Der Mensch als Schöpfer und Bewahrer. Eine systematisch-theologische Untersuchung zum Spannungsverhältnis zwischen Innovations- und Vorsorgeprinzip (Habilitationsprojekt Dr. Sebastian Kistler)
Die Transformationsprozesse der Gegenwart, insbesondere durch den Klimawandel (Artensterben, Rückgang landwirtschaftlich nutzbarer Flächen, Veränderung von Niederschlägen), eine wachsende Weltbevölkerung und die notwendige Verbesserung der Lebensqualität im globalen Süden, erfordern unter anderem technologische Innovationen, die das Potential haben, die damit einhergehenden Herausforderungen zu lösen. Die Möglichkeiten durch Genome Editing in der Pflanzenzucht versprechen vielfältige Lösungen für die Landwirtschaft. Wie bei allen anderen neuen Technologien gehen aber auch beim Genome Editing unklare Risiken mit einher (gesundheitliche Risiken, wirtschaftliche Abhängigkeit uvm.). Eine Ethik der technischen und naturwissenschaftlichen Innovation muss deshalb Abwägungen zwischen Innovationsförderung und (Risiko-)Vorsorge treffen. Dazu sollten Vorsorge und Innovation als komplementäre Prinzipien begriffen werden, welche sich gegenseitig begrenzen und verstärken können. Grundlage für normativ-ethische Abwägungen muss eine sorgfältige Analyse von grundlegenden Konzepten und Begriffen (Natürlichkeit, Eingriffstiefe, Risiko, uvm.) sein. Zudem gilt es, in der Betrachtung von Rechtstexten, Stellungnahmen von Bundesministerien, Wissenschafts-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Umweltverbänden fachliche und interessensgruppenbedingte Eingrenzungen aufzudecken und den Diskurs auf die ethischen Kernaussagen zu konzentrieren, damit die Sachverhalte auf wissenschaftlich-ethischem Niveau zielführend verhandelt werden können.
Grüne Innovationen für den Globalen Süden. Perspektiven der Gerechtigkeit, Politik und Ökonomie (Sammelband Projekt von Dr. Sebastian Kistler und Prof. Dr. Thomas Pogge)
Der Sammelband verbindet die Themenbereiche der grünen Innovationsforschung und der Entwicklungszusammenarbeit. Damit greift er das Ziel Nr. 9 der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen auf, das zur Verbesserung der menschlichen Entwicklung im Globalen Süden den Auf- und Ausbau von Industrie, Innovation und Infrastruktur fordert. Die Thematik von Technologietransfers als Mittel der Entwicklungszusammenarbeit ist nicht neu. In den aktuellen Kontexten von neuen technologischen Möglichkeiten durch die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, des Green New Deal und des sich zuspitzenden Klimawandels gewinnt das Thema jedoch neue Relevanz, die in aktuellen Veröffentlichungen noch nicht ausreichend reflektiert ist.
Grüne Innovationen, sogenannte „greenovations“, sind vor allem in den Industrieländern ein großes Thema. Hier sitzen große Unternehmen und treffen auf finanzstarke Absatzmärkte. Für die Länder des globalen Südens sind die neuesten greenovations oft nicht zugänglich, da ihnen die Kaufkraft fehlt, und die Unternehmen der Industrieländer oft wenig Interesse diesen Märkten haben. Der Ecological Impact Fund(EIF) beschreibt ein globalpolitisch-ökonomisches Instrument, das Gerechtigkeitsaspekte zum Klimawandel und der globalen Armutsbekämpfung ernst nimmt und eine sehr effiziente Verwendung von Mitteln der Klimafinanzierung verspricht. Der EIF würde Anreize für die Entwicklung grüner Technologien und deren Einsatz in einer bestimmten Gruppe von Ländern mit niedrigem Einkommen (der "EIF-Zone") schaffen und prämieren. Der EIF würde die Verbreitung und Wirkung grüner Technologien in den Ländern der EIF-Zone erheblich steigern: Durch die Vermeidung von Monopolaufschlägen würden die Preise grüner Produkte absinken; und der Anreiz von Wirkungsprämien würde Melder veranlassen, deren breite Einführung und effektive Nutzung zu betreiben. Durch verbesserte Gewinnaussichten würde der EIF darüber hinaus die Entwicklung zusätzlicher grüner Technologien anregen, die — zugeschnitten auf die Bedürfnisse, Kulturen, Umstände und Präferenzen der Menschen in der EIF-Zone — dort besonders wirkungsvoll wären. Durch Förderung von Verbreitung und Innovation in der und für die EIF-Zone würde der EIF auch lokale Kapazitäten für Entwicklung, Herstellung, Vertrieb, Einbau, Betrieb und Wartung innovativer grüner Technologien ausbauen.