Franz Xaver von Schönwerth, geboren am 16. Juli 1810 in Amberg, gilt als bedeutendster Forscher der Alltagskultur des vorwiegend ländlich geprägten Raumes der Oberpfalz um die Mitte des 19. Jahrhunderts.
In den 1850er bis 1880er Jahren hat er eine gewaltige Fülle von Belegmaterial zur Erzähl- und Alltagskultur der breiten Bevölkerung zusammengetragen. Bis heute bekannt ist Schönwerth vor allem durch sein dreibändiges Hauptwerk "Aus der Oberpfalz - Sitten und Sagen" (1857-1859).
Repertorium zum Nachlass von Franz Xaver von Schönwerth
Das Franz Xaver von Schönwerth-Repertorium kann hier als PDF-Datei (öffnet neues Fenster). (nicht barrierefrei)heruntergeladen werden.
1. Der Nachlass und bisherige Erschließungen
Der Nachlass von Franz Xaver von Schönwerth im Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg umfasst insgesamt 43 Faszikel. Davon enthalten 42 handgeschriebenes Material und ein Faszikel (Fasz. XL) Zeitungsausschnitte. Dieser Faszikel XL ist in 4 Schachteln unterteilt. Die Faszikel sind mit römischen Zahlen von I bis XL nummeriert. Durch die teilweise auf mehrere Faszikel unterteilten Nummern (Faszikel IVa und IVb und Fasz. XVII, XVIIa und XVIIb) ergeben sich so 43 Faszikel. Die einzelnen Faszikel sind nochmals in Mappen unterteilt, in welchen die beschriebenen Bögen meist thematisch zusammengefasst sind. Die Anzahl der Mappen pro Faszikel schwankt zwischen 3 und 27.
Das im Nachlass gesammelte Material spiegelt die verschiedenen Interessen Schönwerths wider. So findet sich neben den Sammlungen zu Schönwerths dreibändiger Veröffentlichung „Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen“[1] (externer Link, öffnet neues Fenster) auch sprachwissenschaftliches und historisches Material. Darüber hinaus sind die zahlreichen Briefwechsel Schönwerths u.a. mit Jakob Grimm[2] (externer Link, öffnet neues Fenster) oder Maximilian II. Joseph[3] (externer Link, öffnet neues Fenster) hier enthalten.
Dieser Nachlass stellt für heutige Forschungen eine Quelle von unschätzbarer Bedeutung dar, welche eine möglichst detaillierte strukturierte Erschließung dringend notwendig macht. Dadurch ergeben sich für zahlreiche Teilgebiete der Vergleichenden Kulturwissenschaft - neben der Erzählforschung auch die Kulturraumforschung, die Nahrungsforschung, die Brauchforschung oder auch die Wohnraumforschung um nur einige wenige zu nennen – Möglichkeiten für neue Forschungen.
Es wurde bisher zweimal eine strukturierte Aufarbeitung des Nachlasses versucht. Roland Röhrich ging es in seiner 1975 erschienen Dissertation „Franz Xaver Schönwerth. Leben und Werk“[4] (externer Link, öffnet neues Fenster) darum, das Material inhaltlich grob zu gliedern. So unterteilte er den Nachlass in vier große Gliederungspunkte, den „volkskundlichen Teil“, den „sprachwissenschaftlichen Teil“, den „historisch-mythologischen Teil“ sowie einen „vermischten Teil“. Zusätzlich zeigte er die Struktur des Nachlasses anhand einer tabellarischen Aufstellung der einzelnen Faszikel. Weiter versuchte er, anhand der genannten Gliederungspunkte die einzelnen Faszikel nochmals inhaltlich zu unterteilen. So beleuchtete er den „volkskundlichen Teil“ unter den Aspekten „Erzählgut“, „Brauchtum“, „Sprichwörter und Redensarten“ sowie „sonstiges Material“, den „sprachwissenschaftlichen Teil“ unter den Punkten „oberpfälzer Mundart“, „deutsche Sprache“, „germanische und indogermanische Sprachen“ und „sonstiges Material“, den „historisch-mythologischen Teil“ unter den Gesichtspunkten „germanische Völker“, „andere indogermanische Völker“, „nicht-indogermanische Völker“ und „sonstige historische Studien“ und den „vermischten Teil“ unter den verschiedenen Fachrichtungen „Volksunde“, „Sprachwissenschaft“, „Geschichte“ und „sonstiges Material“.
2010 stellte Harald Fähnrich eine Strukturierung des Nachlasses vor. In seinem 2010 erschienen Aufsatz „Franz Xaver von Schönwerth – Sein Werk überdauert“[5] (externer Link, öffnet neues Fenster) gliederte er den Nachlass anhand der einzelnen Faszikelüberschriften. Darüber hinaus hat er ein Inhaltsverzeichnis erarbeitet, welches die einzelnen Mappentitel mit einschließt.
2. Leitfaden zum Repertorium
Um der Bedeutung des Nachlasses gerecht zu werden, liegt nun ein feingliedriges Repertorium vor, welches das im Nachlass enthaltene Material für zukünftige Forschungen so exakt wie möglich nutzbar macht. Um dies zu erreichen werden folgende Punkte berücksichtigt:
- Bogen
- Titel
- Ort
- Autor/Zuträger
- ZA-Nummer (Zentralarchiv Marburg)
- Interne Nummer (von Schönwerth vergeben)
- Inhalt
- Stichworte
- Art der Aufzeichnung
- Verweise auf frühere Bearbeitungen
Im Rahmen der Erschließung des Nachlasses wurde auch eine einheitliche Signatur eingeführt.
HVOR/SchW. I/1/1
- HVOR steht für den Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg, in dessen Besitz sich der Nachlass befindet.
- SchW. bezeichnet die Person Franz Xaver von Schönwerth
- Die römische Ziffer gibt die Nummer des Faszikels an
- Die erste arabische Ziffer gibt die Nummer der Mappe an
- Die zweite arabische Ziffer gibt die Nummer der Untermappe/des Bogens an
Der Nachlass befindet sich im Archiv des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Dieses ist im Stadtarchiv Regensburg untergebracht.
Das nun vorliegende Findbuch sieht sich allerdings nur als Ausgangspunkt einer systematischen Erschließung des Nachlasses von Franz Xaver von Schönwerth.
Die Erschließung des Nachlasses wurde finanziert und gefördert vom Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg, von der Franz Xaver von Schönwerth Gesellschaft e.V., sowie vom Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg.
[1] Schönwerth, Fr[anz Xaver]: Aus der Oberpfalz. Sitten und Sagen. 3 Theile. Augsburg 1857, 1858, 1859.
[2] HVOR/SchW. XXXIX/4/1.
[3] HVOR/SchW. XXXIX/1/1; HVOR/SchW. XXXIX/1/2; HVOR/SchW. XXXIX/1/3.
[4] Röhrich, Roland: Franz Xaver Schönwerth. Leben und Werk. Kallmünz 1975.
[5] Fähnrich, Harald: Franz Xaver von Schönwerth. Sein Werk überdauert. In: Oberpfälzer Heimat 54 (2010), S. 68-90.
Franz Xaver von Schönwerth – Bibliographie
Eine Franz Xaver von Schönwerth-Bibliographie können Sie hier als PDF-Datei (öffnet neues Fenster). (nicht barrierefrei)herunterladen.
Die Bibliographie zu Franz Xaver von Schönwerth spiegelt den aktuellen Stand der Schönwerthforschung und umfasst neben den von Schönwerth selbst veröffentlichten Werken auch Schriften mit Texten Schönwerths, die nach seinem Tod publiziert worden sind. Eine umfassende Darstellung der Sekundärliteratur ist ebenso Teil dieser Zusammenstellung, wie ein Verzeichnis von Medienbeiträgen und weiteren Informationsmaterialien zu Schönwerth sowie eine Darstellung der ungedruckten Quellen und Archivbestände.
Gliederung
1. Verzeichnis der von Schönwerth selbst publizierten Schriften
2. Verzeichnis der publizierten Schriften von Schönwerth
3. Verzeichnis der Literatur zu Schönwerth
4. Verzeichnis von Medienbeiträgen zu Schönwerth
5. Informationsmaterial zur Schönwerth-Rezeption
6. Ungedruckte Quellen und Archivbestände
Franz Xaver von Schönwerth-Gesellschaft
Auf die Webseite der Franz Xaver von Schönwerth-Gesellschaft gelangen Sie über folgenden Link (externer Link, öffnet neues Fenster).
Märchenpfade
In der Oberpfalz kann man sich im Märchengarten Wackersorf und auf dem Märchenpfad in Sinzing auf die Spuren der Erzählungen von Franz Xaver von Schönwerth begeben.
Der Oberpfälzer Märchengarten
befindet sich in Wackersdorf am südlichen Ufer des Murner Sees. Bei einem Spaziergang auf dem Naturlehrpfad oder dem Seerundweg kann der kindgerechte Märchengarten erkundet werden. Mithilfe von bunt bemalten Holzskulpturen und Texttafeln werden sechs Märchen von Schönwerth den Kindern spielerisch nähergebracht. Die Inhalte des Pfades wurden vom Landschaftsarchitekten Gottfried Blank (Pfreimd, Kr. Schwandorf) aufbereitet und vom Designer Jan Saße (Horgenzell, Kr. Ravensburg) illustriert. Die Eröffnung des Märchengartens fand im Frühjahr 2015 statt.
Eine Dokumentation des Märchengartens und seiner Stationen ist über folgende PDF-Datei (öffnet neues Fenster). (nicht barrierefrei) einsehbar.
Der Schönwerth-Märchenpfad
befindet sich in Riegling (Gemeinde Sinzing) unmittelbar neben dem Walderlebniszentrum Regensburg. Es handelt sich dabei um einen 400 Meter langen interaktiven Erlebnispfad, der anhand von in die Natur eingebetteten Kunstinstallationen und dazugehörigen Informationstafeln acht ausgewählte Schönwerth-Märchen präsentiert. Jede Station wurde dabei von unterschiedlichen regionalen Künstlern gestaltet. Die Eröffnung des Märchenpfades fand am 21. September 2014 durch die Franz Xaver von Schönwerth-Gesellschaft statt. Der Märchenpfad ist ganzjährig geöffnet.
Eine Dokumentation des Märchenpfades und seiner Stationen ist über folgende PDF-Datei (öffnet neues Fenster). (nicht barrierefrei) einsehbar.