Wenn Menschen über Organspende sprechen, geht es nicht allein um medizinische Verfahren oder gesetzliche Regelungen – es geht um Hoffnung, um Zeit, um Leben. Es geht um persönliche Schicksale, um Familien, um das Warten und um die Chance auf einen Neuanfang. Die Podiumsdiskussion „Leben spenden“, die am 2. März 2026 im Foyer der Universitätsbibliothek der Universität Regensburg stattfand, stellte genau diese menschliche Dimension in den Mittelpunkt – und verband sie mit medizinischer Expertise sowie gesellschaftlicher Verantwortung.
Ein sensibles Thema zwischen medizinischem Fortschritt und gesellschaftlicher Verantwortung
Nach der Begrüßung durch Matthias Dettenhofer (Unternehmenskommunikation UKR) richtete Universitätspräsident Prof. Dr. Udo Hebel ein Grußwort an die zahlreichen Gäste. Er betonte, dass Organspende ein „sensibler und ganz persönlicher Bereich“ sei, in dem medizinischer Fortschritt, individuelle Entscheidungen und menschliche Solidarität in besonderer Weise zusammenkämen.
Organspende rette Leben und fordere zugleich jede und jeden Einzelnen dazu auf, sich bewusst mit der eigenen Haltung auseinanderzusetzen. Information und Aufklärung seien dabei zentrale Voraussetzungen für verantwortungsvolle Entscheidungen. Hebel unterstrich die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Universität und Universitätsklinikum – in Forschung, Lehre und im gemeinsamen gesellschaftlichen Engagement für die Region Ostbayern.
Medizinische Einordnung: Herausforderungen und internationale Vergleiche
Im anschließenden kurzen Fachvortrag „Organspende und -Transplantation in Deutschland“ ordnete Prof. Dr. Bernhard Banas, Leiter des Universitären Transplantationszentrums Regensburg, die aktuelle Situation ein. Organspende und Transplantation gehörten untrennbar zusammen, so Banas. Zugleich sprach er zentrale Fragen und Sorgen an, die viele Menschen bewegten – etwa, ob zum Zeitpunkt der Organspende der Tod zweifelsfrei festgestellt sei und ob im Falle eines Organspendeausweises weiterhin alle medizinischen Maßnahmen ergriffen würden. Seine Antwort sei „zweimal ein klares Ja“.
Das Regensburger Transplantationszentrum hat in den vergangenen drei Jahrzehnten mehr als 3.000 Organtransplantationen durchgeführt. Dennoch stehen dem weiterhin hohe Wartelisten gegenüber: Bundesweit warten derzeit tausende Patientinnen und Patienten auf ein Spenderorgan; auch am Standort Regensburg sind es mehrere hundert Menschen.
Im internationalen Vergleich, so Banas, seien die Chancen auf eine rechtzeitige Transplantation in Deutschland deutlich geringer als in vielen Nachbarländern. Während hierzulande pro eine Million Einwohner rund 40 Transplantationen durchgeführt würden, lägen die Zahlen in Ländern wie Spanien (120), Österreich (70) oder Frankreich (84) größtenteils deutlich höher. „Die Chancen unserer Patientinnen und Patienten auf eine rechtzeitige Transplantation betragen im Vergleich zu unseren Nachbarländern oft nur 50%“, fasst Banas zusammen.
Als mögliche Ansatzpunkte diskutierte Banas unter anderem eine Ausweitung der Lebendorganspende, die Einführung der Organspende nach kontrolliertem Kreislaufstillstand sowie die erneute gesellschaftliche Debatte über die Widerspruchsregelung – also eine gesetzliche Regelung, bei der eine Organentnahme grundsätzlich zulässig ist, sofern kein aktiver Widerspruch vorliegt.
„Man sieht es mir nicht an“ – Die Perspektive einer Betroffenen
Besonders eindrücklich war der persönliche Erfahrungsbericht von Sarah Payer, die auf ein Spenderherz wartet. Eine autoimmunbedingte Herzmuskelentzündung hat ihr Leben seit dem Jahr 2022 grundlegend verändert. „Man sieht es mir nicht an, aber ich warte auf ein neues Herz“, schilderte sie.
Die Mutter von vier Kindern berichtete offen von den körperlichen Einschränkungen, den Ängsten und der Ungewissheit des Wartens – aber auch von Hoffnung und Zuversicht. „Es ist mein Glaube, der mich hält“, sagte sie. Zugleich warb sie eindringlich dafür, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und eine persönliche Entscheidung zu treffen. Für Angehörige könne es in einer extrem belastenden Situation ein Trost sein, mit einer Organspende anderen Menschen zu helfen.
Entscheidungsdruck für Angehörige
Aus klinischer Perspektive ergänzte Dr. Stephan Schweiger, Transplantationsbeauftragter des UKR, die Diskussion. In der derzeitigen Praxis müssten häufig Angehörige über eine mögliche Organspende entscheiden. In einer Situation akuter Trauer seien viele mit dieser Verantwortung überfordert. Obwohl die Organspende in der Bevölkerung grundsätzlich auf breite Zustimmung stoße, werde in einem Großteil der konkreten Fälle eine Organentnahme abgelehnt – oft, weil der Wille der verstorbenen Person nicht bekannt sei.
Umso wichtiger sei es, so Schweiger, dass Menschen ihre Entscheidung zu Lebzeiten dokumentieren und mit ihren Angehörigen darüber sprechen.
Ausstellung noch bis Mitte März zu sehen
Die Ausstellung „Leben spenden“ (externer Link, öffnet neues Fenster), die noch bis 14. März 2026 im Foyer der Universitätsbibliothek zu sehen ist, porträtiert Menschen, die unmittelbar von Organspende betroffen sind – als Organempfängerinnen und -empfänger, als Lebendspenderinnen und -spender oder als Angehörige postmortaler Spenderinnen und Spender. Im Mittelpunkt stehen persönliche Geschichten zwischen Hoffen, Bangen und neuer Lebensqualität.
Die Podiumsdiskussion machte deutlich, wie eng individuelle Schicksale, medizinische Expertise und gesellschaftliche Rahmenbedingungen miteinander verwoben sind. Sie bot Raum für Information, Austausch und Fragen aus dem Publikum – und unterstrich die gemeinsame Verantwortung von Wissenschaft, Medizin und Gesellschaft, sich mit dem Thema Organspende differenziert und offen auseinanderzusetzen.
Weitere Informationen zur Ausstellung “Leben spenden” (externer Link, öffnet neues Fenster)
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