Aktivitäten
Neuestes
Sroufe, Alan (2022). Der Weg zur eigenen Persönlichkeit. Wie Bindungserfahrungen uns lebenslang prägen. Mit Geleitworten von Klaus und Karin Grossmann und Gerhard Suess. Aus dem Englischen von Maren Klostermann. Klett-Cotta, Stuttgart.
2021, Interview. Karin und Klaus Grossmann. Was ich noch zu sagen hätte …Ich hab´ so vieles zu erzählen. Unser Leben als Bindungsforscher. Auditorium Netzwerk, Verlag für Audio-Visuelle Medien. AN4068D, 29. Und 30. Juli 2021. 277 Min.
Früheres
Vorträge gefilmt auf DVD
2015, Karin Grossmann, Klaus E. Grossmann (2015). Bindung und kindliche Entwicklung – Das Gefüge psychischer Sicherheit und Unsicherheit. 17. Oktober, 2015. RPP Fachtagung „Bindung und Familie“. http://www.bindungstheorie.net/ (externer Link, öffnet neues Fenster) Vortrag gefilmt und auf YouTube, 39:43 Min.
Auditorium Netzwerk, Verlag für Audio-Visuelle Medien:
https://shop.auditorium-netzwerk.de/referentinnen/g-h-i/grossmann-karin/ (externer Link, öffnet neues Fenster) https://shop.auditorium-netzwerk.de/referentinnen/g-h-i/grossmann-klaus/ (externer Link, öffnet neues Fenster)
2008, Kißgen, R. DVD Bindungstheorie und Bindungsforschung. Teil 1: Grundlagen. Unter Mitwirkung von Klaus E. und Karin Grossmann, und vielen anderen. Köln: Netzwerk Medien der Universität zu Köln. (Trailer: www.hf.uni-koeln.de/trailer (externer Link, öffnet neues Fenster))
2007, EduCultura. Verlag und kulturpädagogische Projekte, D-78406 Konstanz. Dr. Karin Grossmann, Prof. Dr. Klaus Grossmann, Die Entwicklung von Bindungen und von psychischer Sicherheit. Vortrag im Rahmen der VHS am 17.09.2007. www.educultura.com (externer Link, öffnet neues Fenster)
Forschung
Die Bindungstheorie
Die Bindungstheorie befasst sich mit Entwicklungsbedingungen, die zu angemessenem Fühlen, Denken und Handeln von Individuen im Einklang mit der Wirklichkeit und im Zusammenleben mit anderen führen. Im Zentrum steht das Verhalten in engen Beziehungen, wenn das Bindungssystem aktiviert ist (bei Kummer, Ärger, Trauer und allen Belastungen). Der Entwicklungsprozess erstreckt sich über den gesamten Lebenslauf in engen Beziehungen.
Die Qualität elterlicher Feinfühligkeit gegenüber den Bedürfnissen, Signalen und Kommunikation des Säuglings legt die Grundlage für die Entwicklung der Bindungsqualität des Kleinkindes, empirisch belegt vor allem durch die bahnbrechenden Arbeiten von Mary D. S. Ainsworth. Bindungsqualitäten sind die unterschiedlichen Verhaltensstrategien im Umgang mit Distress, basierend auf der entwickelten Organisationen von Gefühlen und den interpersonellen Zielen. Bindungsqualitäten können schon beim Kleinkind in der 'Fremden Situation' empirisch erfasst werden, stellen aber dann nur die früheste Erscheinungsform sicherer oder unsicherer Bindungs-Verhaltens-Strategien dar. Die Bindungsqualität ist eine Eigenschaft einer bestimmten dyadischen Beziehung und anfangs noch kein Persönlichkeitsmerkmal des Kleinkindes. Bindungsqualitäten sind die emotionale Grundlage für das theoretische Konzept "Internaler Arbeitsmodelle" von John Bowlby.
Mit Beginn der Sprachentwicklung erwirbt das Kind zusätzlich zur empfundenen Bedeutung interaktiven Verhalten im Diskurs sprachliche Bedeutungen über Erfahrungen und Erlebnisse im Sinne eines 'Autobiographischen Selbst'. Dies geschieht zunächst fast nur mit den Eltern, später auch mit anderen Erwachsenen. Das autobiogaphische Selbst beeinflusst die Entwicklung realitätsnaher oder -ferner "internaler Arbeitsmodelle über sich und andere", ob man wertvoll ist und ob andere einem wert schätzen. Das internale Abeitsmodell dient dem Individuum, ihr Verhalten zu planen mit all den Vorteilen der Einsicht und Voraussicht. Drei Aspekte wirken dabei zusammen, die Organisation der eigenen Gefühle, Motivklärung bei sich und dem anderen und Handlungsperspektiven.
Auf diesen emotionalen, sozialen und kognitiven Grundlagen entwickeln sich aus phylogenetisch vorprogrammierten Bindungsbedürfnissen (Genotyp) durch qualitativ unterschiedliche Bindungsbeziehungen unterschiedliche psychologische Anpassungen (Phänotyp). Ein Gefüge psychischer Sicherheit entwickelt sich bei einer Person aus feinfühligem Eingehen auf seine Bindungsbedürfnisse von vertrauten anderen zusammen mit feinfühliger Unterstützung und Herausforderung von Neugier beim Erkunden und Verstehen der Welt, in der man lebt.
Längsschnittforschung
Längsschnittforschung gelingt zum einen nur bei guter Stichprobenpflege und zum zweiten nur bei kontinuierlicher Forschungsförderung. Die Familien, die freiwillig mitmachen, müssen Wertschätzung, Dankbarkeit und aufrichtiges, vorurteilloses Interesse erfahren. Persönliche Briefe, Glückwünsche und kleine Geschenke erhalten die Verbundenheit. Sorgfältiger Datenschutz der Familien ist selbstverständlich. Aber auch dann kann es leider noch geschehen, dass sie ihre Mitarbeit einstellen.
Längsschnittlich überzeugende Ergebnisse hängen von der Unabhängigkeit der jeweils erhobenen Daten zu jedem Alterszeitpunkt ab. In unseren Längsschnittuntersuchungen wurde jede Datenerfassung von einem jeweils neuen Forschungsteam durchgeführt, um Beeinflussungen durch vorherige Kenntnisse über die beteiligten Familien auszuschließen. Die aktuelle Datenanalyse muss also erst vollständig fertig sein, bevor Datensätze von vorherigen Erhebungen am Rechner zusammengeführt werden.
Wünschenswert ist Kontinuität der engsten Mitarbeiter und eine sorgfältige Dokumentation, damit die Bedeutungen und definitorischen Kompositionen von Variablen nicht verloren gehen. Dagegen erfordern erneute längsschnittliche Datenerhebungen jeweils neue, von früheren Untersuchungen unbeeinflusste Mitarbeiter, die angeleitet werden müssen. Das Engagement aller an den Daten arbeitenden Mitarbeiter und Studenten wird auch dadurch gefördert, dass alle Ergebnisse in den längsschnittlichen Rahmen gestellt werden. So können Prädiktoren und Folgen der erfassten Variablen deren Bedeutung und Validität vergrößern.
Bindungsforschung
Bindungsforschung beruht auf der Bindungstheorie von John Bowlby und ihrer empirischen Umsetzung zunächst durch Mary Ainsworth. Sie befasste sich bis in die Mitte der 80er Jahre mit den Einflüssen mütterlicher Feinfühligkeit auf die sich entwickelnden Bindungsqualitäten bei Säuglingen und Kleinkindern.
Diese Bindungsqualitäten oder Bindungsmuster (patterns of attachment) werden traditionell als
- 'sicher' ('B')
- 'unsicher-vermeidend' ('A')
- und 'unsicher-ambivalent' ('C')
gekennzeichnet und stehen für die Organisation von Gefühlen und Verhalten bei aktiviertem Bindungssystem in Gegenwart einer individuellen Bindungsperson.
Mary Main erkannte neben den klassischen Verhaltensstrategien die Bedeutsamkeit von Desorganisation oder Desorientierung im Verhalten der Kinder ('disorganized/disoriented', 'D'). Jede der traditionellen Bindungsmuster kann auch in desorganisierter Form auftreten. Desorganisation spielt in klinischen Untersuchungen eine prominente Rolle. Gottfried Spangler (Spangler & Grossmann, 1993) belegte an Hand von Bestimmungen des Stresshormons Cortisol alle Formen von Desorganisation als 'bindungsunsicher'.
Für Eltern entwickelte Mary Main das Bindungsinterviews für Erwachsene ('Adult Attachment Interview'). Es erfasst sprachlich die Bindungsrepräsentation oder die Einstellung des Erwachsenen zu Bindungen. Auf diesen Standardmethoden und weiteren anderen beruhen auch unsere Längschnittuntersuchungen zur Bindungsentwicklung von Kindern in ihren Familien, die zu Beginn der Untersuchung keine Risikofaktoren aufwiesen (Grossmann & Grossmann, 2004).
Aktuelle Fragen der Bindungsforschung betreffen vor allem die weitere Entwicklung und Erscheinungsformen von Bindungsqualitäten, die anhand von Verhaltensmustern bestimmt werden, zur Bindungsrepräsentation in Kindheit und Erwachsenenalter, die anhand von Bindungsinterviews bestimmt werden, sowie auch die Wechselbeziehungen zwischen Bindungsverhalten und Bindungsrepräsentation im weiteren Verlauf der Entwicklung. Korrelationen zwischen den Bindungsrepräsentationen der Eltern und der Bindungsqualität ihres Kindes sind transgenerational mehrfach nachgewiesen worden.
Weiterhin geht es um Zusammenhänge zwischen Bindungsrepräsentation, Bindungsverhalten und psychologischer Adaptabilität, auf der Grundlage der Qualität des Fühlens, erklärenden Verstehens und handlungsfähigen Planens im Einklang mit der Wirklichkeit und dem Denken, Fühlen und Wollen nahe stehender Personen. Dies erfordert ein neuartiges, induktives, entdeckendes Vorgehen zur Gewinnung von Hypothesen, und ihrer statistischen ('beweisenden') Überprüfung. Trotz enormen Aufwandes kann dies nur längsschnittlich erfolgen, also durch wiederholte Erfassung derselben Probanden von der Geburt bis zum Erwachsenen, idealer Weise sogar bis zu deren eigener Elternschaft.
Die klinisch und therapeutisch orientierte Bindungsforschung hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen, was sehr im Sinne von John Bowlby ist, der die Bindungstheorie ursprünglich für seine klinisch arbeitende Zunft geschaffen hat.
Schüler, die ihre Dissertationen im Rahmen der Langzeitstudien durchführten
- Paul Lütkenhaus, Dr. phil. (1981)
- Marianne Schwabe-Höllein, Dr. phil. (1984)
- Gottfried Spangler, Dr. phil., O. Prof. Uni Erlangen(1986)
- Elisabeth Fremmer-Bombik, Dr. phil. (1987)
- Gerhard Süß, Dr. phil., o. Prof. HAW Hamburg(1987)
- Ulrike Wartner, Dr. phil. (1987)
- Inge Loher, Dr. phil. (1988)
- Hermann Scheuerer-Englisch, Dr. phil. (1989)
- Christine Stephan, Dr. phil. (1989)
- Beate Schildbach, Dr. phil. (1992)
- Petra August-Frenzel, Dr. phil. (1993)
- Mirjam Wensauer, Dr. phil. (1994)
- Peter Zimmermann, Dr. phil., o. Prof. Uni Wuppertal (1994)
- Michael Schieche, Dr. phil. (1996)
- Fabienne Becker-Stoll, Dr. phil. (1997)
- Birgit Böhm, Dr. phil. (1998)
- Markus Maier, Dr. phil., o. Prof. Ludwig-Maximilians-Universität München (2000)
- Heinz Kindler, Dr. phil. (2001)
- Babette Stadtler, Dr. phil. (2002)
- Kerstin Stöcker, Dr. Phil. (2003)
- Karin Strasser, Dr. phil. (2004)
- Anika Keppler, Dr. phil. (2004)
- Stefanie Scheitenberger, Dr. phil. (2005)
Links
International renommierte Bindungsforscher und deren Institute
- Prof. Everett Waters: Attachment Research and Theory at the University of Stony Brook (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Prof. Alan Sroufe und Prof. Byron Egeland: Institute of Child Development, University of Minnesota (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Prof. Mary Dozier, University of Delaware (externer Link, öffnet neues Fenster)
- Professores Dr. Howard and Dr. Miriam Steele, New School University, Graduate Faculty of Political and Social Science, New York (externer Link, öffnet neues Fenster)
Wirkungsstätten von Schülern und Kollegen im Bereich Bindung
Stand Feb. 2015
- Prof. Gottfried Spangler: Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: http://www.lst3.psych1.uni-erlangen.de/
- Prof. Peter Zimmermann, Bergische Universität Wuppertal
Lehrstuhl Entwicklungspsychologie FB G - Bildungs- und Sozialwissenschaften, Gaußstrasse 20, 42119 Wuppertal: http://www.entwicklungspsychologie.uni-wuppertal.de/team/univ-prof-dr-peter-zimmermann.html - Prof. Dr. Gerhard Suess, Psychologischer Psychotherapeut und Kinder-& Jugendlichen-Psychotherapeut, Professor für klinische und Entwicklungspsychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften - HAW - Fakultät Wirtschaft und Soziales - in Hamburg: http://www.bindungstheorie.de/
- Univ. Prof. Dr. Anna Buchheim, Lehrstuhl Klinische Psychologie II,
Institut für Psychologie, Universität Innsbruck, Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria, http://www.uibk.ac.at/psychologie/mitarbeiter/buchheim/ - Dr. Heinz Kindler am Deutschen Jugendinstitut : außeruniversitäres sozialwissenschaftliches Institut in München: http://www.dji.de/
- Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge, Regensburg: http://www.eb-regensburg.de/
- Univ.-Prof. Dr. Lieselotte Ahnert, Lehrstuhl für Entwicklungsförderung und Diagnostik, Universität Köln / Heilpädagogische Fakultät, Klosterstraße 79b, 50931 Köln: http://www.hrf.uni-koeln.de/de/main/einrichtungen/
- PD. Dr. med. Karl-Heinz Brisch, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie im Dr. von Haunersches Kinderspital, München: http://www.haunersches-kinderspital.de/
- PD Dr. phil Fabienne Becker Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik, Winzererstr. 9, Eckgebäude Nord, 80797 München, Telefon: +49-(0)89-99825-1900/1903, Telefax: +49-(0)89-99825-1919: http://www.ifp.bayern.de
- Dr. Ute Ziegenhain, Pädagogische Leitung und Forschungskoordination, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm, Steinhövelstrasse 5, 89075 Ulm; Tel.: 49(0)731/500 335 83, Fax: 49(0)731/41058: http://www.uni-ulm.de/klinik/kjp/
- Prof. Dr. Rüdiger Kißgen,Professur für Entwicklungswissenschaft und Förderpädagogik (Inklusion), Universität Siegen, Adolf-Reichwein-Str. 2, 57068 Siegen: http://www.bildung.uni-siegen.de/mitarbeiter/kissgen/
Gesellschaften mit Bezug zur Bindungsforschung
- GAIMH - Gesellschaft zur Förderung der seelischen Gesundheit in der frühen Kindheit : Deutschsprachige Tochtergesellschaft der World Association for Infant Mental Health: http://www.gaimh.de/
- Bundeskonferenz für Erziehungsberatung: http://www.bke.de/
- Fachhochschule Potsdam, FB Sozialwesen: Frühe Hilfen für Kinder und ihre Familie: http://sozialwesen.fh-potsdam.de
- International Society for the Study of Behavioral Development: http://www.issbd.org/
- Deutsche Liga für das Kind : Interdisziplinäres Zusammenschluss zahlreicher Vereine und Organisationen aus dem Bereich der frühen Kindheit: http://www.liga-kind.de/
- Deutsche Gesellschaft für Psychologie, Fachgruppe Entwicklungspsychologie: http://www.dgps.de/dgps/fachgruppen/entwicklung/
- ZERO TO THREE promotes the healthy development of our nation's infants and toddlers by supporting and strengthening families, communities, and those who work on their behalf: http://www.zerotothree.org/
- WAIMH (World Association of Infant Mental Health): Interdisciplinary and international association that promotes education, research, and study of the effects of mental, emotional, and social development during infancy on later normal and psychopathological development: http://www.waimh.org/
- The International Attachment Network promotes the study of attachment theory and related topics among psychotherapists, psychoanalysts, clinical psychologists, psychiatrists and other professionals (including social workers, teachers, and many others): http://www.attachmentnetwork.org/
- Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM), P.D. Dr. Gabriele Haug-Schnabel, Dr. Joachim Bensel, Obere Dorfstr. 7, 79400 Kandern: http://www.verhaltensbiologie.com/
SEAS: Society for Emotion and Attachment Studies. Viele spezielle Angebote zu Themen der Bindungsforschung. Alle 2 Jahre I nternational Attachment Conferences IAC.
Official scientific journal Attachment and Human Development.