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Musikstück der Woche

Mit dem „Musikstück der Woche“ stellen Mitglieder des Instituts für Musikwissenschaft während der Vorlesungszeit einmal wöchentlich eine Höranregung mit persönlicher Note online – zum Nachhören, Anregen-Lassen und Weiter-Entdecken. Wir freuen uns über Feedback!

(Der Zugang zur Naxos Music Library ist nur über das Uni-Netz möglich. Außerhalb des Campus ist der Zugriff über einen VPN-Client möglich.)


Aktuelles Musikstück der Woche (10.-16.5.2021): ausgesucht von Arn Goerke

Richard Wagner: Vorspiel aus Lohengrin
(Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan)

„Seit ich diese zarten, leisen, in sich ruhenden, an Schönheit und Glanz reich strahlenden A-Dur-Klänge des Lohengrin-Vorspiels zum ersten Mal gehört habe, seinerzeit in der Deutschen Oper Berlin, bin ich davon ergriffen. Mit den zweimaligen Flageolett-Akkorden der 4 Sologeigen, die jeweils nach den ersten beiden Einsätzen der Flöten und Oboen ‚übrig bleiben‘, gehört der Anfang dieses wunderbaren Musikstückes zum Leisesten und Behutsamsten, was Richard Wagner geschrieben hat. Über die sich anschließende Steigerung zum Fortissimo des Höhepunktes hat Richard Strauss gesagt, dass sie nie übertroffen worden und wahrscheinlich unübertrefflich sei …
Und es hat mich immer schon fasziniert, und begeistert mich mit fortschreitendem Alter zunehmend, dass eben dieses Fortissimo, beim ersten der Beckenschläge, ein – dem Subjekt, der ‚wunderwirkenden Niederkunft des Grales im Geleite der Engelschar‘ (wie Wagner selbst es beschreibt) angemessenes – ‚innerliches Fortissimo‘ ist, und somit die möglicherweise ebenfalls mit fortschreitendem Alter wachsende Ahnung des Menschen von dem, worum es gehen könnte, noch unterstreicht.
Es gibt einen wunderbaren Ausschnitt aus einer Radiosendung von 1954, in der Thomas Mann zum Lohengrin-Vorspiel spricht (lässt sich bei YouTube finden, sehr empfehlenswert!): Aus seinem, Thomas Manns, Munde zu erfahren, dass er das Lohengrin-Vorspiel für den ‚Gipfel der Romantik‘ hält und dass es ja kein Wunder sei, dass die Romantik ihren Gipfel nicht im Sprachlichen, nicht in der Dichtung, sondern in der Musik, in Tönen erreicht hat, adelt dieses Stück und überhaupt die Musik zusätzlich sehr.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der musikalischen Gralssuche und hoffe, dass auch Ihnen das Vorspiel zum Lohengrin ans Herz wachsen wird.“

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⇒ Track #1


Archiv

3.5.-9.5.2021: ausgesucht von Peter Thoma

Benny Golson: Whisper Not
(Benny Golson’s New York Scene)

„Der Tenorsaxophonist Benny Golson (* 25.01.1929) gehört seit den 1950er Jahren zu den absoluten Superstars des amerikanischen Jazz. Er ist einer der stilbildenden Schöpfer des Hardbop und vertritt eine eher lyrische Form dieser Stilistik. Durchschlagende Erfolge erlangte er nicht nur durch sein Saxophonspiel, sondern auch durch seine Tätigkeit als Komponist und Arrangeur. Viele seiner Kompositionen wurden zu Standards im Jazz-Repertoire (Whisper Not, Along Came Betty, The Blues March, u. v. m.). Ich selbst hatte die große Ehre, als Mitglied der Peter Herbolzheimer European Masterclass Big Band bei einem Konzert mit ihm als Gaststar aufzutreten.
Vorstellen möchte ich das Stück Whisper Not, eine seiner bekanntesten und schönsten Kompositionen. Bemerkenswert bei dieser Aufnahme aus dem Jahr 1957 ist die Verwendung des Waldhorns, einem Instrument, das im Jazz nach wie vor eher selten zu hören ist. Das Arrangement stammt von dem heute 92-jährigen Golson selbst.“

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⇒ Track #2


26.4.-2.5.2021: ausgesucht von Michael Braun

Antonio Vivaldi, Konzert in C-Dur RV 114, 3. Ciaccona
(Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon)

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Vivaldi allzu lange gebraucht hat, um diesen Satz zu schreiben: die geläufige Bassfigur der Chaconne, darüber eine einfache dreistimmige Streichertextur mit klaren Rollenverteilungen der Einzelinstrumente, die sichere Kenntnis der Fähigkeiten seines eingespielten Mädchenorchesters im Pietà-Waisenhaus – vermutlich hat er das mehr oder weniger aus dem Ärmel geschüttelt. Aber weil Vivaldi nun mal Vivaldi ist, klingt es eben trotzdem hinreißend, frisch und energiegeladen. Dabei aber bloß nicht auf die Solovioline warten! Die kommt nicht. Stattdessen brilliert Andrea Marcons Venice Baroque Orchestra mit einer für mich kongenialen Einspielung auch ohne Virtuosenpartie. Nur schade, dass der Spaß nach gut drei Minuten auch schon wieder vorbei ist.“

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⇒Track #15


19.-25.4.2021: ausgesucht von Rebecca Wolf

Conlon Nancarrow, Study for Player Piano No. 3a
(auf CD aufgenommen 1988, gespielt auf einem Ampico Reproduktionsklavier)

„Mit dem Stück der Woche schlagen wir dieses Mal die Brücke zwischen Jazz und Klassik. Es geht um Conlon Nancarrows ersten Teil der Study for Player Piano No. 3, auch bekannt als Boogie-Woogie-Suite. Nancarrow (1912–1997), zunächst ausgebildeter Jazz-Trompeter, komponierte ab 1949 über 50 Stücke für das selbstspielende Klavier. Er komponierte direkt ins Medium, indem er die Notenrollen stanzte – eine zeitaufwändige Praxis (⇒ Illustration). Seine Studies wurden berühmt für irrwitzige Tempi, Polyrhythmen und Tonfolgen, die von Menschenhand kaum zu spielen sind. Die Musik soll geradezu mechanisch klingen – und doch ist sie auch Tanzmusik!“

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⇒ Track #1


12.-18.4.2021: ausgesucht von Katelijne Schiltz

Jean Mouton, Nesciens mater
(Theatre of Voices, Ltg.: Paul Hillier)

„Diese Motette habe ich Anfang der 1990er Jahre kennengelernt: Ich hatte gerade das erste Jahr meines Musikwissenschaftsstudiums in Leuven hinter mir und habe in den Sommerferien an einer Masterclass für Alte Musik teilgenommen. Spätestens nachdem wir Jean Moutons Nesciens mater gesungen hatten, wusste ich: DAS ist die Art von Musik, über die ich mehr wissen will. Das Werk übt auf mich eine einzigartige Faszination aus: es ist achtstimmig, aber nur vier Stimmen sind notiert – die anderen vier müssen mittels der Technik des Kanons aus den geschriebenen Stimmen abgeleitet werden. Das Erstaunliche ist, dass diese enorme, ja fast mathematische Komplexität kaum hörbar ist: Das Ergebnis ist ein wunderbar transparentes, sich allmählich entfaltendes und berührendes Stück Polyphonie.“

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⇒ Track #1


  1. Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften

Musikstück der Woche