Direkt zum Inhalt


Die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL) in Regensburg knüpft an eine Form von Kulturwissenschaft an, die der Kunstwissenschaftler Aby Warburg und der Kulturphilosoph Ernst Cassirer in den 1920er Jahren entwickelt haben. Beide Wissenschaftler haben zum einen in Zeiten einer sich zunehmend völkisch orientierenden Geisteswissenschaft den europäischen Gedanken der Kultur in das Zentrum ihrer wissenschaftlichen Arbeit gestellt.  Zum anderen haben sie mit ihrer ‚neuen Kulturwissenschaft‘ einem Auseinanderfallen von Natur- und Geisteswissenschaften zu steuern versucht und sind für einen interdisziplinären Austausch zwischen beiden Wissensgebieten eingetreten. Einen solchen Dialog der Wissensformen und Methoden fanden sie bezeichnenderweise in den naturwissenschaftlichen Arbeiten Goethes vorbereitet.

Das Vergleichende in der AVL erforscht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Literaturen verschiedener Kulturen und bezieht auch andere künstlerische Formen mit ein, um die kulturellen Verflechtungen einer bestimmten Epoche zu untersuchen: Literatur wird im Kontext von Malerei, Musik, Tanz, Architektur usw. gelesen. Ziel ist es dabei, vertiefte Kenntnisse über die Ästhetik zu erlangen. Die Auseinandersetzung mit der Poetik der europäischen Literaturen schließt die antiken Quellen ein, um die Traditionswege und Einflüsse eines Kunstwerks oder einer Epoche verstehen zu können. In einführenden Lehrveranstaltungen zu Grundlagentexten sowie in Klassikerseminaren zu Homer, Platon, Ovid u.a. wird das Fortwirken der Antike auf die europäische Literatur und Kultur diskutiert.

Die Allgemeine Literaturwissenschaft ist hingegen eng mit der Philosophie und der Literaturtheorie verbunden. Denn Literatur kann nicht ohne die philosophischen und wissenschaftlichen Kontexte, auf die sie reagiert, verstanden werden. Dichter haben sich auf ihre eigene Weise etwa mit philosophischen Fragen des Erkennens, des Wissens, des Bewusstseins oder auch des Zeichens beschäftigt.

nach oben