Prof. Dr. Jenny Rahel Oesterle-El Nabbout ist seit dem Wintersemester 2021/22 Inhaberin des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Regensburg und wurde zum 1. April 2026 in das Amt der Vizepräsidentin für Internationalisierung und Diversity gewählt. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich insbesondere mit der mittelalterlichen Geschichte des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in internationalen Forschungskooperationen und ihrer engen Vernetzung innerhalb der Universität möchte sie die internationale Sichtbarkeit der Universität Regensburg weiter stärken und Vielfalt auf dem Campus fördern. Im Interview spricht Prof. Oesterle-El Nabbout über ihre Motivation für das neue Amt, ihre Ziele in den Bereichen Internationalisierung und Diversity sowie über die Impulse, die sie in den kommenden Jahren setzen möchte.
Frau Prof. Dr. Oesterle‑El Nabbout, Sie haben zum 1. April das Amt der Vizepräsidentin für Internationalisierung und Diversity der Universität Regensburg angetreten. Was hat Sie persönlich für diese Aufgabe motiviert?
Die Universität Regensburg hat großes Potential. Sowohl die Stadt als auch die geographische Lage prädestinieren Regensburg für den internationalen Austausch und unser Campus ermöglicht Begegnungen auf kurzen Wegen. Unsere Universität ist zudem groß genug, um interdisziplinäre Projekte durchzuführen, aber gleichzeitig überschaubar genug, dass Lehrende, Lernende und Forschende miteinander ins Gespräch kommen können. Seit Beginn meiner Tätigkeit an der Universität im Wintersemester 2021/22 habe ich mich weit über die Fächergrenzen hinaus wissenschaftlich und persönlich erkenntnisfördernd mit Kolleginnen und Kollegen austauschen können. Als Dekanin der Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften (PKGG) von 2021-23 hatte ich die Gelegenheit die internen Abläufe und Strukturen unserer Universität gut kennenzulernen.
Insgesamt stehen die Universitäten in Deutschland derzeit vor vielfältigen Herausforderungen, zu denen die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit und ihre internationale Sichtbarkeit zählen. Voraussetzungen und Bedingungen unserer Universität gewährleisten erfolgsversprechende Aussichten für die zukünftige Entwicklung. Dies ist derart weichenstellend, dass ich mich entschlossen habe, daran aktiv mitzuarbeiten.
Die Universität Regensburg hat bereits eine starke internationale Ausrichtung. In welchen Bereichen sehen Sie das größte Potential für Weiterentwicklung?
Frau Prof. Dr. Regener, die Stabstelle Internationalisierung und das International Office haben hier in den zurückliegenden Jahren Großartiges geleistet. Von daher starten wir tatsächlich auf hohem Niveau und schließen an Vieles an. Unsere bereits bestehenden Kooperationen auf verschiedenen Ebenen, insbesondere die strategischen Kooperationen, bieten herausragende Möglichkeiten der internationalen wissenschaftlichen Vernetzung, die wir in den kommenden Jahren noch weiter ausgestalten und ausdifferenzieren werden. Hier gilt es, die Möglichkeiten, die die strategischen Partnerschaften der UR bieten, noch intensiver bekannt zu machen und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zu überlegen, wie dadurch weitere Forschungs- und Lehrprojekte angestoßen werden könnten.
Viele unserer Forschungskooperationen konzentrieren sich auf Europa und die transatlantischen Beziehungen. Das ist gut und richtig. Ich denke aber – und hier möchte ich konkret ansetzen - dass es vielversprechend wäre, Universitäten im globalen Süden stärker in den Blick zu nehmen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Gleichzeitig ist naheliegend, den attraktiven Studienstandort Regensburg international noch bekannter zu machen und daran zu arbeiten, die Sichtbarkeit unserer Universität für Studieninteressierte im Ausland zu erhöhen. Das kann zum Teil auch durch relativ niedrigschwellige Maßnahmen geschehen, wie die konsequente deutsch-englische Präsentation unserer Homepages.
Diversity umfasst viele Dimensionen. Welche Aspekte von Vielfalt am Campus sind Ihnen besonders wichtig, und wie möchten Sie diese fördern?
In der Tat sind hier viele Themenfelder relevant. An oberster Stelle steht selbstverständlich, dass wir ein universitäres Umfeld erhalten und dieses weiter verbessern, in dem Menschen, die auf unserem Campus forschen, lehren und lernen sich sicher und respektiert fühlen -unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder ihrem Geschlecht. Antisemitismus, Antiislamismus und andere Arten der Diskriminierung dürfen an unserer Universität keinen Platz finden. Als Universität haben wir die Möglichkeit, auch angesichts schwierigster weltpolitischer Krisen, Brücken zu bauen und Gespräche zu initiieren, die andernorts schwer möglich sind. Wichtig ist zugleich, an unserer Universität Strukturen, die Machtmissbrauch begünstigen, zu erkennen und Betroffenen zur Seite zu stehen, um Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
Welche Impulse möchten Sie in den Bereichen „Internationalisierung“ und „Diversity“ an der Universität Regensburg setzen?
Diese Bereiche sind vielfältig miteinander verbunden: Zur Internationalisierung gehört auch eine Diversität durch sogenannte „kleine“ Fächer im Lehr- und Lernspektrum unserer Universität, die, zum Beispiel in der Sprachausbildung oder in den Area Studies wichtige Beiträge zu beiden Bereichen leisten. Hier ist unsere Universität schon recht gut aufgestellt, doch gilt es auch weiterhin die Bedingungen zu verbessern, um exzellente Forschende aus dem In- und Ausland für die Universität Regensburg zu gewinnen.
Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen wissenschaftlichen Arbeit werden Ihnen besonders bei der Leitung dieses Amtes zugutekommen?
Meine eigenen Forschungen konzentrieren sich auf die mittelalterliche Geschichte des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens. Auch wenn man annähme, dass mittelalterliche Verhältnisse uns heute fern liegen, kann doch zum Beispiel die Erforschung von interreligiösem Zusammenleben, von Konflikten und die Suche nach Lösungen bis heute aufschlussreich und verständnisschaffend sein. Mein Studium und meine Forschungen haben mich nach Israel und in viele Länder der arabischen Welt, insbesondere in den Libanon und den Irak, geführt. Ich habe in diesem Zusammenhang intensiv Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sammeln dürfen und zahlreiche gemeinsame Forschungs- und Hochschulkooperationsprojekte geleitet. Dabei habe ich viel gelernt, gerade darüber, auf was es bei internationaler Zusammenarbeit ankommt, aber auch realistisch und pragmatisch, welchen Risiken zu begegnen ist und wie ein Dialog auf Augenhöhe möglich wird.
Worauf freuen Sie sich bei dieser Aufgabe persönlich am meisten?
Es ist großartig, die Möglichkeit zu haben, so wichtige Themenfelder und Problembereiche wie Internationalisierung und Diversity an unserer Universität weiter voranzutreiben. Ich freue mich darauf, täglich Neues zu lernen, Kontakte zu knüpfen, inspirierende Gespräche zu führen, mit Kolleginnen und Kollegen Initiativen anzustoßen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in allen Bereichen, darauf, unsere internationalen Gäste herzlich zu empfangen und mit dazu beitragen zu dürfen, dass unser Campus sich für Menschen aus der Region und aus aller Welt als attraktiver Lehr-, Lern- und Forschungsort weiterentwickelt.
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