Direkt zum Inhalt


Leibniz-Projekt "Das kurze Leben der sowjetisch-jiddischen Literatur"

Zusammengesetzte Indefinitpronomen in slavischen Sprachen. Ein Beitrag zur semantischen Karte der Idefinitheit der zweiten Generation (DFG-HA 2659/10-1)

Leibniz-Gemeinschaft fördert Forschungsprojekt

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbs ein dreijähriges Projekts zur Förderung ausgewählt, das die sowjetisch jiddische Literatur von 1917 bis 1952 anhand zentraler Akteure und Werke sowie des kulturpolitischen Kontextes erforscht. Das in Leipzig ansässige Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow geht damit, in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) in Berlin und der Professur für Slavisch-Jüdische Studien an der Universität Regensburg, den Widersprüchen offizieller Nationalitätenpolitik und den seit den 1930er Jahren zu beobachtenden Russifizierungstendenzen in der Sowjetunion nach.

Die Auseinandersetzung mit dem besonderen Status und der einzigartigen Geschichte der sowjetisch-jiddischen Literatur verspricht neue Erkenntnisse für die Geschichte des östlichen Europa und seiner Judenheiten, aber auch für die gegenwärtigen Herausforderungen globalisierter Diaspora- und Migrationserfahrungen. Anhand der künstlerischen Produktion im Spannungsfeld von staatlicher Förderung bei gleichzeitiger kulturpolitischer Reglementierung und Repression lassen sich die Aporien, Gefahren und Fallstricke identitätspolitischer Eigen- und Fremdzuschreibungen herausarbeiten.

Ausgangspunkt des Vorhabens ist der Geheimprozess gegen führende Mitglieder des Jüdischen Antifaschistischen Komitees. In der »Nacht der ermordeten Dichter« vom 12. auf den 13. August 1952 wurden mit den Lyrikern Perets Markish (1895–1952), Dovid Hofshteyn (1889–1952), Itsik Fefer (1900–1952), Leyb Kvitko (1890–1952) und dem Romanautor Dovid Bergelson (1884–1952) einige der prominentesten Vertreter der in der Sowjetunion zunächst geförderten, doch seit Ende der 1920er Jahre auch zunehmend ambivalent bis kritisch betrachteten jiddischen Literatur erschossen. Während die Trägerinnen und Träger der einst weitverbreiteten Sprache und die potentiellen Leserinnen und Leser dieser Literatur von den Deutschen vernichtet worden waren, fielen dem Stalinismus so ihre Autoren zum Opfer.

In der Forschung ist die Entwicklung der sowjetisch jiddischen Literatur bisher nur teilweise und selektiv aufgearbeitet worden. Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen deswegen eine Kollektivbiografie der eben genannten fünf Schriftsteller, eine Studie zur sowjetisch jiddischen literarischen Moderne, eine Untersuchung der literarischen Auseinandersetzung mit der Gewalt gegen Juden bei Perets Markish und eine Fallstudie über die Welttournee des Jüdischen Antifaschistischen Komitees 1943 entstehen. Darüber hinaus ist eine zweisprachige Edition mit Übersetzungen zentraler Werke der 1952 ermordeten Autoren ins Deutsche geplant. Zudem finden regelmäßig Projektworkshops und eine internationale Konferenz statt.

Das Forschungsprojekt wird durch das Förderprogramm »Leibniz-Kooperative Exzellenz« im Leibniz-Wettbewerb gefördert. Dieses unterstützt Vorhaben, die durch Kooperationen ihre besondere wissenschaftliche Exzellenz gewinnen und sich durch Originalität auszeichnen. Die komplexen Entwicklungslinien der sowjetisch jiddischen Literatur erschließen sich nur einem interdisziplinären und multiperspektivischen Zugriff. Das Dubnow-Institut, das ZfL und die Regensburger Professur verbinden Expertise in jüdischer Geschichte in Osteuropa, jiddisch-slavischen Literaturen, sowjetischer Literatur- und Kulturgeschichte sowie in Komparatistik und Moderneforschung. Das Forschungsvorhaben wird zudem von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet. Die Europäische Universität Sankt Petersburg, das Leibniz-Institut für deutsche Sprache in Mannheim und das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europas in Leipzig bringen als Netzwerkpartner zusätzliche Expertise ein.

nach oben