Laufende Habilitationsprojekte
Rebecca Deurer: 'Hinduismus' im Religionsunterricht –ein herausforderndes Thema im Spiegel von Schulbüchern
Ziel der Arbeit ist es durch den kritischen Vergleich von deutsch- und englischsprachigen Schulbüchern Einblicke in die Darstellung des ‚Hinduismus‘ und dessen Relationierung zu anderen Religionen sowie in die Eigenheit der didaktischen Annäherungen im schulischen Kontext zu gewinnen und ausgehend hiervon Perspektiven für verantwortungsvoll gestaltete religiöse Lernprozess zum ‚Hinduismus‘ zu entwickeln. Diesem analytischen Vergleich von deutsch- und englischsprachigen Schulbüchern liegt die Zuversicht zugrunde, dass einerseits die unterschiedlichen Sichtweisen des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts in Deutschland und des nicht-bekenntnisorientierten Unterrichts in England auf den ‚Hinduismus‘ die Schulbücher prägen und andererseits durch den Vergleich Erkenntnisse über die verschiedenen didaktischen Annäherungen gewonnen werden können.
Abgeschlossene Dissertationsprojekte
Christina Hofmann: Jugendliche Ungerechtigkeitserfahrungen als Schlüssel und Wegweiser ethisch-religiöser Bildung. Eine qualitativ-empirische Studie in religionspädagogischem Interesse
Kontext:
Im Unbehagen an der – von wenigen Ausnahmen abgesehen – kognitiven Verengung im religionspädagogischen Diskurs ethischen Lernens lenkt das geplante Forschungsprojekt in Verschränkung theologischer und humanwissenschaftlicher sowie empirischer Perspektiven das Interesse auf konkrete lebensgeschichtliche Ungerechtigkeitserfahrungen heutiger Jugendlicher. Die qualitativ-empirische Fokussierung dieser negativen moralischen Erfahrungen vor dem Hintergrund ihrer moralpädagogischen Bedeutung greift Fritz Osers Theorie einer negativen Moralität auf und geht ihr zugleich auf den Grund.
Ziel:
Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, die Relevanz von autobiografischen Ungerechtigkeitserfahrungen mitsamt ihrer moralisch relevanten Emotionen sowie impliziter Gerechtigkeitsverständnisse für ethische Lernprozesse systematisch zu ergründen und zu reflektieren.
Methode:
Als Rahmenkonzept der Erhebungs- und Auswertungsmethode dient das Vorgehen der Grounded Theory. In einer breiten Stichprobe sollen Jugendliche in ihrer eigenen Sprache und aus ihrer Perspektive eine persönliche Erfahrung von Ungerechtigkeit schriftlich erzählen. Die thematisch relevanten Schriftdokumente werden einerseits fallübergreifend durch theoretisches Kodieren ausgewertet, wobei die Eigenstruktur und Eigenart der Ungerechtigkeitserfahrungen sowie Kriterien jugendlicher Gerechtigkeitsverständnisse und der Stellenwert religiöser Bezugshorizonte und Deutungsmuster fokussiert wird. Um andererseits auch tiefer in die komplexe innere Struktur einzelner Fälle vorzudringen, werden die Kodierprozesse der Grounded Theory durch die sequentielle Fokussierung ausgewählter Schlüsselpassagen ergänzt.
Die vorgestellte Dissertation wurde 2020 von der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg unter dem Titel "'Das fand ich wirklich ungerecht!' Eine empirisch-religionspädagogische Studie zu jugendlichen Ungerechtigkeitserfahrungen im Kontext ethisch-religiöser Bildung" angenommen.
Rebecca Mariadasa: Ein Text, zwei Menschen, drei Ansichten. Interaktive Interpretationen eines biblischen Textes in Unterrichtsgesprächen
Kontext:
Das Verstehen als dynamischer Prozess im dialogischen und dialektischen Geschehen zwischen Leser und Text wird in der Rezeptionsforschung fokussiert. Ausgangspunkt dieser Entwicklungen ist der Leser als Rezipient. Der nicht-physisch anwesende Autor tritt in den Hintergrund, während dem Leser eine maßgebliche Rolle für das Verständnis des Textes zugemessen wird. Innerhalb der deutschsprachigen Theologie gewann der „Akt der Verständigung zwischen Bibeltext und Rezipient“ (Theis (2005) 116) seit Ende der 1980er Jahre an Bedeutung. Paradoxerweise wurde der „Akt des Lesens“ (Iser (1994)) – auch in der religionspädagogischen Forschung – primär als individueller Rezeptionsprozess betrachtet. Unbeachtet blieb bis in die Gegenwart hinein die gemeinschaftliche Kommunikation über den schriftlichen Text. Dabei können insbesondere in der Kommunikation „die jungen Menschen von ihren unterschiedlichen Lebenswelten her in [einen] reflektierten Dialog mit dem kirchlichen Glauben“ (Lehrplan für das Gymnasium in Bayern (2005)) gelangen.
Ziel:
Ziel des religionspädagogischen Forschungsprojektes ist es, interaktive Interpretationen eines biblischen Textes in offenen Unterrichtsgesprächen zu dokumentieren und zu analysieren. Hierbei soll über die handlungsbezogene Nutzbarmachung, Auswertung und Systematisierung des biblischen Textes von Seiten der Schülerinnen und Schüler in der Kommunikation im Religionsunterricht Aufschluss erhalten werden.
Interaktive Interpretationen werden als wechselseitig beeinflusste Übersetzungen des biblischen Textes im Medium des Gesprächs definiert, da es im Gespräch zu einem „‘Hin-und-her-Laufen’ zwischen den Gedanken und Ideen“ (Kolenda (2010) 34) der beteiligten Personen kommt. Diese Interaktion wird im vorliegenden Projekt als „wechselseitige Beeinflussung von Einstellungen, Erwartungen und Handlungen“ (Christmann (1999) 24) angesehen. Der Terminus Interpretation weist darauf hin, dass sich der Leser im Prozess des Lesens dem Text verstehend, erklärend und deutend annähert. In diesem Prozess übersetzt der Leser den Text für sich so, dass er diesen auf der Grundlage seines eigenen Verständnisses nachvollziehen kann.
Methode:
Die Forschungsaufgabe, biblische Lernprozesse in Unterrichtsgesprächen zu dokumentieren und zu analysieren, legt die Erarbeitung einer qualitativen Erhebungsmethode nahe. Hierfür sollen vier Unterrichtsstunden mit Unterrichtsgesprächen über Kain und Abel (Gen 4) in vier oberpfälzischen Religionsklassen der 10. Jahrgangsstufe aufgezeichnet werden. Angeregt durch Krummheuers „Interaktionsanalyse“ und Porzelts „Syntaktisch-semantischer Intensivanalyse“ werden unter der Perspektive der Interaktion die Syntax und die Semantik der Unterrichtsgespräche untersucht.
Abschluss:
Die vorgestellte Dissertation wurde 2016 von der Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg unter dem Titel "Ein Text, zwei Menschen, drei Lesarten. Interaktive Interpretationen eines biblischen Textes in Unterrichtsgesprächen" angenommen und 2017 mit dem Kulturpreis Bayern der Bayernwerk AG und des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
Literatur:
Deurer, Rebecca: Ein Text, zwei Menschen, drei Ansichten. Interaktive Interpretationen eines biblischen Textes in offenen Unterrichtsgesprächen (Religionspädagogische Bildungsforschung: Bd. 4), Bad Heilbrunn (Klinkhardt) 2018.
Eva Stögbauer: Die Frage nach Gott und dem Leid bei Jugendlichen wahrnehmen. Eine qualitativ-empirische Spurensuche
Kontext:
Mit Karl Ernst Nipkow (1987) galt das Theodizeeproblem als die wahrscheinlich größte Einbruchstelle und damit Schwierigkeit im Gottesglauben Jugendlicher überhaupt. Dem entgegen stellte das Forscherteam um Werner H. Ritter und Helmut Hanisch knapp 20 Jahre später fest, dass Kinder und Jugendliche ihrer Stichprobe die Theodizeefrage nur selten explizit thematisieren und weitgehend unspektakulär einer Lösung zuführen. Damit stellt sich die Frage, ob das das Theodizeeproblem aus der Sicht Heranwachsender noch eine wichtige Anfrage an einen personal gedachten Gott ist und welche religionspädagogischen Konsequenzen daraus für schulische Lehr-Lern-Prozesse zu ziehen sind.
Ziel:
Ziel des Dissertationsvorhabens ist es, auf empirischer Ebene zu rekonstruieren, wie die Frage nach Gott und dem Leid in die Gotteskonzeptionen Jugendlicher eingeschrieben ist und welche Erkenntnisse daraus für das Verständnis von Gott in der (religiösen) Gedankenwelt Heranwachsender resultieren.
Methode:
Als Rahmenkonzept der Erhebung und Auswertung dient die Grounded Theory als qualitativer Forschungsstil. In einer breit angelegten Stichprobe (N=265) produzierten Schüler:innen der 10.-12. Jahrgangsstufe an bayerischen Gymnasien anonym schriftliche Äußerungen zu dem Impuls „Ich stelle mir Gott vor“, der die Frage nach Gott und dem Leid bewusst nicht induzierte. Der Auswertungslogik der Grounded Theory folgend werden die in den empirischen Daten identifizierten Phänomene in drei Kodierprozessen (dem offenen, axialen und selektiven Kodieren) interpretiert. Verknüpft mit dem Verfahren der empirisch begründeten Typenbildung werden die verschiedenartigen Ausgestaltungen der Theodizeefrage im Kontext der individuellen Gotteskonzepte und Glaubenspositionierungen nachgezeichnet und erklärbar gemacht.
Abschluss:
Die vorgestellte Dissertation wurde 2009 von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg unter dem Titel " Die Frage nach Gott und dem Leid bei Jugendlichen wahrnehmen. Eine qualitativ-empirische Spurensuche " angenommen.
Literatur:
Stögbauer, Eva Maria: Die Frage nach Gott und dem Leid bei Jugendlichen wahrnehmen. Eine qualitativ-empirische Spurensuche (Religionspädagogische Bildungsforschung; Bd. 1), Bad Heilbrunn (Klinkhardt) 2011.
Stögbauer, Eva, Wie denken Jugendliche Gott – angesichts des Leids? Eine qualitativ-empirische Spurensuche, in: Religionspädagogische Beiträge 58/2007, 97-100.
Stögbauer-Elsner, Eva, Grounded Theory (Method), in: WiReLex. Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon im Internet, 2018 (https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/200257/ (externer Link, öffnet neues Fenster))