Direkt zum Inhalt


3. Staatsexamen

Allgemeines

 

Auch wenn man sich schnell in den Apothekenalltag im Praktischen Jahr eingewöhnt hat und man eigentlich den ganzen Prüfungsstress vor und um das Zweite Staatsexamen abgeschlossen hat, wird man spätestens bei den Begleitenden Unterrichtsveranstaltungen erinnert, dass da noch ein Examen bevorsteht.

 

Das Anmeldeformular bekommt man normalerweise mit der Urkunde des Zweiten Staatsexamens vom Prüfungsamt mitgeschickt. Nur den Anmeldeschluss sollte man im Auge oder Terminkalender behalten, damit man ihn nicht vergisst. Über den eigentlichen Prüfungszeitraum oder -termin kann man zu diesem Zeitpunkt nur spekulieren. Den genauen Termin erhält man erst ca. zwei Wochen vor der eigentlichen Prüfung. Und im Gegensatz zum zweiten Examen weiß man erst, wer die Prüfer sind, wenn sie am betreffenden Tag vor einem stehen.

 

Irgendwann, bei manchen ein paar Monate, bei anderen ein paar Wochen vor Ende des Praktikums setzt dann die Lernphase ein. Die einfachste Möglichkeit ist hier bei den Unterrichtsskripten anzufangen, da diverse Referenten auch selbst Prüfer für ihr Thema sind. Aktualisierte bzw. überarbeite Unterrichtsskripte stellt die Bayrische Apothekerkammer auf ihrer Webseite bereit. Es ist aber durchaus sinnvoll sich alle (nicht nur die den Unterricht betreffenden) Skripte zu jedem Blockseminar und kurz vor dem letzten Examen herunter zu laden. Teilweise werden die Themengebiete neuen Referenten/Prüfern zugewiesen und der eine erklärt es etwas besser oder schlechter oder einfach anders. Etliche Unterrichtsthemen kann man aber auch unter "ferner Liefen" abhaken und mit Mut zu Lücke nur mal durchlesen. Als Ergänzung zum Themengebiet Betriebswirtschaftslehre ist das kostenlose Sanacorp-Buch zu empfehlen, was die Skripte der verschiedenen (Sanacorp-)BWL-Referenten noch im praktischen Kleinformat zusammenfasst.

 

Trotz der ganzen Lernerei denkt man sich mit jedem Tag, der Richtung Examen verstreicht, dass man noch weniger weiß, als tags zuvor. Das ist ganz natürlich und war, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei jedem so. Denn das eigentliche Stoffgebiet des Dritten Staatsexamens ist uferlos. Und man wird, wie in der Praxis auch, nie alles ad hoc wissen, was auch dort niemand verlangt. Eher geht es darum, sich nicht aus dem Tritt bringen zu lassen und bei Lücken lieber zu sagen, dass man das jetzt nicht genau beantworten kann, aber man es dort und da nachschauen kann, als gequirlten Mist zu erzählen. In der Praxis später können davon Menschenleben abhängen und wenn man sich unsicher ist, geht man lieber auf Sicherheit als auf Halbwissen.

 

Ist der große Tag dann endlich gekommen, kann man es schon nicht mehr erwarten in seinen guten Anzug zu schlüpfen, da man die Nacht kein Auge zugebracht hat. Vor dem Richtort trifft man dann auf ein, zwei weitere seinesgleichen, denn es werden meist zwei Leute gleichzeitig pro Prüfung geprüft. Schlägt dann endlich auch die besagte Stunde, wird man von dem Prüfungsleiter in den entsprechenden Raum gebeten. Hier steht ein großer Tisch, an dessen einer Seite zwei freie Stühle sind, auf ihm einiges an Papier und Literatur liegt, und am anderen Ende die vier Prüfer und der Schriftführer (meist in Personalunion mit einem der Prüfer) sitzen.

 

Hat man sich gesetzt bzw. ist auf seinen zugeteilten Platz hingesetzt worden, gibt der erste der Prüfer dem einen Prüfling meist ein Rezept oder ein anderes Schriftstück und meint "darüber werden wir uns dann gleich unterhalten". Dann beginnt er den anderen Prüfling auszufragen bis die Eieruhr schellt (wirklich!). Dann ist wieder der erste Prüfling dran, der dann sogleich Rechenschaft über das ihm gegebene Textstück ablegen darf. Die anderen Prüfer hüllen sich derweil in Schweigen oder Desinteresse am Geschehen. Ist der aktuelle Prüfer mit beiden Prüflingen durch, beginnt das gleiche Spielchen mit dem nächsten Prüfer

 

Irgendwann nach geschätzten dreißigtausend Stunden - gemessenen knapp zwei Stunden - ist die Prüfung vorbei und beide Prüflinge werden aus dem Saal gebeten. Den seelischen Zustand in den nun folgenden Minuten kann man nur schwer in Worte fassen. Dies ist aber unerheblich, da man kurze Zeit darauf wieder in die Kammer des Schreckens gebeten wird, wobei im Normalfall dies mit einem händeschüttelnden „Glückwunsch! Sie haben bestanden" des Prüfungsleiters erfolgt. Dieser verkündet einem dann anschließend noch die Einzelwertungen in den beiden Prüfungsfächern, woraufhin man auch schon wieder am Hinausgehen ist. Der nun folgende Zustand ist ebenfalls kaum in Worte zu fassen. Es ist geschafft, worauf man Jahre hingearbeitet hat. Jetzt bleibt nur noch den verdienten Erfolg entsprechend zu feiern, bevor man sich wenige Tage oder Wochen später in den Berufsalltag stürzt. Auf eines muss man jedoch verwaltungstechnisch bedingt noch gut zwei Monate warten – die Approbationsurkunde.

nach oben