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Aktuelle und kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekte

 

Wenn selektiver Abruf zu Vergessen führt

Der Abruf von Erinnerungen kurz nach ihrer Einspeicherung in das Gedächtnis kann zum Vergessen anderer Erinnerungen führen. Inhibitorische Prozesse spielen dabei eine kritische Rolle. Um den gezielten Abruf bestimmter Erinnerungen zu erleichtern, werden andere, potenziell störende Erinnerungen aktiv inhibiert, was zu einer Schwächung der Gedächtnisrepräsentation dieser Erinnerungen und so zu einer Beeinträchtigung ihres Erinnerns führt. Inhibierte Erinnerungen zeigen dann ein geringeres Vergessen über die Zeit, was auf einen mit der Zeit nachlassenden Inhibitionseffekt hinweist.

Zentrale Publikationen:

  • Bäuml, K.-H. (2002). Semantic generation can cause episodic forgetting. Psychological Science, 13, 357-361. view full text as pdf
  • Bäuml, K.-H. & Kuhbandner, C. (2007). Remembering can cause forgetting - but not in negative moods. Psychological Science, 18, 111-115. view full text as pdf

 

Wenn selektiver Abruf Erinnerungen auffrischt

Wenn der Abruf von Erinnerungen einige Zeit nach ihrer Einspeicherung in das Gedächtnis erfolgt und diese Erinnerungen deshalb bereits das typische Vergessen über die Zeit aufweisen, zeigt sich die zweite Seite selektiven Abrufs. In diesem Fall kann der Abruf von einigen Erinnerungen den Abruf anderer Erinnerungen verbessern. Kontextreaktivierungsprozesse spielen dabei eine zentrale Rolle. Der selektive Abruf reaktiviert den zeitlichen Kontext während der Einspeicherung und induziert so einen Neustart für den Abruf anderer, zur selben Zeit eingespeicherter Erinnerungen. Der Neustart führt zu einer effektiven Verjüngung dieser Erinnerungen.

Zentrale Publikationen:

  • Bäuml, K.-H. T. & Trißl, L. (2022). Selective memory retrieval can revive forgotten memories. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119, e2114377119. view full text as pdf
  • Bäuml, K.-H. T., Meixensperger, S. R., & Hirsch, M. L. (2025). Reinstating memories' temporal context at encoding causes Sisyphus-like memory rejuvenation.  Proceedings of the National Academy of Sciences, 122, e2114377119view full text as pdf

 

Wenn sich Gedächtnis aktualisiert

Das Ersetzen veralteter, inzwischen irrelevanter Erinnerungen durch neuere, relevantere Erinnerungen ist der Schlüssel zu einem effizienten Gedächtnissystem. Eine solche Aktualisierung des Gedächtnisses kann im Labor demonstriert werden. Nach dem Einspeichern einiger Erinnerungen werden Probanden gebeten, die (angeblich veralteten) Erinnerungen wieder zu vergessen, bevor sie andere (angeblich relevantere), neuere Erinnerungen einspeichern sollen. Der Vergessenshinweis beeinträchtigt den Zugriff auf das veraltete Material und verbessert gleichzeitig das Einspeichern des neueren Materials - wodurch eine Aktualisierung des Gedächtnisses entsteht.

Zentrale Publikationen:

  • Pastötter, B. & Bäuml, K.-H. (2010). Amount of postcue encoding predicts amount of directed forgetting. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, & Cognition, 36, 54-65. view full text as pdf
  • Abel, M. & Bäuml, K.-H. T. (2017). Collaborative remembering revisited: Study context access modulates collaborative inhibition and later benefits for individual memory. Memory & Cognition, 45, 1319-1334. view full text as pdf

 

Wenn das wiederholte Abtesten von Lernmaterial Erinnern verbessert

Die wiederholte Abrufübung von eingespeicherten Erinnerungen verbessert den späteren Abruf dieser Erinnerungen im Vergleich zu einer Situation, in der die Erinnerungen nur wiederholt präsentiert werden. Wiederholt abgerufene Erinnerungen zeigen sowohl ein geringeres Vergessen über die Zeit als auch eine geringere Anfälligkeit für Interferenzen durch andere Erinnerungen. Selbst das spätere Einspeichern weiterer Erinnerungen profitiert von einer solchen Abrufübung, was Abrufübung zu einer interessanten Lernmethode für viele Anwendungsbereiche macht.

Zentrale Publikationen:

  • Pastötter, B., Schicker, S., Niedernhuber, J., & Bäuml, K.-H. T. (2011). Retrieval during learning facilitates subsequent memory encoding. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, & Cognition, 37, 287-297. view full text as pdf
  • Kliegl, O. & Bäuml, K.-H. T. (2016). Retrieval practice can insulate items against intralist interference: Evidence from the list-length effect, output interference, and retrieval-induced forgetting.  Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 42, 202-214. view full text as pdf

 

Neuronale Korrelate des Einspeicherns und Vergessens

Wenn neue Erinnerungen im Gedächtnis eingespeichert oder bereits eingespeicherte Erinnerungen abgerufen werden, werden bestimmte Gehirnregionen aktiv. Dabei treten Veränderungen in den Gehirnoszillationen auf, die sich häufig in Amplitudenänderungen in bestimmten Frequenzbändern widerspiegeln. Die beteiligten Gehirnregionen und die Auswirkungen auf die Gehirnoszillationen variieren dabei je nach Situation und unterscheiden sich auch zwischen Einspeicherung und Abruf. Die involvierten neuronalen Marker korrelieren dabei oftmals mit der Gedächtnisleistung von Probanden.

Zentrale Publikationen:

  • Hanslmayr, S., Spitzer, B., & Bäuml, K.-H. (2009). Brain oscillations dissociate between semantic and non-semantic encoding of episodic memories. Cerebral Cortex, 19, 1631-1640. view full text as pdf
  • Hanslmayr, S., Volberg, G., Wimber, M., Raabe, M., Greenlee, M. & Bäuml, K.-H. T. (2011). The relationship between brain oscillations and BOLD signal during memory formation: a combined EEG-fMRI study. The Journal of Neuroscience, 31, 15674-15680. view full text as pdf

 

Gedächtnis bei Kindern und älteren Erwachsenen

Die Gedächtnisleistung von Kindern und älteren Erwachsenen ist im Vergleich zu der bei jungen Erwachsenen in vielerlei Hinsicht beeinträchtigt. Zu den Beeinträchtigungen gehören reduzierte Wirkungen selektiven Gedächtnisabrufs, eine ineffiziente Gedächtnisaktualisierung und eine verminderte positive Wirkung von Gedächtnisabruftrainings. Diese Unterschiede zeigen sich dabei vor allem bei Kindergartenkindern und älteren Erwachsenen ab 75 Jahren und weitaus weniger bei älteren Kindern und älteren Erwachsenen.

Zentrale Publikationen:

  • Aslan, A., Bäuml, K.-H. & Pastötter, B. (2007). No inhibitory deficit in older adults’ episodic memory. Psychological Science, 18, 72-78. view full text as pdf
  • Aslan, A. & Bäuml, K.-H. T. (2014). Later maturation of the beneficial than the detrimental effect of selective memory retrieval. Psychological Science, 25, 1025-1030. view full text as pdf

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