Moldau-Exkursion
Programm: Feldreise nach Chișinău und in die Republik Moldau (ENTWURF)
Tag 1 – Ethnographie der Stadt: Zeitschichten, politische Narrative und Alltagsleben
Ort: Chișinău
Ziel:
Die Stadt Chișinău als sozialen und historischen Raum ethnographisch erkunden. Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen historischen Zeitschichten der Stadt (Zarenreich, rumänische Zwischenkriegszeit, Sowjetunion, postsowjetische Zeit), ihre politischen Narrative sowie ihre Aneignung und Nutzung im Alltag.
Methode:
- Arbeit in binationalen Kleingruppen (deutsche und moldauische Studierende)
- Stadtbegehung ausgehend vom Triumphbogen durch verschiedene Stadtteile
- Beobachtung von:
- Monumenten, Gebäuden und Symbolen verschiedener historischer Epochen
- politischen und nationalen Narrativen im Stadtraum
- alltäglichen Praktiken und Nutzungen öffentlicher Räume
- Optionale Gespräche mit Passant:innen oder lokalen Akteur:innen
Mögliche Beobachtungsorte:
- Boulevard Ștefan cel Mare
- Piața Centrală
- ausgewählte Wohnviertel und öffentliche Plätze
Kooperation:
Einbindung von Studierenden der Moldova State University als Co-Forscher:innen, die ihre Sprachkenntnisse, Ortskenntnisse und lokalen Perspektiven einbringen.
Output:
- Feldnotizen und Fotos
- Gemeinsame Reflexion und Diskussion am Ende des Tages
Lernziel:
Die Stadt als Zusammenspiel von Geschichte, Macht und Alltag verstehen und ethnographische Methoden zur Analyse urbaner Räume praktisch anwenden.
Tag 2 – Politische Institutionen und Zivilgesellschaft
Ort: Chișinău
Ziel:
Vergleich staatlicher und zivilgesellschaftlicher Perspektiven auf ethnische und religiöse Vielfalt.
Vormittag: Parlament der Republik Moldau
- Gespräche mit Abgeordneten
- Themen:
- Minderheitenpolitik
- institutionelle Rahmenbedingungen
- aktuelle Herausforderungen
Nachmittag: NGOs und Minderheitenorganisationen
(z. B. Roma-, jüdische oder ukrainische Organisationen)
Analysefokus:
- Alltagserfahrungen von Minderheiten
- Beziehungen zwischen Staat und Zivilgesellschaft
- Handlungsspielräume und Spannungen
Lernziel:
Unterschiedliche Perspektiven auf dieselben gesellschaftlichen Fragen vergleichen.
Tag 3 – Transnistrien: Alltag und geopolitische Narrative
Orte:
- Bender
- Tiraspol
Ziel:
Analyse eines de-facto-Staates aus der Perspektive von Alltag, Erinnerung und Symbolik.
Schwerpunkte:
- Museen und Denkmäler als geopolitische Narrative
- öffentliche Symbolik
- Alltag im „nicht anerkannten Staat“
Treffen mit lokalen Akteur:innen:
- Fokus auf soziale Themen
- Beobachtung offizieller Diskurse und alltäglicher Praktiken
Leitfragen:
- Welche Geschichte wird erzählt?
- Welche Akteure fehlen?
- Welche Narrative dominieren?
Lernziel:
Verstehen, wie politische Ordnung symbolisch und alltagspraktisch hergestellt wird.
Tag 4 – Friedhöfe als Orte von Erinnerung und Politik
Ort: Chișinău
Ziel:
Analyse von Friedhöfen als Räume, in denen Erinnerung, Zugehörigkeit und Macht sichtbar werden.
Orte:
- Zentralfriedhof
- Jüdischer Friedhof
Analyseachsen:
- historische Schichtung
- Narrative (Heldentum, Opfer, Schweigen)
- Sprache und Symbolik
- Sichtbarkeit und Pflege
Vergleichende Übung:
Analyse entlang von:
- Sichtbarkeit
- Narrative
- Akteure
- Emotionen
Output:
- Feldnotizen und Fotos
- Gemeinsame Reflexion
Lernziel:
Erinnerungspolitik als selektiven und konfliktgeladenen Prozess erkennen.
Tag 5 – Komrat und Gagausien
Ziel:
Analyse regionaler Identitäten und geopolitischer Orientierungen „von unten“.
Programmpunkte:
- Museums- und Stadtraumbeobachtung (inkl. Lenin-Denkmal)
- Treffen mit Studierenden der Comrat State University
- Dorfbesuch in Beșalma (Museum, Windmühle, Gespräche mit Bewohner:innen vor Ort))
Gesprächsthemen:
- Beziehungen zwischen Gagausen und Mehrheitsbevölkerung
- Verhältnis Komrat – Chișinău
- geopolitische Orientierungen (Russland – EU – Rumänien)
Schwerpunkt:
Gespräche mit lokalen Akteur:innen und alltagsnahe Perspektiven.
Lernziel:
Regionale Identität, Geopolitik und Alltag miteinander verknüpfen.
Tag 6 – Museen als Orte der Geschichtspolitik
Ort: Chișinău
Ziel:
Analyse von Museen als Produzenten offizieller historischer Narrative.
Mögliche Museen:
- Nationalmuseum für Geschichte
- Nationalmuseum für Ethnographie und Naturgeschichte
- Nationalmuseum der Schönen Künste
- (optional) Stadtmuseum
Analytische Perspektiven:
- Aufbau und Dramaturgie der Ausstellung
- Narrative und Symbolik
- Sichtbarkeit von Minderheiten
- Leerstellen und Auslassungen
Erweiterte Perspektive:
Museen als soziale Räume:
- Publikum und Nutzung
- Interaktionen
- Architektur und Raumordnung
Leitfragen:
- Welche Geschichte wird erzählt – und welche nicht?
- Wie werden Narrative im Alltag rezipiert?
Lernziel:
Das Zusammenspiel von Diskurs (Ausstellung) und Praxis (Besuch) verstehen.
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(Tag 6: Optionale Nachmittagsaktivität) – Wein, Nation und Geopolitik
Ort: Cricova
Ziel:
Analyse des Weinsektors als Schnittstelle von nationaler Identität, Erinnerungspolitik, Wirtschaft und Geopolitik.
Analytische Perspektiven:
• Darstellung von Wein als nationales Symbol Moldaus
• Historische Narrative und Selbstrepräsentation des Landes
• Politische Symbolik (prominente Gäste, Sammlungen, Geschenke)
• Exportmärkte und geopolitische Orientierung des Weinsektors
Lernziel:
Verstehen, wie ein wirtschaftliches Produkt zum Träger nationaler Identität, historischer Narrative und geopolitischer Positionierungen werden kann.