Der Vatikan in der Antike: Gärten, Gräber und Heiligtümer im (sub)urbanen Raum von Rom. Archäologische Betrachtungen zur Transformation des ager Vaticanus und Vaticanum vom frühen Prinzipat bis zur Spätantike (Arbeitstitel)
Das antike Gebiet rechts des Tibers, der ager Vaticanus bzw. das Vaticanum, führen bis heute aus klassisch archäologischer Sicht noch eher ein wissenschaftliches Schattendasein, das im Kontrast zu der intensiven Forschung im Zentrum Roms steht. Aus wissenschaftlicher Sicht liegen hier bisher vorwiegend Einzelstudien und -betrachtungen vor, die aus den Disziplinen der Archäologie, der Alten Geschichte und der Epigraphik stammen. Dieser Forschungsstand wirkt sich auf das grundsätzliche Bild von diesem Areal in der Antike aus, das trotz vieler Detailkenntnisse nur sehr ausschnitthaft und unscharf ist. Ein Desiderat der Forschung sind Fallbeispiele mit übergreifenden Fragestellungen und Auswertungen aus der Perspektive der Klassischen Archäologie, verbunden mit einer topographisch-urbanistischen Einordnung, einer diachronen Betrachtung wie zudem der Neubewertung von Befunden, im Kontext der archäologischen, epigraphischen und literarischen Quellen. Das vorliegende Habilitationsprojekt möchte einen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu füllen und als Anknüpfungspunkt für weitere Untersuchungen zu dienen.
Das vorliegende Forschungsprojekt ist eng mit dem Feld der Stadtarchäologie verwoben; es setzt sich als Meta-Ebene zur Aufgabe, wie Rom als antike Stadt im Zusammenspiel mit dem sie umgebenden Gebiet, dem sogenannten Suburbium, funktionierte – in der konkreten Beschaffenheit der Metropole, ihrer Wirkung, ihren Räumen im Sinne der historischen Raumforschung, aber auch deren Veränderung während des Altertums. Hier entwickelten sich Gesellschafts- und Wirtschaftsformen immer wieder neu unter Herrschaftsverhältnissen, die sich ablösten, aber teils auch Konstanten blieben. Die vermittelte Vorbildhaftigkeit Roms und das damit verbundene Selbstverständnis führten zur Ausprägung und Transformation einer einzigartigen Topographie einer antiken Großstadt. Dieser Prozess betraf auch die hier lebende Bevölkerung wie auch die Art und Weise, wie diese Metropole sich als Raum konzipierte und als solche erfahren wurde – „lebte“, nach innen wie nach außen. Das Ziel dieser Überlegungen zum Rom „jenseits des Flusses“ im Bereich des antiken ager Vaticanus bzw. Vaticanum liegt darin, die Kenntnis von dieser ‚Metropolität‘ mit ihren spezifischen historischen und kulturellen Bedingungen zu erweitern.
Als Anfangspunkt der Untersuchung wird der Übergang von der späten Republik zum Prinzipat gewählt. Hier setzen neben den ersten greifbaren Bauresten auch die auszuwertenden literarischen Quellen in großer Zahl ein und ermöglichen eine Vergleichbarkeit dieser Aussagen. Den relativchronologischen Ausklang bietet das 4. Jh. n. Chr. mit dem monumentalen Bau von Alt-Sankt Peter im 2. Viertel dieses Jahrhunderts und dem staatlich angeordneten Verbot der alten Kulte zum Ende des Jahrhunderts. Rückblicke und Ausblicke sind dabei immer wieder nötig, um Argumentationen zu vervollständigen.
Im Zentrum stehen vier Leitthemen und dementsprechende Leitfragen, die für die Auswahl des zu untersuchenden Materials von grundlegender Bedeutung sind: Der topographische Raum und seine antike Nomenklatur, die Siedlungsgeschichte, die Orte der Repräsentation und ihre Akteure sowie der Übergang von der alten Religion zum Christentum.