Alltagskultur
Kultur ist für uns als Vergleichende Kulturwissenschaft kein elitäres Thema. Kultur verstehen wir als die unsichtbaren Regeln im Alltag, wie Menschen zusammenleben,
die Welt verstehen und sie gestalten.
Wenn wir von Alltag sprechen, dann meinen wir oft eine gewisse Routine oder etwas Selbstverständliches. Dabei beschreibt Alltag unsere ganz unmittelbar erfahrene Lebenswelt – sei es das Befolgen von Verkehrsregeln, Begrüßungen und Verabschiedungen, das eigene Lieblingsessen oder das Brautstraußwerfen bei einer Hochzeit.
Gerade das ,,scheinbar Alltägliche" erweist sich bei einer genaueren Betrachtung als spannendes und unerschöpfliches Forschungsfeld. Denn im alltäglichen Handeln finden sich wiederkehrende Muster, an denen sich Menschen orientieren, um den eigenen Alltag zu strukturieren und miteinander Gesellschaft zu gestalten.
Kulturvergleich - was heißt das?
Unser Fachname in Regensburg meint nicht, dass wir Kulturen oder ganze Länder miteinander vergleichen. Wir denken vielmehr in gesellschaftlichen, historischen
und räumlichen Bezügen: Sind es nur Teile einer Gesellschaft, die bestimmte Alltage haben? Wie haben sich Themen geschichtlich entwickelt? Gibt es regionale Unterschiede?
Dazu nutzen wir die Methode des Kulturvergleichs. Verglichen werden kann sowohl kulturhistorisch als auch kulturräumlich sowie im Hinblick auf soziale Gruppen. Wir untersuchen, was Menschen tun, sprechen mit ihnen und setzen unsere Beobachtungen in übergeordnete Kontexte: Wie schlagen sich große gesellschaftliche Themen und Prozesse in den kleinen, individuellen Alltagen nieder? Wie reagieren Menschen auf gesellschaftliche Veränderungen? Wo gibt es Konflikte? Unsere Forschungen nehmen zwar oft eine globale Perspektive ein, gehen aber in der Regel von Menschen in Europa aus.
Unser Kulturverständnis
Die Vergleichende Kulturwissenschaft geht dabei von einem empirischen Kulturverständnis aus. Der Kulturbegriff bezieht sich dabei nicht nur auf die vermeintlichen Spitzenleistungen einer Gesellschaft, sondern ist offener: Alles, was Menschen im Alltag mit Bedeutungen aufladen, ist erforschenswert. Dabei stellt sich auch die Frage, wie sich der Alltag durch eine fortschreitende Globalisierung und Digitalisierung laufend verändert.
Das bedeutet, dass uns nicht nur gegenwärtige Erscheinungen interessieren. Wir fragen auch nach den vergangenen Entwicklungen, denn nur so können wir verstehen, wie das Gestern zum Heute werden konnte.
An anderen Universitäten wird das Fach Vergleichende Kulturwissenschaft übrigens auch Europäische Ethnologie, Volkskunde, Empirische Kulturwissenschaft oder Kulturanthropologie genannt.
Forschungsschwerpunkte in Regensburg
Einen Eindruck über die Vielfalt der kulturwissenschaftlichen Forschungsgebiete bieten bereits unsere Schwerpunkte am Regensburger Lehrstuhl:
- Kulturanalyse des Raumes (insbesondere ländlicher Regionen)
- Kulturerbe und Kulturarbeit (z. B. Erinnerungskulturen oder der Bereich des Immateriellen Kulturerbes)
- Kulturwissenschaftliche Nahrungsforschung
- Kulturen der populären Unterhaltung und Vergnügung
- Erzählen in Wort und Bild
- Geschlecht, Sexualitäts- und Körperkulturen
- Zeit- und Alterskulturen