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Theorising the Patriarchy - Eine feministische Theoriegeschichte

Masterprojekt von Kim-Geraldine Schubert

 

Die Geschichte der Theorie und theoretischen Wissens der 1960er bis ca. 1990er ist ein aktuelles Thema in der Ideen-, Kultur- und Wissensgeschichte im deutschsprachigen Raum. Theorie wird dort als eine Praxis, eine besondere Form der Lektüre beschrieben: Männer schreiben und Männer finden, lesen und veröffentlichen. In dieser Form der Geschichtsschreibung scheint die Entwicklung der feministischen Theorie in Deutschland aber keine Rolle bzw. nur eine sehr nebensächliche Rolle zu spielen, sie findet kaum Beachtung neben den Texten der Theorieikonen. So wird ein Theoriekanon reproduziert, der feministische Theorie nicht beinhaltet. In meiner Masterarbeit will ich mich daher damit beschäftigen, wie eine Geschichte feministischer Theorie in Deutschland aussehen könnte.
Ab 1973 erschienen im Berliner Merve-Verlag zum Beispiel feministische Texte als Teil der Internationalen Marxistischen Diskussion. Zu den publizierten Autorinnen gehören zunächst Frauen der italienischen Arbeiterbewegung (Mariarosa Dalla Costa), marxistische Theoretikerinnen und Aktivistinnen (Selma James, Annie C., Pascale Werner), die ihre besondere Stellung als Frauen im Klassenkampf beschreiben, aber auch solche, deren Texte sich gegen den Materialismus und seinen Klassenkampf richten und Feminismus außerhalb dieses Kampfes verorten (Carla Lonzi). Ab 1976 erschienen bei Merve dann mehrere Texte von Luce Irigaray, Hélène Cixous, Julia Kristeva und anderen französischen Theoretikerinnen des Poststrukturalismus. Neben Merve gab es weitere Verlage, die Reihen zur Emanzipation der Frau und zu feministischer Theorie herausbrachten, und Zeitschriften, die sich mit dem Thema beschäftigten. Zur gleichen Zeit entstanden in einigen westdeutschen Großstädten Frauenbuchläden und autonome Frauenverlage, die sich speziell an Frauen richteten und Frauenliteratur und feministische Theorie vertrieben. Ebenfalls gründeten sich ab Anfang der 1970er Frauengruppen, in denen sich Frauen organisieren und über ihre Lebens- und Lektüreerfahrungen austauschen konnten.
Sollte die derzeitige Geschichtsschreibung nicht einen Weg finden, auch diese Entwicklungen feministischer Theorie zu fassen, statt weiter einen männlichen Theoriekanon zu untermauern, und sollten Kultur- und Wissensgeschichte nicht im gleichen Zug auch ihrer eigenen Geschichte, in der feministische und später postkoloniale Theorie wichtige und richtungsweisende Entwicklungen darstellen, gerecht werden und sie einbeziehen?


  1. Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften
  2. Institut für Philosophie