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Jerusalem Talks I Jerusalem in christlichen und islamischen arabischsprachigen Quellen

JERUSALEM TALKS MIT PETER TARRAS (U WÜRZBURG) UND MICHAIL HRADEK (LMU MÜNCHEN)

Jerusalem in christlichen und islamischen arabischsprachigen Quellen

Die Reihe der Mini-Symposia im Graduiertenkolleg wurde am Donnerstag, den 10.12.2020, mit Einblicken in die arabischsprachige christliche und islamische Geschichte der Heiligen Stadt fortgesetzt. Zunächst ging Peter Tarras (Universität Würzburg) in seinem Vortrag "Ich, der schwache Sünder, der es abgeschrieben hat ...": Ein neuer Blick auf die Anfänge der christlich-arabischen Literatur in den Klöstern Palästinas“ der Frage nach, was sich aus den Kolophonen der frühesten christlich-arabischen Handschriften (9.-10. Jh.) über die Entstehung der christlich-arabischen Literatur lernen lässt. Der Kolophon als nicht-literarische, dokumentarische Quelle gibt einen Einblick in den unmittelbaren Produktionskontext christlich-arabischer Handschriften und damit der materiellen Textträger der christlich-arabischen Literatur. Anhand der paratextuellen Gattung der Kolophone lässt sich unter Einbeziehung weiterer Paratexte (Besitzvermerke, Buchflüche, Nachlasserklärungen, etc.) sowie paläographischer und kodikologischer Eigenheiten christlich-arabischer Handschriften eine Mikrohistorie jener Akteure und ihres soziokulturellen Milieus erschließen, die bei der Tradierung der christlich-arabischen Literatur eine ganz wesentliche Rolle spielten: Ihnen haben wir es zu verdanken, dass diese überhaupt auf uns gekommen ist. Die frühesten historisch greifbaren Strata dieser Literatur sind geprägt von den intellektuellen Bedürfnissen dieses Milieus; sie sind geprägt von einer in ihm sich entwickelnden selbstbewussten Schreiberpraxis und -kultur; sie sind vor allem geprägt von den monastischen Netzwerken Palästinas (inkl. des spätantiken Palaestina Tertia, d.h. der Sinai-Halbinsel), die diese Schreiberpraxis der christlich-arabischen Kopisten mit den Einflüssen anderer geographischer und sprachgebundener Traditionen nährte (z.B. der griechischen, georgischen und syrischen). Der Vortrag wird schlaglichtartig Momente dieser Mikrohistorie beleuchten und Indizien zur Beantwortung der spannenden Frage sammeln, ob es so etwas wie christlich-arabische Skriptorien gab, die der christlich-arabischen Handschriftenproduktion einen institutionalisierten Rahmen gegeben hätten.

Anschließend erschloss Michail Hradek (LMU München) in seinem Vortrag „Vom Sakralen und Profanen: Die heilige Stadt (al-Quds aš-Šarīf) im Spiegel vormoderner islamischer Schriftzeugnisse“ die Bedeutung Jerusalems als eine der wichtigsten Städte im Islam neben Mekka und Medina einerseits auf Basis des Koran und der islamischen Geschichtsschreibung, und andererseits anhand der politisch-geographischen Entwicklungen im Mittelalter. Die wirtschaftlich anhand der Quellenlage eher vernachlässigbare, als Ort der Rechtssprechung und religiösen Verehrung aber umso höhere Bedeutung Jerusalems zeichnete der Referent anhand von alltagshistorischen Quellen plastisch nach.

 


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