Forschungsgebiete von Prof. Bierling:
- Deutsche und europäische Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere Transatlantische Beziehungen
- Außen- und Sicherheitspolitik der USA, insbesondere unter Trump
- Innen- und Wirtschaftspolitik der USA, insbesondere Wahlen
- Globale Machtverschiebungen
- Geopolitik und Geoökonomie
- Internationale Institutionen: EU, Nato, Uno, IWF, G7, G20
- Iran, Israel und Mittlerer Osten
- Aufstieg Chinas und Machtkampf Ostasien
- Nelson Mandela und Südafrika
laufende Forschungsprojekte
Dissertationsprojekt Christian Sigl M.A.
Cascades of Enmity: Ontological Security Dynamics between the United States and Iran
(vorläufiger Arbeitstitel, Abschluss voraussichtlich 2026)
In the longstanding conflict between the US and Iran, both physical security concerns and antagonistic identity constructions are at play. This dissertation analyses the bilateral relations from 1979 to 2021 with its phases of pragmatism and confrontation. It interrogates the (dis)continuities and (in)coherences in the states’ foreign policies and proposes to conceptually grasp the longevity of the conflict as a process of routinized ontology security seeking. The field of Ontological Security Studies (OSS) is flourishing in International Relations (IR). It takes up concepts from (individual) social psychology, especially the works of Anthony Giddens, on the human desire to construct a stable identity that can be defined only in relation to an Other. Transferring this approach to IR theory has inspired a fruitful yet contested field of research. The main argument is that mutual enmity can provide a stable sense of Self, thus routinizing dangerous conflicts. This dissertation makes a significant contribution to the research field by building a comprehensive framework of ontological security dynamics. It then applies the theoretical framework to the bilateral relations between the US and Iran since the 1979 Revolution and locates the case study in regional conflict dynamics in the Middle East. It analyses the cascading effects in the US-Iranian relationship and takes into consideration both the social construction of state identity and hegemonial power struggles. By doing so, the dissertation helps to give a new and insightful perspective into one of the most longstanding conflicts in international politics, within in a coherent and creative IR theory framework.
Dissertationsprojekt Lisa-Marie Geltinger M.A.
Iran, Proxies und Raketen: Asymmetrische Machtprojektion im Mittleren Osten (vorläufiger Arbeitstitel, Abschluss voraussichtlich 2026)
Im Zentrum des Promotionsprojekts steht ein einfaches Forschungspuzzle: Trotz konventioneller militärischer Unterlegenheit und jahrzehntelanger Eindämmungsversuche von außen konnte das iranische Regime über asymmetrische Mittel dauerhaft Einfluss im Mittleren Osten ausüben. Die Dissertation untersucht, warum Proxies – also nichtstaatliche Stellvertretermilizen wie Hamas, Hezbollah, die Houthis oder Hashd al-Shaabi – ebenso wie Raketen, Drohnen und andere indirekte Mittel für Iran zu wirksamen Instrumenten regionaler Machtausübung wurden und warum westliche und regionale Gegenstrategien diese Form der Einflussnahme nicht dauerhaft eindämmen konnten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Machtkonkurrenz, strukturelle Zwänge und strategische Gelegenheiten zusammenwirkten und es Iran ermöglichten, regionale Krisen, fragile Staaten und westliche Verwundbarkeiten strategisch für den Ausbau seines Einflusses zu nutzen. Damit rückt die Dissertation einen Bereich iranischer Außen- und Sicherheitspolitik in den Mittelpunkt, der in Forschung und Öffentlichkeit häufig hinter der Konzentration auf das Nuklearprogramm zurücktritt, obwohl gerade diese Form asymmetrischer Machtprojektion die Konfliktdynamiken in der gesamten Region maßgeblich geprägt hat. Auf dieser Grundlage entwickelt das Projekt ein Modell der sogenannten „Balance of Opportunity“, das erklärt, wie asymmetrische Machtprojektion auch unter Bedingungen relativer Schwäche strategisch wirksam werden kann.
Dissertationsprojekt Charlotte Nachtmann M.A.
Arbeitstitel der Dissertation: “Die französisch-amerikanischen Sicherheitsbeziehungen seit 1990”
Die französisch-amerikanischen Sicherheitsbeziehungen sind seit dem Ende des Kalten Krieges von Dissonanzen und Disruptionen geprägt. Gleichzeitig kommt es immer wieder zu Annäherungen und partnerschaftlichem Vorgehen. Diese Widersprüchlichkeiten gilt es zu erklären. Daher lautet die Fragestellung der Dissertation: Warum sind die französisch-amerikanischen Sicherheitsbeziehungen seit 1990 von einer derartigen Ambivalenz geprägt? Untersuchungen zu dieser oder ähnlichen Fragestellungen sind in der deutschen Politikwissenschaft unterrepräsentiert, während es dem umfangreicheren anglophonen und frankophonen Forschungsstand oftmals an einem theoretischen Fokus fehlt. Das Dissertationsprojekt nimmt sich daher zum Ziel, eine stringent aus der Theorie abgeleitete Untersuchung vorzunehmen und greift hierfür auf die Theorie des Sozialkonstruktivismus nach Alexander Wendt und die strategischen Kulturforschung nach Alastair Iain Johnston zurück. Zentral für beide Autoren ist die Vorstellung, dass Ideen, Normen, Kulturen, Identitäten und Perzeptionen eine Rolle bei der Erklärung des außen- und sicherheitspolitischen Verhaltens von Staaten spielen. Die Ambivalenz der französisch-amerikanischen Sicherheitsbeziehungen lässt sich durch die Annahme aufklären, dass Staaten gewisse Ideen teilen und andere nicht. Ziel der Doktorarbeit ist es, im empirischen Teil ein diskursanalytisch abgeleitetes Muster zu erarbeiten, in welchen Fällen die französisch-amerikanischen Sicherheits- und Verteidigungsbeziehungen seit 1990 eher harmonieren bzw. eher dissonieren. Diese Annahmen werden anschließend empirisch getestet und mit den Ergebnissen aus eine Reihe an Expert*innen- und Zeitzeug*inneninterviews abgeglichen.
Dissertationsprojekt Mario Mandlik M.A.
Arbeitstitel der Dissertation: "Allianzbildung im Indopazifik"
Seit Ende des Kalten Krieges war die Weltregion des Indopazifiks tiefgreifenden und umwälzenden Entwicklungen unterworfen. Der enorme wirtschaftliche, politische und militärische Aufstieg der Volksrepublik China hat die davor bestehenden regionalen wie globalen Machtverhältnisse maßgeblich verändert. China ist zur dominierenden Macht in der Region aufgestiegen und setzt zunehmend seine eigenen Interessen in der internationalen Politik durch, wie beispielsweise mit der künstlichen Schaffung und Militarisierung von Inseln im Südchinesischen Meer seit 2015. Dieser Machtzuwachs Chinas hat eine Reihe von Allianzbildungsprozessen in der Indopazifik-Region ausgelöst, die das Potential haben, die Region nachhaltig zu verändern. Im Rahmen des Dissertationsprojektes werden die Gründe, Zusammenhänge und Folgen dieser Allianzbildungsprozesse theoriebasiert erforscht.