2027 jährt sich zum 500. Mal die Geburt Maximilians II., dessen Funktion als Reichsoberhaupt ab 1564 bis zu seinem frühen Tod während des Regensburger Reichstages 1576 nur eine, wenn auch zentrale Facette eines historischen Akteurs war, der gemeinhin im Schatten seines Urgroßvaters Maximilian I. oder seines Onkels Karl V. steht. Dabei reichte der Aktionsraum Maximilians II., der noch vor einem Vierteljahrhundert harsch als „failure“ (Paula Sutter Fichtner) beschrieben worden ist, von Spanien über Mittel-, Ost- und Südosteuropa bis zum Osmanischen Reich, bildete sein Hof ein kulturelles Zentrum des Heiligen Römischen Reiches und Europas und das in einer Zeit, als dieser Kontinent von politischen und religiösen Konflikten zerrissen wurde.
In den letzten beiden Dekaden ist eine ganze Reihe von kulturgeschichtlich ausgerichteten Studien erschienen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten habsburgischer Herrschaft und besonders Hofkultur zur Zeit Maximilians II. aus der Perspektive von Geschichts-, Literatur-, Musik- oder Kunstwissenschaft beschäftigen. Vor diesem Hintergrund zielt die Tagung auf eine grundlegende Neubewertung von Herrscher und Hof: Neuere Forschungsergebnisse, die meist in Studien zu einzelnen Akteuren im höfischen Umfeld exemplifiziert worden sind, sollen in einem interdisziplinären Zugang gebündelt, aktuell dominante Forschungsansätze auf ihre Tragfähigkeit und ihren Erkenntnisgewinn geprüft und zugleich Potenziale für zukünftige Forschungen ausgelotet werden. Die Tagung fragt besonders:
- Wie verhielten sich die unterschiedlichen Rollen Maximilians II. als spanischer Statthalter, böhmischer und ungarischer König, Kaiser, Territorialherr und damit auch Reichsstand, Mitglied einer Dynastie, Christ, Individuum zueinander?
- In welcher Weise prägte der Kaiserhof als offener, durch multifunktionale Akteure bestimmter sozio-kultureller Raum amtsbezogene, intellektuelle und künstlerische Netzwerke und welche Rolle spielte dabei der Herrscher selbst?
- Welche Anziehungskraft übte Maximilian II. als Herrscher aus und welche Folgen zeitigte die damit verbundene Mobilität von Menschen, Dingen und Wissensbeständen auf andere europäische Zentren bzw. Regionen?
- Welchen Erkenntnisgewinn bringen aktuelle Deutungsmuster (intendierte Ambiguität) gegenüber älteren (politischer Pragmatismus, konsensuale Herrschaft), um Herrschaftsformen und Hofkultur angemessen zu beschreiben?
Forschende aller Qualifikationsstufen sind eingeladen, Vorschläge für Vorträge einzureichen. Besonders willkommen sind Beiträge zu Themenkreisen wie polyzentrische Herrschaft und composite monarchy; Trans- und Interkonfessionalität, religiöse Minderheiten; Mehrsprachigkeit in Hof und Herrschaft; Körper, Krankheit und Medizin; Dynastie, Familie, fürstliche Kindheiten; höfische Dingkulturen; Interferenzen zwischen Bild-, Text- und Hörkulturen in höfischen Repräsentationssystemen; Emotionen und ihre variablen Funktionen am Herrscherhof. Da ein Schwerpunkt der Tagung auf der Hofmusik liegen wird, wird es ein begleitendes Konzert mit polyphoner Vokalmusik geben.
Konferenzsprachen werden Deutsch und Englisch sein. Es ist geplant, die Beiträge zu publizieren. Abstracts (ca. 300 Wörter) sowie einen CV senden Sie bitte bis zum 10.10.2026 an Sekretariat.Fruehneuzeit@ur.de.
Der andere Maximilian. Neue Forschungen zu Maximilian II. (1527-1576), in: H-Soz-Kult, 09.09.2026, https://www.hsozkult.de/event/id/event-164382 (externer Link, öffnet neues Fenster).