Der VATA-NAT
Ein Schwerpunkt unserer Forschung zur Krankheitswahrnehmung liegt auf Schlaganfallpatient:innen, bei denen die Anosognosie den Rehabilitationsverlauf erheblich beeinträchtigen kann.
Der VATA-NAT: In einer Studie entwickelten wir basierend auf ähnlichen Fragebögen für andere Störungsbilder ein diagnostisches Verfahren, den Visual Analogue Test assessing Anosognosia for Naturalistic Action Tasks (VATA-NAT). Dieses Instrument ermöglicht erstmals die systematische Erfassung von Anosognosie bei der sogenannten Werkzeuggebrauchs-Apraxie – einer Störung, bei der Betroffene Schwierigkeiten im Umgang mit alltäglichen Gegenständen haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Anosognosie auch in diesem bislang wenig untersuchten Bereich vorkommt.
Die Materialien (externer Link, öffnet neues Fenster) in der folgenden Publikation wurden überarbeitet und sind aktuell in der Auswertung. Wir möchten dazu erstmals die neuroanatomischen Korrelate untersuchen, d.h. evaluieren, welche geschädigten Hirnareale besonders stark mit einer eingeschränkten Krankheitswahrnehmung bei Werkzeuggebrauchsstörungen einhergehen.
Die Naturalistic Action Therapy (NAT)
Die Naturalistic Action Therapy (NAT) ist ein therapeutischer Ansatz zur Behandlung von Patient:innen mit Störungen im Umgang mit realen Alltagsgegenständen (Apraxie) sowie begleitender Anosognosie, also einer eingeschränkten Einsicht in die eigenen Defizite. Ziel der Therapie ist es, alltagsnahe Handlungen gezielt zu trainieren und so die Selbstständigkeit im täglichen Leben zu verbessern. Der Ansatz basiert auf realistischen Handlungssituationen und legt großen Wert darauf, Patient:innen aktiv in bedeutungsvolle, praktische Aufgaben einzubinden. Bisher wurde die Methode im Rahmen einer ersten Phase-1-Fallstudie untersucht. Es konnte anhand einer kleinen Stichprobe gezeigt werden, wie es mittels einer Kombination aus Werkzeuggebrauchstraining und einer kontinuierlichen parallelen Übung der Selbstwahrnehmung zu einer Verbesserung apraktischer Defizite kommt, die sich auch positiv auf andere Objektinteraktionen auswirkte. Eine Kontrollgruppe, die diese Intervention nicht erhielt, zeigte keine bedeutsamen Veränderungen. Weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit umfassend zu belegen und die Anpassungsmöglichkeit bzgl. neuer Umgebungen und Objekt-Kontexten zu prüfen.
Das zugrunde liegende Manual beschreibt die einzelnen Trainingsschritte detailliert und soll damit zur besseren Nachvollziehbarkeit und Anwendung in der Praxis beitragen:
Randerath J., Buchmann I., & Loeser A., 2019. Naturalistic Action Therapy. Manual (1st edition). University of Konstanz and Lurija Institute. Konstanz, Germany. (externer Link, öffnet neues Fenster)(Link zum Download (externer Link, öffnet neues Fenster))