Das APC-Modell für die Psychoedukation
Viele Menschen mit chronischer Fatigue – etwa nach einer COVID-Erkrankung – erleben ihren Alltag als ständiges Auf und Ab: An manchen Tagen scheint vieles möglich, an anderen geht kaum etwas. Das APC-Modell (Active and Protective Coping) nach Tempfli & Randerath soll im therapeutischen Prozess unterstützen, dieses Muster besser zu verstehen – und neue Wege im Umgang mit der eigenen Energie zu finden. Im Mittelpunkt steht die Beobachtung, dass Betroffene häufig zwischen zwei Bewältigungs-Strategien (Coping-Strategien) schwanken.
Wenn man zu viel macht (Active Coping): Man nutzt die besseren Tage, um möglichst viel zu erledigen, ignoriert Warnsignale des Körpers und geht über die eigenen Grenzen hinaus. Kurzfristig kann sich das gut anfühlen – langfristig führt es jedoch oft zu einem „Crash“: Die Erschöpfung nimmt deutlich zu, und es folgt eine Phase, in der kaum noch etwas geht.
Wenn man zu wenig macht (Protective Coping): Aus Angst vor einer Verschlechterung werden Aktivitäten stark reduziert oder ganz vermieden. Der Alltag wird vorsichtiger gestaltet, manchmal auch sehr eingeschränkt. Das kann zwar kurzfristig entlasten, führt aber langfristig dazu, dass die Belastbarkeit weiter abnimmt und die Teilnahme am Leben schwieriger wird.
Ziel: Das APC-Modell hat zum Ziel, so gut es geht, eine individuell passende Balance zwischen Aktivität und Erholung zu entwickeln. Dabei geht es darum, einen persönlichen „grünen Belastungsbereich“ zu finden und innerhalb der Belastbarkeitsgrenzen zu bleiben, – also ein Maß an Aktivität, das weder überfordert noch unterfordert. Innerhalb dieses Bereichs soll der Körper die Chance erhalten, sich zu stabilisieren, und die starken Schwankungen nehmen ab. So genannte PACING-Strategien können hier helfen. Das Modell liegt unseren aktuellen therapeutischen Gruppen zu Fatigue und Minderbelastbarkeit für mild bis moderat Betroffene zugrunde.
Unsere Materialien für die Psychoedukation enthalten die APC-Modellbeschreibung (Basisversion), ein Beispiel einer Verhaltensanalyse unter Einbezug von Elementen des SORCK-Modells, sowie ein leeres Arbeitsblatt zur Verhaltensanalyse unter Einbezug von Elementen des SORCK-Modells, welches sich eignet zur Ableitung von Erklärungsmodellen für Aktives und Protektives Coping (Link zum deutschen und englischen Material-DOWNLOAD (externer Link, öffnet neues Fenster))
Das Regensburger Energietagebuch
Das Arbeitsblatt ‘Regensburger Energietagebuch (externer Link, öffnet neues Fenster)' ermöglicht die Erfassung körperlicher, emotionaler und kognitiver Energielevels im Verlauf einer Woche (Tagebuch) bzw. über 12 Wochen (Wochenbuch). (Link zum Download (externer Link, öffnet neues Fenster))
ANLEITUNG: Es werden tägliche Energielevel auf einer Skala von 0 bis 10 (0 = keine Energie; 10 = gesundes Energieniveau wie vor der Erkrankung) dokumentiert und relevante Besonderheiten werden festgehalten, einschließlich emotionaler Ereignisse, körperlicher Aktivität, kognitiv anspruchsvoller Aufgaben, Krankheit oder Erholungsphasen. Zusätzlich wird die tägliche Aktivitätszeit (z. B. Arbeits- oder Schulzeit) eingetragen, um Zusammenhänge zwischen Belastung und Energieverlauf sichtbar zu machen.
Am Ende jeder Woche werden die Werte mittels farbigen Kreuzchen (Körperlich: grau, Kognitiv: blau, Emotional: rot und Aktivitätszeit: schwarz) in eine grafische Übersicht übertragen. Das Verbinden der Kreuzchen ermöglicht die Abbildung von Trends über die verschieden-farbigen Energielevels und Aktivitätszeiten.
Ein zweites Arbeitsblatt dient dazu, die wöchentlichen Durchschnittswerte über einen Zeitraum von 12 Wochen systematisch zu erfassen. Hier werden die Mittelwerte der körperlichen, kognitiven und emotionalen Energielevel sowie die wöchentliche Aktivitätszeit eingetragen. Dieses Vorgehen ermöglicht eine strukturierte, longitudinal nachvollziehbare Darstellung individueller Energieverläufe und unterstützt die Analyse kurz- und mittelfristiger Veränderungen über alle drei Energieebenen hinweg.
Belastungsprotokoll für leicht bis moderate Minderbelastbarkeit, Fragebogen zur empfundenen Belastung (FBE) und Fatigueprotokoll
In unserem Belastungs/Exertion Protokoll (Link zum Download (englisch) (externer Link, öffnet neues Fenster) werden die Abläufe von drei unterschiedlichen Belastungsbedingungen: Kognitive Belastung (Aufmerksamkeitstests), Emotionale Belastung (Filmmaterial) und Körperliche Belastung (Ergometer) sowie eine Entspannungsbedingung vorgestellt. Mit Ausnahme der motorischen Belastungs-Bedingung, die aus logistischen Gründen nur bei gesunden Probanden eingesetzt wurde, wurden die kognitive und emotionale Belastungsbedingung, sowie die Entspannung auch bei Patient:innen mit post-COVID-Syndrom im Rahmen eines Rehabilitationsprogramms angewendet und ausgewertet. In den einzelnen Abläufen sind entsprechende Tests gelistet, die typischerweise Fatigue und Fatigability abbilden.
DOI Exertion Protocol: https://epub.uni-regensburg.de/77908/ (externer Link, öffnet neues Fenster) Die Publikation dazu ist eingereicht (Stand März 2026).
Der Fragebogen zu empfundener Belastung und Erschöpfung (FBE: Link zum Download (externer Link, öffnet neues Fenster)) dient der Abfrage der erfahrenen Belastung in der letzten Stunde sowie der momentan erlebten Erschöpfung mit je einem Item. Dies wird für 3 Bereiche abgefragt: Kognition, Motorik, Emotion. Der FBE-S wurde für den Einsatz während einer Belastbarkeitserprobung entwickelt. Der Fragebogen wurde bisher im Rahmen einer Studie bei 73 Patient:innen mit Post COVID und einer gesunden Vergleichsstichprobe mit 58 geschlechts- und alters-gematchten Personen eingesetzt. Die Studie wurde von 2022 bis 2024 durchgeführt (Tempfli et al. & Randerath, 2025, eingereicht). Die Fragebogen-Entwicklung wurde gefördert durch das Zukunftskolleg der Universität Konstanz. Die Durchführung der Studie wurde gefördert durch das Baden-Württemberg Ministerium für Wissenschaft & Kunst. Die englische Übersetzung "QLF-S: Questionnaire on Perceived Load and Fatigue (State) (Link zum DOWNLOAD (externer Link, öffnet neues Fenster)" entstand an der Universität Regensburg.
DOI FBE-S: https://epub.uni-regensburg.de/76995/ (externer Link, öffnet neues Fenster)
DOI QLF-S: https://epub.uni-regensburg.de/76999/ (externer Link, öffnet neues Fenster)
Das Fatigue Protokoll in Englischer (Link zum Download (externer Link, öffnet neues Fenster)) und deutscher Sprache (Link zum Download (externer Link, öffnet neues Fenster)) wurde erstellt, um die wahrgenommene Intensität von Erschöpfung nach körperlichen, emotionalen oder kognitiven Belastungssitzungen bzw. nach Entspannungsphasen zu erfassen (Post-Exertional erlebte Erschöpfung). Im Fatigue-Protokoll wird die wahrgenommene Intensität von Erschöpfung und Belastung am Sitzungstag selbst und über einen Zeitraum von drei Tagen nach der Sitzung dokumentiert. Die Einschätzung erfolgt auf einer Skala von 0 („keine Erschöpfung/Belastung“) bis 4 („sehr starke Erschöpfung/Belastung“). Das Fatigue-Protokoll unterscheidet zwischen emotionaler, kognitiver und körperlicher Belastung und Erschöpfung.
DOI (Deutsche Version): https://epub.uni-regensburg.de/77892/ (externer Link, öffnet neues Fenster)
DOI (english version): https://epub.uni-regensburg.de/77893/ (externer Link, öffnet neues Fenster)