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Minne als Kulturphänomen im Mittelalter
(interdisziplinäre Veranstaltung mit der Geschichtswissenschaft)

Die höfische Kultur des Hochmittelalters ist ohne die Inszenierung von Minne nicht denkbar. Eine Gleichsetzung mit unserem modernen Begriff 'Liebe' greift dabei zu kurz. Vielmehr ist der Begriff 'Minne' eine Chiffre, hinter der sich ein vielschichtiges Konzept kultureller Praxis verbirgt, die im 12. und 13. Jahrhundert eine Blüte erlebt. Vor allem literarische Quellen legen davon Zeugnis ab - und sind gleichzeitig selbst Ausdruck kulturellen Handelns.

In der Übung werden wir anhand der Lektüre mittelhochdeutscher Texte unterschiedlichster Genres die vielfältigen Facetten des Phänomens 'Minne' in den Blick nehmen, kulturgeschichtlich verorten und die Wechselbeziehung zwischen Literatur, Kultur und den zeithistorischen Realismen beleuchten.

Kooperationsprojekt mit dem Forum Mittelalter der Universität Regensburg

Regelmäßige Lehrveranstaltungen zu Literatur als kulturgeschichtliche Quelle für HistorikerInnen, vornehmlich für den Masterstudiengang "Kulturgeschichtliche Mittelalterstudien".

WS 22/23: Wann ist ein Mann ein Mann? Ein kulturgeschichtlicher Lektürekurs zu Männlichkeitskonzepten in mittelhochdeutschen Texten

Männer können vieles sein: gefühlvoll, aggressiv, machtbewusst, gottesfürchtig, höfisch-galant, angsterfüllt, empathisch, triebgesteuert, tapfer, hilflos. Aber wann ist welches Verhalten zielführend? Im frühen und hohen Mittelalter findet in vielen Denk- und Lebensbereichen (z.B. Theologie, Philosophie, Medizin, Rechtsprechung, Politik, Literatur) eine Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und damit auch mit Männlichkeitskonzepten statt. Bei der Reflexion und Analyse historischer Geschlechterkulturen spielt die textuelle Konstruktion von Männlichkeit eine zentrale Rolle. Trotz ihrer eigenen Bedingungen und Möglichkeiten bieten literarische Texte ein besonders reiches Untersuchungsfeld für Wort gewordene Rollenmuster - sowie für die narrativ konstituierten sozialen und politischen Problemzusammenhänge.

In der Übung werden wir anhand der Lektüre verschiedenster mittelhochdeutscher Textausschnitte unterschiedliche Männlichkeitsentwürfe in den Blick nehmen und dabei unter anderem den (vermeintlichen?) Zusammenhang von biologischer Verfasstheit und sozialer Rolle sowie die Funktion der entsprechenden Männlichkeitskonzepte untersuchen.

WS 21/22: Der König weint. Ein kulturgeschichtlicher Lektürekurs zur Darstellung von Emotionalität in mittelhochdeutschen Texten (Mi 12-14).

Freude, Zorn, Angst, Scham, Trauer, Neid oder der emotional-spirituelle Komplex der compassio, der spezifisch für die Kultur des Mittelalters ist - Emotionen sind nicht nur sozial, sondern auch sprachlich vermittelte Phänomene. Entsprechend spielt bei der Reflexion und Analyse historischer Emotionskulturen die Arbeit mit Texten eine zentrale Rolle. Trotz ihrer eigenen Bedingungen und Möglichkeiten bieten literarische Texte ein reiches Untersuchungsfeld für Wort gewordene Emotionen - sowie für die narrativ konstituierten sozialen und politischen Problemzusammenhänge.

In der Übung werden wir anhand der Lektüre verschiedenster mittelhochdeutscher Textausschnitte sozial und funktional differenzierte Emotionskulturen (höfisch, monastisch, politisch, religiös) in den Blick nehmen und die Bedeutungsdimensionen der "erzählten" Emotionen gemeinsam erschließen. Dabei werden wir uns auch mit Fragen nach der Kontinuität und Alterität von Emotionen in mittelalterlichen Texten gegenüber vergleichbaren Emotionskonzepten der Gegenwart auseinandersetzen.

Es wird die Bereitschaft zur umfangreichen Lektüre mittelhochdeutscher Texte vorausgesetzt!

Ein Reader mit den entsprechenden Textausschnitten wird ab Mitte September bereitgestellt.

vergangene Projekte

Praxisbezug in den Lehramtsstudiengängen

Für Studierende der Lehramtsstudiengänge wird auf Seminarebene ein stärkerer Praxisbezug angestrebt: Verstärkte Zusammenarbeit mit der Fachdidaktik und mit Lehrern und Lehrerinnen an Regensburger Gymnasien.
Im vergangenen Studienjahr wurden zu zwei mediävistischen Seminaren ein Gymnasiallehrer und eine -lehrerin eingeladen. Sie gestalteten je eine Seminarsitzung zum Themenkomplex "Mittelalterliche Literatur in der Schule". Es wurden Anwendungsbeispiele und konkrete Unterrichtsprojekte vorgestellt.
•Handlungsorientierter Literaturunterricht am Beispiel des Nibelungenlieds als Ganzschrift in der 7. Jahrgangsstufe des Gymnasiums (Studienrat Dr. Markus Rostek, Gymnasium Untergriesbach).
•Integrativer Deutschunterricht am Beispiel des Nibelungenlieds in der 7. Jahrgangsstufe (Studienrätin Anita Früchtl, M.A., Goethe-Gymnasium Regensburg).
•Januar 2012: Gastvortrag von Prof. Dr. Ina Karg, Universität Göttingen: "ich will dich list ê lêren". Ein mittelalterlicher Erfolgsroman im heutigen Deutschunterricht.
In den Seminaren von Dr. Sonja Emmerling können für Seminararbeiten neben herkömmlichen literaturwissenschaftlichen Themen auch Themen zum o.g. Themenkomplex gewählt werden. Diese Arbeiten werden bei Bedarf von der ÄdL und der Fachdidaktik gemeinsam betreut.
Die Universität Regensburg unterstützt diesen verstärkten Praxisbezug durch das neu gegründete Schulnetzwerk "dialogUS", das im Bereich der Lehramtsstudiengänge die Zusammenarbeit zwischen Schule und Universität intensivieren will.

Zertifikat Gender Kompetenz

Ab dem Studienjahr 2011/2012 soll für Studierende aller Fächer die Möglichkeit geschaffen werden, eine Zusatzqualifikation "Gender Kompetenz" zu erwerben. Um das Zertifikat zu erwerben, müssen zwei theoretisch orientierte Einführungskurse zum Thema "Gender Studies" sowie ein thematisch einschlägiges fächerübergreifendes Seminar besucht werden. An diesem Seminar wird sich auch die ÄdL beteiligen.

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