Über welches Fach- oder fachdidaktische Wissen müssen Lehrkräfte in verschiedenen Fächern verfügen, um erfolgreich zu unterrichten? Welche Bedeutung haben die professionelle Kompetenz von Lehrkräften und die Qualität von deren Unterricht für den Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Fächern?
Mit diesen Fragen setzt sich die Nachwuchsforschungsgruppe FALKO-PV (Fachspezifische Lehrkraftkompetenzen – Prädiktive Validierung) unter Leitung von Dr. Alfred Lindl an der Universität Regensburg (UR) auseinander.
Die FALKO-PV-Gruppe organisierte am 6. und 7. November 2025 ein Netzwerktreffen mit insgesamt elf Nachwuchsforschungsgruppen, die wie FALKO-PV von 2021 bis 2026 vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), ehemals Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), im Bereich empirischer Bildungsforschung (externer Link, öffnet neues Fenster) gefördert weren.
Statusseminar der Nachwuchsforschungsgruppen
Das Regensburger Statusseminar war das neunte und letzte seiner Art; davor trafen die Forschenden sich bereits in Berlin, Paderborn, Hildesheim und Hamburg. Dabei ging es immer um „Austausch, Vernetzung und Transfer von Erkenntnissen in die Praxis“, sagte UR-Vizepräsident für Forschung und Nachwuchsförderung, Professor Dr. Ernst Tamm, in seiner Begrüßung. Nach Regensburg angereist waren Projektleitende, Postdocs und Promovierende u. a. der Universitäten Potsdam, Flensburg, Hamburg, Halle-Wittenberg, Paderborn, Hildesheim und Kiel.
Zu den Themen der elf Nachwuchsforschungsgruppen gehören Digitalisierung und künstliche Intelligenz; Vielfalt, Inklusion und soziale Integration; Schutz und Prävention in schulischen Kontexten oder Innovationen in der Lehrkräftebildung sowie Unterrichtsqualität und Lehrkräfteprofessionalität.
Über FALKO-PV an der Universität Regensburg
Foto: FALKO-PV / Natascha Lehner FALKO-PV setzt sich mit fachspezifischen Lehrkraftkompetenzen in sechs Unterrichtsfächern (Deutsch, Englisch, Evangelische Religion, Latein, Mathematik, Musik) auseinander. Die Forschungsgruppe gehört zur Fakultät für Humanwissenschaften der Universität Regensburg und dockt im Bereich Educational Data Science von Professor Dr. Sven Hilbert an. Hilbert begrüßte die Teilnehmenden der Veranstaltung und dankte Alfred Lindl, der 2024 auch als UR Potential (externer Link, öffnet neues Fenster) ausgezeichnet wurde, sowie den Mitgliedern von FALKO-PV für ihr höchst erfolgreiches Agieren.
Zu den Fragestellungen der Gruppe gehört, welche fachspezifischen Merkmale Lehr-Lernprozesse aufweisen müssen, um Lernerfolge bei den Schülerinnen und Schülern zu initiieren. Nicht zuletzt geht es dabei auch um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den verschiedenen Fächern. So wurde in den vergangenen Jahren unter anderem untersucht, wie kompetent und professionell Lehrkräfte sind, wenn es um unterrichtliche Qualitätsmerkmale, etwa kognitive Aktivierung, konstruktive Unterstützung oder effektive Klassenführung geht.
79 Schulen, 170 Lehrkräfte, 4000 Schülerinnen und Schüler
Grafik: FALKO-PV / Mara Rader Der Erhebungszeitraum von FALKO-PV waren die Schuljahre 2023/2024 und 2024/2025, es gab ein in allen Fächern einheitliches einjähriges Längsschnittdesign (über ein Schuljahr), berichtet Lindl.
Die Forschenden kooperierten dabei eng mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, den Dienststellen der Ministerialbeauftragen in Bayern und verschiedenen Verbänden und Vertretungen von Lehrkräften. 79 Schulen (51 Gymnasien und 28 Realschulen), mehr als 170 Lehrkräfte und 4000 Schülerinnen und Schüler in Bayern nahmen an der Studie von FALKO-PV teil.
Forschungsanlass und Erkenntnispotenziale
„Zentrale gesellschaftliche Forschungsanlässe“, sagt Lindl, „gibt es mehrere.“ Dazu gehörten u. a. das in der Gesellschaft viel diskutierte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler in internationalen Studien, etwa PISA, oder in nationalen Bildungsberichten wie dem IQB-Bildungstrend.
Aber auch die Reform der Lehrkräftebildung in Bayern, der Lehrkräftemangel und die Qualifizierung von Seiten- und Quereinsteigerinnen und -einsteigern gehört laut Lindl dazu.
Final auswerten werden die Forschenden ihre Ergebnisse im Verlauf des Jahres 2026.
Die Forschung von FALKO-PV liefert laut Alfred Lindl vielfältige Erkenntnispotenziale:
- Grundlagenforschung zu Merkmalen qualitätsvollen Unterrichts, vor allem in Fächern, die in der Bildungsforschung bislang weniger Berücksichtigung fanden, wie Latein und Evangelische Religion;
- Evaluation von Lernständen und Lernentwicklungsverläufen in Fächern, die nicht an (inter-)nationalen Bildungspanelen beteiligt sind (Evangelische Religion, Latein, Musik);
- Wirksamkeitsanalysen zu Bedingungen erfolgreichen Unterrichtens und Lernens;
- eine wissenschaftsbasierte Webapp zur Selbstevaluation des eigenen Unterrichts mit dem Namen AMADEUS, die Lehramtsstudierenden, Referendarinnen und Referendaren, Lehrkräften und allen, die an der Lehrkräfteaus-, -weiter- und -fortbildung beteiligt sind, kostenlos zur Verfügung steht;
- mittel- bis langfristige Verbesserung der Qualität des Unterrichts in den untersuchten Fächern
und - wichtige Impulse für eine Umgestaltung und Optimierung der Lehrkräftebildung.
Transfer als Dialogprozess
Für das fördernde Bundesministerium sprach Abteilungsleiter Dr. Stefan Luther zu Beginn des Statusseminars in einer Videobotschaft, in der er die exzellenten Ergebnisse der Gruppen und ihrer Mitglieder hervorhob. Sie unterstrichen die Tragfähigkeit des Förderansatzes, sagte Luther, der den Transfer von Handlungs- und Veränderungswissen der Early-Career-Forschenden lobte.
Transfer sei ein Dialogprozess der wechselseitigen Lernbereitschaft, betonte Luther: Forschung ende nicht mit der Veröffentlichung, sie beginne dort, wo sie verstanden, angewandt und weitergeleitet werde.
Deutlich machten dies die Workshops des Programms, in denen es u. a. um Stimmgesundheit, maschinelles Lernen und Konflikte in der Wissenschaftskommunikation ging. Die Mitglieder der Forschungsgruppen erörterten Herausforderungen bei ihren Untersuchungen zu neuen Prüfungsformen im Lehramtsstudium oder zum Einsatz von künstlicher Intelligenz für automatisiertes Feedback bei Schreiblernprozessen; andere Gruppen beschäftigten sich mit verschiedenen Aspekten von Geschlechterdiversität oder mit Facetten multidimensionaler Heterogenität im Klassenzimmer.
Mehr Infos
Kontakt aufnehmen
FALKO-PV, Dr. Alfred Lindl
Fakultät für Humanwissenschaften
Universität Regensburg
E-Mail: alfred.lindl@ur.de