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Thomas Karmann

Nachruf

Die Angehörigen des Lehrstuhls für Alte Kirchengeschichte und Patrologie trauern gemeinsam mit der gesamten Fakultät für Katholische Theologie um Thomas Rudolf Karmann, der am 15. November 2021 im Alter von 48 Jahren aus dem Leben gerissen wurde. Thomas Karmann war seit über zwanzig Jahren dem Lehrstuhl und der Fakultät eng verbunden.

Nach seinem vom Alumni-Verein der Universität mit dem Preis für ausgezeichnete Studienleistungen ausgezeichneten Studium und der von Norbert Brox und Franz Dünzl betreuten Diplomarbeit von 2001 war er bis 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl. 2006 promovierte er mit einer Arbeit über Meletius von Antiochien und den Neunizänismus, für die er den Preis der Dr. Kurt Hellmich-Stiftung für ökumenische Theologie erhielt. Danach arbeitete er bis 2014 als akademischer Rat a.Z. am Lehrstuhl. In dieser Zeit übernahm er auch Lehrstuhlvertretungen in Münster (2010-2011 für Alfons Fürst), Regensburg (2011-2012 für Andreas Merkt) und Freiburg (2013-2014 für Thomas Böhm).

Im Jahre 2014 wechselte er nach Innsbruck zu Günther Wassilowksy, wo er zunächst als Universitätsassistent das Fach Alte Kirchengeschichte und Patrologie vertrat und 2017 den Ruf auf die Professur für Kirchengeschichte und Patrologie annahm. Nach einem Ruf an die Universität Würzburg im Jahre 2021 lehrte er dort seit Beginn des Wintersemesters.

Im Jahre 2016 wurde er an der Universität Regensburg mit einer Arbeit zur Rezeption des matthäischen Stammbaums Jesu in der patristischen Literatur habilitiert, für die er den Preis der Armin Schmitt-Stiftung für biblische Textforschung erhielt. Im Jahre 2021 beriefen ihn die Direktoren des Centre for Advanced Studies “Beyond Canon” der Universität Regensburg zum Honorary Fellow.

Thomas Karmann hat sich durch seine Arbeiten zur altkirchlichen Trinitätstheologie und Bibelrezeption, zu antiken christlichen Apokryphen, zu Origenes und seiner Rezeption sowie zu Askese und Mönchtum in der Antike in der Fachwelt einen Namen gemacht. Kollegen und Kolleginnen erinnern sich gerne an seine angenehme, ruhige, stets besonnene und freundliche Art. An erster Stelle standen für ihn die Studierenden, für die er stets eine offene Tür und ein offenes Herz hatte.

Thomas Karmann hat Theologie immer in dem Bewusstsein betrieben, dass sie sich im Dialog der Wissenschaften zu entfalten und zu legitimieren hat, gleichzeitig aber in der Kirche beheimatet ist und ihr auch die Aufgabe obliegt, dem religiösen Leben zu dienen. Und er war davon überzeugt, dass christlicher Glaube auch immer soziale Verantwortung mit sich bringt. In diesem Sinne hat er sich selbst immer wieder engagiert, kirchlich, vor allem in der Pfarrei St. Martin in Deggendorf, aber auch politisch, unter anderem acht Jahre lang als Stadtrat und städtischer Kinder- und Jugendbeauftragter von Deggendorf.

Wir haben nicht nur einen großartigen Wissenschaftler und engagierten akademischen Lehrer verloren, sondern auch einen äußerst liebenswürdigen Menschen. Unsere Anteilnahme gilt seiner geliebten Frau Kerstin.

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