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Staatsexamina



 1. Staatsexamen 

Nach vier Semestern und so einigen Strapazen ist es dann endlich so weit: die erste Prüfung, die euren Studienerfolg belegen soll, steht an. Nachdem alle Unterlagen sorgsam ausgefüllt und jeder einzelne benötigte Schein bedächtig dazugepackt wurde, geht alles auf eine ungewisse Reise. Etwa 3 Wochen vor dem Termin schwirrt dann ein Einschreiben an eure Adresse mit komplettem Namen der Geburtsurkunde. Das ist eure Ladung und damit ist es wirklich offiziell, dass ihr ran müsst - jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Bis dahin habt ihr allerdings ohnehin andere Sorgen, denn euch erwartet eine Menge Stoff, den ihr z.T. sogar noch nie vorher gelernt habt. Der Lernzeitraum ist hart umstritten, denn einerseits ist es zwar logisch, dass man, je länger man lernt auch mehr lernen kann, allerdings vergisst man bei dem Pensum auch nach kurzer Zeit wieder viel, besonders bei Stoff, der nur auswendig gelernt werden muss! Am sinnvollsten ist daher wohl eine Lernzeit von rund 4-5 Wochen anzupeilen - ungeachtet des Lerntyps und natürlich ohne Gewähr!

Geprüft werden die Fächer

  • "allgemeine, anorganische und organische Chemie"
  • "Grundlagen der pharmazeutischen Biologie und Humanbiologie"
  • "Grundlagen der Physik, der physikalischen Chemie und Arzneiformenlehre"
  • "Grundlagen der pharmazeutischen Analytik".

Die Fragemöglichkeiten für Chemie sind einfach zu groß, als dass ihr wirklich alles sicher wisst. Versucht euch mit den Ehlers-Büchern einen guten Grundstock zu schaffen, speziell allgemeine und anorganische Chemie bestehen zum Großteil aus auswendig gelerntem Wissen. Bei organischer Chemie solltet ihr Mechanismen und Gründe für die unterschiedlichen Reaktionswege verinnerlicht haben.

Bei Biologie herrscht wohl bislang noch die größte Lücke, da wir uns im Studium bis dato eher nur um die Pflanzenbiologie gekümmert haben. Die Themengebiete erstrecken sich von Cytologie, Genetik, Systematik, über Entwicklungs- und Stoffwechselphysiologie, Morphologie, Histologie, Anatomie, bis hin zu Bakterien, Pilze, Viren, Algen und Humanbiologie. Demnach solltet ihr euch hier besonders viel Zeit und Geduld nehmen, um den Stoff zu lernen. Hilfreich ist dies v.a. auch für das Hauptstudium - kennt ihr euch mit dem Körper und seinen Stoffwechselwegen nicht aus, könnt ihr auch die Wirkmechanismen der Arzneistoffe nicht nachvollziehen! Deshalb nehmt euch z.B. den Leistner-Breckle her und lest ihn aufmerksam durch.

Auch bei Physik herrscht wohl eher Ebbe. Das Erfreuliche dabei ist, dass dieses Manko in etwa einer Woche gut behoben werden kann. Nehmt euch hier viel Zeit zum Klicken der Fragen und schlagt dann in einem Buch nach, wenn ihr die Lösung nicht verstanden habt. Wenn ihr abschließend noch etwas um die Kapitel herum lest, sollte genug Wissen über Elektrizität, Magnetismus, Optik, Strahlung, Atomphysik, Allgemeines zu Flüssigkeiten und Gase, Mechanik und Wärmelehre vorhanden sein. Die Fragen für Arzneiformenlehre sollten mit dem bisherigen Wissen aus dem Praktikum ganz gut lösbar sein. Ein auffrischender Blick über die Unterlagen sollte da auch ausreichen.

Bei der Analytik ist das so eine Sache. Abgefragt werden klassisch qualitative, klassisch quantitative, chromatographische, optische und elektrochemische Analyse. "Klassisch quantitativ" fällt bei uns eher in das Gebiet "Quali mit wenig Quanti", "klassisch qualitativ" besteht hauptsächlich aus organischen Analysemethoden und der "Instru-Teil" ist je nach Laune des IMPPs machbar oder bis ins letzte Detail hinterfragt, speziell bei Methoden (z.B. Elektrophorese), die man sich bisher noch nicht wirklich angeschaut hat. Ohne euch jetzt Angst machen zu wollen, wird hier viel Stoff gefragt, den man dann erst im Hauptstudium noch lernt. Das Problem dabei ist, dass sie Arzneibuch-Methoden wissen wollen, die wir im Grundstudium nie explizit angesprochen haben. Versucht euch also hier auch möglichst viel Wissen über die Ehlers-Reihe anzueignen oder kleiner Tipp: werft mal einen Blick in die Hauptstudiums-Skripte (z.B. bei Arzneistoffanalytik).

Dann ist es jedoch soweit: der erste Prüfungstag steht an. Nach Vorlage der Ladung und eures Ausweises und Leistung einer Unterschrift dürft ihr den Prüfungssaal betreten. Glücksbringer, Essen, Getränke etc. können bereit gestellt werden. Handy aus und Taschen am Saalende ablegen. Nach einer kurzen Einführung über die Abläufe geht es dann los: bewaffnet mit einem von der Regierung gestellten Druckminenbleistift und einem Kunststoff-Radierer kreuzt man sich durch das Prüfungsheft.

Nach insgesamt vier Treffen habt ihr dann eure Schuldigkeit getan und fortan liegt euer Glück nicht mehr in euren Händen. Nach 4-6 Wochen trudelt dann eure Ergebnismitteilung inkl. Zeugnis erneut per Einschreiben ein. Falls ohne Zeugnis, dann ist leider noch nicht alles abgeschlossen und man muss beim nächsten Mal erneut ran!

Rund ein Drittel der Studenten legt den ersten Abschnitt nach dem vierten Semester komplett ab. Der Rest muss dann spätestens im Fünften nachziehen um ins Sechste vorrücken zu dürfen.

Sollte jemand bis zum Ende des 4. Semesters noch nicht alle Klausuren erledigt haben - kein Stress, es gibt dann zwei Möglichkeiten für euch:

  • Erledigen der Klausuren bis Wintersemesterbeginn (Oktober) möglich

Sollten nur noch wenige Klausuren fehlen, die einen möglichen Wiederholungstermin spätestens im September haben, dann könnt ihr nach deren Bestehen ungehindert ins 5. Semester vorrücken. Eure Bewerbungsunterlagen kommen in diesem Fall zurück. Bis zur nächsten Frist (Anfang Oktober) müsst ihr euch dann einfach erneut für das Frühjahrsexamen anmelden und dann alle Prüfungen bestehen, um ohne Pause ins 6. Semester zu kommen. Sollte dann doch was schief gehen, müsst ihr ein Semester Pause einlegen (keine Praktika erlaubt, MedChem und Pharmakologie dürfen trotzdem mitgeschrieben werden!) und macht dann zum 7. Semester weiter. Das 6. Semester wird also anschließend als 9. Semester angehängt.

  • Erledigen der Klausuren erst im eigentlichen 5. Semester (nach Oktober) möglich

Damit habt ihr die Sondermöglichkeit verpasst und verlebt ein ruhigeres Semester, in dem ihr euch voll auf die Altlastbeseitigung konzentrieren könnt. Mit Erhalt aller Scheine könnt ihr euch dann zum Frühjahrsexamen anmelden und dort mitschreiben. Egal, ob ihr alles besteht oder nicht, dürft auch ihr jetzt in euer erstes Hauptstudiumssemester (sprich ins eigentliche 6. Semester) vorrücken. Von nun an werdet ihr zum Springer - denn nach diesem Semester geht ihr ins 5., 8. und 7.! Solltet ihr jedoch nicht Bestehen, müsst ihr bei der Wiederholung alles erledigen, da euch sonst ebenfalls ein Trockensemester droht.


Literatur

  • Ehlers: Chemie I
  • Ehlers: Chemie II
  • Ehlers: Analytik I
  • Ehlers: Analytik II
  • Rücker/Neugebauer/Willems: Instrumentelle Pharmazeutische Analytik
  • Dominik/Steinhilber: Instrumentelle Analytik
  • Reinhard: Pharmazeutische Biologie 1
  • Leistner/Breckle: Pharmazeutische Biologie kompakt (inkl. Humanbiologie)
  • Barth: Physik
  • Harms: Physik für Mediziner und Pharmazeuten

Nach nunmehr 4 Jahren harter Arbeit an der Uni naht auch schon das Zweite Staatsexamen.

Sind alle Klausuren, Referate, Kolloquien und Praktika erledigt, dann kann man sich umgehend erneut beim Prüfungsamt für den Zweiten Prüfungsabschnitt anmelden. Etwa im August erfährt man dann die angesetzten Termine dafür, die noch vom Prüfungsamt - meist ohne Beanstandung - abgesegnet werden müssen.

Zur Sache geht es dann von etwa Anfang / Mitte September bis Mitte Oktober. Mit gelegentlich kleinen Abweichungen in der Reihenfolge werden nacheinander

  • "Pharmazeutische/Medizinische Chemie"
  • "Pharmazeutische Biologie"
  • "Pharmazeutische Technologie"
  • "Pharmakologie und Toxikologie"
  • "Klinische Pharmazie" 

vom jeweiligen Lehrstuhlleiter mit einem Beisitzer geprüft. In MedChem wird man einem der zwei Professoren zugewiesen. Die Prüfungen erfolgen manchmal auch mit einem kleinen Stopp von 2 Wochen normalerweise im wöchentlichen Turnus. D.h. man hat immer eine Woche Zeit, um das neue Stoffgebiet noch einmal nachzuschleifen. Die Prüfungszeit variiert dafür als evtl. Vorteils- oder Nachteilsausgleich zwischen vormittags und nachmittags.

Das Stoffpensum ist enorm. Wer bis hier nur halbherzig mitgelernt hat, wird es spätestens jetzt bereuen, denn das Verständnis aus 2 Jahren kann man nur schlecht in wenigen Monaten bzw. Wochen aufholen.

In jeweils ca. einer halben Stunde wird man im wahrsten Sinne des Wortes "auf Herz und Nieren" geprüft. Anschließend wird man kurz aus dem Raum gebeten, damit sich der Professor mit dem Beisitzer kurz über die Benotung beraten kann. Anschließend bekommt man das Ergebnis mitgeteilt und kann dann zurück an die Arbeit für die nächste Prüfung oder auf eine kleine Party zum Abschalten.

Am letzten Examens-Prüfungstag findet dann nach dem letzten Prüfungstermin von uns ein kleiner Sektempfang für euch statt, an dem ihr alle herzlich eingeladen seid. Nachdem es auch Wiederholer oder Nachzügler des Jahrgangs im Frühjahr geschafft haben, findet dann noch der festliche Abschluss der universitären Ausbildung im Rahmen eines Examensballs statt.

Damit steht wirklich fest, dass ihr mit der Uni abschließen könnt und nun auf dem Weg zu Approbation nur noch das Praktische Jahr und der Dritte Abschnitt fehlen...


Literatur:

  • Mutschler: Arzneimittelwirkungen
  • Aktories: Pharmakologie, Toxikologie
  • Hänsel/Sticher: Pharmakognosie, Phytopharmazie
  • Voigt/Fahr: Pharmazeutische Technologie
  • Bauer/Frömming/Führer: Lehrbuch der Pharmazeutischen Technologie
  • Jaehde/Radziwill/Kloft: Klinische Pharmazie: Grundlagen und Anwendungen

 3. Staatsexamen 

Auch wenn man sich schnell in den Apothekenalltag im Praktischen Jahr eingewöhnt hat und man eigentlich den ganzen Prüfungsstress vor und um das Zweite Staatsexamen abgeschlossen hat, wird man spätestens bei den Begleitenden Unterrichtsveranstaltungen erinnert, dass da noch ein Examen bevorsteht.

Das Anmeldeformular bekommt man normalerweise mit der Urkunde des Zweiten Staatsexamens vom Prüfungsamt mitgeschickt. Nur den Anmeldeschluss sollte man im Auge oder Terminkalender behalten, damit man ihn nicht vergisst. Über den eigentlichen Prüfungszeitraum oder -termin kann man zu diesem Zeitpunkt nur spekulieren. Den genauen Termin erhält man erst ca. zwei Wochen vor der eigentlichen Prüfung. Und im Gegensatz zum zweiten Examen weiß man erst, wer die Prüfer sind, wenn sie am betreffenden Tag vor einem stehen.

Irgendwann, bei manchen ein paar Monate, bei anderen ein paar Wochen vor Ende des Praktikums setzt dann die Lernphase ein. Die einfachste Möglichkeit ist hier bei den Unterrichtsskripten anzufangen, da diverse Referenten auch selbst Prüfer für ihr Thema sind. Aktualisierte bzw. überarbeite Unterrichtsskripte stellt die Bayrische Apothekerkammer auf ihrer Webseite bereit. Es ist aber durchaus sinnvoll sich alle (nicht nur die den Unterricht betreffenden) Skripte zu jedem Blockseminar und kurz vor dem letzten Examen herunter zu laden. Teilweise werden die Themengebiete neuen Referenten/Prüfern zugewiesen und der eine erklärt es etwas besser oder schlechter oder einfach anders. Etliche Unterrichtsthemen kann man aber auch unter "ferner Liefen" abhaken und mit Mut zu Lücke nur mal durchlesen. Als Ergänzung zum Themengebiet Betriebswirtschaftslehre ist das kostenlose Sanacorp-Buch zu empfehlen, was die Skripte der verschiedenen (Sanacorp-)BWL-Referenten noch im praktischen Kleinformat zusammenfasst.

Trotz der ganzen Lernerei denkt man sich mit jedem Tag, der Richtung Examen verstreicht, dass man noch weniger weiß, als tags zuvor. Das ist ganz natürlich und war, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei jedem so. Denn das eigentliche Stoffgebiet des Dritten Staatsexamens ist uferlos. Und man wird, wie in der Praxis auch, nie alles ad hoc wissen, was auch dort niemand verlangt. Eher geht es darum, sich nicht aus dem Tritt bringen zu lassen und bei Lücken lieber zu sagen, dass man das jetzt nicht genau beantworten kann, aber man es dort und da nachschauen kann, als gequirlten Mist zu erzählen. In der Praxis später können davon Menschenleben abhängen und wenn man sich unsicher ist, geht man lieber auf Sicherheit als auf Halbwissen.

Ist der große Tag dann endlich gekommen, kann man es schon nicht mehr erwarten in seinen guten Anzug zu schlüpfen, da man die Nacht kein Auge zugebracht hat. Vor dem Richtort trifft man dann auf ein, zwei weitere seinesgleichen, denn es werden meist zwei Leute gleichzeitig pro Prüfung geprüft. Schlägt dann endlich auch die besagte Stunde, wird man von dem Prüfungsleiter in den entsprechenden Raum gebeten. Hier steht ein großer Tisch, an dessen einer Seite zwei freie Stühle sind, auf ihm einiges an Papier und Literatur liegt, und am anderen Ende die vier Prüfer und der Schriftführer (meist in Personalunion mit einem der Prüfer) sitzen.

Hat man sich gesetzt bzw. ist auf seinen zugeteilten Platz hingesetzt worden, gibt der erste der Prüfer dem einen Prüfling meist ein Rezept oder ein anderes Schriftstück und meint "darüber werden wir uns dann gleich unterhalten". Dann beginnt er den anderen Prüfling auszufragen bis die Eieruhr schellt (wirklich!). Dann ist wieder der erste Prüfling dran, der dann sogleich Rechenschaft über das ihm gegebene Textstück ablegen darf. Die anderen Prüfer hüllen sich derweil in Schweigen oder Desinteresse am Geschehen. Ist der aktuelle Prüfer mit beiden Prüflingen durch, beginnt das gleiche Spielchen mit dem nächsten Prüfer

Irgendwann nach geschätzten dreißigtausend Stunden - gemessenen knapp zwei Stunden - ist die Prüfung vorbei und beide Prüflinge werden aus dem Saal gebeten. Den seelischen Zustand in den nun folgenden Minuten kann man nur schwer in Worte fassen. Dies ist aber unerheblich, da man kurze Zeit darauf wieder in die Kammer des Schreckens gebeten wird, wobei im Normalfall dies mit einem händeschüttelnden „Glückwunsch! Sie haben bestanden" des Prüfungsleiters erfolgt. Dieser verkündet einem dann anschließend noch die Einzelwertungen in den beiden Prüfungsfächern, woraufhin man auch schon wieder am Hinausgehen ist. Der nun folgende Zustand ist ebenfalls kaum in Worte zu fassen. Es ist geschafft, worauf man Jahre hingearbeitet hat. Jetzt bleibt nur noch den verdienten Erfolg entsprechend zu feiern, bevor man sich wenige Tage oder Wochen später in den Berufsalltag stürzt. Auf eines muss man jedoch verwaltungstechnisch bedingt noch gut zwei Monate warten – die Approbationsurkunde.


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