000, Raum: R 009
Das Erreichen der Gänze des Daseins im Tode ist zugleich Verlust des "Seins des Da". Die Chancen scheinen recht gut zu stehen, daß dieser Satz Martin Heideggers barer Unsinn sein könnte. Aber: Kann man über den Tod überhaupt sinnvoll reden? In diesem Seminar werden einige traditionelle Thanatologien behandelt: Platons Anschauung von der Unsterblichkeit der Seele, Lukrez' Lehre vom materiellen Ganztod, die christliche Auffassung vom Tod bei Augustinus und schließlich Heideggers eigenartige These vom "Sein zum Tode". Der Erwerb eines benoteten Seminarscheins setzt die Übernahme eines Referats oder die Ausarbeitung einer Seminararbeit voraus. Textgrundlage: Platon, Phaidon (nur der erste Dialogteil); Lukrez, De rerum natura Buch III; Augustinus, De Civitate Dei Buch XIII; Martin Heidegger, Sein und Zeit §§ 46-63. Voraussetzungen: keine.


Hauptseminare

Zur Methode von Philosophie und Geisteswissenschaften (Hommes)
2st., Mo 10-12, Beginn: 08.05.2000, Raum: H5
In diesem Hauptseminar soll die Eigenart geisteswissenschaftlichen und philosophischen Fragens und der Unterschied zu naturwissenschaftlicher Methode diskutiert werden. Zugrunde gelegt wird die große philosophische Hermeneutik, die Hans Georg Gadamer unter dem Titel "Wahrheit und Methode" vorgelegt hat. Einige Themen für Referate werden zu Beginn der gemeinsamen Arbeit vorgeschlagen. Soweit kein Referat übernommen wird, ist ein benoteter Schein durch Vorlage einer schriftlichen Arbeit zu erlangen (Umfang nicht mehr als 20 Seiten). Abgabetermin: 15. September 2000. Das Thema für diese Arbeit wird im Verlauf des Semesters benannt. Textausgabe: Hans Georg Gadamer, Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, 6. Aufl., Tübingen: Mohr-Siebeck, 1990, br. 58,--, Ln. 98,--

Die religiöse Dimension menschlichen Daseins (Hommes)
2st., Mi 17-19, Beginn: 03.05.2000, Raum: H5
Im Ausgang von den anthropologischen Entwürfen Max Schelers, Helmuth Plessners und Arnold Gehlens soll erkundet werden, wie weit davon gesprochen werden kann, daß der Mensch von Natur aus religiös ist. Dabei wird sich die gemeinsame Arbeit an Wolfhart Pannenberg "Anthropologie in theologischer Perspektive" (1983) orientieren. Einige Themen für Referate werden zu Beginn der gemeinsamen Arbeit vorgeschlagen. Soweit kein Referat übernommen wird, ist ein benoteter Schein durch Vorlage einer schriftlichen Arbeit zu erlangen (Umfang nicht mehr als 20 Seiten). Abgabetermin: 15. September 2000. Das Thema für diese Arbeit wird im Verlauf des Semesters benannt. Texte: Wolfhart Pannenberg "Anthropologie" Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1983, kt. 94,--, Ln. 118,-- Dies Buch ist in der Bibliothek mehrfach vorhanden. Außerdem wird es zu den Teilen, auf die sich die gemeinsame Arbeit konzentriert, eine Kopiervorlage geben. Weitere Lektüre: Max Scheler "Die Stellung des Menschen im Kosmos" (1928). Helmuth Plessner "Die Stufen des Organischen und der Mensch" (1928). Arnold Gehlen "Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt" (1940)

Kolloquium für Fortgeschrittene (Hommes)
2st., Mi 19-21

Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen (Rott)
2st., Do 14-16
Die posthum 1953 veröffentlichten "Philosophischen Untersuchungen" von Wittgenstein gehören ohne Zweifel zu den wirkungsmächtigsten Werken der Philosophie des vergangenen Jahrhunderts. Bei aller gedanklichen Originalität und aphoristischen Faszination wurde dem Buch vorgeworfen, eine Sammlung von zwar tiefen, aber nur episodenhaften Einsichten darzustellen, die es dem Leser selbst überläßt, zu einer präzisen Gesamtschau der argumentativen Zusammenhänge zu kommen. Wittgenstein schreibt im Vorwort: "Daß es dieser Arbeit in ihrer Dürftigkeit und der Finsternis dieser Zeit beschieden sein sollte, Licht in ein oder das andere Gehirn zu werfen, ist nicht unmöglich; aber freilich nicht wahrscheinlich." Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, soll in diesem Hauptseminar eine systematische Übersicht über die Wittgensteins philosophische Untersuchungen (zu Themen wie Sprache, Seele und philosophische Methode) erarbeitet werden. Ausgabe: Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, in L.W., Werkausgabe in 8 Bänden, Bd. 1, Frankfurt am Main 111997, S. 225-618; Literatur: Neben vielen eingeführten Standardwerken gibt es einige empfehlenswerte (aber nicht verpflichtete!) neuere Bücher deutschsprachiger Autoren. E. M. Lange, Ludwig Wittgenstein - Philosophische Untersuchungen, Paderborn u.a. 1998. E. v. Savigny, Der Mensch als Mitmensch - Wittgensteins 'Philosophische Untersuchungen', München 1996. E. v. Savigny (Hrsg.), Wittgenstein - 'Philosophische Untersuchungen', Reihe Klassiker Auslegen, Berlin 1998.

Kolloquium für Fortgeschrittene (Rott)
2st., Di 16-18
In diesem Kolloquium werden - in nun schon bewährter Weise - ausgewählte Texte aus allen Bereichen der (theoretischen) Philosophie gelesen und diskutiert. Insbesondere soll Studierenden eine Gelegenheit geboten werden, ihre eigenen philosophischen Interessen und Gedanken, die auch im Zusammenhang mit der Vorbereitung einer größeren Arbeit stehen können, einer lebhaften Diskussion zu stellen. Hierzu können geeignete Texte aus der Literatur, aber auch aus eigener Feder vorschlagen werden. Obschon als Veranstaltung für Fortgeschrittene ausgewiesen, steht dieses Hauptseminar allen interessierten und engagierten Studierenden offen. Das Programm ist inhaltlich nicht festgelegt und wird gemeinsam in der ersten Sitzung erarbeitet; zur Vorbereitung hierzu ist eine rechtzeitige Kontaktaufnahme und formlose Kundgabe der intendierten Teilnahme am Seminar erwünscht. 

Aristoteles, Physik, Buch VIII (Schönberger)
2st., Mo 14-16, Beginn: 08.05.2000, Raum: R 005
Dieses Hauptseminar steht bewußt im thematischen Zusammenhang mit der Vorlesung. Aristoteles hat zum ersten Mal den Versuch unternommen, das schwierige Problem, worin eigentlich Bewegung besteht, begrifflich zu fassen. Sein Bewegungsbegriff führt ihn zur Behauptung, daß alle Bewegung von einem Bewegungsprinzip ausgehen muß. Dies nimmt er zum Anlaß, die berühmte Theorie der Selbstbewegung mit der sein Lehrer Platon das Phänomen des Lebendigen zu fassen versucht hat, kritisch zu erörtern. Zugleich aber führt ihn jenes Prinzip darauf, erstens die Welt als einen zeitlich unendlichen Kosmos anzunehmen, zum anderen aber die Existenz eines ersten unbewegten Bewegers zu beweisen. Auf der Basis von Textreferaten unter Herbeiziehung von Ergänzungsreferaten zu anderen sachlich verwandten Themen soll der Text intensiv interpretiert und diskutiert werden. Text: Aristoteles, Physik (Meiner-Ausgabe).

Colloquium für Fortgeschrittene: Philosophische Theorien der Erinnerung (Schönberger)
2st., Mo 16.30 s.t. - 18.00, Beginn: 08.05.2000, Raum: R 005
Das Colloquium soll sich in einem ersten Teil den klassischen Theorien des Gedächtnisses und der Erinnerung widmen: Die platonische Lehre von der Wiedererinnerung; die aristotelische Theorie der Gedächtnis- und Erinnerungsleistungen; Plotins aktivische Gedächtnis- und Wahrnehmungstheorie; schließlich die Aufdeckung neuer Phänomene und Rätselhaftigkeiten des Gedächtnisses bei Augustinus (Bekenntnisse X). Der zweite Teil des Colloquiums soll - vielleicht als Blockveranstaltung an einem Wochenende gegen Ende des Semesters - einer zusammenhängenden Lektüre von Bergsons Schrift Materie und Gedächtnis gewidmet sein. Dieses Thema ist aber natürlich auch ein Anlaß, die vielfältigen Diskussionsbeiträge der Gegenwart zu berücksichtigen. Hier möchte ich aber noch einen gewissen Spielraum für die jeweiligen Interessen der Teilnehmer offen halten.

Vom Ursprung der Religion (Bonk zus. mit Prof. Dr. F. Schnider)
2st., Do 10-12, Beginn: 04.05.2000, Raum: W 112
Die Frage nach dem Ursprung der Religion kann auf verschiedene Weise verfolgt werden: mit den Mitteln der Religionswissenschaft, Philosophie, Soziologie, Kulturanthropologie, Psychologie usf. Wir wollen einige klassische Antwortversuche (u.a. die von Hume, Bergson, Durkheim, Malinowski, Freud) erörtern und womöglich auch miteinander konfrontieren - wobei freilich nicht auszuschließen ist, daß die verschiedenen Sichtweisen einander ergänzen. Möge es auf diesem Wege gelingen, über eines der ursprünglichsten Charakteristika des Menschen, seine Faszination von einer ihn vermeintlich transzendierenden Macht, größere Klarheit zu gewinnen! Der Erwerb eines Hauptseminarscheins in den Fächern Religionswissenschaft oder Philosophie setzt die Übernahme eines Referats und dessen schriftliche Ausarbeitung voraus.

A. Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung (Bonk)
2st., Do 18-20, Beginn: 04.05.2000, Raum: H 7
Obwohl der Name Schopenhauer weithin bekannt ist, stellen akademische Auseinandersetzungen mit diesem faszinierenden Philosophen aus dem Zeitalter der Romantik eher die Ausnahme dar (was u.a. auch mit Schopenhauers leidenschaftlichem Haß auf die "Universitätsphilosophie" zusammenhängen könnte). In seinem illusionslosen Streben nach bleibender Orientierung in einer in sich zerrissenen Zeit ist uns dieser Denker heute nahe; in seinem kompromißlosen Insistieren, allein er habe die Welt - als "Wille und Vorstellung" - in ihrem Wesen erkannt, steht er uns eher fern: aber in dieser Hinsicht gilt es eben, auf (seine) Thesen, Einsichten und Argumente zu sehen. Hierfür kann "Die Welt als Wille und Vorstellung" (1819) als eine überreiche Fundgrube gelten. Es kommt hinzu, daß die stilistische Meisterschaft Schopenhauers die Lektüre seines Hauptwerkes auch zu einem literarischen Vergnügen macht. (Referate und ihre schriftliche Ausarbeitung).

Grundtexte der Metphysik in Ausschnitten: Leibniz und Schopenhauer (Meixner)
2st., Fr 12-14

Aktuelle Probleme der Bioethik (Schmucker-von Koch)
2st., Mi 17-19, Raum: ZH 7 

Schopenhauers Religionsphilosophie (Welsen)
2st., Fr 15-18, 14-tägig, Beginn: 05.05.2000, Raum: PT 1.0.7
Angesichts der Tatsache, daß Schopenhauer - völlig zu Recht - im Ruf steht, einem dezidierten Atheismus das Wort zu reden, mag es erstaunlich klingen, daß er das Phänomen der Religion durchaus ernst nimmt. Wer sich in seine Schriften vertieft, wird sogar darauf stoßen, daß diese letzten Endes von einem Anliegen getragen werden, das genuin religiös ist. Angesichts des Leidens, das nach seiner Auffassung die empirische Wirklichkeit kennzeichnet, geht Schopenhauer nämlich der Frage nach, auf welche Weise sie der Mensch überwinden und zur Erlösung gelangen könne. Mehr noch, Schopenhauer stellt diese Frage geradezu in den Mittelpunkt des Ansatzes, den er in Die Welt als Wille und Vorstellung entwickelt. Damit drängt sich die Vermutung auf, Schopenhauer nehme ein ausgesprochen ambivalentes Verhältnis zur Religion ein. Wirft man einen genaueren Blick auf seine einschlägigen Äußerungen, so bestätigt sich das. Einerseits unterzieht Schopenhauer die Religion einer scharfen, von der Aufklärung geprägten Kritik, anderseits wird er nicht müde, einer ganzen Reihe religiöser Vorstellungen zuzustimmen, um sie in seinen eigenen Ansatz zu integrieren. Primärliteratur: A. Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd. II. Zürich 1977 (Kap.17 u. 45-50); ders.: Parerga und Paralipomena, Bd. II. Zürich 1977 (Kap. 15). Sekundärliteratur: A. Gehlen: Die Resultate Schopenhauers. In: J. Salaquarda (Hg.). Schopenhauer. Darmstadt 1985; C. Janaway: Self and World in Schopenhauer's Philosophy. Oxford 1990; A. Schmidt: Die Wahrheit im Gewande der Lüge. Schopenhauers Religionsphilosophie. München 1986.


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