Zu Hauptinhalt springen
Gewählte Sprache ist Deutsch Select language
Startseite UR

Nachrichten aus der Fakultät

21. bis 23. Februar 2019 - Jura-Studierende im Gefängnis der Staatssicherheit

In der Studienordnung der Regensburger Jura-Fakultät steht, ein Studium der Rechtswissenschaft vermittle die „Kenntnis und das Verständnis des Rechts mit seinen geschichtlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, rechtsphilosophischen und europarechtlichen Grundlagen“. Einen Beitrag zu einem solchen Verständnis des Rechts, das über die bloße Kenntnis von Paragraphen und ihrer Auslegung im geltenden Recht hinausgeht, hatte kürzlich eine Exkursion nach Erfurt zum Ziel.

„Staatliches Unrecht und seine Aufarbeitung in Deutschland“ – das war der Titel des Workshops, den die Universitäten Regensburg und Erfurt zusammen im vergangenen Wintersemester für Studierende und Lehrkräfte der Fächer Recht, Geschichte und Politik organisiert haben. Dabei ging es nicht in erster Linie um eine juristische Sicht auf das Thema, sondern auch um einen historisch-biographischen Zugang: Wie soll man, wie kann man Diktaturerfahrung erinnern? Wie sind Systemgeschichte und Lebensgeschichte zu differenzieren, wie stehen sie in Beziehung zueinander? Welche verfassungs- und strafrechtlichen und welche geschichtskulturellen Probleme stellen sich bei der Aufarbeitung staatlichen Unrechts?

Von der Regensburger Fakultät für Rechtswissenschaft haben 16 Studierende am Erfurter Workshop teilgenommen. Professorin Dr. Katrin Gierhake, Inhaberin des Regensburger Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Rechtsphilosophie, resümiert: Das vielseitige Programm hat die Exkursion zu einem vollen Erfolg gemacht: Unter anderem im Gespräch mit Zeitzeugen, durch den Besuch eines ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnisses sowie durch den Besuch der Stasi-Unterlagenbehörde in Erfurt konnten die Studierenden in die – nicht so ferne – Vergangenheit „eintauchen“. Dadurch haben sie sich die Erfahrung und Verarbeitung von Unrecht in der ehemaligen DDR vorstellen können und hatten die Gelegenheit, vertieft darüber zu reflektieren.

Beeindruckt waren die Studierenden vor allem von vier Zeitzeugen, die den Workshop begleiteten. Neben Opfern der DDR-Staatssicherheit, die in ihrer Lebensführung eingeschränkt, bespitzelt und inhaftiert wurden, kam auch ein ehemaliger „Inoffizieller Mitarbeiter“ der Stasi zu Wort, der seinen Lebensweg vom linientreuen DDR-Bürger zum SED-kritischen Aktivisten schilderte. Der Regensburger Jurastudentin Julia Zeller sind besonders die mahnenden Worte des ehemaligen „IM“ im Gedächtnis geblieben: Verrat und Lüge haben ihre Anfänge bereits im ganz normalen Alltag.

Nach den Einblicken in die Lebenswirklichkeit von Tätern und Opfern in der SED-Diktatur griff der dreitätige Workshop am letzten Tag die Verarbeitung von erlittenem Unrecht auf – hier ging es um die rechtliche Rehabilitierung und psychosoziale Beratung von Betroffenen des SED-Unrechts. Auch 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR zeigen sich bei den Geschädigten immer noch deutliche psychische und physische Folgen.

Organisiert hatten den Workshop Prof. Dr. Gierhake von der UR und Dr. Jochen Kirchhoff, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik an der Universität Erfurt. 
Wer in Regensburg Jura studiert, für den ist der Blick über den Tellerrand nichts Ungewöhnliches. Neben einer fundierten juristischen Ausbildung ist der Erwerb von Schlüsselqualifikationen ein wichtiges Thema, Highlights dabei sind der jährlich veranstaltete Redewettstreit oder der Märchen Moot Court. Das von zwei Jura-Professoren veranstaltete Literarische Quartett der Universität bietet Annäherungsmöglichkeiten an das Fachgebiet der Literaturwissenschaft. Wer sich in der Refugee Law Clinic engagiert, sammelt nicht nur praktische juristische Erfahrungen im Migrationsrecht, sondern lernt fremde Kulturen kennen, übernimmt Verantwortung und leistet einen gesellschaftlichen Beitrag. Und wie wichtig der Einsatz für eine freie und tolerante Gesellschaft und den Rechtsstaat ist, zeigt nicht zuletzt der Blick in die jüngste deutsche Vergangenheit.


Weiterführende Links


22.02.2019 - Examensfeier zum Termin 2018/II

74 Absolventinnen und Absolventen durften bei der Abschlussfeier das Zeugnis ihrer Ersten juristischen Prüfung vom Dekan Prof. Dr. Jürgen Kühling entgegennehmen.

Gäste waren der Präsident der Universität Prof. Dr. Udo Hebel, die Leiterin des Landesjustizprüfungsamts Frau Dr. Beatrix Schobel und der Präsident des Landgerichts Regensburg Herr Horst Böhm.


Der Deutsche Staat als Unrechtsstaat - Facetten der Bewältigung

Am 18.1.2019 hat in Regensburg eine interdisziplinär ausgerichtete Tagung zum Thema Der Deutsche Staat als Unrechtsstaat - Facetten der Bewältigung stattgefunden. Eingeladen hatten zu dieser Grundlagenveranstaltung Prof. Dr. Katrin Gierhake, LL.M. (Nottingham) und Prof. Dr. Martin Löhnig. Aus der Perspektive des öffentlichen Rechts, des Strafrechts und der Geschichtswissenschaft wurde die Bewältigung staatlichen Unrechts in Deutschland beleuchtet. Viel Raum gab es für eine rege, teils kontroverse Diskussion.
Referenten waren Prof. Dr. Julian Küper, Uni Bochum („Rechtliche Unrechtsbewältigung jenseits des Strafrechts - Stasi Unterlagengesetz“), Prof. Dr. Moritz Vormbaum, Uni Münster („Die strafrechtliche Aufarbeitung von NS-Unrecht in der DDR“), Prof. Dr. Bettina Noltenius, Uni Passau („Organisatorische Machtapparate - Am Beispiel der Tötungshandlungen an der innerdeutschen Grenze“) und Dr. Jochen Kirchhoff, Uni Erfurt („Geteilte Erinnerungen an die DDR: Die Aufarbeitung des DDR-Unrechts aus der Perspektive der Geschichtskultur und der Geschichtsdidaktik“).


Märchen Moot-Court im Strafrecht

Am 10. Januar 2019 veranstaltete ELSA e.V. gemeinsam mit REGINA (REGensburger Individuelles und Nachhaltiges Ausbildungszentrum) einen Märchen Moot-Court. Zwei studentische Teams verhandelten in einer simulierten Hauptverhandlung die Strafbarkeit von Rotkäppchen und Jäger aus dem berühmten Märchen der Gebrüder Grimm. Im Vorfeld bereitete REGINA-Lehrkraft Johannes Weber die Teilnehmer auf die rhetorischen Herausforderungen eines Strafprozesses vor.

In einem gut gefüllten H24 versuchten dann Staatsanwaltschaft und Verteidigung durch Anhörung von Zeugen (z.B. Rotkäppchens Großmutter) den Tathergang zu rekonstruieren und ihre jeweiligen Thesen zu belegen. Über den Fall und über den Sieg des Moot-Corts zu entscheiden hatte schließlich das dreiköpfige Gericht, bestehend aus Rechtsanwalt Prof. Dr. Jan Bockemühl (Vorsitz), Dipl. jur. Tanja Feichtlbauer (Gewinnerin des 1. Märchen Moot-Courts) und Laura Menter (ELSA-Vorstand). Sie sprachen Rotkäppchen frei und verurteilten den Jäger wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft. Anschließend wurde das Siegerteam verkündet: die „Staatsanwältinnen“ Christina Fichtner und Laura-Katharina Heide Effner gewannen mit knappem Vorsprung vor den „Verteidigern“ Jonas Neudecker und Georg Freiss.

Die spannende und kurzweilige Verhandlung ließ man bei Häppchen und – wie sollte es anders sein – „Rotkäppchen“-Sekt ausklingen.


vorheriges Bild laden
  • M _rchen Moot Court _7_
  • M _rchen Moot Court _6_
  • M _rchen Moot Court _4_
  • M _rchen Moot Court _3_
  • M _rchen Moot Court _1_
  • M _rchen Moot Court _5_
  • M _rchen Moot Court _2_
nächstes Bild anzeigen

Archiv


Jahresbericht in Druckform

  1. Fakultäten

Fakultät für Rechtswissenschaft

 

Winter