Direkt zum Inhalt


Forschung und Qualifikation

Hier finden Sie Informationen zu laufenden und abgeschlossenen Forschungs- und Qualifikationsarbeiten am Institut.

Laufende Forschungsprojekte  

Digital Literacy im Religionsunterricht (seit 2024)

Digital Literacy umfasst die Fähigkeit, mit Digitalität zu operieren und mitlaufende Strukturen und Dynamiken sowie Effekte zu überblicken und kritisch zu reflektieren. Interpretieren und Herstellen von Botschaften im Konzept der Digital Literacy können in Analogie zum Lesen und Schreiben bei Text Literacy gesehen werden. Heute wächst bereits eine Generation von Schülerinnen und Schülern auf, die heterogen gestreut über eine deutlich stärker ausgeprägte digitale Kompetenz als ihre Lehrkräfte verfügt. Setzt man nicht nur die digitale Revolution zur einstigen Revolution der Gutenberg-Galaxis ins Verhältnis, sondern berücksichtigt auch die enormen Beschleunigungsraten, die durch Digitalisierungsinnovationen in Gang gesetzt sind, so lässt sich erahnen, wie sehr dies auch Bildungsprozesse im Religionsunterricht bestimmen kann.

Dies Projekt lotet aus, welche Kompetenzen Lehrkräfte im Handling digitaler Tools benötigen, um mit ihren Schülerinnen und Schülern einen gegenwärtigen Unterricht gestalten zu können. Ein Schwerpunkt liegt auf der praktischen und theoretischen Bespielung sog. Künstlicher Intelligenz (ChatGPT u.a.) sowie der virtuellen Realisierungen von Lernlandschaften.

Ausgangspunkt ist der Unterricht (Deutsch / Ethik / Religion) an Mittelschulen, weitere Schultypen von Gymnasium bis Grundschule sind im Blick.

Das Projekt hat im Schuljahr 2024/25 eine erste schulische Praxisphase zur Unterstützung von Konfliktmanagement mittels VR-Technik im Klassenzimmer durchlaufen.
Die zugehörige Publikation erscheint 2026.

Projektverantwortlicher 

Projekt Postkoloniale Schulbuchanalyse

In Kooperation mit Kathrin Winkler, Evangelische Hochschule Nürnberg

Postkoloniale Perspektiven changieren zwischen historischer Rekonstruktion und gegenwärtiger Identitätsreflexion, einst in Gang gesetzte Ausbeutungsprozesse werden mit gegenwärtigen ökonomischen und kulturellen Systemen lokal und global in eine Verhältnisbestimmung gebracht. So verstanden ist Postkolonialismus nicht nur eine kritische Revision von Vergangenheit, sondern in erster Linie eine grundlegende Optik, historisch gewachsene Strukturen von Unterdrückung und Hegemonie in ihren verschiedensten Auffächerungen, z.B. in Bezug auf Ethnien, Religionen, Geschlecht etc. zu erkennen, freizulegen und in gegebene oder zu schaffende emanzipatorische Handlungspraxen einzuspeisen. Dies Projekt fügt sich in eine breite internationale und interdisziplinäre Strömung ein, Schulbücher auch postkolonial in den Blick zu nehmen.

Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse wichtiger Unterrichtswerke für den deutschsprachigen Religionsunterricht in allen Schularten der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz. Die Durchsicht von Unterrichtswerken des katholischen und evangelischen Religionsunterrichts wird ergänzt durch islamische und jüdische Schulbücher.

Forschungshorizont:

Inwiefern lassen sich Konstruktionen des unterlegenen Anderen in Schulbüchern des Religionsunterrichts aufspüren?

Welche Verbindungslinien solcher Konstruktionen bestehen zu anthropologischen, religiösen, kulturellen und ökologischen Vorstellungen?

Für die Konturierung des hochschuldidaktischen Horizontes werden von beiden Projektbeteiligten an der Evangelischen Hochschule Nürnberg Lehrveranstaltungen in den Modulen „Das Christentum im Verhältnis zu anderen Religionen“, „Theorie und Praxis interreligiösen Lernen“ sowie „Interreligiöse und interkulturelle Kompetenz in der Bildung“ durchgeführt.

Die Pilotierung ist abgeschlossen, erste Beobachtungen sind publiziert:

S. Scholz/K. Winkler: Subaltern Thinking in Religious Education? Postcolonial Readings of (German) Schoolbooks, British Journal of Religious Education 43 (2021/1), 103–122. (externer Link, öffnet neues Fenster)

Projektverantwortlicher 


Abgeschlossene Forschungsprojekte 

Krieg als Thema der Berufsschulpädagogik (2025–2026)

In Kooperation mit Andreas Seidl, Textilschule Münchberg

Religionsunterricht an der Berufsschule bewegt sich innerhalb ganz eigener Rahmenbedingungen und lebt von spezifischen Zielsetzungen. Die Unterstützung junger Erwachsener auf ihrem Weg der Identitätsklärung und kritischen Selbstintegrierung in die zukünftige (Arbeits-)Welt wird in diesem Projekt anhand von politischer Bildung im Zusammenhang des Religionsunterrichts untersucht. Eine Konzeption zur Bespielung des Themas Krieg und Frieden ist ausgearbeitet und wird gegenwärtig in verschiedenen Klassen und Lerngruppen durchgespielt und reflektiert. Eine Ausweitung hin zur Kooperation mit Ethik-Klassen ist in Planung.

Publikation:
Stefan Scholz, Die Kreuzzüge als Lernfeld kriegsethischer Reflexion. Ein Werkstattbericht aus der Berufsschule zu Krieg, Frieden und Religion, in: N. Brieden / H. Roose / A. Wiemer (Hg.): Krieg. Jahrbuch für konstruktivistische Religionsdidaktik 16, Babenhausen 2025, 149-158. (externer Link, öffnet neues Fenster)

Projektverantwortlicher

Digitales Lehrhaus für den evangelischen Religionsunterricht (2020–2023)

Ein empirisches Forschungsprojekt zur Förderung der theologischen und (inter-)religiösen Dialogkompetenz von Schülerinnen und Schülern

Die Maßnahme wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und ist dem übergeordneten Projekt L-DUR (externer Link, öffnet neues Fenster) angegegliedert.

  1. In der Maßnahme wird ein digitales Lernprogramm zur Förderung der theologischen und (inter-)religiösen Dialogkompetenz von Schülerinnen und Schülern entwicklet, dass anschließend im Evangelischen Religionsunterricht evaluiert werden soll. Das digitale Lernprogramm simuliert einen virtuellen Begegnungsort für (inter-)religiösen und theologischen Dialog, das auf dem Ansatz des Game-Based-Learnings beruht. "Lehrhaus" steht hierbei einerseits für Dialogizität, weil religiöse Sachverhalte immer verschiedene Deutungen nach sich ziehen, die miteinander ins Gespräch kommen ("Jeder kann zum Lehrer für den anderen werden"), andererseits für eine Grenzziehung  innerhalb des weltweiten Netzes mit dem Ziel eines qualitativ hochwertigen Lernangebots. Der Mehrwert des Online-Lernpgrogramms liegt nicht nur in der dynamischen Anpassungsfähigkeit, sondern auch in der ortsunabhängigen Zugänglichkeit. Das Online-Lernprogramm soll einen wichtigen Beitrag für einen zeitgemäßen kompetenz-, subjekt, -dialog- und prozessorientierten Evagenlischen Religionsunterricht leisten, der auch das digitale Lernen integriert.
  2. Das Ziel der Maßnahme, die Dialogkultur und das digitale Lernen im Evangelischen Religionsunterricht zu fördern, wird zudem in der Religionslehrerkräftebildung aufgegriffen. Dazur wurde ein Seminar in Anlehung an das Online-Lernprogramm konzipiert, in welchem sich die Lehramtsstudierenden des Faches Religion mit den Themen (inter-)religiöser Dialog, Theologisieren und Dialogkompetenz beschäftigen und sich mit der Erstellung einer E-Learning Umgebung vertraut gemacht werden (Kombination aus digitalen interaktiven Aufgaben und Animationsvideos in Dialogform). Die von den Studierenden erstellte Inhalte werden in die Lernpgrogrammentwicklung mit einbezogen.

Ziele der Maßnahmen

  1. Theoretische Fundierung und konkrete Konzeptorientierung des digitalen Lernprogramms für einen kompetenz-,subjekt - dialog - und prozessorientierten Evangelischen Religionsunterricht
  2. Identifizeren und Generieren geeeigneter Beiträge für das digitale Lernpgroramm. Erstellung des digitalen Lernprogramms.
  3. Praxiserprobung und Evaluiverung des digitalen Lernprogramms im Hinblick auf Lehr- und Lernchancen
  4. Integration des "digitalen Lehrhauses im Ev. Religionsunterricht" in die Lehrerkräfteausbildung und -weiterbildung (seit WiSem20/21)

Projektverantwortlicher 

Laufende Qualifikationsprojekte

Dipl.-Theol. Esther Holtschulte

Gleichen sich Menschen und Maschinen? Eine technikethische und theologische Auseinandersetzung mit dem kritischen Posthumanismus (Arbeitstitel)

Dissertationsprojekt am Lehrstuhl für Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen (Prof. Dr. Constantin Plaul)


Wer hat Schuld, wenn ein selbstfahrendes Auto einen Unfall baut? Sollten Software-Programme Regierungsposten einnehmen können? Kann ein Chatbot Seelsorge leisten? 

Mit dem flächendeckenden Einzug sogenannter ‚Künstlicher Intelligenz‘ und insbesondere der zunehmenden Nutzung von Large Language Modellen ergeben sich neue technikethische Fragen. Einer Vielzahl der dabei aufkommenden technikethischen Problemstellungen liegt die Frage zugrunde, ob Menschen und Maschinen gleichermaßen ethische Akteure sind. In Auseinandersetzung mit Positionen aus dem sogenannten kritischen Posthumanismus, als philosophischer Denkrichtung, die die Differenz zwischen Menschen und Maschinen in unterschiedlichem Ausmaß schleift, soll das Projekt eine theologisch-fundierte Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Menschen und Maschinen in unserem derzeitigen technischen Kontext geben. Dies geschieht unter Einbezug sowohl technikphilosophischer als auch christlich-anthropologischer Entwürfe.

Dabei werden die derzeitigen Entwicklungen im Bereich sogenannter ‚Künstlicher Intelligenz‘ technikgeschichtlich zunächst verortet, sodann Konzeptionen des sogenannten kritischen Posthumanismus hinsichtlich ihrer Menschen- und Maschinenbilder befragt, anschließend das Verhältnis von menschlichem Denken & Intention und algorithmischer Produktion technikphilosophisch eruiert, sowie Charakteristika christlicher Anthropologie mit posthumanistischen Menschen- und Maschinenbildern verglichen. Schließlich werden die Ergebnisse exemplarisch auf ausgewählte Beispielfälle angewandt. 

Damit bietet das Projekt eine technikethische Orientierungshilfe für den Umgang mit künstlicher Intelligenz sowohl in christlich-kirchlichen Kontexten als auch gesamtgesellschaftlich in Politik, Wirtschaft und Justiz.

Zur Person

Dipl.-Theol. Esther Holtschulte studierte bis 2025 Evangelische Theologie in Halle (Saale), Leipzig, Wuppertal und Kyoto (Japan). Sie war als Studentische Hilfskraft bei der Edition Spenerbriefe der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und am Lehrstuhl für Neuere Kirchengeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, sowie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen der Universität Regensburg tätig. Derzeit bearbeitet sie ein technikethisches Promotionsprojekt an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das von Prof. Dr. Constantin Plaul betreut wird. Sie ist gewähltes Mitglied im Moderamen des Reformierten Bundes in Deutschland.


Abgeschlossene Qualifikationsprojekte 

Dr. Tatjana K. Schnütgen (2021)

„Du bist schön, du hast Energie, du bist nicht allein“ 
Tanz – Ästhetik – Spiritualität. Empirische und theoretische Erkundungen in kirchlichen Tanzszenen

Dissertation am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts (Prof. Dr. Michael Fricke)

Die Arbeit untersucht die Bezüge zwischen Tanz, Ästhetik und Spiritualität. Während Tanz ein kultur- und religionsübergreifendes Phänomen darstellt, ist Tanz im Christentum bzw. Kirchentanz ein Phänomen, das erst in den vergangenen Jahrzehnten neu in unterschiedlichen Spielarten und Stilen entwickelt wurde. Welche Bedeutung können „kirchliche Tanzszenen“ für die an ihnen Teilnehmenden – als Tanzende und Betrachtende – haben? Wie ist die damit verbundene ästhetische Erfahrung zu beschreiben? Welche Wirkungen für Glaube und Spiritualität und welche Implikationen für die Praktische Theologie bringt der Tanz mit sich? Kann die Kategorie der ‚ästhetischen Erfahrung‘ eine Vermittlungsfigur zwischen Tanz und Spiritualität bilden?
Durch eine umfangreiche qualitativ-empirische Untersuchung (36 Gespräche) werden neue Erkenntnisse zur Bearbeitung dieser Fragen gewonnen und in den Kontext interdisziplinärer Reflexionen gestellt. Dabei geraten Tanzwissenschaft, Philosophie, Empirie und Praktische Theologie in ein gemeinsames Feld, in dem tatsächliche und mögliche Wechselwirkungen auf vielfältige Weise sichtbar gemacht werden. Kirchentanz wird in seinen unterschiedlichen Aspekten nicht nur auf der Basis vorliegender Abhandlungen „über“ Tanz dargestellt, sondern seine Gestalt und Bedeutung aus den Äußerungen derer, die im Kirchentanz aktiv sind, generiert. Zum Forschungsweg gehört die Teilnahme an der Praxis, das Mittanzen. Die Beziehungen zu den Erforschten bewegen sich somit in einem Feld zwischen professioneller Distanz und Identifikation. Die durch theoretische Herangehensweisen und Methoden der empirischen Sozialforschung (Teilnehmende Beobachtung, qualitative Interviews) herausgearbeiteten Erkenntnisse werden schließlich unter den kulturwissenschaftlichen Reflexionsperspektiven der „Semiotik“ und „Performativität“ eingeordnet und gewürdigt.

Die Arbeit wurde mit dem renommierten  Hanns-Lilje-Wissenschaftspreis 2021 (externer Link, öffnet neues Fenster) ausgezeichnet. Der Preis ist mir 10.000 € dotiert

 

Dr. Gottfried Rösch (2021)

Migration und Religion 
(Deutsche aus Russland und Kirche)

Dissertation am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts  (Prof. Dr. Michael Fricke)

Deutsche aus Russland sind zahlreich und jung nach Deutschland gekommen. Sie haben sich vielseitig und oft erfolgreich eingelebt. Sie sind in Ihrer Mehrheit Mitglieder der Landeskirche geworden. Was haben Sie dabei erlebt, wie geht es Ihnen dabei?
Während bei Zuwanderung und Religion in Deutschland häufig an Islam, Mitgliederschwund der Kirchen oder neu entstehende Gemeinden unterschiedlicher Sprachen gedacht wird, wird das unverdiente Mitgliedergeschenk der Landeskirchen (in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern 9% der Mitglieder) nur selten beschrieben, und oft mit dem Wort "Fremdheit" verbunden.
Dazu entstand am Lehrstuhl für Religonspädagogik eine empirische Studie, die als Verstehenshilfe Interkulturelle Theologie und Religionssoziologie verwendet. In Bezug auf Interkulturelle Theologie ist damit erreicht, dass sie empirisch aussagekräftig auf Deutschland bezogen wird.
Evangelische Zuwanderung aus Mittelasien ist ein interkultureller Vorgang, der zu charakteristischen postkolonialen Irritationen und Veränderungen führt und für die Landeskirchen in Deutschland einen Modernitätsschub bedeutet. Fehlende Repräsentanz, orientalistische Stereotype, Dritte Räume, Hybridität und eine Selbstermächtigung des religiösen Subjekts auch aus der kasachischen Steppe heraus prägen das heutige evangelische Leben in Deutschland.

Die Arbeit "Deutsche aus Russland und die Kirche. Zum Verhältnis von Migration und Religion" von Gottfried Rösch wurde an der Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften von Prof. Dr. Michael Fricke als Dissertation angenommen. Sie ist 2021 in der Reihe "Kirchen in der Weltgesellschaft" (herausgegeben von Prof. Dr. Dieter Becker und Prof. Dr. Andreas Nehring) des LIT Verlages erschienen.

nach oben