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Journal für Kunstgeschichte / Journal of Art History. Die internationale Rezensionszeitschrift / The International Periodical of Reviews

Herausgegeben von / Edited by Birgit Ulrike Münch und Christoph Wagner

Das Journal für Kunstgeschichte liefert Besprechungen ausgewählter Publikationen aus allen Forschungsgebieten der Kunstwissenschaft, einschließlich der Felder Bildwissenschaft, Filmgeschichte und außereuropäische Kunst. In detaillierten Rezensionen, Kurzbesprechungen und umfangreichen Übersichten informiert das Journal für Kunstgeschichte vierteljährlich auf mehr als 400 Seiten pro Jahrgang über relevante Neuerscheinungen. Als Work in Progress liefert das Journal einen Überblick zu aktuellen Fachdiskussionen in der Kunstgeschichte und in angrenzenden Fachgebieten. Alle Texte sind Originalbeiträge und erscheinen in Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch.

„Das Journal für Kunstgeschichte knüpft an die Tradition der Kritischen Berichte zur kunstgeschichtlichen Literatur an, wendet sich aber gleichzeitig an eine weitere Öffentlichkeit, und möchte mit Nachdruck für eine kritische Debatte im Umgang mit Kunst und Geschichte werben.“ Prof. Dr. Beat Brenk, Universität Basel

„By presenting reviews in languages other than those in which the books are written, the Journal für Kunstgeschichte not only makes art-historical publications available to diverse audiences, but inevitably scrutinizes distiuct 'national' methodologies. This should result in a significant transformation of the discipline.“ Prof. Dr. Herbert Kessler, The John Hopkins University Baltimore, Maryland

Das Journal für Kunstgeschichte erschien 2013-2019 unter der wissenschaftlichen Betreuung von Prof. Dr. Nils Büttner (Stuttgart) und Prof. Dr. Christoph Wagner (Regensburg). Seit 2020 erscheint es unter der Herausgeberschaft von Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch (Bonn) und Prof. Dr. Christoph Wagner (Regensburg).

Die Beiträge des Journals für Kunstgeschichte finden Sie auch online (externer Link, öffnet neues Fenster)

Vorwort – Heft 2 (2026)

Artefakte im Krieg

Sammlungen im Exil‘ beschreibt ein kulturpolitisch wie ethisch vielschichtiges Phänomen: Kunstwerke und ganze Museumsbestände werden aufgrund von Krieg, politischer Instabilität oder akuter Gefährdung aus ihrem Ursprungsland ausgelagert, eingelagert oder im Ausland ausgestellt. Ziel ist es, diese Werke vor Zerstörung, Plünderung oder ideologischer Instrumentalisierung zu schützen und zugleich ihre Sichtbarkeit zu bewahren. In einer Zeit, in der bewaffnete Konflikte wieder verstärkt kulturelles Erbe bedrohen, gewinnt dieses Thema erneut an Aktualität. Ein aktuelles und positives Beispiel ist die Kooperation zwischen dem National Art Museum of Ukraine, dem Khanenko Museum in Kyjiw und dem Christian Schad-Museum in Aschaffenburg. Infolge des russischen Angriffskriegs wurden Teile der ukrainischen Sammlung nach Stationen in Polen und den Niederlanden nun in Aschaffenburg in Sicherheit gebracht. Die dortigen Museen übernahmen und übernehmen eine wichtige Rolle als verlässlicher Partner im internationalen Kulturgutschutz. Sie bieten nicht nur geeignete konservatorische Bedingungen, sondern auch eine engagierte kuratorische Betreuung, die den Werken gerecht wird. Wie Yuliya Vaganova, die Direktorin des Kiewer Museums in diesem Zusammenhang berichtete, sind über 2500 Kultureinrichtungen beschädigt, davon über 130 Museen, auch an die 100 Museen wurden beschlagnahmt. Die Präsentation im Christian Schad-Museum zeigt, wie auch kleinere Museen eine bedeutende Rolle im internationalen Netzwerk des Kulturgutschutzes übernehmen können.

Historisch ist das Konzept der ‚Sammlungen im Exil‘ keineswegs neu. In der Gegenwart setzen internationale Organisationen wie die UNESCO Programme zur Sicherung gefährdeter Kulturgüter um. So wurden etwa Teile der Sammlung des National Museum of Afghanistan durch internationale Kooperationen gesichert oder digitalisiert, um sie vor Verlust zu bewahren. Auch Institutionen wie das British Museum engagieren sich in der Restaurierung und Präsentation von Kulturgütern aus Krisengebieten. Die Möglichkeiten solcher Exil-Sammlungen sind vielfältig. Sie bieten zunächst physischen Schutz für gefährdete Werke und sichern deren Erhalt für zukünftige Generationen. Gleichzeitig fördern sie internationale Zusammenarbeit und wissenschaftlichen Austausch. Museen wie das Christian Schad-Museum in Aschaffenburg zeigen, dass solche Kooperationen auch auf lokaler Ebene erfolgreich umgesetzt werden können und dabei eine breite Öffentlichkeit erreichen. Darüber hinaus ermöglichen Exil-Ausstellungen eine Form der kulturellen Diplomatie: Sie machen auf die Situation im Herkunftsland aufmerksam und stärken das Bewusstsein für den Wert kultureller Vielfalt. Dennoch sind auch Grenzen und Herausforderungen zu beachten. Eine zentrale Frage betrifft die kulturelle Zugehörigkeit der Werke: Wenn sie über längere Zeit im Ausland verbleiben, kann dies zu einer Entfremdung vom ursprünglichen Kontext führen. Auch rechtliche und logistische Aspekte – etwa Transport, Versicherung und Rückgabe – sind komplex und erfordern internationale Absprachen. Selbstredend ist auch die Präsentation im Ausland durch andere kuratorische Perspektiven geprägt, was die ursprüngliche Bedeutung der Werke verändern kann. ‚Sammlungen im Exil‘ sind damit nicht nur ein Mittel des Schutzes, sondern auch ein Ausdruck gelebter Solidarität und kultureller Verantwortung in einer globalisierten Welt. –

Dem Ausdruck gelebter Solidarität und kultureller Verantwortung sind auch die Beiträge im vorliegenden Heft des Journals für Kunstgeschichte auf vielfältige Weisen gewidmet:  Der Ausstellungskatalog Kinder, Kinder! beleuchtet das gesellschaftliche Rollenverständnis des Kindes anhand multimedialer künstlerischer Perspektiven auf diese Lebensphase. Mit Praymobil liegt eine Publikation vor, die die religiösen Artefakte in ihrer konkret liturgischen Funktion und in ihren Wirkungseffekten beschreibt. In Marmor – der edelste Kalkstein erläutert die Autorin die geologische Perspektive des 18. Jahrhunderts und liefert eine materialtheoretische Untersuchung dieses Steins. Die Auswirkungen auf die Grabmalkultur des 18. Jahrhunderts durch die geisteswissenschaftlichen Perspektiven der Aufklärung werden in Lebenszeichen zum Thema. Der Ausstellungskatalog Master I.S. beschäftigt sich mit dem unbekannten Künstler aus Rembrandts Umkreis und ordnet auf dieser Grundlage sein Œuvre ein. Die Welt der Gerüche thematisiert die Kulturgeschichte des Geruchssinns anhand exemplarischer Analysen. Die städtebaulichen Veränderungen des modernen Wiens durch die Erfindung der Skelettbauweise sind der Untersuchungsgegenstand in Anatomie einer Metropole. Die Künstlerin Olga Meerson-Pringsheim, deren Lebensweg und künstlerisches Œuvre sind sowohl im umfangreichen Ausstellungskatalog Die Malerin Olga Meerson. Schülerin von Kandinsky – Muse von Matisse als auch in der neuangelegten Biografie Olga Meerson-Pringsheim. Eine russisch-jüdische Malerin im Umfeld von Wassily Kandinsky, Henri Matisse und Hedwig Pringsheim von kunsthistorischem Interesse. Mit Smart Kunst Kaufen liegt ein beratender Leitfaden für Sammler:innen durch die Grundprinzipien des Kunstmarktes vor. Welche gesellschaftspolitischen Erwartungen hinter der Mutterschaft stecken und wie diese zu Künstlerpositionen werden, wird im Katalog MAMA aufgezeigt. Mit der Studie Müll in der Natur liegt eine Auseinandersetzung mit der signifikanten politischen und bildwissenschaftlichen Dimension des Mülls im Anthropozän vor. Nürnberg Global analysiert schließlich das globale Handelszentrum Nürnberg in der Frühen Neuzeit anhand der Genese zahlreicher Artefakte.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren sowie unserem Redaktionsteam – Moritz Niefanger, Annika Bless und Charlotte Steinhauer – für ihre Unterstützung.

Birgit Ulrike Münch                  Christoph Wagner

    

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Redaktionsanschrift

Prof. Dr. Christoph Wagner

Institutsleitung | Lehrstuhl für Kunstgeschichte | Kunst der Frühen Neuzeit und der Moderne

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