Nach zwei Amtszeiten als Vizepräsidentin für Internationalisierung und Diversity scheidet Prof. Dr. Ursula Regener aus der Hochschulleitung der Universität Regensburg aus. Seit 2020 hat sie den neu geschaffenen Aufgabenbereich entscheidend mit aufgebaut und zentrale Entwicklungen in den Bereichen Internationalisierung, Weltoffenheit und Vielfalt am Campus angestoßen. Im Interview spricht Prof. Dr. Regener über prägende Projekte ihrer Amtszeit, zentrale Herausforderungen in einem sich wandelnden globalen Umfeld und ihre zukünftigen Vorhaben in Forschung und Lehre.
Frau Prof. Dr. Regener, Sie waren seit 2020 Vizepräsidentin für Internationalisierung und Diversity. Welche Schwerpunkte haben Ihre beiden Amtszeiten besonders geprägt?
Da das Ressort neu eingerichtet wurde, standen in der ersten Amtszeit die bottom up-Erarbeitungen entsprechender Konzepte im Vordergrund. Die dafür nötigen Recherchen, Diskussionen und Entscheidungen führten zu Maßnahmenkatalogen, deren Umsetzung mich in der zweiten Amtszeit auf Trab hielt.
Welche Entwicklungen im Bereich Internationalisierung konnten an der Universität Regensburg in den vergangenen Jahren erfolgreich angestoßen oder umgesetzt werden?
Mit dem Ziel, ein universitätsweites Bewusstsein für Internationalisierung zu schaffen, sind die Maßnahmen für einen mehrsprachigen Campus (zweisprachige Beschilderung, zweisprachige Kommunikation, zweisprachige Formulare), die konsequente Erweiterung des englischsprachigen Lehrangebots, die Anpassung der Zulassungsterminierung auf internationale Rahmenbedingungen, die Etablierung strategischer Partnerschaften und der dafür nötigen Instrumente, auf den Weg gebracht worden. Ohne die Zusammenarbeit mit dem International Office, Dr. Andreas Friedel (Stabsstelle Internationalisierung) und den Internationalisierungsbeauftragten der Fakultäten wäre das nicht gelungen. Dafür meinen herzlichen Dank.
Diversity ist ein zentrales Zukunftsthema für Hochschulen. Welche Impulse konnten Sie hier am Campus setzen?
Zu den grundlegenden Impulsen würde ich die Einführung eines themenspezifischen Konflikt- und Antidiskriminierungsmanagements inklusive der Schaffung einer entsprechenden Stellenstruktur zählen, denn ohne diese Voraussetzung hätte die Antidiskriminierungsstelle (Frau Dr. Bockschweiger) ihr vielfältiges Workshop- und Beratungsangebot nicht entfalten können. Auch die 2020 verabschiedete Richtlinie zum Verfahren bei Vornamens- und Anredeänderung von Transpersonen war ein wichtiges Zeichen. Sie ist glücklicherweise durch das neue Personenstandsgesetz überholt worden. Darüber hinaus wird die Diversity-Arbeit stark unterstützt durch die Kommunikation mit der Studierendenvertretung, den Akteur*innen in den Handlungsfeldern Inklusion, Gleichstellung und BNE, die Kooperation mit der jüdischen Gemeinde, die Bearbeitung und Analyse mitunter komplexer Konfliktfälle... Allen Personen, die hier mit angeschoben und mitgezogen haben, danke ich ausdrücklich vielmals. Zwei erfolgreiche Bewerbungen um das Total-E_Quality-Prädikat (2021 und 2024), die mit umfangreichen Evaluationen einhergingen, zeigen, dass die UR in Sachen Diversity gut aufgestellt ist.
Welche Herausforderungen sind Ihnen in Ihrer Amtszeit begegnet, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Veränderungen?
Wie in jedem Amt sind die Phasen aktiver Gestaltung durchmischt mit Erfordernissen des Reagierens. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine seit Februar 2022 und der vernetzte Aufbau internationaler universitärer Hilfe gehörte hierzu wie auch die Frage nach dem akademisch und politisch angemessenen Umgang mit dem infolge der israelischen Reaktion auf das Hamas-Massaker im Oktober 2023 anschwellenden Antisemitismus oder die Einordnung der globalen Verschiebung von Kräften und Werten. Zu einer Herausforderung der besonderen Art für bestimmt Belange würde ich die hierarchisch geprägten universitären Strukturen zählen.
Worauf blicken Sie persönlich mit besonderem Stolz zurück, was würden Sie rückblickend vielleicht anders machen?
Die Internationalisierungsstrategie und das Diversitykonzept zur Gremienreife zu bringen, erforderte eine Mischung von Geduld und Hartnäckigkeit. Waren die Verzögerungen hier hinnehmbar, so sind sie es in Machtmissbrauchsfällen nicht. Hier setze ich für die Zukunft auf das gewachsene systemische Wissen.
Zeichen zum Ausdruck von Weltoffenheit, diskursiver Entspanntheit und Toleranz erfreuen mich im Rückblick besonders.
Mit dem Ende Ihrer Amtszeit: Welche Pläne und Projekte möchten Sie künftig in Forschung, Lehre oder darüber hinaus verfolgen?
Die Jahre als Vizepräsidentin für Internationalisierung & Diversity haben auch meinen akademischen Horizont gehörig erweitert und nochmal geerdet. Die zwei verbleibenden Dienstjahre reichen wahrscheinlich nicht, den inzwischen angestauten Berg von Ideen und Projekten abzuarbeiten. Aber als erstes bringe ich mein großes Projekt der Edition der Briefe von und an Eichendorff endlich zu einem Abschluss. Hier stecke ich gerade in der Kommentierung des letzten Lebensjahrzehnts, das auch die 1848er Jahre umfasst. Für die Lehre probiere ich an sinnvoll eingesetzten KI-Unterstützungsformaten herum, die das Denken tatsächlich anspornen, und wir beschäftigen uns am Lehrstuhl gerade intensiv mit auf die Lehrkräftebildung zugeschnittenen Angeboten.
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