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Fellows

Nachfolgend finden Sie Informationen zu den Fellows der Forschungsstelle (in alphabetischer Reihenfolge) und zu ihren Forschungsprojekten.


  

Atci, Mehmet M.


Foto Atci

Indigene Bewegungen in Lateinamerika und erfolgreiche Mobilisierung. Framing durch die EZLN in Mexiko und Frame-Resonanz

Betreuerin: Prof. Dr. Antonia Kupfer (TU Dresden)

Fachbereich: Soziologie

Kontakt: mehmet_mutlu.atci(at)mailbox.tu-dresden.de


Projektbeschreibung

Im Fokus meines Forschungsvorhabens steht die indigene soziale Bewegung Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN) in Mexiko, die 1994 in Erscheinung trat und bis heute aktiv ist. Die Bewegung gilt als Vorreiter globalisierungskritischer Bewegungen und zeichnet sich durch ihre Multikollektivität aus, so dass diese mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteuren auf lokaler, nationaler und  
internationaler Ebene kooperiert. In diesem Kontext interessiert mich der Mobilisierungsprozess der EZLN seit 1994 durch das Nutzen sozialer Medien, indem ich den Framing-Ansatz in den Vordergrund meiner Arbeit stelle. Dieser demonstriert, wie Forderungen und Ziele konstruiert, umkämpft und verbreitet werden.

Von großer Relevanz ist hierbei die Frame-Resonanz durch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Deutschland, indem ich Dokumente – Kommuniqués, Publikationen, Reden – der EZLN analysiere und im zweiten Schritt qualitative Interviews mit NGOs führe. Damit gilt es die Frame-Resonanz zu ermitteln. Hierbei soll die Bedeutung des Framing-Ansatzes für die Protest- und Bewegungsforschung diskutiert und demonstriert werden, inwiefern dieser Ansatz eine kollektive Identität und Mobilisierung begünstigt sowie sozialen Wandel beeinflussen kann.


Akademischer Werdegang

  • 2017-2018: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Soziologie (TU Dresden)
  • 2014-2016: M.A. Politische Wissenschaft (Universität Heidelberg)
  • 2011-2014: B.A. Social Sciences (Universität Gießen)

Publikationen (bis zum Abschluss des Promotionsverfahrens)

  • "Youth entrepreneurship in Europe" (zus. mit Tosun, J./Mierina, I./Shore, J./Hörisch, F.) = Policy Brief No. 3 of the project "Cultural Pathways to Economic Self-Sufficiency and Entrepreneurship", Heidelberg 2016

Domscheit, Wenke


Pinnow und Groß Siemz – Gräberfelder der jüngeren Bronze- und älteren vorrömischen Eisenzeit: Belegungsgruppen als soziales und chronologisches Phänomen

Da Frau Domscheit über eine Stelle verfügt, beschränkt sich die Förderung seitens Forschungsstelle und Hansen-Stiftung auf die wissenschaftliche Begleitung ihres Promotionsvorhabens, was insbesondere die Teilnahme an den Jahrestreffen der Forschungsstelle bedeutet.

Betreuer: Prof. Dr. Frank Nikulka (Universität Hamburg)

Fachbereich: Vor- und frühgeschichtliche Archäologie

Kontakt: folgt in Kürze


Projektbeschreibung

Ein besonderes Phänomen der jüngeren Bronze- und älteren vorrömischen Eisenzeit Mitteleuropas ist darin zu beobachten, wie unterschiedliche archäologische Kulturen ihre Gräber nach dem immer gleichen Prinzip anordneten. Dieses Gleichverhalten findet ihren Ausdruck durch sogenannte Belegungsgruppen, die sich zumeist durch die mehrfach gruppenweise Anordnung von Gräbern auf einem Gräberfeld auszeichnen. Oft, über mehrere Jahrhunderte hinweg, entstanden auf diese Weise deutlich voneinander abgegrenzte Gruppierungen von Gräbern, die als Hinweis auf einzelne unterschiedliche Kollektive innerhalb einer übergeordneten Bestattungsgemeinschaft verstanden werden können. Wird die Art dieser Kollektive häufig in einem verwandtschaftlichen Kontext gedeutet, konnten bisher keine Studien vorgelegt werden, welche die Ursachen und die Funktion von Belegungsgruppen ausreichend diskutieren. So wären neben familiären Strukturen auch andere soziale Gruppierungen, gesellschaftliche Unterschiede oder religiösen Anschauungen als abgrenzende Faktoren zwischen den einzelnen Belegungsgruppen und somit Kollektiven vorstellbar.

Mein Forschungsvorhaben widmet sich diesen Faktoren und den daraus resultierenden Fragestellungen, wie etwa der Frage nach Kommunikation und Interaktion zwischen den verschiedenen Akteuren über den zeitlichen Verlauf der Belegung hinweg. Als Fallbeispiel dienen der Dissertation die beiden Gräberfelder Pinnow und Groß Siemz in Mecklenburg-Vorpommern.


Akademischer Werdegang

  • Seit 2019: wissenschaftliche Hilfskraft am Deutschen Archäologischen Institut - Römisch-Germanische Kommission (Frankfurt/M.)
  • 2012-2017: M.A. Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie (Universität Hamburg)
  • 2009-2012: B.A. Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie (Universität Hamburg)


  

Greifenberg, Dominik


Foto Greifenberg

Krise und kollektive Identität. Stadtgemeinden als Akteure bei Belagerungen an der Schwelle vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit

Betreuer: Prof. Dr. Ralf-Peter Fuchs (Universität Duisburg-Essen)

Fachbereich: Geschichtswissenschaft (Neue Kulturgeschichte)

Kontakt: dominik.greifenberg@uni-due.de


Projektbeschreibung

Das Forschungsvorhaben befasst sich mit spätmittelalterlichen Stadtgemeinden und ihrem Umgang mit Belagerungen als Krisensituationen. Seit dem Hochmittelalter konnte sich im Zuge der sogenannten Kommunalisierung die Stadtgemeinde (lateinisch communitas) vielerorts als politischer Akteur etablieren. Die sich formierende Bürgerschaft beanspruchte zunehmend politische, rechtliche und soziale Kompetenzen, etablierte eigene Verfassungsstrukturen und verdrängte so sukzessive die eigentlichen adeligen oder geistlichen Stadtherren teilweise oder gänzlich aus ihrer Funktion. So konnte sich ein für die Zeit radikal-neuartiges Verfassungssystem entwickeln, das mit innovativen Lösungsansätzen in Politik, Recht und Verwaltung aufwarten konnte. Damit ging die Herausbildung einer spezifischen Kultur und Identität einher, die ganz erheblich von dem Bewusstsein geprägt war, als Kollektiv selbstbestimmt und erfolgreich die Geschicke der eigenen Stadt zu lenken und das Angebot von Sicherheit(en), welches die Stadtherren bis dato exklusiv gewährleisten konnten, nun vollständig selbst schultern zu können. Im späten Mittelalter – die Forschung hat vor allem das 15. Jahrhundert als ‚Zeit der Krisen‘ charakterisiert – wurde das System der communitas in vielfacher Hinsicht auf den Prüfstand gestellt. Militärisch etwa gerieten die unabhängigen Stadtgemeinden immer wieder ins Visier adeliger Akteure. Krisensituationen wie Belagerungen erforderten die Umsetzung vorher (bewusst wie unbewusst) durchdachter und entwickelter Reaktionsmuster unter Einsatz spezifischer Kulturtechniken. Dabei stellten militärische Konflikte im Spätmittelalter aufgrund technischer Innovationen (vor allem der Etablierung von Feuerwaffen) und militärischer Reformen (Fürsten stellen erste stehende Heere auf) fundamental neue Herausforderungen an das Kollektiv der Stadtgemeinde.

Die Untersuchung soll anhand einzelner Belagerungsszenarien von Städten am Niederrhein und in Westfalen im 15. und 16. Jahrhundert den Umgang einzelner Kollektive mit der existentiellen Krisensituation der Belagerung ergründen. Dabei steht weniger die pragmatische Seite des Krisenmanagements im Vordergrund, sondern vielmehr die deutlich weniger erforschte psychosoziale Dimension. Im Zentrum steht die Frage, welche Bedeutung und Funktion kollektivem Bewusstsein, kollektivem Handeln, kollektiver Identität und Solidarität bei der Bewältigung der Belagerungssituation einerseits beigemessen wurden und andererseits tatsächlich zugefallen sind. Ferner soll aufgezeigt werden, inwiefern die Krisen und deren Reflexion die Identität der Stadtgemeinden nachhaltig geprägt haben.


Akademischer Werdegang

  • Seit 2014: Promotionsstudium (Universität Duisburg-Essen)
  • 2014-2018: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für die Landesgeschichte der Rhein-Maas-Region an der Universität Duisburg-Essen
  • 2010-2013: M.A. Mittelalter- und Renaissancestudien (interdisziplinärer Studiengang mit Geschichtswissenschaft als Kernfach/Ruhr-Universität Bochum)
  • 2006-2009: B.A. Geschichtswissenschaft und Germanistik (Ruhr-Universität Bochum)


Publikationen (bis zum Abschluss des Promotionsverfahren)

  • "Melanchthon und Bucer: Frühe Reformationsbemühungen am Niederrhein", in: Niederrhein-Magazin 23 (2017), S. 3-10.
  • "Sicherheitsversprechen - Wilhelm der V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Sicherheitspolitik", in: Niederrhein-Magazin: Programmzeitschrift der Niederrhein-Akademie 21 (2016), S. 3-11.
  • "Die Stadtmauer als Objekt korporativer Identifikation? Zur symbolischen und soziokulturellen Bedeutung der Stadtmauer für die Kölner Kommune im Hoch- und Spätmittelalter", in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das alte Erzbistum Köln 218 (2015) S. 45-94.
  • "Die mittelalterliche Stadtbefestigung als Forschungsgegenstand der Infrastruktur-Geschichte", in: Niederrhein-Magazin 20 (2015), S. 22-33.
  • "Überlegungen zu Sinn und Nutzen einer Infrastruktur-Geschichte des Mittelalters", in: Niederrhein-Magazin 19 (2015), S. 13-23.


 

Hahn, Lisa


Foto Hahn

Strategische Prozessführung. Zur politischen Nutzung von Recht durch Klagekollektive

Betreuerin: Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M. (Michigan), HU Berlin

Fachbereich: Rechtswissenschaften

Kontakt: lisa.hahn(at)rewi.hu-berlin.de



Projektbeschreibung

„Strategische Prozessführung“ beschreibt eine Rechtspraxis, bei der Gerichtsverfahren systematisch eingesetzt werden, um eine über den Einzelfall hinausgehende, gesellschaftspolitische Wirkung zu erzielen. Seit einigen Jahren steigt die Zahl von Nichtregierungsorganisationen, die solche Verfahren systematisch in Zusammenarbeit mit Betroffenen, Anwaltschaft, politischen Akteuren und Wissenschaft einsetzen. Die Promotion nimmt diese Entwicklung zum Ausgangspunkt für eine interdisziplinäre Analyse der Bedingungen und Akteure strategischer Prozessführung in Deutschland. Da bislang keine einheitlich verwendete Definition dieses Phänomens existiert, wird ein eigenes Konzept von strategischer Prozessführung als Modus kollektiver Rechtsmobilisierung entwickelt. Demnach ist die Form der Mobilisierung prägend für strategische Klagen. Diese werden meist nicht nur von betroffenen Individuen, sondern unter Beteiligung einer Vielzahl von Akteuren geführt - einem Klagekollektiv.

Eine rechtliche Analyse und empirische Fallstudien werden zeigen, dass die Handlungsspielräume von Klagekollektiven und der Erfolg von strategischen Prozessen von einer Vielzahl juristischer, sozialer, politischer und ökonomischer Faktoren abhängen. Ziel der Arbeit ist es zu darzulegen, wie Klagekollektive angesichts gesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse nicht nur zur effektiven Rechtsdurchsetzung beitragen, sondern auch politische Teilhabe fördern.


Akademischer Werdegang

  • Seit 2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien, Prof. Dr. Susanne Baer, LLM. & Prof. Dr. Ulrike Lembke (HU Berlin)
  • 2016-2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am „Institut für interdisziplinäre Rechtsforschung – Law and Society Institute“ in dem rechtsethnologischen Forschungsprojekt „Was „macht“ Migration mit Verwaltungsrecht“ (HU Berlin)
  • 2010-2016: Staatsexamen, Rechtswissenschaften (HU Berlin und Bahçeşehir Üniversitesi Istanbul)


Publikationen (bis zum Abschluss des Promotionsverfahrens)


Hasl, Markus


Foto Hasl

Betroffenenkollektive im Völkerrecht – Zur Neuausmessung des Verhältnisses zwischen Zivilgesellschaft und Internationalen Institutionen über Kollektivität, Betroffenheit und Selbstrepräsentation

Betreuer: Prof. Dr. Jochen von Bernstorff, LL.M. (Universität Tübingen)

Fachbereich: Rechtswissenschaften

Kontakt: markus.hasl(at)uni-tuebingen.de


Projektbeschreibung

Das Projekt identifiziert und analysiert einen zentralen Paradigmenwechsel im Verhältnis zwischen Völkerrecht und Zivilgesellschaft. Das klassische Leitbild für die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure ist die internationale Nichtregierungsorganisation (NRO). Diese verkörpert das Ideal einer internationalen Zivilgesellschaft, basierend auf dem freiwilligen Zusammenschluss von Individuen, und zwar im Interesse des Gemeinwohls. Die Arbeit wird zeigen, dass dieses Leitbild des Gemeinwohlkollektivs seine Vormachtstellung insbesondere seit den 1990er Jahren in zunehmendem Maße zugunsten eines neuen Leitbilds einbüßt: dem des Betroffenenkollektivs. Dazu analysiert die Arbeit insbesondere Institutionen im System der Vereinten Nationen, aber etwa auch internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank, die sich immer stärker für die Selbstrepräsentation bestimmter Kollektivgruppen öffnen und in ihrer Beteiligungsarchitektur solche Betroffenenkollektive zum Teil sogar gegenüber Gemeinwohlkollektiven (also NROs) bevorzugen. Charakteristisch sind in allen Fällen Zugangsregeln und Mechanismen, die darauf hinwirken, dass die fraglichen Personengruppen bevorzugt durch solche Organisationen repräsentiert werden, die sich aus Menschen dieser Kollektivgruppe zusammensetzen und von solchen geführt werden. Beispielhaft genannt seien hier etwa indigene oder kleinbäuerliche Gemeinschaften genauso wie Menschen, die von HIV/ AIDS betroffen sind, oder Menschen, die mit einer Behinderung leben.


Trotz einer Verfestigung dieser Leitbildausdifferenzierung zwischen Gemeinwohl- und Betroffenenkollektiv in verschiedenen Teilbereichen des Völkerrechts, fehlt es der Rechtswissenschaft bisher an einer systematischen Erfassung und Einordnung. Dieser Aufgabe nimmt sich die Arbeit an und verschafft der Rechtswissenschaft damit einen neuen und empirisch fundierten analytischen Blick auf das Verhältnis zwischen Zivilgesellschaft und Völkerrecht. Der zentrale Forschungsbeitrag ergibt sich dabei insbesondere in Auseinandersetzung mit der aktuell dominierenden Diagnose, das Völkerrecht und dessen Institutionen seien gekennzeichnet durch eine defizitäre Verantwortlichkeitsbeziehung zwischen regulierenden Autoritäten und den davon Betroffenen: So werden sich Rückschlüsse für diese Problematik unmittelbar aus den Erkenntnissen dazu ergeben, wie und von wem Betroffenenkollektive über die Attribute ‚Betroffenheit‘ und ‚Selbstrepräsentation‘ bestimmt werden, als auch aus Einsichten über die Ausgestaltung des Verhältnisses zu anderen Kollektiven wie Staaten, NROs und internationalen Organisationen. Zusammen werden diese beiden Dimensionen deutlich machen, wie Leitmodelle über Inklusion und Exklusion im Völkerrecht bestimmen und unter welchen Umständen das neue Leitmodell der Betroffenenkollektive eine bessere Rückbindung völkerrechtlicher Entscheidungsfindung auch an marginalisierte und exkludierte gesellschaftliche Kollektive sorgen kann.


Akademischer Werdegang

  • Seit Oktober 2019: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Staatsrecht, Völkerrecht, Verfassungslehre und Menschenrechte, Prof. Dr. Jochen von Bernstorff (Universität Tübingen)
  • 2015–2019: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Sonderforschungsbereich 923 Bedrohte Ordnungen, Teilprojekt F07 “Die Bedrohung lokaler Ordnungen durch Land-Grabbing” (Universität Tübingen)
  • 2009 –2015: Staatsexamen, Rechtswissenschaften (Universität Tübingen)

Publikationen (bis zum Abschluss des Promotionsverfahrens)

  • “Shifting the paradigm: a typology of affected persons’ participation in international institutions”, in: Third World Thematics: A TWQ Journal, Vol. 3 Hefte 5-6 (2018), S. 626-644, https://doi.org/10.1080/23802014.2018.1553506,
    erscheint auch als Print-Abdruck in: Jan Sändig, Jochen von Bernstorff, Andreas Hasenclever (Hrsg.), Affectedness and Participation in International Institutions, London 2019.

  

Herrmann, Moritz


Die Erinnerung der Hydra - das Quilombo von Palmares im kulturellen Gedächtnis Brasiliens

Die Förderung von Herrn Herrmann hat derzeit die Gerda-Henkel-Stiftung übernommen.

Betreuer: Prof. Dr. Johannes Dillinger (Oxford Brookes, Universität Mainz)

Fachbereich: Mittlere und Neure Geschichte

Kontakt: moritz.p.herrmann(at)gmail.com


Projektbeschreibung

Anhand der Erinnerung an das Quilombo von Palmares, ein über das 17. Jahrhundert hinweg bestehendes Gemeinwesen aufständischer Sklaven im Hinterland des kolonialen Brasiliens, thematisiere ich den Zusammenhang von Kollektivität und Erinnerung. Durch die Untersuchung wissenschaftlicher, politischer und kultureller Zeugnisse, zeichne ich nach, wie ein Sklavenwiderstand vermittelt durch Geschichtswissenschaft und politischen Aktivismus im 20. Jahrhundert von einer historischen Marginalie zu einem staatlich sanktionierten Element der brasilianischen Erinnerungskultur wurde. Dabei wird dargestellt, welche Bedeutungen das Quilombo für verschiedene, sich an Palmares erinnernde Kollektive erhielt und welche Rolle es für den Wandel des Selbstverständnisses der brasilianischen Nation spielt. Hierbei steht insbesondere die antirassistische Bewegung im Vordergrund, für die die Rekonstruktion der Erinnerung an Palmares aufs Engste mit der Frage nach Identität, Nationalität wie auch den kollektiven Rechten der afrobrasilianischen Bevölkerung verbunden ist. Doch auch für die Landlosen- und Arbeiterbewegung steht das Erinnern an Palmares im Zusammenhang mit dem Kampf um kollektive Rechte und Emanzipation.


Akademischer Werdegang

  • 2007-2015: 1. Staatsexamen, Lehramt an Gymnasien, Deutsch und Geschichte (Universität Mainz)

Publikationen (bis zum Abschluss des Promotionsverfahrens)

  • "Die goldene Frucht Ostindiens. Eine Warengeschichte der Muskatnuss", in: Skriptum - Studentische Onlinezeitschrift für Geschichte und Geschichtsdidaktik, Bd. 2 (2012), H. 1, S. 30-62.
  • "Intervention und Herausforderung: Die Rezeption der 'Ästhetik des Widerstands' im Umfeld der DKP", in: Peter-Weiss-Jahrbuch für Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Bd. 21 (2012), S.47-62
  1. FAKULTÄT FÜR SPRACH-/LITERATUR-/KULTURWISSENSCHAFT

Forschungsstelle Kultur- und Kollektivwissenschaft

Altes Finanzamt (ALFI)
Landshuterstr. 4
VR 07
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