Soziale und emotionale Störungen sind Hauptsymptome zahlreicher psychischer Erkrankungen, wie Depression, Angststörungen, soziale Phobien oder Schizophrenie. Diese Erkrankungen, deren Häufigkeit zunimmt, stellen für die Patientinnen und Patienten und unsere Gesellschaft eine enorme Belastung dar. Oft fehlen effektive Therapiemöglichkeiten, und die Rückfallquoten sind hoch. Dies begründet sich trotz intensiver Forschung weltweit vor allem durch unser immer noch mangelndes Wissen über die Ursachen und Auslöser dieser komplexen Psychopathologien.
An der Universität Regensburg wurde seit 2017 das Graduiertenkolleg (GRK) „Neurobiologie sozialer und emotionaler Dysfunktionen“ (externer Link, öffnet neues Fenster) durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einem Gesamtumfang von 10,5 Mio Euro gefördert. Nun fand vom 8.- 10. Mai die Abschluss-Konferenz zum gleichen Thema in Regensburg statt. „Das GRK haben wir an der Nahtstelle von neurobiologischer Grundlagenforschung und klinischer Forschung angesiedelt. Unser Ziel war, in zahlreichen Doktoranden-Projekten einige Mechanismen dieser Fehlfunktionen auf molekularer Ebene, auf Ebene der Nervenzellen und deren Vernetzungen im Gehirn und auf hormoneller Ebene zu erforschen. Dazu sind verlässliche Tiermodelle notwendig, die z.B. Symptome der Depression oder von sozialer Angst darstellen“, erläutert Prof. Dr. Inga Neumann, Sprecherin des GRK und Inhaberin des Lehrstuhls für Neurobiologie und Tierphysiologie an der Universität Regensburg. Sie betont weiter, dass nur ein interdisziplinärer Ansatz bei der Untersuchung komplexer Verhaltensweisen zum Erfolg führen kann. So waren am GRK gleich 3 Fakultäten beteiligt: Die Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin mit den Bereichen Neurobiologie und Biochemie, die Fakultät für Medizin mit Psychiatrie und Neurologie sowie die Fakultät für Humanwissenschaften mit der Biologischen Psychologie.
Nach 3 Generationen von Doktorandinnen und Doktoranden, die in diesem neurowissenschaftlichen Graduierten-Programm ihre Qualifikation erhalten haben, stellte die Konferenz einen abschließenden Höhepunkt dar. Internationale und nationale Gäste hielten spannende Vorträge zur Stress-Regulation, Empathie, sozialer Furcht oder Aggression, und erläuterten, welche Bedeutung diese Verhaltensweisen im gesunden Menschen haben. Vor allem aber zeigten sie, mit welchen modernen Methoden die Forscherinnen und Forscher heute in der Lage sind, Gene, Moleküle und neuronale Netzwerke in ausgewählten Hirnarealen zu untersuchen, die an Störungen dieser Verhaltensweisen beteiligt sind.
Unter den zahlreichen Zuhörern waren natürlich die aktuellen, aber auch ehemalige Doktorandinnen und Doktoranden des GRK, deren Betreuer und interessierte Gäste der Universität. Die Doktorandinnen und Doktoranden der letzten Kohorte stellten ihre im Kolleg erlernten Fähigkeiten durch Kurzvorträge oder Posterpräsentationen zu ihren Projekten unter Beweis und bewährten sich als Chairs, also als Leiter*innen der Sitzungen. Nicht ohne Stolz bemerkt Neumann, dass sich die umfangreiche Ausbildung im GRK offensichtlich ausgezahlt hat.
Kontakt aufnehmen
Prof. Dr. Inga D. Neumann
Inhaberin des Lehrstuhls für Neurobiologie und Tierphysiologie
Universität Regensburg
Tel: Sekretariat: +49-(0)941-943-3055
Tel. Büro: +49-(0)941-943-3053
E-Mail: Inga.Neumann@biologie.uni-regensburg.de