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Frauenrollen in den Dramen Lessings

Von zeitgenössischen Filmen kommend, ging es nun weit zurück zu einem der einflussreichsten deutschen Dramatiker, nämlich zu Gotthold Ephraim Lessing. Die Projektgruppe, die diese Fallstudie ausgearbeitet hat, interessierte sich ebenfalls besonders für Genderfragen. Wenn Lessing schon das Drama seiner Zeit, also des ausgehenden 18. Jahrhunderts, so maßgeblich vorangebracht hat, kann man in seinen Dramen dann auch eine fortschrittlichere Repräsentation von Frauenfiguren erkennen? Nun, hier zeigt eine rein quantitative Analyse keine eindeutigen Trends. Zwar gibt es mit Miß Sara Sampson ein Drama Lessings, das mit 45:55 fast ein ausgeglichenes Verhältnis von weiblichen und männlichen Figuren aufweist. Nahe dran sind auch der Misogyn (43:57) und Damon oder die wahre Freundschaft (40:60). Dafür gibt es aber auf der anderen Seite auch Dramen in der Stichprobe, in denen ausschließlich Männerfiguren auftreten. Interessant ist aber auch wieder das Mittelfeld: Die meisten Dramen zeigen einen Gender-Gap, der zwischen 80:20 und 70:30 liegt. 

Themen der Schriftstellerinnen des Fin-de-Siècle, die in ihren Novellen dargestellt werden

Sowohl was den Gegenstand als auch das Erkenntnisinteresse angeht, kommen wir nun zu einem im Rahmen dieser Konferenz-Simulation ungewöhnlichen Projekt. Von der Projektgruppe wurde ein Themenkatalog nach Sach Sorg (2018) zusammengestellt, der Themen beinhaltet, die für Novellen der Fin-de-Siècle-Literatur als bedeutsam benannt wurden. Dieses Kategoriensystem umfasst die Themen:

  • Tod
  • Dekadenz
  • Erotik
  • Schwermut
  • Untergang

Besonders interessiert hat die Projektgruppe, wie diese Themen in Novellen von Schriftstellerinnen vertreten sind. Das 20 Novellen umfassende Korpus beinhaltet u.a. Texte von Lou Andreas-Salomé, Ricarda Huch, Marie von Ebner-Eschenbach und Isolde Kurz. In einem Close-Reading-Ansatz wurden alle 20 Novellen manuell annotiert, d.h. jede Novelle wurde sehr genau gelesen und dabei mit Anmerkungen versehen. So wurde offenbar, dass das Thema “Tod” in nahezu allen (19 von 20) Novellen vorkommt. Dennoch ist es in vielen Novellen nicht das dominante Thema. Die Todesthematik zeigt also eher eine Art Dauerpräsenz, während die Themen “Schwermut” und “Erotik” in weniger Novellen vorkommen, dafür aber eine stärkere thematische Dominanz zeigen. Die Themen Dekadenz und Untergang spielen in diesem Korpus eine eher untergeordnete Rolle. Das weibliche Schreiben in Novellenform beschäftigt sich um die Jahrhundertwende 1899/1900 dementsprechend viel mit den Themen “Tod”, “Schwermut” und “Erotik”. Ein Umstand, der auf den historischen Kontext zurückzuführen ist, in dem Frauen häufig Pflegeaufgaben übernommen haben? Um hier zu tieferer Erkenntnis zu gelangen, braucht es eine noch breitere Datenbasis, so eine der Schlussfolgerungen der Projektgruppe.

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