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Lehre

In der Lehre legt der Lehrstuhl für Spanische und Französische Kultur- und Literaturwissenschaft Wert auf partizipative und innovative Formate. Diese reichen vom Projektseminar „Medienikonen Lateinamerikas“ mit Kreativarbeiten der Studierenden und abschließender Vernissage über praxisbezogene kulturwissenschaftliche Seminare zu regionalen Identitäten bis hin zu Schreibworkshops mit hispanophonen Autoren aus den USA.

In öffentlichen Lesungen, Ateliers und Talleres kommen Studierende mit Dichtern aus Haiti in Kontakt, erfahren von preisgekrönten Comic-Autorinnen, wie eine Graphic Novel entsteht, erleben Regisseure aus Lateinamerika live und sprechen mit Vertreter:innen des autochthonen Kinos aus Québec.

In Kooperation mit lokalen Schulen laden wir Französisch- und Spanischlernende zu interaktiven Workshops und Schnupperseminaren ein.

Kulturräumlich reicht unsere Lehre von Spanien und Frankreich über den Maghreb bis in die hispanophonen und frankophonen Amerikas, darunter Argentinien, Kuba, Haiti, Mexiko und Québec.

Thematisch lehren wir vom spanischen Barock bis zum kubanischen Neobarock, von Behinderung im französischen Kino über Geschichtsschreibung im Comic und machen Lehramtsstudierende mit den Texten des klassischen Staatsexamenskanons vertraut.

Eindrücke unseres Lehrangebots

Vernissage des Projektseminars “Medienikonen Lateinamerikas”

 Schreibworkshop #NewLatinoBoom mit Oswaldo Estrada

Wie entsteht eine Graphic Novel? Soirée mit Nadia Nakhlé

Gespräch "Autochthones Kino aus Québec"

Soirée de Poésie mit Dieulermersson Petit Frère

Exkursion Seminar "Yasmina Reza" ins Schauspiel Bonn

Aktuelles Lehrangebot - Wintersemester 2026/27

Apl. Prof. Dr. Dagmar Schmelzer

Situated Landscapes. Die (Neu-)Verhandlung von Wissensordnungen und Weltsichten über das Dispositiv der Landschaft in deutschen und französischsprachigen Kulturzusammenhängen

„Landschaft“ ist ein Begriff, der den menschlichen Blick auf den betrachteten Weltausschnitt aus einer spezifischen Perspektive per definitionem bereits einschließt. Dennoch wurde in der Geschichte der Landschaftsmalerei dieser Blick zunehmend als ein geometrisch-mathematischen Prinzipien gehorchendes, universell-menschlichen, physisch vorgegebenen Wahrnehmungsbedingungen unterworfenes Dispositiv verstanden. Die „quasi natürliche“ Tiefenillusion über die Konstruktion eines Fluchtpunkts, die Gliederung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund und die nach vermeintlicher Entfernung gestaffelte Größendarstellung der im Raum platzierten Objekte, die ab der Renaissance für die westliche Malerei maßgeblich wird, gibt eine Ordnung vor, die sich an den Sehgewohnheiten mit menschlichen Augen im Alltag orientiert und die Künstlichkeit ihrer Darstellung „normalisiert“, so dass sie nicht mehr als konstruiert und artifiziell wahrgenommen wird. Mit der Erfindung der Fotografie und ihrer technisch-medialen „Reproduktion von Wirklichkeit“ (Bazin) wird dieser Eindruck der Unhintergehbarkeit und Objektivität von Landschaftsbildern verstärkt.

Diese Konventionen verstellen den Blick auf die Tatsache, dass auch der Blick auf die Landschaft von Wissensordnungen und Weltsichten geprägt ist und somit abhängig ist von den Prämissen und Machtverhältnissen, die diese „kulturellen Selbstverständlichkeiten“ prägen. Ihre Wahrnehmung ist einem besonderen sowohl visuellen als auch affektiven Aneignungsprozess unterworfen (A. W. Schlegel, „Die Landschaft als solche existiert nur im Auge ihres Betrachters”).

Ausgehend vom Konzept der grundsätzlichen „situatedness“ von Wissen (Haraway 1988), wollen wir im Seminar diese Universalität von Landschaftsdarstellungen in visuellen Medien (Malerei, Fotographie, Film) und in der Literatur hinterfragen. Haraway wählt als Ausgangspunkt einen feministischen Standpunkt. Ebenso kann man das Konzept auf andere „dezentrierte“ und „dezentrierende“ Perspektiven anwenden, die Machtdiskurse aus europäisch-westlicher, weißer, männlicher Perspektive oder aus der der gesellschaftlichen Eliten hinterfragen.

Im ersten Teil des Seminars wollen wir uns dabei anhand von kanonisierten deutsch-französischen Beispielen aus Malerei und Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts mit der Verhandlung von Weltbildern, Mensch-Natur-Verhältnissen und ästhetischen Vorstellungen von Landschaft (z.B. dem Ideal des antiken Arkadiens oder dem Konzept des Erhabenen in der deutschen Romantik) befassen. Dabei gehen wir der Frage nach, wie sehr diese Beispiele, auch wenn sie ganz unterschiedlichen Epochen angehören, von einem männlichen Standpunkt („male gaze“) und zugleich von einem Standpunkt aus Sicht der europäischen Eliten geprägt sind.

In einem zweiten Teil, der von Frau Viallet in einem Blockanteil gestaltet wird, untersuchen wir den weiblichen Blick auf die Landschaft – einen Bereich, der nicht per se den Frauen zugeordnet wird, da sie lange auf das Häusliche und den intimen Kreis angewiesen werden, zu dem sie aber im Laufe des 19. Jahrhunderts Zugang finden. Beispiele aus der Literatur und Malerei dieser Zeit werden zur Analyse herangezogen: von den schreibenden Frauen der Romantik (Bettina von Arnim, Karoline von Günderrode...), die – weit entfernt von der ihnen vertrauten Praxis des Briefschreibens – den Schritt zur Wahrnehmung und Darstellung der Natur wagen, zu den zum ersten Mal als solche anerkannten Landschaftsmalerinnen (peintresses de paysage) – als Pioniererin soll Catherine Edmée Simonis Empis (1796-1879) und ihre Vue prise au Mont-Doré (Auvergne), soleil levant, um 1846, genannt werden – und etwas später (um 1900) den sogenannten „Malweibern“, die ihre Staffelei draußen aufstellten, lässt sich ein breites Spektrum an Ausdrucksformen untersuchen; alle reich an emanzipatorischen Potentialen, die durch den (weiblichen) Umgang mit der Landschaft zutage treten.

In einem dritten Teil widmen wir uns rezenten Landschaftsdarstellungen, die auf verschiedene Weise gängige Landschaftsbilder invertieren, subvertieren oder komplementieren. Zu denken ist z.B. an Landschaftsdarstellungen aus ökokritischen oder ökofeministischen Perspektiven, die versuchen, die Wahrnehmung aus „mehr als menschlicher“ Sicht mit einzubeziehen. Ebenso können Fotoprojekte zu deindustrialisierten Gebieten interessant sein, die Sehgewohnheiten in Frage stellen, Schönheitsstandards unterlaufen und unangenehme soziale Fragen aus marginaler Perspektive aufwerfen. Interessant sind zudem Landschaftsbilder und -beschreibungen aus dekolonialer / dekolonialisierender Perspektive, z.B. von autochthonen Künstler:innen, die sich „westliche“ Kunst in einem „Painting back“ aneignen, um deren unausgesprochene Prämissen der Macht zu hinterfragen, oder die die westliche Objekt-Subjekt-Relation gegenüber der (unbelebten?) Natur hinterlaufen.

Sie beteiligen sich an der Seminararbeit mit einem Referat, allein oder in der Gruppe, abhängig von der Teilnehmendenzahl, und schreiben eine wissenschaftliche Hauptseminararbeit entsprechend Ihrer Modulbeschreibung. Materialien werden zu Beginn der Vorlesungszeit auf GRIPS bereitgestellt.

Literatur:

Haraway, Donna (1988): “Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective”, Feminist Studies, Vol. 14, No. 3, 575-599.

Vorbereitung auf das Staatsexamen Spanische Literaturwissenschaft (Bearbeitung von Prüfungsaufgaben) 

Begleitend zur Übung wird der Besuch der Vorlesung zur spanischen (und lateinamerikanischen) Literaturgeschichte vom 19. bis zum 21. Jahrhundert empfohlen, die jeweils im Wintersemester angeboten wird.

Während die Vorlesung die Texte des Staatsexamenskanons in historische, ideen- und literatur­geschichtliche Kontexte stellt, dient die Übung der eigenen praktischen Auseinandersetzung mit dem Text unter Anleitung und Begleitung der Übungsleiterin, v.a. anhand der Aufgabenstellungen der Staatsexamensprüfungen der Vorjahre. 

Die Veranstaltung orientiert sich am Kanon für die Staatexamensprüfung nach der neuen LPO I, der ab dem Prüfungstermin Herbst 2025 zum Einsatz kommt. 
Da der Kanon sich zum Herbst 2025 ändert, werden wir auch die folgenden 2 Themen neu auf dem Plan haben und ihnen ein besonderes Interesse schenken:
Federico García Lorca: La casa de Bernarda Alba; La zapatera prodigiosa (Ausgabe: Cátedra base) 
Cristina Rivera Garza: El invencible verano de Liliana (Ausgabe: Random House) 

Desweiteren umfasst Kanon für Drama und Lyrik die folgenden Werke, die schon länger geprüft werden: Góngora, Sonetos amorosos (Ausgabe Castalia, Ed. Biruté Ciplihauskaité, 118-162); Bécquer, Rimas; Gabriela Mistral, Tala/Lagar (Ausgabe bei Cátedra); Calderón, La vida es sueño, El gran teatro del mundo, La dama duende und José Sanchis Sinisterra, ¡Ay, Carmela!
Für die Narrativik sind die folgenden Werke relevant: Fernando de Rojas, La Celestina; Emilia Pardo Bazán, Los Pazos de Ulloa; Rafael Chirbes, En la orilla; Miguel de Unamuno, En torno al casticismo; Jorge Luis Borges, El Aleph, Ficciones. 

In der ersten Sitzung wird auf den Erwartungshorizont der Prüfung eingegangen sowie auf Techniken der Prüfungsvorbereitung. Die übrigen Stunden sind der gemeinsamen Bearbeitung alter Staats­examensaufgaben gewidmet, wobei alle 12 Themen behandelt werden. Ein ausführlicheres Programm ist vor Vorlesungsbeginn unter G.R.I.P.S. zu finden. 

Alle literarischen Texte sind vor Beginn der Vorlesungszeit zu lesen, da zur Erarbeitung der Hintergründe und Kontexte ohnehin noch genügend Lektürearbeit anfällt!

Grundlagenseminar spanische Literaturwissenschaft 

Das Grundlagenseminar führt in zentrale Arbeitsweisen und Fragestellungen der Spanischen Literaturwissenschaft ein. Ziel ist, ein literaturwissenschaftliches Problembewusstsein zu entwickeln, Fachbegriffe sicher zu beherrschen und methodisches Handwerkszeug für die Analyse literarischer Texte zu erlernen und auf diese anzuwenden. Anhand exemplarischer Werke bzw. Textauszüge aus verschiedenen literarischen Gattungen – darunter Dramen, Erzähltexte und Gedichte – werden grundlegende Begriffe und Verfahren der Textanalyse eingeübt. Darüber hinaus vermittelt das Seminar zentrale Begriffe und Methoden für die gattungsspezifische Analyse von Film und Comic. Die Auseinandersetzung mit Primärliteratur aus verschiedenen Epochen erfolgt dabei ebenso textimmanent wie theorie- und kontextbezogen.

Dr. Elisabeth Kruse 

El teatro de Calderón: pensamiento y estética en escena

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit dem Theater von Pedro Calderón de la Barca (1600–1681), einem der berühmtesten Dramaturgen des spanischen Siglo de Oro. Wir werden sein dramatisches Werk und seine Mantel- und Degen-Komödien analysieren, um die Perspektive des spanischen Barockdenkens zu verstehen, die sich in seinen Werken widerspiegelt. Ebenso werden wir seine ästhetischen Merkmale und seine innovativen dramaturgischen Techniken untersuchen, die ihm unermesslichen Erfolg im Theatergenre einbrachten. Seine Werke dringen in die tiefsten Themen des Menschseins vor und spiegeln die weltlichen und spirituellen Ängste und Sehnsüchte des Menschen des Barock wider, wenn auch mit universellem Anspruch. Behandelt werden die bekanntesten Stücke wie La vida es sueño, El gran teatro del mundo, La dama duende und El alcalde de Zalamea.

Es werden die Ausgaben des spanischen Verlags Cátedra empfohlen sowie die zweisprachigen von Reclam.

La poésie de Baudelaire 

Charles Baudelaire (1821–1867), einer der berühmtesten, provokantesten und einflussreichsten Dichter der Moderne, leitete eine neue Ära in der französischen Poesie ein, indem er die Lyrik revolutionierte, was schließlich zur Konsolidierung der Symbolismus führte. Die düstere und zugleich erhabene Gestalt des Dichters, das Bohème-Leben, die Laster, die Hässlichkeit, der Spleen und zugleich die Suche nach dem Ideal und der Schönheit sowie die Ausreizung der Sinne, die sich in Synästhesien widerspiegelt, präsentieren eine komplexe und geheimnisvolle Realität voller Symbole, die nur der Dichter zu entschlüsseln vermag.

In diesem Seminar werden wir die Gedichtbände Les fleurs du mal (1857) und Petits poèmes en prose (Le Spleen de Paris) (1862) lesen und behandeln.

Dr. Gregor Specht

Grundlagenseminar französische Literaturwissenschaft

Das Grundlagenseminar führt in zentrale Arbeitsweisen und Fragestellungen der französischen Literaturwissenschaft ein. Ziel ist, ein literaturwissenschaftliches Problembewusstsein zu entwickeln, Fachbegriffe sicher zu beherrschen und methodisches Handwerkszeug für die Analyse literarischer Texte zu erlernen und auf diese anzuwenden. Anhand exemplarischer Werke bzw. Textauszüge aus verschiedenen literarischen Gattungen – darunter Dramen, Erzähltexte und Gedichte – werden grundlegende Begriffe und Verfahren der Textanalyse eingeübt. Darüber hinaus vermittelt das Seminar zentrale Begriffe und Methoden für die gattungsspezifische Analyse von Film und Comic. Die Auseinandersetzung mit Primärliteratur aus verschiedenen Epochen erfolgt dabei ebenso textimmanent wie theorie- und kontextbezogen.

Wissenschaftliches Arbeiten

Das Seminar vermittelt grundlegende Techniken wissenschaftlichen Arbeitens mit Fokus auf dem Fachgebiet der Romanistik (Französisch, Spanisch, Italienisch). Diese Techniken sind für das Erstellen von Referaten, Moderationen, Stundenprotokollen Hausarbeiten sowie Bachelor- und Masterarbeiten essenziell, sodass die regelmäßige und aktive Teilnahme an diesem Kurs Studierenden aller Fachsemester unbedingt empholen sei.
Unterschiedlice Publikationsformen und wesentliche romanistische Fachdatenbanken werden zunächst vorgestellt sowie Techniken der Literaturrecherche und das Erstellen von Biblographien eingeübt. Der Kurs vermittelt mündliche Präsentationsformen und Zeitmanagement sowie das didaktisch sinnvolle Bereitstellen begleitender Materialien wie Präsentationen und Handouts in Theorie und Praxis. Für das versierte Verfassen wissenschaftlicher Seminar- und Abschlussarbeiten werden Grundlagen der Vorbereitung, Konzeption und Gliederung ebenso besprochen wie häufig auftretende, aber leicht vermeidbare Fehler.

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