Projektskizze
Die Lagerung und Verteilung von Nahrungsmitteln gehörten zu den zentralen Voraussetzungen für das Funktionieren der spätantiken Wirtschaft. Speicherbauten geben daher nicht nur Aufschluss über landwirtschaftliche Produktion, sondern auch über die Organisation von Versorgung, Transport und territorialer Kontrolle.
Das Dissertationsprojekt untersucht die Speicherbauten der Italia suburbicaria zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert. Ausgangspunkt ist der Raum Rom–Portus–Suburbium, von dem aus die Perspektive auf Mittel- und Süditalien erweitert wird. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die Infrastrukturen der Sammlung, Lagerung und Bereitstellung von Nahrungsmitteln im Verlauf der Spätantike veränderten.
Grundlage der Untersuchung ist ein vergleichendes Korpus von Fundorten, das auf der kritischen Auswertung der publizierten archäologischen Dokumentation beruht. Archäologische, topographische und chronologische Daten werden miteinander verbunden, um regionale Unterschiede sowie Formen der Kontinuität und Neuordnung sichtbar zu machen.
Ziel des Projekts ist es, die Rolle der Lagerung innerhalb der sich wandelnden Produktions-, Versorgungs- und Siedlungsstrukturen der Spätantike näher zu bestimmen. Auf diese Weise soll untersucht werden, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse gesammelt, verwaltet und für Transport und Verteilung verfügbar gemacht wurden. Die Speicherbauten dienen dabei als Ausgangspunkt für ein umfassenderes Verständnis der schrittweisen Transformation wirtschaftlicher und territorialer Strukturen römischer Tradition.
Kontakt
Marina Pizzi absolvierte ihr Bachelorstudium der Klassischen Sprach- und Kulturwissenschaften an der Universität Bologna. Bereits in dieser Phase entwickelte sie ein besonderes Interesse an der spätantiken Wohnarchitektur und an den Bildwelten, die in ihren räumlichen und sozialen Kontexten begegnen. In ihrer Abschlussarbeit untersuchte sie die Darstellung von Dienern und Sklaven in Mosaiken und Wandmalereien und fragte danach, durch welche visuellen Merkmale, Tätigkeiten und Attribute soziale Zugehörigkeit kenntlich gemacht wurde. Während des Bachelorstudiums verbrachte sie zudem einen Studienaufenthalt am Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne.
Anschließend setzte sie ihr Studium im Masterstudiengang Archäologie und Kulturen der Antike an der Universität Bologna fort. Dabei verlagerte sich ihr Schwerpunkt zunehmend auf die spätantike Architektur und auf die räumliche Organisation religiöser und gemeinschaftlicher Lebensformen. Ihre Masterarbeit widmete sich den Refektorien spätantiker Klöster in Ägypten, Palästina und Syrien und untersuchte deren typologische und chronologische Entwicklung zwischen dem 4. und 8. Jahrhundert.
Parallel dazu absolvierte sie an der Université Paris Diderot in Kooperation mit der École Nationale Supérieure d’Architecture Paris-Val de Seine den Masterstudiengang „Ville, Architecture, Patrimoine“.
Von 2020 bis 2023 besuchte sie die Scuola di Specializzazione in Beni Archeologici an der Universität Bologna mit einem Schwerpunkt auf spätantiker und mittelalterlicher Archäologie. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich mit der spätrömischen Villa del Casale in Piazza Armerina und mit der räumlichen Erschließung älterer Grabungsdokumentationen. In diesem Zusammenhang begann sie, sich intensiver mit dem Einsatz geografischer Informationssysteme in der archäologischen Forschung auseinanderzusetzen. Die Arbeit wurde 2025 mit dem „Giuseppe Nenci“-Preis der Scuola Normale Superiore di Pisa ausgezeichnet.
Neben dem Studium nahm sie an archäologischen Ausgrabungen und Dokumentationskampagnen in Italien und Griechenland teil. Dabei vertiefte sie ihre Beschäftigung mit spätantiker Wohn-, Repräsentations- und Sakralarchitektur sowie mit der materiellen Ausstattung und Nutzung dieser Räume. Seit 2022 gehört sie außerdem zum Teaching Staff der internationalen Summer School „ArchLABS – Archaeological Heritage in Late Antique and Byzantine Sicily“ an der Villa del Casale.
Von 2023 bis 2026 war Marina Pizzi als wissenschaftliche Mitarbeiterin im GRK „Metropolität in der Vormoderne“ an der Universität Regensburg tätig. Ihr Promotionsprojekt wird von Prof. Dr. Dirk Steuernagel betreut und entsteht im Rahmen einer Cotutelle zwischen der Universität Regensburg und der Universität Bologna.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Kontakt: Marina.Pizzi@geschichte.uni-regensburg.de