Mystikrezeption und scholastisches Erbe in Müntzers Theologie
Thomas-Müntzer-Gesellschaft e.V. - Veröffentlichungen, Band 32
Johannes Elberskirch und Andreas Zecherle
Der Höhepunkt des Bauernkriegs mit der Schlacht am 15. Mai 1525 Frankenhausen zeigt schonungslos und tragisch, wie an Thomas Müntzers geistverklärter Weltsicht tausende Menschen zugrunde gehen, ohne dass sein eigenes Prophetentum und sein Autoritätsanspruch zerbrechen. Müntzers Agitationen zwischen menschlicher Katastrophe und prophetischem Absolutheitsanspruch sowie sein Wirken zwischen mystischer Versenkung und apokalyptischer Raserei sind zwar existentiell kaum nachvollziehbar, werden aber in der autoritätsfixierten thomistischen Perspektive theologisch in sich konsistent und damit erschreckenderweise rational erklärbar, was dieses Buch nachzuzeichnen versucht.
Verlag Mühlhäuser Museen
Mühlhausen 2026
ISBN 978-3-911660-02-0
Die im Jahr 2000 begründete Schriftenreihe der Thomas-Müntzer-Gesellschaft widmet sich sowohl dem Leben und Werk des radikalen Reformators Thomas Müntzer im Hinblick auf Reformation und Bauernkrieg als auch der Erforschung der Rezeptionsgeschichte. Redaktionell betreut wird die Reihe vom Vorstand der Gesellschaft, dem Stadtarchiv Mühlhausen sowie den Mühlhäuser Museen.
Thomas-Müntzer-Gesellschaft - Mühlhäuser Museen (externer Link, öffnet neues Fenster)
Schrift und Geist bei Thomas Müntzer
Eine systematische Analyse im Kontext der scholastischen Theologie seiner Zeit
Johannes Elberskirch
Spätmittelalter, Humanismus, Reformation / Studies in the Late Middle Ages, Humanism, and the Reformation (SMHR) Band 142
Wer ist aus welchem Grund berechtigt, über den Glauben verbindlich zu reden? Das ist die Schlüsselfrage religiöser Kommunikation, die mitten in die Problematik legitimer Autorität führt. Für Thomas Müntzer gründet die Glaubensautorität in der persönlichen Geistinspiration, die den Gläubigen die objektive Wahrheit und subjektive Erlösung göttlich garantiert. Seine inhaltliche Abgrenzung zum römischen Autoritätsverständnis hat formal gerade dieselbe Struktur wie dieses Verständnis und überträgt somit das, was in der vor- und antireformatorischen Theologie für die römische Kirche gilt, auf die einzelnen geistbegabten Gläubigen. Diese personale Realisierung ekklesialer Vollmacht bildet zugleich Grund und Dynamik des radikalen Flügels der reformatorischen Bewegung.
Diese Arbeit wurde mit dem Dissertationspreis der Universität Münster 2023 ausgezeichnet.
Verlag Mohr Siebeck Tübingen
2025
ISBN: 978-3-16-163948-7
Schrift und Geist bei Thomas Müntzer (externer Link, öffnet neues Fenster)
Die Reihe Spätmittelalter, Humanismus, Reformation (SMHR) ist dem Zeitraum vom späten 13. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert mit den beiden Epochen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit gewidmet. Dabei richtet sich der Blick besonders auf die religiösen Impulse, wie sie etwa in den Kirchenreformbewegungen und der Reformation hervortraten.
Herausgegeben von Volker Leppin in Verbindung mit Christian Jaser, Beth Plummer, Matthias Pohlig, Eva Schlotheuber und Klaus Unterburger