Vom 24. bis 30. Juni 2026 wird Zahra Mammadova (Masaryk-Universität, Brünn) als Fellow im Rahmen des binationalen Forschungsprojekts „Transitions: Examining Changing Regimes of Sexuality in Post-Soviet Muslim Republics“ (Universität Regensburg / University of Leeds) an der Professur für Transregionale Wissenskulturen des DIMAS zu Gast sein. Prof. Dr. Timothy Nunan und seine Kolleginnen und Kollegen im Projekt laden herzlich zu ihrem Vortrag (in englischer Sprache) am Donnerstag, den 25. Juni, von 10:15 bis 11:45 Uhr in SG.214 (Sammelgebäude) ein:
Horizontal Art Histories: Fragments of Art and Curatorial Practice in Azerbaijan (1990s–2010)
Dieser Vortrag beleuchtet die Kunst- und Kuratorenszene in Aserbaidschan von den späten 1990er Jahren bis 2010 aus einer horizontalen kunsthistorischen Perspektive und konzentriert sich dabei eher auf Fragmente als auf eine lineare Erzählung. Er vereint Beispiele für Ausstellungen, von Künstlern geleitete Initiativen und informelle Kooperationen, die während des postsowjetischen Übergangs entstanden sind, sowie Entwicklungen in der visuellen Kultur und den Medien. Es wird untersucht, wie Künstler*innen und Kurator*innen mit begrenzten Ressourcen arbeiteten, während sie neue internationale Verbindungen knüpften und dabei oft mehrere Rollen gleichzeitig übernahmen. Durch die genaue Betrachtung konkreter Fälle und kleinerer Projekte sowie unter Rückgriff auf persönliche Archive, Dokumentationen und Erinnerungen reflektiert der Vortrag darüber, was diese Fragmente über die kulturellen Dynamiken dieser Zeit aussagen und wie sie mit breiteren Kontexten der zeitgenössischen Kunst und Medien in Verbindung stehen.
Zahra Mammadova ist Kuratorin und Forscherin und absolviert derzeit einen Masterstudiengang in Visuellen Kulturen und Kunstgeschichte in Brünn, Tschechien. In ihrer kuratorischen Arbeit untersucht sie die postmoderne conditio humana anhand von Themen wie Identität, soziale Ungerechtigkeit, Technologie, kulturelles Gedächtnis, Ökologie und Sprache. Ihr besonderes Interesse gilt der Frage, wie zeitgenössische Kunst die Spannungen zwischen individueller Erfahrung und umfassenderen sozialen, politischen und technologischen Veränderungen widerspiegelt. Ihre Forschung befasst sich mit der Abjekt-Theorie und dem Körper, Alltagsästhetik, kulturellem Gedächtnis sowie den Weisen, wie Sprache Wahrnehmung und soziale Realität prägt. Sie interessiert sich für das kulturelle und künstlerische Erbe der postsocialistischen Übergangszeit und untersucht, wie historische Brüche, kollektives Gedächtnis und sich wandelnde Identitäten die zeitgenössische visuelle Kultur weiterhin beeinflussen. Neben ihrem Engagement für zeitgenössische Kunst hegt sie ein starkes Interesse an mittelalterlicher Kunstgeschichte, textilen Praktiken, materieller Kultur und Kulturerbeforschung. Zuvor arbeitete sie als Kuratorin am YARAT Contemporary Art Space (2021–2025), wo sie an der Ausstellungsentwicklung mitwirkte und vor allem mit jungen und aufstrebenden Künstler*innen in experimentellen Projekten, öffentlichen und pädagogischen Programmen sowie Forschungsinitiativen zusammenarbeitete. Ihre berufliche Erfahrung hat ihr anhaltendes Interesse an den sozialen und pädagogischen Funktionen kultureller Institutionen geprägt.
Das Projekt wird großzügig vom Arts and Humanities Research Council (AHRC, UK) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.