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Tagungsberichte

Tagung: "Antike Diskurse über die Ernährung" (24.–26. Mai 2018)

"Zwischen Hunger und Überfluss. Antike Diskurse über die Ernährung"

24.–26. Mai 2018, Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Bread

Die Universität des Saarlandes lud unter der Organisation von Dr. Timo Klär (Saarbrücken) und Dr. Eike Faber (Potsdam) vom 24. – 26. Mai 2018 dazu ein, das Themengebiet der Ernährung im Kontext der Altertumswissenschaften genauer zu beleuchten.

In insgesamt vier Clustern wurde die antike Ernährungsgeschichte und ihre politische, soziale und religiöse Konnotation durch 13 Vorträge in verschiedenen Teilaspekten vorgestellt. Nach einer Begrüßung seitens der Organisatoren und des Prodekans der Philosophischen Fakultät und einer kurzen Einführung zum Tagungsthema befassten sich im ersten Cluster am Donnerstag den 24. Mai zwei Vorträge mit archäologischen und naturwissenschaftlichen Zugängen zum Thema, wobei Prof. Dr. Werner Tietz in seinem Eröffnungsvortrag zum Thema „Zwischen Substanz und Symbol. Methodisch-praktische Überlegungen zur Analyse von Ernährungsdiskursen“ sprach. Am Freitag den 25. Mai wurden im Cluster 2 Beiträge zum Thema „Soziale Distinktion und symbolische Kommunikation“ vorgestellt, wobei auch Mercedes Och einen Beitrag mit dem Titel „Du bist, was du isst? Essverhalten und Speisenwahl als Charakteristika und soziale Distinktionsmerkmal in antiken (Kaiser)Biographien“ beisteuerte. Am Freitag Nachmittag beschäftigten sich die Tagungsteilnehmer in Cluster 3 mit Zugängen aus Religion und Kult. Den Abschluss bildeten am Samstag Vormittag Beiträge zur Emotions- und Geschlechtergeschichte in Cluster 4.

Die kleine aber sehr fruchtbare Tagung in sehr angenehmer Atmosphäre wurde von einer abschließenden Diskussion beendet, bei welcher der allgemeine Forschungsfortschritt, aber auch Desiderate der altertumswissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet noch einmal hervorgehoben wurden.

Der SR 3 (Saarländischer Rundfunk) berichtete am 26. Mai 2018 von der Tagung mit der Stimme von Mercedes Och (u. a.) im Rahmen der Sendung "Region am Mittag".


International Medieval Congress in Leeds (2.-5. Juli 2018)

Vom 2. bis zum 5. Juli 2018 fand zum 25. Mal der International Medieval Congress in Leeds statt. Auf der weltweit größten Tagung der Mittelalterforschung waren auch Charlotte Neubert und Dr. Markus Löx unter den gut 2500 Gästen, die sich in diesem Jahr besonders mit dem Thema ‚memory‘ auseinandersetzten.

Dr. Markus Löx präsentierte in der Sektion Imperial Memories in Late Antiquity, II: Communal Memory of Late Antique Cities (Organisation: Adrastos Omisis, Glasgow, Robin Whelan, Liverpool und Richard Flower, Exeter) erste Ergebnisse seines Forschungsvorhabens zu spätantiken Residenzstädten. In seinem Vortrag Remembering the Past in Former Roman sedes imperii ging er der Frage nach, wie die kaiserliche Vergangenheit in der Erinnerung der Städte Trier und Arles durch archäologische und literarische Zeugnisse verankert war.

Charlotte Neubert, Doktorandin am GRK, besuchte den IMC im Rahmen Ihres Auslandsaufenthalts an der University of Newcastle und besuchte für ihr Forschungsprojekt zum spätmittelalterlichen London relevante Sessions wie Citizenship, Identity and Conflict in Late Medieval Urban Society, organisiert von Leen Bervoets (Ghent), Honour, Family and Collective Memory in England and Germany. 1250-1500. The Country and the City, organisiert von Prof. Christian Liddy (Durham), und nahm an der Round Table Diskussion The people of medieval London, organisiert von Caroline M. Barron (London) teil. Außerdem besuchte sie die Keynote Lectures ‘The Metaphors they lived by. Verbal Imagery of Memory in the Middle Ages‘ (Farkas Gabor Kiss, Budapest) und „I can’t remember the middle ages” (Jeff Rider, Wesleyan University).

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Charlotte Neubert und Dr. Markus Löx auf dem University Square, University of Leeds, Juli 2018


Forschungsreisen von Gregory Tucker (Dez. 2018 - Feb. 2019)

An english version of these travel reports can be read below.

Oslo, Norwegen—Dezember 2018

Am 12. Dezember 2018 wohnte Gregory Tucker einer Tagung der von Prof. Dr. Stig Ragnvald Frøyshov geleiteten Forschungsgruppe „The Hymnography of Constantinople and its Context (400–900)” an der Fakultät für Theologie der Universität Oslo bei. Nach einem Vortrag von Dr. Dimitrios Skrikas (University of Oxford, England) über kata stichon-Hymnen und festtägliche megalynaria stellte Herr Tucker einer diversen Gruppe von Experten der byzantinischen Liturgie verschiedene Aspekte seiner Dissertation dar. Bei seiner Präsentation handelte es sich um technische Angelegenheiten bei der Verfassung vergleichender Hymnentexte anhand bestehender Handschriften sowie um die theologische Auslegung der Hymnen zu den Festen Christi Geburt und Taufe. Seine Teilnahme an der Tagung wurde gemeinsam von dem Osloer Seminar und dem Graduiertenkolleg finanziert. Weitere Auskünfte über die Forschungsgruppe können hier gelesen werden.

Iași, Rumänien—Januar 2019

Vom 09.–13. Januar 2019 wohnte Gregory Tucker der Gründungsversammlung der vor kurzem geformten International Orthodox Theological Association (IOTA) in Iași, Rumänien bei. Herr Tucker wurde dazu eingeladen, einen Vortrag auf einem Gremium unter Vorsitz des Dr. Brandon Gallaher (University of Exeter, England) über die Orthodoxie und interreligiösen Dialog zu halten. Sein Vortrag auskundschaftete bisher unerforschte Themen bei interreligiöser ritueller Partizipation aus der Perspektive orthodoxer liturgischer Theologie und Geschichte und brachte Schlussfolgerungen seiner Dissertation über die mittelalterliche orthodoxe Stadtsliturgie bei zeitgenössischen Problemen innerhalb der orthodoxen Kirche zum Schein. Die Versammlung bot auch die Möglichkeit dar, sich mit führenden Akademikern der orthodoxen Welt zu treffen und vielen Gremien über wichtige Sachverhalte beizuwohnen.

Patmos, Griechenland—Februar 2019

Vom 22. Februar bis zum 01. März besuchte Gregory Tucker die Handschriftenbibliothek des Heiligen, Kaiserlichen, Patriarchalen und Stavropegialen Zönobitischen Klosters des heiligen Johannes des Theologen auf der Insel Patmos, Griechenland. Das Manuskript Patmos 266 ist einer der zwei vollständigen Zeugen des kanonarion-synaxarion („Typikon“) der Großen Kirche von Konstantinopel. Das kanonarion-synaxarion besteht aus kurzen Heiligenviten, liturgischen Rubriken, Lesungen und Hymnen für die Feier der patriarchalen Liturgie in der Spätantike sowie dem frühen Mittelalter. Die Dissertation des Herrn Tucker wird einen vergleichenden Text des gesamten Hymnenkorpus dieser Liturgie sowie eine theologische Analyse der Hymnen einiger wichtiger Festtage darbieten.

Die Handschrift datiert vom späten 9. Oder frühen 10. Jahrhundert. Obwohl der Text die eigentliche zur Kathedralkirche Konstantinopels gehörende liturgische Tradition widerspiegelt, bezeugt das Manuskript, dass es in Palästina kopiert wurde, womöglich im Kloster des heiligen Savva, einem wichtigen Zentrum des Lernens und der liturgischen Entwicklung im mittelbyzantinischen Zeitalter. Zur Klosterbibliothek mag die Handschrift gebracht worden sein vom Gründer des Klosters, des heiligen Christodoulos, welcher im Jahr 1088 vom Großen Kloster auf dem Lathrosberg in Bithynien nach Patmos umsiedelte. Bis heute blieb der Text der Handschrift nur in einer problematischen Edition des 20. Jahrhunderts zugänglich sowie in vergleichenden Fußnoten zu einer Edition der anderen vollständig erhaltenen Handschrift, die 1962 veröffentlicht wurde. Das Manuskript hat man aber jetzt im Rahmen eines vom Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Universität Regensburg finanzierten Projekt digitalisiert, und Herr Tucket konnte die Dateien persönlich empfangen bei seinem Klosterbesuch.

Während seines Aufenthaltes auf Patmos war es Herrn Tucker möglich, einige andere wichtige Handschriften zu sichten, darunter eine frühe eucharistische Schriftrolle, eine Bilderhandschrift mit Homilien des heiligen Gregor des Theologen sowie Teile einer aus dem späten 5. Jahrhundert stammenden Purpurhandschrift, die das mit silbernen Tinte geschriebene Markusevangelium enthält. Auf einer danach folgenden Reise nach Israel (03.–10. März 2019) untersuchte Herr Tucker die andere vollständig überlieferte Handschrift des kanonarion-synaxarion der Großen Kirche, Hagiou Stavrou 40, die derzeit in der Handschriftenbibliothek des Griechisch-Orthodoxen Patriarchates von Jerusalem aufbewahrt ist.

Dem Abt sowie der Bruderschaft des heiligen Klosters möchte Herr Tucker Dank sagen für ihre Gastfreundschaft während seines Besuches auf Patmos, und dem Bibliothekar, Herrn Ioannes Melianos, gebührt Lob wegen seiner hervorragenden professionellen Hilfe. Herr Tucker möchte sich auch bei Seiner Eminenz Aristarchos, Erzbischof von Constantina, für seine Unterstützung in Jerusalem bedanken.


Oslo, Norway – December 2018

On December 12, 2018, Gregory Tucker attended a meeting of the research group led by Prof. Stig Ragnvald Frøyshov, “The Hymnography of Constantinople and its Context (400-900),” in the Faculty of Theology at the University of Oslo, Norway. Following a presentation by Dr Dimitrios Skrikas (University of Oxford, UK) on kata stichon hymns and festal megalynaria, Mr Tucker workshopped various aspects of his doctoral dissertation with a diverse group of experts in the field of Byzantine liturgy. His presentation focused on technical issues related to the establishment of comparative texts of hymns made from manuscripts and theological exegesis of hymns from the Nativity-Theophany cycle. His participation in the meeting was funded jointly by the Oslo seminar and the Graduiertenkolleg. For more information about the research group click here.

Iași, Romania – January 2019

From 9–13th January, 2019, Gregory Tucker attended the inaugural conference of the newly-formed International Orthodox Theological Association in Iași, Romania. Mr Tucker was invited to give a paper on a panel chaired by Dr Brandon Gallaher (University of Exeter, UK) on the topic of Orthodoxy and interreligious dialogue. Mr Tucker’s paper explored previously unexamined issues in interreligious ritual participation from the perspective of Orthodox liturgical theology and history. This presentation extends implications of his doctoral dissertation on Medieval Orthodox urban liturgy to contemporary issues in the Orthodox Church. The conference offered the opportunity to meet with leading scholars in the Orthodox world and attend many panels on important topics.

Patmos, Greece – February 2019

From 22nd February–1st March 2019, Gregory Tucker visited the manuscript library of the Sacred, Royal, Patriarchal and Stavropegial Coenobitic Monastery of Saint John the Theologian on the island of Patmos, Greece. Manuscript Patmos 266 is one of two complete witnesses to the kanonarion-synaxarion (“Typikon”) of the Great Church of Constantinople. The kanonarion-synaxarion consists of short saints’ lives, liturgical rubrics, readings, and hymns, for the celebration of the patriarchal liturgy in the Late Antique/early Medieval period. Mr Tucker’s dissertation will offer a comparative text of the complete corpus of hymns proper to this liturgy and a theological analysis of the hymns for the most important feast days.

The manuscript is dated to the late 9th or early 10th century. Although the text reflects the liturgical tradition proper to the cathedral of Constantinople, the manuscript shows evidence of having been copied in Palestine, possibly at the Monastery of St Savva, which was an important centre of learning and liturgical development in the middle Byzantine period. The manuscript may have been brought to the library by the monastery’s founder, Saint Christodoulos, who moved from the Great Monastery at Mount Lathros in Bythnia to Patmos in 1088. Until now, the text of the manuscript was only accessible in a problematic early-20th century edition and comparative footnotes to an edition of the other complete manuscript published in 1962; however, the manuscript has now been digitized in a project funded by the Chair for Liturgical Studies at Regensburg University and Mr Tucker was able to collect the digital files in person while viewing the manuscript.

While on Patmos, Mr Tucker was able to view several other important manuscripts including an early Eucharistic scroll, an illuminated liturgical manuscript of homilies by Saint Gregory the Theologian, and part of a late 5th-century porphyry codex containing the Gospel of Mark written in silver ink. On a subsequent trip to Israel (March 3–10, 2019), Mr Tucker studied the other complete manuscript of the kanonarion-synaxarion of the Great Church, Hagiou Stavrou 40, which is now housed in the manuscript library of the Greek Orthodox Patriarchate of Jerusalem.

Mr Tucker is grateful to the Abbot and Brotherhood of the Sacred Monastery for their hospitality during his visit to Patmos, and to Ioannes Melianos, the Reference Librarian, for his outstanding professional support. He also thanks His Eminence Archbishop Aristarchos of Constantina for his assistance in Jerusalem.


Symposium: "Zwischen Rom und Mailand" (24.-25. Januar 2019)

Zwischen Rom und Mailand: Liturgische Kircheneinrichtung im Mittelalter.

Historische Kontexte und interdisziplinäre Perspektiven

201901 Symposium

Regensburg, 24.-25. Januar 2019

Das Symposium „Zwischen Rom und Mailand: Liturgische Kircheneinrichtung im Mittelalter. Historische Kontexte und interdisziplinäre Perspektiven“ hat internationale Spezialist/inn/en der Kunstgeschichte, Liturgiewissenschaft, Musikwissenschaft, Philologie und Geschichte versammelt, um die feste Ausstattung mittelalterlicher Kirchen zu untersuchen. Derartige Werke sind nur in interdisziplinärer Zusammenarbeit angemessen zu erforschen.

Von den Organisator/inn/en E. Di Natale, H. Buchinger, A. Dietl eingeladen, haben sich folgende Spezialist/inn/en beteiligt: Maria Pia Alberzoni (Università Cattolica del Sacro Cuore di Milano), Michele Baitieri (University of Nottingham), Benjamin Brand (University of North Texas), Sible de Blaauw (Radboud University Nijmegen), Albert Dietl (Universität Regensburg); Elisa Di Natale (Universität Regensburg), Andrew Irving (Rijksuniversiteit Groningen), Jochen Johrendt (Bergische Universität Wuppertal), Valentino Pace (Università degli Sudi di Udine; Trinity Coll. Hartford - Conn., Rome Campus), Stefano Resconi (Università degli Studi di Milano), Fabio Scirea (Università degli Studi di Milano), Paolo Tomei (Università degli Studi di Siena).

Es wurden dabei Beiträge höchsten wissenschaftlichen Wertes geleistet, die zur Entwicklung innovativer Forschungsperspektiven beträchtlich beigetragen haben. Das interdisziplinäre Gespräch war äußerst nützlich, auch dank der interessanten Betrachtungen, Fragen und Probleme, die andere Spezialist/inn/en, die sich als Gasthörer/innen daran beteiligt haben, aufgeworfen haben.

Es wird zurzeit der Tagungsband „Zwischen Rom und Mailand: Liturgische Kircheneinrichtung im Mittelalter. Historische Kontexte und interdisziplinäre Perspektiven“, herausgegeben von E. Di Natale, H. Buchinger, A. Dietl vorbereitet, der in die Reihe „Forum Mittelalter Studien“- Schnell und Steiner, Regensburg aufgenommen worden ist.

Mit großzügiger Unterstützung durch:

201901 Symposium Stiftung


Dominikanerstudien 2019 (8.-9. Februar 2019 in Köln)

Workshop „Dominikanerstudien 2019“ in Köln, 8.-9. Februar 2019

Am 8. und 9. Februar 2019 fand in Köln erstmals ein internationaler Workshop „Dominikanerstudien“ statt, um den BearbeiterInnen laufender Dissertations- und Habilitationsprojekte, die sich mit dem Dominikanerorden und Aspekten seiner Geschichte befassen, ein Forum zum Austausch und zur Vernetzung zu bieten. Zu dem Workshop hatte das Institut zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschen Sprachraum (P. Elias H. Füllenbach O.P. / Prof. Dr. Klaus-Bernward Springer) in Trägerschaft der deutschen Dominikanerprovinz Teutonia gemeinsam mit dem Regensburger DFG-Graduiertenkolleg „Metropolität in der Vormoderne“ (Prof. Dr. Jörg Oberste) und dem Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte des Historischen Instituts an der Universität zu Köln (Prof. Dr. Sabine von Heusinger) eingeladen. Von den Veranstaltern, die sowohl auf transdisziplinäre Impulse als auch auf komparative Ansätze der Ordensforschung Wert legten, waren im Vorfeld elf Projekte ausgewählt worden, die auf dem Workshop vorgestellt und diskutiert wurden. Einige interessierte Promovierende nahmen ebenfalls teil.

Nach der Begrüßung durch den Prior des Kölner Dominikanerklosters Heilig Kreuz, P. David Kammler O.P., und die Veranstalter referierte Dr. Cornelia Linde (Deutsches Historisches Institut London) aus ihrem Habilitationsprojekt mit dem Arbeitstitel „Die Dominikaner und die Universität Oxford, 1221-1538“ über Die Bedeutung des Bildungsstandorts Oxford für die Dominikanerprovinz Anglia und den Orden. Da die 1217/18 begründete Studienmöglichkeit der Dominikaner in Paris überlastet war, wurden 1248 vier Generalstudien, darunter Oxford, eröffnet, an die jede Ordensprovinz Studenten entsenden konnte. Der Konvent in Oxford war bereits vorher ein wichtiges, mit der Universität verbundenes Studienzentrum der englischen Provinz gewesen, die auch nach der Errichtung des Generalstudiums der Ausbildung ihrer eigenen Provinzelite verpflichtet blieb. In der Folgezeit kam es deshalb zu erheblichen Konflikten mit der Ordensleitung (1260/61 Strafversetzung des englischen Provinzials Simon von Hinton nach Köln; 1357 die Vorschrift, „Ausländer“ bei Promotionen und Dozenturen nicht zu benachteiligen). Trotz dieser teils drastischen Maßnahmen und der prinzipiell internationalen Offenheit blieb Oxford ein protektionistisches, überwiegend von angelsächsischen Regenten und Dozenten geleitetes Generalstudium, das sich weitgehender Autonomie erfreute.

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Die an der Universität Freiburg promovierende Luxemburgerin Sarah Mammola stellte ihr Dissertationsprojekt Die Freiburger Dominikaner im späten Mittelalter vor. Für den Untersuchungszeitraum von ca. 1233-1378 ist eine weit ausgreifende Fallstudie über die lokale Einwurzelung des Freiburger Konventes und seine überregionalen Verbindungen geplant. Die lokal-regionalen, provinzintern-reichsweiten und international-ordensweiten Bezüge reichen von den vier Frauenklöstern vor Ort bis zu Papst und Kaiser. Es geht um eigene wie empfangene Impulse der Predigerbrüder, aber auch um Schwierigkeiten und Versagen und deren Evaluation. Dabei werden nicht edierte Quellen erschlossen.

Ein weiteres spannendes Promotionsvorhaben beschrieb Adrian Kammerer aus Köln. Er widmet sich der sehr vernachlässigten Geschichte des dominikanischen Drittordens und seiner Verbreitung nördlich der Alpen: Frauengemeinschaften und die Annahme der dominikanischen Drittordensregel in der Teutonia. Diese Drittordensregel gab es, wie die neuere Forschung herausgearbeitet hat, nicht schon 1285 oder 1286, sondern erst mit der päpstlichen Approbation 1405. Also sind nicht nur etliche Bezeichnungen von Personen inklusive Heiligen wie von Konventen aus der Zeit vor 1405 als Teil des Dritten Ordens inkorrekt, sondern das Verständnis der Geschichte des Dritten Ordens ist auf eine neue historische Basis zu stellen. Im Gegensatz zu Italien fehlen für den deutschsprachigen Raum Untersuchungen zu den Konventen fast völlig. Die Ergebnisse von Gender Studies aufnehmende Dissertation widmet sich dem Erklärungsbedarf für die bislang als dem Dritten Orden zugehörig angesehenen Personen und Kommunitäten wie der Entstehung und Entwicklung der (weiblichen) Gemeinschaften des Dritten Ordens und ihren Kontexten in der deutschen Ordensprovinz.

Claudia Sutter aus St. Gallen beschrieb Besitzverwaltung von Dominikanerinnenklöstern am Beispiel von St. Katharinen im schweizerischen St. Gallen. Behandelt werden vor allem die zweiten Hälfte des 15. und das beginnende 16. Jahrhundert der nie dem Orden inkorporierten, im Untersuchungszeitraum streng observanten Kommunität. Wirtschaftsgeschichte ist eine vernachlässigte Komponente nicht nur im Bereich Orts- und Ordens- wie Frauengeschichte, durch sie kann man erfahren, ob der Konvent nach der Observanzeinführung seinen Besitz effizienter verwaltete, ob und wie sich Stiftungen mehrten und Förderkreise im Vergleich zu vorher änderten. Von besonderem Interesse ist das in den 1470er Jahren begonnene und bis zur Reformation 1528/29 geführte Urbar des Klosters von 109 Folios, für das die Autorin eine digitale Edition erstellt. Es geht einerseits um Fragen der Verwaltung und Wirtschaftsführung, ferner auch Buchführung und Aufbewahrung des pragmatischen Schriftguts, einschlägige Ämter und Kompetenzen, aber auch um neue Fragen und Möglichkeiten, die sich durch die Erstellung einer digitalen Edition ergeben und die Forschung bereichern können.

Bei einer Besichtigung der früheren Stiftskirche und heutigen Dominikanerkirche St. Andreas in Köln konnten einige aus dem früheren Dominikanerkloster Hl. Kreuz bei der Säkularisation übereignete Kunstgegenstände vorgestellt werden. Darauf beschloss ein gemeinsames Abendessen in einem Kölner Brauhaus den Tag.

Am nächsten Morgen eröffnete Kristin Hoefener aus Paris den zweiten Tag des Workshops aus einer musikwissenschaftlichen Perspektive: Überlieferung und Rezeption des Ursula-Kultes bei den Dominikanern zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Einflüsse dominikanisch-hagiographischer Texte auf das Entstehen von Ursula-Offizien zu Ehren der Kölner Jungfrauen. Als der Dominikanerorden entstand, war der Ursula-Kult längst etabliert. Die Ursula-Offizien empfingen jedoch durch die Legenda aurea des Dominikaners Jakobus de Voragine und die Werke anderer Dominikaner wie Vinzenz von Beauvais neue Impulse. Zitate aus den neuen Legenden wurden zum Teil wörtlich in Antiphonen des Offiziums oder als Lesungstexte übernommen. Dies führte zu einer Intensivierung des Kultes.

Aus kunstgeschichtlicher Perspektive beleuchtete die am New Yorker Metropolitan Museum arbeitende und ihre Dissertation in Cambridge (UK) erstellende Rumänin Krisztina Ilko (New York) das Thema One Saint – Two Orders: St Augustine, the Dominicans and the Augustinian Friars. Auf der Augustinusregel fußen beide Orden. Die Augustiner-Eremiten versuchten, den Heiligen als ihren Gründer zu etablieren, und stellten ihn daher in ihrem Ordensgewand dar. Dies geschah besonders mit Blick auf die beim Zweiten Konzil vom Lyon geforderte Aufhebung und nur „auf Bewährung“ zugestandene Weiterexistenz des 1256 aus verschiedenen Eremiten-Verbänden gegründeten Ordens. Die Dominikaner hingegen präsentierten Augustinus häufig als Bischof (möglicherweise weil die Predigt lange ein bischöfliches Recht war) oder zeigten ihn im Kampf gegen Häretiker. Demonstriert wurde anschaulich, dass die Verehrung des Augustinus in ordensspezifischer Weise und von entsprechend verschiedenen Blickwinkeln her erfolgte.

Der Frage nach Identität und Vereinnahmung schloss sich Lena Marschall (Hamburg) mit ihrem Thema an: Ordensbäume im Dienst dominikanischer Selbstdarstellung. Die ab dem 15. Jahrhundert nachweisbaren Ordensstammbäume zeigen in typologischer Parallelität zur Wurzel Jesse die aus Dominikus hervorgehende und oft in Maria mündende Entfaltung des Ordens in seinen Heiligen, Päpsten und herausragenden Theologen als „Früchten“ am „Weinstock des Herrn“. Der Referentin ging es vor allem um die genauere Eruierung der Vorgeschichte. Hier ist auf das franziskanische, schon von Bonaventura benutzte Vorbild der Lebensbäume einzugehen: Von dem am Kreuz als Lebensbaum dargestellten Christus und / oder dem am Lebensbaum befindlichen „alter Christus“ Franz von Assisi gehen zahlreiche Zweige aus, die die heilsgeschichtlich interpretierte Entfaltung des Ordens in herausragenden Mitgliedern zeigen. Offenbar beeinflussten die Franziskaner die dominikanische Ikonographie, wie Marschall an einer dominikanischen Lebensbaumdarstellung aus Florenz deutlich machte. Im Gegenzug nahmen die Franziskaner das Motiv des Ordensbaumes auf.

Die Frage des Umgangs mit Mystik im Kontext der Aufklärung, auch zwischen Eliten- und Volksglauben, nahm Elisabeth Fischer (Hamburg) auf. Ihr ging es um Prüfung von Heiligkeit und Umgang mit dem Übernatürlichen im Dominikanerorden im 18. Jahrhundert am Beispiel der stigmatisierten Bamberger Laienschwester Maria Columba Schonath OP (1730-1787). Sie war eine der zahlreichen mystisch begabten, visionären bzw. auch stigmatisierten Klosterfrauen im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhunderts. Aspekte aus vielen Bereichen, Gendergeschichte, Geschichte der Körperlichkeit, Ordens- und Kirchengeschichte ermöglichten einen facettenreichen multiperspektivischen Einblick. Vornehmlich ging es um die Unterscheidung der Geister in einer Zeit, als man der Überzeugung war, dass Gott und Teufel direkt in die Welt eingreifen. Doch war der Kontakt mit dem Übernatürlichen nicht eindeutig, sondern von Ambiguität geprägt: Handelte es sich bei mystischen Erfahrungen um Gottesbegegnung, Hysterie oder etwas anderes? Unklarheit herrschte auch über die Zeichenhaftigkeit klar erkennbarer körperlicher Symptome wie der Stigmatisation. Aufklärer einschließlich des zuständigen Bischofs legten auf natürliche Erklärungen Wert. Es ist also eine komplizierte und komplexe analytische Thematik und um diesen Evaluationsprozess ging es der Referentin. Sie zeichnete u.a. die Verwissenschaftlichung des Diskurses in kirchlichen Behörden nach etwa in Techniken der Befragung oder der Nutzung empirischer Möglichkeiten wie ihre Verrechtlichung (Kodifizierung von Wundern und Tugendgraden) in Heiligsprechungsverfahren. Erscheinungsweisen des Übernatürlichen waren vielfältig – empirisch (z.B. medizinisch), theologisch und historisch – zu untersuchen.

Die beiden Ungarn Dániel Siptár (Budapest) und Ferenc Veress (Sopron) boten aus historischer wie kunstgeschichtlicher Sicht Einblick auf Dominicans in Hungary in the Early Modern Period (1638-1788). Im dreigeteilten, aber durch (Rück-) Eroberungen schließlich dominierenden königlich-habsburgischen Ungarn (neben dem zum ottomanischen Reich gehörenden Ungarn und Siebenbürgen) waren infolge der Reformation wie der muslimischen Siege die Dominikaner zu Ende des 16. Jahrhunderts untergegangen und die Provinz 1611 aufgelöst worden. Mit Hilfe der steyrisch-kärntischen Kongregation bzw. der deutschen Ordensprovinz der Dominikaner wurden ab 1638 sieben Konvente und Häuser in Ungarn gegründet und die ungarische Ordensprovinz (wieder-) mit Konventen sowohl in Ungarn wie im Habsburgerreich errichtet. Da das deutschspachige Element zahlenmäßig überwog, wirkten die Dominikaner häufig in Ungarn in der Deutschenseelsorge. Eine wichtige Facette dieses Überblicks innerhalb einer häufig noch vernachlässigten europäischen Perspektive bot die kunsthistorische Darstellung. Hier wurden die im Barockstil errichteten Kirchen und Konvente betrachtet, die sich häufiger an der barocken Wiener Dominikanerkirche orientierten. Denn auch wenn Dominikaner an zwei früheren Wirkungsorten siedelten, waren sie auf Neubauten angewiesen.

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Dr. Igor Sosa Mayor (Valladolid) erläuterte Kohäsionsmechanismen des Ordens in der Frühen Neuzeit (ca. 1550 – ca. 1750): Generalmeister und Historiographie. Er untersucht die vielen historiographischen Arbeiten von Dominikanern in einem Zeitalter, in dem der Orden außerhalb Europas expandierte und die Geschichtswissenschaft sowohl allgemein als auch im Orden einen Aufschwung nahm. Da die „demokratischen“ Elemente des Ordens wie das Generalkapitel im Zeitalter des Absolutismus geschwächt waren, zugleich absolutistische Herrscher auf Einordnung in ihr Regiment setzten und überregionale Ordensstrukturen beschränkten, war es ein Anliegen der Ordensmeister – darunter die Ordenshistoriker Ripoll und Bremond – den Zusammenhalt des Ordens zu fördern und Spaltung zu vermeiden. Dem diente eine Art zentralisierte Historiographie des Ordens auch als Mittel gemeinsamer Identitätsbildung. Dies erfolgte in vielen Formen: die Edition der päpstlichen Vergünstigungen (Bullarium Ordinis Praedicatorum), Heiligenviten und Zusammenstellungen der bedeutenden Persönlichkeiten des Ordens als besonders identitätsstiftend, ebenso Neu-Herausgabe ihrer Werke, ordensgeschichtliche Arbeiten und vieles mehr.

Die rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Universitäten in Europa und den USA sorgten nicht nur mit der Bandbreite von Themen, sondern vor allem durch rege und anregende fächerübergreifende Diskussion für die Herausarbeitung interdisziplinär relevanter Impulse. Dies ermöglichte Vertiefung wie Kritik fachspezifischer Informationen. Nicht zuletzt sorgte die positive Resonanz dafür, dass die Veranstalter beschlossen, künftig möglichst regelmäßig einen Workshop „Dominikanerstudien“ anzubieten.

Prof. Dr. Klaus-Bernward Springer, Köln

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Programm:

Freitag, den 8. Februar 2019 

  • 14.00 Uhr: Begrüßung der Veranstaltenden
  • 14.15 Uhr: Cornelia Linde (London): Die Bedeutung des Bildungsstandorts Oxford für Provinz (Anglia) und Orden. 
  • 15.15 Uhr: Sarah Mammola (Freiburg): Die Freiburger Dominikaner im späten Mittelalter.
  • 16.15 Uhr – 16.30 Uhr: Kaffeepause
  • 16.30 Uhr: Adrian Kammerer (Köln): Frauengemeinschaften und die Annahme der dominikanischen Drittordensregel in der Teutonia.
  • 17.30 Uhr: Claudia Sutter (St. Gallen): Besitzverwaltung von Dominikanerinnenklöstern am Beispiel von St. Katharinen im schweizerischen St. Gallen.
  • Besichtigung der heutigen Dominikanerkirche St. Andreas / Köln.
  • Gemeinsames Abendessen im Brauhaus Päffgen, Friesenstr. 64-66.

Samstag, den 9. Februar 2019

  • 8.30 Uhr: Kristin Hoefener (Paris): Überlieferung und Rezeption des Ursula-Kultes bei den Dominikanern zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Einflüsse dominikanisch-hagiographischer Texte auf das Entstehen von Ursula-Offizien zu Ehren der Kölner Jungfrauen.
  • 9.30 Uhr: Krisztina Ilko (New York): One Saint – Two Orders: St Augustine, the Dominicans and the Augustinian Friars.
  • 10.30 Uhr – 10.45 Uhr: Kaffeepause
  • 10.45 Uhr: Lena Marschall (Berlin): Ordensbäume im Dienst dominikanischer Selbstdarstellung.
  • 11.45 Uhr: Elisabeth Fischer (Hamburg): Prüfung von Heiligkeit und Umgang mit dem Übernatürlichen im Dominikanerorden im 18. Jahrhundert am Beispiel der stigmatisierten Bamberger Laienschwester Maria Columba Schonath OP (1730-1787).
  • 12.45 Uhr – 13.30 Uhr: Mittagessen
  • 13.30 Uhr: Dániel Siptár (Budapest) und Ferenc Veress (Sopron): Dominicans in Hungary in the early modern Period (1638-1788).
  • 14.30 Uhr: Igor Sosa Mayor (Valladolid): Kohäsionsmechanismen des Ordens in der Frühen Neuzeit (ca. 1550 – ca. 1750): Generalmeister und Historiographie. 
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"Das Martyrium in Spätantike und frühem Mittelalter“ (Feb. 2019)

Vom 20. bis 23. Februar 2019 war Dr. Markus Löx zu Gast am Campo Santo Teutonico im Römischen Institut der Görres-Gesellschaft (RIGG). Da er sich in der Vergangenheit intensiv mit der Entwicklung des frühchristlichen Märtyrerkultes auseinandergesetzt hat, konnte er einen Teil der Tagung „Sterben & Töten für Gott? Das Martyrium in Spätantike und frühem Mittelalter“ moderieren und sich kritisch in die Diskussion einbringen. Die internationale und interdisziplinäre Tagung wurde ausgerichtet von der Forschungsstelle Christlicher Orient an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (Prof. Dr. Peter Bruns) in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte und Patrologie (Prof. Dr. Dr. Andreas Weckwerth) sowie der Stiftungsprofessur Prinz Max von Sachsen des Bistums Eichstätt für Theologie des Christlichen Ostens (Prof. Dr. Thomas Kremer) und dem RIGG (Prof. Dr. Stefan Heid). Die Tagung lieferte wichtige Ergebnisse um den „Märtyrerbegriff“ in Spätantike und Frühmittelalter in Zukunft noch besser greifen zu können und die Genese des damit verbundenen Kultes facettenreicher als bislang nachzuzeichnen. Besonders der Vergleich mit frühislamischen Martyriumsvorstellungen, der in einer Reihe von Vorträgen angestellt wurde, bereicherte die Sicht auf die frühchristlichen Quellen.

Ein ausführlicher Tagungsbericht findet sich auf der Homepage der Forschungsstelle Christlicher Orient.

201902 Loex Tagung Rom

(C) Stefan Heid


Forschungsreisen von Innocent Smith (Feb./Mrz. 2019)

February – Huntington Library Trip

For my dissertation project at the Universität Regensburg, I am studying medieval Bibles which contain Missals. Many of my sources are in European libraries, but a few have migrated around the world. In February 2019, I had an opportunity while visiting family in California to make a trip to the Huntington Library in San Marino, California, where an important manuscript for my research resides. San Marino, Huntington Library, HM 26061 is a 13th century Bible which contains beautiful illuminations, including a full-page crucifixion that accompanies the prayers for the Canon of the Mass. Studying the manuscript in person allowed me to develop a better understanding of the relationship of the liturgical portion of the manuscript to the broader biblical context. I was able to take many photographs of the most relevant folios of the manuscript for my research, which will allow me to continue my analysis of the textual contents and more easily compare them to the other manuscripts I am analyzing. Working at the Huntington Library was a wonderful experience; the staff members of the library were very supportive, and the idyllic setting of the surrounding gardens and art museum provided a stimulating space between sessions with the manuscript. While in the Los Angeles area, I was also able to consult an important early 13th century notated Dominican Missal at the Getty Museum, which sowed seeds for future research projects!

Smith Huntington Library Trip 01

March Conferences in Frejus and Provins

In March 2019, I was able to participate in two manuscript studies workshops in France thanks to a travel stipend provided by the Graduiertenkolleg Metropolität in der Vormoderne. The first workshop, manuSciences ’19 in Frejus, provided an introduction to a variety of contemporary methods for manuscript study, including digital humanities, chemical and physical analyses, and imaging methods such as multi-spectral imaging. The faculty for the workshop were a diverse group of scholars from around the world who were able to effectively provide a sense of the possibilities as well as the challenges offered by these new approaches. In order to get practical experience with the machines, we each made our own “manuscripts” which we then submitted to chemical and physical analysis. I made a “fragment” of the Dominican Salve Regina chant, which yielded interesting results when examined with various instruments that could determine the different inks and pigments used on the parchment.

One important insight I gained was that the technical complexity of some of these approaches means that they are most effectively employed in collaboration between scholars with more scientific and more humanities-oriented backgrounds. The large group of students and teachers was very friendly, and we had a good balance of enjoyable social time and focused instruction. On the first day of the workshop, we had a poster session in which we took turns informally explaining our ongoing research projects to each other; I was able to present some insights from my research of medieval Bible Missals. During the poster session, I had many good conversations about the work with other participants, including specialists in Hebrew manuscripts, which provided interesting opportunities for comparison of approaches to the presentation of the biblical text. One highlight of the visit was the chance to see the ancient Cathedral of Frejus, with elements dating to the 5th century and with a beautifully preserved cloister for the medieval canons.

The following week, I participated in the “Séminaire de recherche sur les manuscrits liturgiques médiévaux de Provins”, a workshop led by Susan Boynton of Columbia University in collaboration with Luc Duchamp of Provins. During this workshop, a small group of graduate students and early career scholars had the opportunity to study the manuscripts preserved in the municipal library of Provins. I focused on three Festive Missals with musical notation that were written for use in the Canonical Church of St. Quiriace, an impressive church which dominates the landscape of the medieval city. I was privileged to have the opportunity to celebrate Mass each morning St. Quiriace, which gave my work on the medieval manuscripts a heightened interest. In addition to our time in the library, we had several interesting tours of important historical sites in the town, including the Benedictine monastic church of Saint-Ayoul and the canonical residences of St. Quiriace. At the end of the week, the participants gave presentations on their work to a group of local historians and interested residents of Provins. I gave a presentation on the three Missals I had studied, comparing their liturgical contents and singing for the audience the proper Alleluia verse contained in the three books for their patron saint, St. Quiriace.

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Among the many wonderful experiences of the study week, my favorite was getting to know a local cat who lives in the neighborhood of St. Quiriace. On our first visit to the church, the cat followed us into the church and sat very patiently on a chair near our group while our tour guide explained the architecture of the church. The cat then accompanied us throughout the rest of the church, striking contemplative poses in front of the various altars. Perhaps we entertained angels unawares!

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Spital und Wirtschaft. Lebensstandard in historischer Perspektive

Regensburg, 22.03.2019 - 23.03.2019

In ihrer historischen Entwicklung, ihrer institutionellen Konstitution, ihren Finanzierungsmechanismen, ihren diversen sozioökonomischen und karitativen Kernfunktionen, ihren umfangreichen Infrastrukturen und vor allem in ihrer pragmatischen Schriftlichkeit zeigt sich die vitale Verzahnung spätmittelalterlicher und (früh-)neuzeitlicher Hospitäler derer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit denen europäischer Städte und Regionen. Aktuelle Zugänge der Hospitalgeschichtsschreibung betrachten alltägliche ökonomische Abläufe im einzelnen Spital als Großhaushalt. Andere wiederum ordnen Kennzahlen aus Spitalrechnungsbüchern in überregionale Wirtschaftszusammenhänge ein. Mit methodisch offenem Fokus widmete sich das Symposium „Spital und Wirtschaft“ den diversen Facetten der Untersuchung des materiellen Lebensstandards und – ganz allgemein – der wirtschaftlichen Praxis in vormodernen Hospitälern.

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Fotograph: Luftbild-Photograph Herbert Stolz

Nach einer programmatischen Einführung durch MARK SPOERER (Regensburg), die zentrale Entwicklungslinien der Wirtschafts- und Agrargeschichte vom Spätmittelalter zur Industrialisierung in Mitteleuropa skizzierte und die Diskussionen zur so genannten Little Divergence in direkten Kontext zur Hospitalgeschichte und ihrer spezifischen Überlieferungssituation brachte, setzte THOMAS FRANK (Pavia) den Rahmen für erste Diskussionen. Er beschrieb einige größere italienische Hospitäler des Spätmittelalters – u. a. Florenz, Siena und Mailand – auf Basis von Fiskal- und Notariatsüberlieferung als Wirtschaftsbetriebe mit einem Schwerpunkt auf der Landwirtschaft. Er zeichnete einen Trend hin zu Verpachtung und Ökonomisierung nach, der zu einer Bedeutungserweiterung der Hospitäler als Kreditanstalten für breite Bevölkerungskreise geführt habe. Herausgearbeitet wurden die personalen Netzwerke der Hospitalsverantwortlichen und damit das symbolische Kapital der jeweiligen Institutionen als Faktor ihrer ökonomischen Effektivität. Die Strahlkraft italienischer Hospitäler, deren Aufbau als Vorbild für Gründungen im weiteren europäischen Umfeld gilt, spiegelte sich in den Ausführungen von SIMON ZSOLT (Târgu Mureș), der die administrative Struktur, die Finanzierung sowie die Einnahmen- und Ausgabenmuster der transsilvanischen Hospitäler von Sibiu, Bistrița und Brașov bis zu deren Übernahme in den osmanischen Herrschaftsbereich analysiert hat und somit ein Schlaglicht auf die Parallelen, aber auch Unterschiede institutioneller Fürsorgeeinrichtungen in Zentraleuropa warf.

Den Blick auf Spitalökonomien in Reichsstädten lenkte schließlich JEANNETTE FISCHER (Lübeck) mit ihrer Projektvorstellung zur Rechnungsbuchüberlieferung des Heiligen-Geist-Hospitals zu Lübeck in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Serielle und nicht-serielle Quellen geben Aufschluss zur Verwaltungsgeschichte des Hospitalbetriebs per se, aber – zentral über eine Auswertung der detaillierten Küchenrechnungen – auch zur Alltags- und Konsumgeschichte der Hansestadt. Während Fischer sich also mit der „Ökonomie der Schriftlichkeit“ eines niederdeutschen Hospitals 1540–1610 befasste, zeigte STEFAN SONDEREGGER (St. Gallen) die seinen Forschungen nach zentralen Funktionen kommunaler Spitäler auf – Fürsorge, Wirtschaft bzw. Finanzierung sowie Herrschaft und Administration. Hierfür wertete Sonderegger Quellen zum Heiliggeistspital der Reichsstadt St. Gallen aus, u. a. seine Edition der Stadtbücher. Der Referent betonte die Bedeutung der Landwirtschaft (auch: Weinwirtschaft) für das St. Gallener Spital und stellte heraus, dass für ein Begreifen des Wirtschaftens eines städtischen Spitals die Untersuchung qualitativer als auch quantitativer Aspekte grundsätzlich ineinandergreifen müsse.

Auch der öffentliche Abendvortrag von MARTIN SCHEUTZ (Wien), der sich auf Grundlage von Beispielen aus Bayern und Österreich mit den wirtschaftlichen Aktivitäten verschiedener Spitäler vor karitativem Hintergrund beschäftigte, stützte die in den ersten Sektionen untermauerte Behauptung einer auf ökonomischer Effizienz angelegten Wirtschaftsführung vormoderner Hospitäler und der damit einhergehenden Bürokratisierungstendenzen, die auf der Notwendigkeit des pragmatischen Nachvollziehens der Rechnungslegung beruhten. Obwohl Scheutz, wie auch manche ReferentInnen insbesondere am zweiten Tag des Symposiums, eine Tendenz zur Verschleierung der tatsächlichen Kassenbewegungen feststellte, konstatierte seine Keynote ein Primat von Besitzerhaltung, Eigenverwaltung und Vorratshaltung als Leitmotiv der wirtschaftlichen Handlungspraxis sozialkaritativer Einrichtungen in Spätmittelalter und (Frühe) Neuzeit.

Mit dem Wirtschaften im frühneuzeitlichen Krankenhaus – in Kontrastierung zum Hospital als Fürsorgeeinrichtung mit eigenständigem Profil – beschäftigte sich eine weitere Sektion. Zunächst stellte SUSANNE WANNINGER (Regensburg) die Wirtschaftsführung im Krankenhaus St. Josef in Regensburg in den Jahren 1664–1837 vor und stellte ausgewählte Quellenzitate aus dem Bischöflichen Zentralarchiv ins Zentrum ihres Vortrags, um von diesen anekdotischen Beispielen ausgehend wirtschaftshistorische Forschungsfragen nach dem regionalen Kreditnetzwerk des Krankenhauses und dessen Geschäftsgebaren analytisch aufzufächern. Einem eher medizinhistorischen Thema – der Kranken- bzw. Verletztenfürsorge im Kriegs- bzw. Militärkontext – widmete sich im Folgenden NEBIHA ANTONINE GUIGA (Paris). Guiga befasst sich, auf der Basis von statistischen Quellen aus dem Kriegsarchiv in Wien, mit Militärhospitälern während des Fünften Koalitionskriegs im Jahr 1809. Ihr Vortrag konzentrierte sich auf die Folgen der Schlachten bei Aspern-Essling und Wagram und nahm die verwaltungsmäßige und personelle Organisation der provisorischen Feldhospitäler in den Blick. Obschon die Quellenlage eine exakte Rekonstruktion der Umstände der behandelten Offiziere und Soldaten nicht erlaubt, konnte der Vortrag von Guiga konventionelle Vorstellungen über die Krankenpflege und die Überlebenschancen im frühen 19. Jahrhundert korrigieren und somit das generelle Wissen über eine Ereigniskette ergänzen, die die Existenz zahlreicher Hospitäler in Mitteleuropa entscheidend geprägt hat – so auch des Regensburger St. Katharinenspitals, das in Folge von Kampfhandlungen im Österreichisch-Französischen Krieg im Frühjahr 1809 fast komplett zerstört wurde.

Mit Entscheidungsfindung und Erfahrungshandeln in der „Getreidepolitik“ des Regensburger St. Katharinenspitals befasste sich daraufhin KATHRIN PINDL (Regensburg). Anhand des Fallbeispiels der klimabedingten Hungerkrise von 1770, deren Konsequenzen für die BürgerInnen der Reichsstadt und die SpitalbewohnerInnen durch bayerische Getreidesperren noch verschärft wurde, zeigte die Referentin den Umgang des durch interne Umstrukturierungen in seiner Handlungsfähigkeit geschwächten Spitals mit der Krisensituation auf. Das Hospital war über seine Eigenwirtschaft und Grundherrschaft sowohl Produzent als auch als Konsument von Getreide, daneben verfügte es über Getreidekästen, die eine gewisse Vorratshaltung erlaubten. Pindls Quellenauswertung zufolge handelten die Spitalsoffizianten marktwirtschaftlich rational, doch im Gleichklang mit weiteren Untersuchungen kommt sie zum Schluss, dass es nur im Zusammenspiel mit den Regensburger Behörden und aufgrund der spezifischen politischen Geographie gelang, die Krise ohne Übersterblichkeit oder externe Hilfsmaßnahmen zu meistern. Auf die Eigenwirtschaft und Grundherrschaft des Regensburger Hospitals vertieft eingegangen ist dann CHRISTOPH-WERNER KARL (Neusath-Perschen), dessen agrarwirtschaftlich orientierter Beitrag die Verpachtung landwirtschaftlicher Nutzflächen des Spitals und hier im Besonderen die sich wandelnden (gewohnheits-)rechtlichen Konstrukte und Praktiken im 18. Jahrhundert zum Thema hatte. Konkrete Quellenbeispiele beleuchteten die Auswahl- und Entscheidungsmaximen der Spitalmeister bei neuen Pächtern und machten die aufgrund wirtschaftlicher Notlagen erforderlich gewordenen Reformbemühungen der spätmittelalterlich konstituierten Institution während der Sattelzeit nachvollziehbar.

Mit der Anpassung der Spitalwirtschaft in Regensburg an die Verhältnisse im „kurzen 18. Jahrhundert“ beschäftigte sich auch LUDWIG PELZL (Florenz), dessen Beitrag den Anhang von Rudolf Neumaiers 2011 erschienenem Standardwerk „Pfründner: Die Klientel des Regensburger Katharinenspitals und ihr Alltag (1649–1809)“ mit deskriptiv-statistischen Mitteln im Lichte der Fragestellung nach dem richtigen Preis für den Pfründenkauf unter verschiedenen Prämissen wie Geschlecht, Konfession, Herkunft und Lebensstand neu auswertete, was die Sinnhaftigkeit der Bereitstellung von kompiliertem Datenmaterial für innovative Forschungsvorhaben deutlich aufzeigte. Eine lebhaft sich entspinnende Diskussion regte hier eine weitergehende ökonometrische Auswertung an, die unter Umständen überraschende Zusammenhänge zwischen Interessenteneigenschaften und Pfründenkauf aufdecken könne.

Die bereits in mehreren vorhergehenden Referaten angeklungenen Grenzen der Aussagekraft von Spitalrechnungen aufgrund von immer wieder nachweisbaren zahlenmäßigen Ungenauigkeiten verschiedentlichen Ursprungs – nicht selten Misswirtschaft und Betrug – wurden dann überaus anschaulich von ALFRED STEFAN WEISS hervorgehoben, der faktengesättigt diverse Malversationen in Spitälern des Herzogtums Steiermark, etwa in Bruck an der Mur, darstellte. Weiß erläuterte anhand des vielfältig vorhandenen Quellenmaterials aus dem entstandenen Rechtsstreit bildhaft die negativen Konsequenzen des Unterschleifs der Spitalpfleger auf die Lebensumstände die Insass/inn/en, die rein anhand der quantitativen Daten schwer fassbar gewesen wären.

Zum Abschluss des Symposiums wurden Spitalrechnungen als Quelle für den historischen Lebensstandard ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt. SEBASTIAN POESSNIKER (Regensburg) erläuterte sein Forschungsprojekt zu den Rechnungsbüchern der Fürsorgeeinrichtungen der Reichsstadt Regensburg in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Im inhaltlichen Kontext des so genannten „Ausgangs aus der Armutsfalle“ interessieren in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Zeitreihen zu Löhnen und Preisen, die bei aller Quellenkritik eine Berechnung des materiellen Lebensstandards etwa über Reallohnreihen und die den Preisindices zugrunde liegenden Warenkörbe ermöglichen. Pößniker unternimmt ein solches Unterfangen für verschiedene Berufsgruppen aus Regensburg und der Region. Zwischenergebnisse zum 17. Jahrhundert stellte er im Beitrag vor. Vergleichbare Untersuchungen zum Lebensstandard im vormodernen Wien werden von MICHAEL ADELSBERGER (Wien) durchgeführt. Seine Preis- und Lohndaten stammen aus den Rechnungsbüchern des Wiener Bürgerspitals, dessen vielfältige (land-)wirtschaftliche Aktivitäten ebenfalls ausführlich quellenmäßig dokumentiert sind. Adelsberger präsentierte analog zu Pößniker erste Lohn- und Preisreihen, zumeist aus dem Bauhandwerk, sowie Entwürfe für Warenkörbe, was in einer fachlich ergiebigen und für alle Tagungsteilnehmenden fruchtbaren Abschlussdiskussion im Plenum mündete.

Als Fazit des Symposiums „Spital und Wirtschaft“ hat sich bestätigt, dass das vielfach noch nicht erschöpfend ausgewertete pragmatische Verwaltungsschriftgut der europäischen Hospitallandschaft eine wertvolle Quelle für die wirtschafts-, sozial- und kulturhistorische Forschung darstellt, die oftmals noch erschlossen (vgl. etwa www.spital-history.ur.de) und methodisch kritisch diskutiert werden muss. Die 14 Referate erhellten anhand von konkreten Fallbeispielen den Horizont zur wirtschaftlichen Handlungspraxis einzelner Hospitäler, zur Organisation von Spitalbetrieben im Allgemeinen sowie zum Spannungsfeld von karitativem Ideal und Markt – hier brachte die Tagung dezidiert Synergien zwischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit Stadt- und Spitalgeschichte zum Ausdruck, so dass bleibt, einer Publikation der Tagungsergebnisse in der Reihe „Studien zur Geschichte des Spital-, Wohlfahrts- und Gesundheitswesens“ mit Interesse entgegenzusehen.

Konferenzübersicht:

Begrüßung / Grußworte

Wolfgang Lindner, Spitalmeister des St. Katharinenspitals, Regensburg

Dompropst Prälat Dr. Franz Frühmorgen, Vors. des Spitalrats, Regensburg

Gertrud Maltz-Schwarzfischer M.A., Bürgermeisterin der Stadt Regensburg

Prof. Dr. Susanne Leist, Vizepräsidentin der Universität Regensburg

Einführung in das Tagungsthema

Mark Spoerer (Regensburg)

Sektion 1: Wirtschaften im spätmittelalterlichen Spital

Moderation: Klaus Bergdolt (Köln)

Thomas Frank, (Pavia): Italienische Hospitäler des Spätmittelalters als Wirtschaftsbetriebe

Simon Zsolt, Târgu Mureș (ROM): The Finances of the medieval Transsylvanian Hospitals

Sektion 2: Spitalökonomie in der Reichsstadt

Moderation: Bernhard Löffler (Regensburg)

Jeannette Fischer (Lübeck): Schriftlichkeit der Ökonomie – Ökonomie der Schriftlichkeit

Stephan Sonderegger (St. Gallen/Zürich): Städtische Spitäler: Sozialer Auftrag, Wirtschaft und Herrschaft. Das spätmittelalterliche Heiliggeistspital der Reichsstadt St. Gallen

Öffentlicher Abendvortrag
Martin Scheutz (Wien): Wirtschaften vor karitativem Hintergrund. Beispiele aus Bayern und Österreich in der Frühen Neuzeit

Sektion 3: Wirtschaften im frühneuzeitlichen Krankenhaus

Moderation: Harriet Rudolph (Regensburg)

Susanne Wanninger (Regensburg): Wirtschaftsführung in einem Krankenhaus der Vormoderne – St. Josef in Regensburg (1664–1837)

Nebiha Antonine Guiga (Paris): Everyday life, organization and supplies management: military hospitals in and around Vienna during the 1809 campaign in Austria

Sektion 4: Agrarwirtschaft im St. Katharinenspital

Moderation: Artur Dirmeier (Regensburg)

Kathrin Pindl (Regensburg): Saison und Subsistenz: Entscheidungsfindung und Erfahrungshandeln in der Getreidepolitik des Regensburger St. Katharinenspitals (17.–19. Jahrhundert)

Christoph-Werner Karl (Neusath-Perschen): Zwischen Eigenwirtschaft und Grundherrschaft – Die Verpachtung landwirtschaftlicher Nutzflächen durch das Regensburger St. Katharinenspital

Sektion 5: Alterssicherung und Veruntreuung im Spital

Moderation: Daniel Drascek (Regensburg)

Ludwig Pelzl (Florenz):„... and they lived happily ever after”? Commercial Retirement Business at St. Catherine’s Hospital in Regensburg, 1649–1809

Alfred Stefan Weiß (Salzburg): Betrug und Unterschleif: Malversationen in Spitälern des Herzogtums Steiermark im 18. Jahrhundert

Sektion 6: Spitalrechnungen als Quelle für den historischen Lebensstandard

Moderation: Mark Spoerer (Regensburg)

Sebastian Pößniker (Regensburg): Die Rechnungsbücher der Fürsorgeeinrichtungen der Reichsstadt Regensburg und der Lebensstandard der „kleinen Leute“

Michael Adelsberger (Wien): Lebensstandard im vormodernen Wien

Schlussdiskussion

Diesen Tagungsbericht und weitere Informationen zu ebendiesem finden Sie unter  www.hsozkult.de.


Dumbarton Oaks Byz. Studies Symposium (12.–13. April 2019)

An english version of this report can be read below.

Vom 12.–13. April wohnten Gregory Tucker und Christopher Sprecher dem jährlichen Byzantine Studies Symposium an der Dumbarton Oaks Research Library and Collection in Washington, DC (USA). Das Thema des diesjährigen Symposiums war „Prozessionen: Urbanes Ritual in Byzanz und benachbarten Ländern“. Obwohl Vorträge bei den Symposien an Dumbarton Oaks nur auf Einladung gehalten werden, werden das Publikum sowohl als auch interessierte Akademikerinnen und Akademiker zur Teilnahme am Symposium eingeladen: man darf nach den Vorträgen Fragen stellen und sich während der Pausen und Mahlzeiten mit den Forscherinnen und Forschern unterhalten. Das Thema von Prozessionen/Umzügen und allem, was damit in den orthodoxen Kirchen verbunden ist bzw. war, hängt mit unseren beiden Promotionsthemen eng zusammen. Die Vielfalt der gehaltenen Vorträge befasste sich mit Angelegenheiten wie: Materialität (Stofflichkeit) in Byzanz; Prozessionen und Topographie in Konstantinopel, Moskau und Kiew; Zunftumzügen im osmanischen Istanbul; lateinischen Umzügen in Jerusalem; islamischen Prozessionen mit Qur’ān-Kopien; usw. Das Symposium bot beiden Doktoranden die Möglichkeit an, sich mit anderen Doktoranden sowie etablierten Figuren in byzantinischen Studien auszutauschen. Teilnahme am Symposium wurde durch gemeinsame Unterstützung des Graduiertenkolleg und der Fakultät für Katholische Theologie an der Universität Regensburg ermöglicht. Weiteres zum Symposium kann der Symposiumswebseite entnommen werden.


From 12-13 April, Gregory Tucker and Christopher Sprecher attended the annual Byzantine Studies Symposium at the Dumbarton Oaks Research Library and Collection in Washington, DC (USA). The theme for this year’s symposium was “Processions: Urban Ritual in Byzantium and Neighbouring Lands.” While papers are only given by invitation at the symposia of Dumbarton Oaks, the public and interested scholars are invited to attend and participate, asking questions at the end of papers and enjoying conversation during the breaks and meals. The topic of processions and all they entail(ed) in the Orthodox churches is pertinent to both of our research topics, and the variety of papers given touched on issues such as: materiality in Byzantium; processions and topography in Constantinople, Moscow, and Kiev; guild processions in Ottoman Istanbul; Latin processions in Jerusalem; Islamic processions of Qur’ān copies; etc. The symposium offered both doctoral students the chance to meet other doctoral students as well as established figures in Byzantine Studies. Attendance at the symposium was made possible by joint funding from the research cluster and the Faculty of Catholic Theology at the University of Regensburg. More on the Symposium can be found here at the symposium website.


Get-together mit Mediävist/inn/en aus Pula/Kroatien (3. Mai 2019)

Mit dem Lehrstuhl für die Geschichte Südost- und Osteuropas begrüßte das Graduiertenkolleg 2337 "Metropolität in der Vormoderne" am 3.5.2019 eine Mediävist/inn/en-Gruppe mit über 30 Studierenden aus Pula (Kroatien) unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Kurelic, Dr. Maurizio Levak und Dr. Katarina Gerrometta an der Spitalkirche St. Katharina in Regensburg-Stadtamhof.

Nach einem Willkommen im Veranstaltungssaal des St. Katharinenspitals stellte Dr. Susanne Ehrich zunächst den seit 2003 an der Universität Regensburg bestehenden Forschungsverbund "Forum Mittelalter" und dessen interdisziplinäres Forschungsprogramm aus Mittelalterlicher Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, Romanistik, Theologie, Rechtsgeschichte, Philosophie, Wissenschafts- und Musikgeschichte vor. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die jährlich stattfindenden Konferenzen mit ihren vorangestellten Doktorandenworkshops, aber auch auf die jährliche Ringvorlesung, die sich im Sommer 2019 mit dem jüdisch-christlichen Zusammenleben im vormodernen Regensburg befasst, gelegt. Für die Exkursionsgruppe von der Universität Pula, mit der ein Erasmus-Austauschabkommen seitens der Universität Regensburg besteht, waren Flyer und Informationsmaterialien des Welcome Centers zum Leben und Studium in der Domstadt mitgebracht worden. Susanne Ehrich präsentierte den interessierten Mediävist/inn/en den Masterstudiengang "Kulturgeschichtliche Mittelalterstudien" und erläuterte die erforderlichen Modulleistungen sowie die Berufsperspektiven der Absolvent/inn/en im akademischen und kulturellen Bereich.

Auf die Möglichkeit der Promotion in einem strukturierten Programm wies im Folgenden Kathrin Pindl hin, die die Grundstrukturen des DFG-Graduiertenkollegs 2337 "Metropolität in der Vormoderne" aufzeigte. Zunächst wurde das grundlegende Forschungskonzept - die Untersuchung der longue durée der europäischen Metropole von der graeco-romanischen Antike hin zur Industrialisierung im Rahmen eines interdisziplinären Zugriffs - erläutert und der Begriff der "Metropolität" als Summe funktionaler und symbolischer Referenzpunkte für Urbanisierungsprozesse und Stadt-Umland-Bedeutungszusammenhänge problematisiert. Die Synergieeffekte der multidisziplinären Zusammensetzung der Betreuer/inneengruppe für die einzelnen Forschungsprojekte wurden anhand der diversen Fächerzusammensetzung des Trägerkreises deutlich gemacht. Den angehenden Historiker/innen aus Pula wurde anhand des Betreuungskonzeptes aus Kolloquien, regelmäßigen Einzelgesprächen, Zwischenberichten und Evaluationen die Priorität der Betreuungsqualität und das Ziel der Schaffung möglichst optimaler Forschungsbedingungen für die international zusammensetzten Mitglieder des GRK 2337 deutlich gemacht. Abschließend ging Kathrin Pindl auf die zahlreichen wissenschaftlichen Aktivitäten - das aktuelle Kolloquiumsprogramm, die Arbeitsgruppen, die Ringvorlesung, die Forschungs-, Tagungs- und Archivreisen, die Publikationen und die vom Graduiertenkolleg (mit-)ausgerichteten wissenschaftlichen Veranstaltungen - näher ein.

Nachdem mit dem Forum Mittelalter und dem GRK "Metropolität in der Vormoderne" der wissenschaftliche Austausch mit der kroatischen Exkursionsgruppe eingeläutet wurde, folgte nun der Weg "in medias res": In einer Einführung zur mittelalterlichen (Hospital-)Geschichte und zur Überlieferungssituation von Regensburg stellte der Leiter des Archivs der St. Katharinenspitalstiftung in Regensburg, Dr. Artur Dirmeier OAR, seine Institution, die Regensburger Stadt- und Archivgeschichte und vor allem diverse Beispiele wichtiger stadthistorischer Quellen wie Urkunden, Testamente, Amtsbücher, Rechnungsbücher usw. fachlich versiert und lebendig vor, so dass die kroatischen Mediävist/inn/en sogar einige kurze paläographische Übungen im Lesen spätmittelalterlicher Regensburger Quellen absolvieren konnten. Abgeschlossen wurde das Get-together mit einer von Matthias Freitag geleiteten englischsprachigen Stadtführung mit Fokus auf der mittelalterliche Stadtgeschichte und Architektur von Regensburg.

Der besondere Dank des Graduiertenkollegs 2337 "Metropolität in der Vormoderne" und des Forschungsverbunds "Forum Mittelalter" gilt dem Archiv der St. Katharinenspitalstiftung Regensburg für die Zusammenarbeit beim akademischen Austausch mit den Mediävist/inn/en aus Pula/Kroatien und für die Gastfreundschaft in den historischen Räumlichkeiten der Stiftung.


Prof. Neville Morley: The idea of the "pre-modern city" (Workshop)

Regensburg, 22. Mai 2019

The idea of the "pre-modern city" and its economic role - Vortrag und Workshop mit Professor Neville Morley von der University of Exeter

Neville Morley lehrt Klassikstudien und Alte Geschichte an der University of Exeter und befasst sich in seinen Schriften besonders mit sozio-ökonomischen und demographischen Aspekten im Alten Rom bzw. in den antiken Gesellschaften des Mittelmeerraums sowie mit ideenhistorischen Fragestellungen, die altgriechische (v.a. Thukydides) und neuzeitliche Denktraditionen gleichermaßen einschließen. Mit seinem umfangreichen Opus, darunter die Schlüsselpublikationen "Metropolis and Hinterland. The City of Rome and the Italian Economy, 200 BC-AD 200" (2002) oder "Antiquity and Modernity" (2009), liefert Morley substantielle Impulse für das diachrone Forschungskonzept des GRK 2337 "Metropolität in der Vormoderne".

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So war es für alle Beteiligten im Graduiertenkolleg, besonders für die Forschenden aus der Alten Geschichte, der Klassischen Archäologie und der Wirtschaftsgeschichte, eine eine wertvolle Gelegenheit des Lernens und Austauschs, dass Mercedes Och Professor Neville Morley für einen Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums unter dem Titel "The idea of the "pre-modern city" and its economic role", und darüber hinaus für einen Workshop im Arbeitsgruppen-Format am 22. Mai 2019 gewinnen konnte.

Auf Grundlage der gemeinsamen Lektüre des Kapitels "The metropolitan city in a pre-industrial economy" aus seiner Monographie "Metropolis and Hinterland" (2002), das sich kritisch und theoriegeleitet mit den Konzepten der "producer" und "consumer" cities auseinandersetzt und dabei u.a. auf Texte von Weber, Sombart, Finley et al. Bezug nimmt, wurden Aspekte, die eine vorindustrielle Stadt zur Metropole machen, in der Gruppe diskutiert. Dazu hatte jede/r Teilnehmer/in eine bis zwei Fragen, die auf das jeweils eigene Forschungsthema im Rahmen des Graduiertenkollegs zugeschnitten waren, vorbereitet. Durch den offenen Werkstattcharakter des Workshops konnten die Regensburger Kollegiat/inn/en individuell von dem breiten Erfahrungshorizont des Historikers und seiner Perspektive auf diverse methodologische Aspekte der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, des Urbanismus und der Demographie des Alten Rom profitieren.

Wir danken Professor Morley für dieses außerordentliche Engagement zugunsten des GRK 2337 "Metropolität in der Vormoderne".

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GRK 2337: "Metropolität in der Vormoderne"

 

Prof. Dr. Jörg Oberste (Sprecher)

Tel. (Sekr.): +49 941/943-3536

 

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