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Lebenslauf

Isabell Alexa Hesse ist germanistische Mediävistin und Historikerin mit einem Schwerpunkt in der Städteforschung. Sie studierte an der Universität Regensburg im Bachelor Deutsche Philologie und Geschichte mit dem freikombinierbaren Nebenfach (Schwerpunkte Religionswissenschaft und Philosophie). Ihren Master „Kulturgeschichtliche Mittelalterstudien“ absolvierte sie 2021 ebenfalls in Regensburg mit den Schwerpunktfächern Ältere deutsche Literatur, Geschichte und Theologie. Neben ihrem Studium arbeitete sie erst als studentische, dann als wissenschaftliche Hilfskraft sowohl an der Professur für Ältere deutsche Literatur, der Professur für Mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften als auch als Assistenz der Geschäftsführung und Vertretung der Studiengangkoordination des Instituts für Germanistik.

Nach ihrem Studium arbeitete Isabell Alexa Hesse als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Editionsprojekt „Regensburger Bürgertestamente“ in der Forschungsstelle Regensburger Stadtgeschichte des „Forum Mittelalter“ (Universität Regensburg). Ab 2023 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-GRK 2337 „Metropolität in der Vormoderne“, in dessen Rahmen sie ihre interdisziplinäre Dissertation „Individuum und Familie – Familie und Stadt. Die spätmittelalterlichen Familienbücher der Nürnberger Stadteliten“ verfasste. Zugleich fungierte sie als Graduiertensprecherin des Kollegs und übernahm eine Lehrtätigkeit im Fachbereich Mittelalterliche Geschichte.

Isabell Alexa Hesse ist eine der Organisatorinnen des Nachwuchs-Netzwerks „Frauenstimmen? Gender-Räume und (Ohn)Macht in der Vormoderne“. Mit ihrem Promotionsprojekt ist sie zudem an das Projekt „Eremiten in der Metropole“ angegliedert, das in Zusammenarbeit mit dem GRK „Metropolität in der Vormoderne“ am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg stattfindet. Darüber hinaus ist sie als freiberufliche Fremdenführerin tätig.

Forschungsschwerpunkte

  • Stadtforschung (Schwerpunkt spätmittelalterliches Nürnberg)
  • Städtische Eliten im Mittelalter und Repräsentation
  • Spätmittelalterliche Familienbücher und Chroniken als historische und literaturwissenschaftliche Quellen
  • Mittelalterliche Bürgertestamente (Schwerpunkt Regensburg)
  • Gender- und Frauenforschung
  • Spätmittelalterliche Genealogie

Abstract des Promotionsprojektes


„Individuum und Familie – Familie und Stadt. Die spätmittelalterlichen Familienbücher der Nürnberger Stadteliten“

Betreuer: Prof. Dr. Jörg Oberste

Vom 15. bis ins 17. Jahrhundert ist Nürnberg die wichtigste Literaturstadt des römisch-deutschen Reiches, in der innovative Gattungen wie Meistersang, Handwerkerchroniken und die ersten deutschsprachigen Familienbücher ihren Ursprung finden. Letztere sind, ganz wie die spätmittelalterliche Metropole selbst, maßgeblich durch die Stadteliten geprägt. Eine überschaubare, weitgehend abgeschlossene Gruppe von führenden Familien, die geslechter, hielten das Stadtregiment in fester Hand, traten als Stifter und Kirchenpfleger hervor, trieben erfolgreichen, europaweiten Handel, gehörten zu den wichtigsten Grundbesitzern ihrer Stadt und eigneten sich zahlreiche Privilegien an. 

In ihren Familienbüchern stellten die geslechter diesen Status und Einfluss zur Schau, demonstrierten mit ausschweifenden Genealogien das lange Herkommen ihrer Familien und verwoben die eigene Geschichte fest mit der ihrer Stadt. Auch die ‚ehrbaren‘ Familien machten sich diese Textform zu eigen, um ihre Zugehörigkeit zur Stadtelite zu beweisen und Anschluss an die hierarchisch über ihnen stehenden Ratsgeschlechter zu suchen. Die Familienbücher sind ein Sinnbild der umfangreichen Abgrenzungsbemühungen der geslechter und ihrer ausgeprägten familiären sowie politischen Netzwerke. Zugleich präsentieren sie eindrucksvoll die Möglichkeiten einer sozialen Mobilität, die sich in der Metropole boten. Ziel des Projekts ist es, die Verhältnisse und Wechselwirkungen von Individuum, Familie, elitären Gruppen und Metropole innerhalb der Nürnberger Familienbücher des Spätmittelalters und einiger vergleichender Quellen wie Stadtchroniken, urkundlicher Überlieferung, Städtelob u. a. herauszuarbeiten. 

Das Textkorpus für den Untersuchungszeitraum der Arbeit (1360–1511) umfasst 15 (teils mehrbändige) Familienbücher von 13 Verfassern. In einem ersten Schritt wird eine ausführliche Kategorisierung und Systematisierung dieses Korpus angelegt, anhand derer die Entwicklung der Textgattung in Nürnberg, intertextuelle Bezüge innerhalb des Korpus und darüber hinaus die Hintergründe und Schreibanlässe der Verfasser sowie die den Familienbüchern eigenen Textfunktionen und Funktionalisierungsstrategien herausgearbeitet werden. Im zweiten, umfangreicheren Teil erfolgt eine Tiefenanalyse zweier Fallbeispiele: Die Familienbücher des Ratsherren Lazarus Holzschuher und des ehrbaren Bürgers Bernhard Müller sowie deren Quellen, Abschriften und Rezeptionen werden eingehend analysiert. 

Im Vordergrund steht die Rolle der Texte als Medien der elitären Repräsentation, Selbstdarstellung, Statuslegitimierung, Memoria, Wissenssammlung, Didaxe und Vernetzung; stets mit Blick auf metropolitane Fragestellungen. Die Untersuchung der Texte geschieht dabei sowohl mit historischem als auch literaturwissenschaftlichem Zugriff, um sowohl dem administrativ-chronikalen als auch dem literarisch-narrativen Charakter der Familienbücher gerecht zu werden. Zudem werden ihre Materialität und ihre Text-Bild-Verhältnisse in den Blick genommen und die Frage nach der Verwendung der Bücher geklärt.

Das Projekt zeigt auf, wie die Verfasser sich selbst und ihre Familien fest in der Spitzenelite Nürnbergs verankern, deren uralten Anspruch auf das Stadtregiment legitimieren und zugleich die Stadt selbst als eine der bedeutendsten des Reiches inszenieren. Metropolitaner Geltungsanspruch wird mit elitärem Herrschaftsanspruch und Statuslegitimierung verwoben, wobei in den Texten eine Verstrickung von Individuum und Metropole deutlich wird.  In den Nürnberger Familienbüchern ist der metropolitane Raum mit all seinen Facetten nicht nur Kulisse für die beschriebenen Ereignisse und präsent als Herkunfts-, Wohn- und Wirkungsort ihrer Akteurinnen und Akteure sowie als Subjekt von deren Regierungstätigkeit. Die Stadt wird zugleich wiederholt zur Protagonistin der Familienbücher. Der städtische Raum, wie Jörg Oberste formuliert, ist „Schauplatz“ und zugleich „selbst Gegenstand von Aushandlungsprozessen einer sich immer feiner ausdifferenzierenden städtischen Herrschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur“ (Oberste 2018, S. 23). In den Nürnberger Familienbüchern stehen nicht nur Geschichte, Alter und Macht Nürnbergs im Fokus; immer wieder erscheint die Stadt als Personifikation der Gesamtheit ihrer Einwohnerschaft, die in verschiedenen Situationen in Aktion tritt. Die Familienbücher sind nicht nur ein Ausdruck der Metropolität Nürnbergs, sondern auch ein Symptom derselben, die ihre Entstehung erst begünstigte.

Publikationen

Testatorin – Vollstreckerin – Zeugin – Erbin: Frauentestamente und Frauen in Testamenten im spätmittelalterlichen Regensburg. In: Smereka, Joanna (Hg.): Mittelalterliche und frühneuzeitliche Testamente im interdisziplinären Dialog. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 2025. 

Das sich alle ding so pald verkern – Soziale Mobilität, patrizische Statuslegitimation und elitäre Abgrenzungsmethoden in den spätmittelalterlichen Nürnberger Familienbüchern. In: Metropolität in der Vormoderne. Ergebnisse und Perspektiven (=Forum Mittelalter Studien). [In Arbeit; erscheint Ende 2026]

[Mitarbeit] Edition der Regensburger Bürgertestamente des Mittelalters (1308-1511). Hrsg. von Olivier Richard und Jörg Oberste, unter Mitarbeit von Susanne Ehrich, Isabell Hesse, Jasmin Struck, Katharina Weber. [Erscheint vorauss. 2026 in der Reihe „Bayerische Rechtsquellen“ der Kommission für bayerische Landesgeschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften] 

Projekte und Netzwerke

Nachwuchs-Netzwerk "Frauenstimmen? Gender-Räume und (Ohn)Macht in der Vormoderne" Zugleich Organisatorin des Netzwerks 
Laufzeit seit November 2025 

Projekt „Eremiten in der Metropole. Die Mönche der Nürnberger Kartause Marienzelle (1380‒1525): Prosopographie, religiöses Leben und soziale Verflechtungen in interdisziplinärer Perspektive“ Kooperation des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und dem DFG-GRK 2337 „Metropolität in der Vormoderne“ 
Laufzeit seit Mai 2023 
Website des Projekts: https://www.gnm.de/forschung/projekte/eremiten-in-der-metropole  (externer Link, öffnet neues Fenster)

Vorträge und Tagungen

05.03.2026, Regensburg 
Testatorin – Vollstreckerin – Zeugin – Erbin: Frauentestamente und Frauen in Testamenten im spätmittelalterlichen Regensburg 
Öffentlicher Abendvortrag im Schreiberhaus Regensburg

14.11.2025, Regensburg 
Das sich alle ding so pald verkern – Soziale Mobilität, patrizische Statuslegitimation und elitäre Abgrenzungsmethoden in den spätmittelalterlichen Nürnberger Familienbüchern 
Abschlusstagung des DFG-GRK 2337 „Metropolität in der Vormoderne“ unter dem Titel „Metropolität in der Vormoderne. Ergebnisse und Perspektiven“ / Zugleich Jahrestagung des Forum Mittelalter 2025

29.10.2025, Nürnberg 
Item zün kardeusser… – Zur Rolle von Kirchen und Klöstern in den spätmittelalterlichen Familienbüchern der Nürnberger Stadtelite am Beispiel der Kartause Marienzelle 
Öffentlicher Abendvortrag im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg im Rahmen des Projekts „Eremiten in der Metropole“

18.06.25, Regensburg 
Wie man seinen Platz in der Metropole behauptet. Zu Intertextualität und Funktionalisierung der Nürnberger Familienbücher 
Forschungskolloquium, DFG-GRK 2337 „Metropolität in der Vormoderne“

03.06.2025, Mainz 
Familiengenealogie, kuriose Merkwürdigkeiten und patrizische Selbstinszenierung. Die Familienbücher der Nürnberger Stadtelite im Spätmittelalter 
Kolloquium „Mainzer Gespräche“ (Prof. Nina Gallion)

15.5.2025, Regensburg 
Ehefrau - Ahnfrau - Namenlose: Frauen in den Nürnberger Familienbüchern zwischen Relevanz und Marginalität 
Tagung „Frauenstimmen? Zur Relevanz weiblicher (Ohn)Macht in vormodernen Metropolen“ (15./16. Mai 2025) 
Zugleich Organisation der Tagung

19.6.2024, Regensburg 
‚Private‘ Familienchronistik, kaufmännische Pragmatik oder öffentliche Selbstinszenierung? Familienbücher der Nürnberger Stadtelite im Spätmittelalter 
Oberseminar Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte (Jenny Oesterle-El Nabbout)

12.12.2023, Nürnberg 
Die Familienbücher der Nürnberger Stadteliten im 15. Jahrhundert (Projektvorstellung) 
Workshop im Germanischen Nationalmuseum

15.11.2023, Regensburg 
Das meine Kinde dar an ein Spiegel haben – Zu Anlass und Funktion der Nürnberger Familienbücher des 15. Jahrhunderts 
Forschungskolloquium, DFG-GRK 2337 „Metropolität in der Vormoderne“ 

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