Im Rahmen der Veranstaltung „Spotlight on Teaching“ hat die Universität Regensburg (UR) am 10. Juni 2026 ihre Lehrinnovationspreise 2026 verliehen. Die Auszeichnungen würdigen herausragende Projekte in den Kategorien Curriculum, Lehrveranstaltung und Prüfung und machen die besondere Bedeutung qualitativ hochwertiger und zukunftsweisender Lehre sichtbar. „Spotlight on Teaching“, organisiert vom Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsdidaktik (ZHW), bot darüber hinaus Raum für Austausch über aktuelle Entwicklungen in Studium und Lehre. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand das Thema Wissenschaftskommunikation.
Professor Dr. Nikolaus Korber, Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung der Universität Regensburg, überreichte die Lehrinnovationspreise 2026 an Lehrende, die mit ihren Konzepten neue Impulse für die Hochschullehre setzen. „Mit dem Lehrinnovationspreis zeichnen wir Lehrende aus, die neue Wege gehen und zeigen, wie exzellente Lehre auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren kann“, betonte der Vizepräsident bei der Preisverleihung. „Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger verbinden wissenschaftliche Qualität mit Kreativität, gesellschaftlicher Relevanz und einem hohen Engagement für die Lernprozesse ihrer Studierenden. Ihre Konzepte leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Lehre an der Universität Regensburg und darüber hinaus.“
In der Kategorie Curriculum wurden Prof. Dr. Rainer Liedtke und Gabriela Dafinger, M.A., für die Entwicklung des neuen Bachelorstudiengangs „Liberal Arts: Culture, History, Society“ ausgezeichnet. Der zum Wintersemester 2025/26 eingeführte Studiengang verbindet humanistische Bildungstraditionen mit den Anforderungen einer zunehmend globalisierten und komplexen Gesellschaft. Als vollständig englischsprachiges Studienangebot eröffnet er internationalen Studierenden den Zugang zur Universität Regensburg und schafft einen internationalen Diskursraum. Charakteristisch für das Curriculum ist seine konsequente Interdisziplinarität: Perspektiven und Methoden aus Geschichts-, Kultur-, Literatur- und Sozialwissenschaften werden systematisch miteinander verknüpft. Inhaltlich widmet sich der Studiengang unter anderem gesellschaftlichen Herausforderungen wie Migration, Klimawandel, sozialer Ungleichheit, Frieden und Genderfragen. Damit qualifiziert er Studierende dazu, komplexe Gegenwartsfragen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln zu analysieren und reflektiert in internationale Zusammenhänge einzuordnen.
Der Lehrinnovationspreis in der Kategorie Lehrveranstaltung ging an Tatjana Kühnast, M.A., für ihr Vertiefungsseminar „Prosa und Dramen des Naturalismus“. Die Veranstaltung richtet sich an Lehramtsstudierende verschiedener Schularten und verbindet literaturwissenschaftliche Analyse mit innovativen digitalen Lehrmethoden sowie schulpraktischen Anwendungen. Zentrales Element des Konzepts ist die eigens entwickelte Webanwendung „text.ur“, die eine kollaborative digitale Annotation von Seminartexten ermöglicht. Studierende markieren und kommentieren Textpassagen bereits vor den Präsenzsitzungen entlang vorgegebener Forschungslinien. Die entstehenden Diskussionen bilden die Grundlage für die gemeinsame Arbeit im Seminar und fördern eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Inhalten. Ergänzt wird das Konzept durch Unterrichtsentwürfe mit Praxisbezug, Reflexionsphasen nach Schulbesuchen, digitale Recap-Posts auf dem Instagram-Kanal „literat.ur“ sowie spielerische Elemente wie ein kursbegleitendes Lern-Bingo. Die Lehrveranstaltung zeichnet sich insbesondere durch die gelungene Verbindung von digital gestütztem Lernen, fachwissenschaftlicher Vertiefung und berufspraktischer Ausbildung aus.
In der Kategorie Prüfung wurde Agnes Böhmelt für das Prüfungsdesign im Seminar mit Schreibwerkstatt „Utopie und Unvernunft: Feministische Manifeste“ ausgezeichnet. Die Veranstaltung ist Teil des Zusatzstudiums Genderkompetenz, das gemeinsam von der Universität Regensburg und der OTH Regensburg angeboten wird und Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenführt. Das innovative Prüfungsformat ersetzt klassische Leistungsnachweise wie Referate oder Hausarbeiten durch kreative und anwendungsorientierte Formen der Wissensaneignung und -vermittlung. Nach der Analyse historischer und zeitgenössischer feministischer Manifeste entwickeln die Studierenden eigene Positionen und verfassen individuelle Manifeste. Die Prüfungsleistungen entstehen dabei in vielfältigen Formaten – von Zines, Plakaten und Reden bis hin zu Gedichten oder Songs. Besonderes Merkmal des Konzepts ist der Transfer in die Öffentlichkeit: Die Arbeiten werden über den Seminarraum hinaus sichtbar gemacht, etwa im Rahmen von Ausstellungen, universitären Veranstaltungen oder öffentlichen Aktionen. Das Prüfungsdesign eröffnet unterschiedliche Zugänge zur Leistungserbringung, fördert kreative Ausdrucksformen und schafft zugleich alternative Handlungsspielräume für Studierende mit Prüfungsängsten.
Bereits vor der Preisverleihung diskutierten Expertinnen und Experten sowie Studierende im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die Bedeutung von Wissenschaftskommunikation in Studium und Lehre. Unter der Moderation des ZHW kamen Prof. Dr. Angela Ganter, Inhaberin des Lehrstuhls für Alte Geschichte und Preisträgerin des Lehrinnovationspreises 2025, PD Dr. habil. Wieland Kranich, Leiter des Lehrgebiets Mündliche Kommunikation, die Studentin Clara de Oliveira Seyler sowie Dr. Aleksandra Salamurović, Projektkoordinatorin von seeffield, miteinander ins Gespräch. Die Diskussion beleuchtete unterschiedliche Perspektiven auf die Frage, wie wissenschaftliche Inhalte verständlich, zielgruppengerecht und gesellschaftlich wirksam vermittelt werden können und welche Rolle Hochschullehre dabei spielt.
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Dr. Linda Puppe
Innovation Hub
Universität Regensburg
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