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Veranstaltung: Verfassungsdebatten: Antike Ursprünge, historische Wirkung, aktuelle Relevanz

18. Nov. 2026

Zeit: 18:00 Uhr

Ort: H22

Veranstaltungsart:
Ringvorlesung
Zielgruppe:
öffentlich, uni-weiter Kalender
Veranstaltungssprache:
Deutsch
  • Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften

Im Zentrum der Ringvorlesung stehen antike Verfassungsdebatten als dynamisches Spannungsfeld von politischer Theorie, institutioneller Praxis und lebensweltlichen Kontexten.

Sie fragt nach ihrer langfristigen Relevanz für die Geschichte politischer Ideen, politischer Institutionen sowie politischer Ordnung. Ausgangspunkt ist der griechische Begriff politeia, der in der Antike umfassend verstanden wurde: Er bezeichnet nicht nur formale Institutionen, Ämter und Verfahren, sondern ebenso Lebensweisen, Normen, Werte, Tugenden, Bildungsprogramme und symbolische Ordnungen, durch die sich politische Gemeinschaften überhaupt erst konstituieren. Verfassung erscheint damit weniger als bloßer „Text“ denn als kulturell, sozial und materiell verankerte Ordnung, die im Angesicht möglicher Alternativen in Frage gestellt wird und sich in Konflikten bewährt, verändert und legitimiert. Im Zentrum stehen daher nicht allein Debatten, wie wir sie als Texte u.a. bei Herodot, Platon, Polybios und Cicero überliefert finden, sondern ebenso deren Entstehungskontexte, also die konkreten Arenen politischer Praxis: Versammlungen, Gerichte, öffentliche Räume, Rituale sowie Normbildungsprozesse in Mythos und Erinnerung. Klassische Philologie, Alte Geschichte, Archäologie, Politikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte erschließen interdisziplinär die Semantiken, Praktiken und Materialitäten politischer Ordnung.

​Die Ringvorlesung verfolgt, wie antike Begriffe und Problemlagen – etwa Gemeinwohl, Freiheit, Gleichheit, Bürgerschaft, Gesetz, Demagogie und Populismus – über vielfältige Traditionslinien bis in die Gegenwart fortwirken und unsere Auseinandersetzungen um eine gute politische Ordnung weiterhin strukturieren.

Einen konkreten Anlass dazu bietet zum einen das 250jährige Jubiläum der Amerikanischen Revolution, deren Verfassungsväter eine neue Republik auf polybianisch gefilterter Wahrnehmung griechischer Bundesstaaten gründeten. Zum andern fordert die wachsende Gefährdung von Demokratien weltweit zur Reflexion über Verfassungen und politische Strukturen heraus. Die historischen Geisteswissenschaften können vor diesem brisanten Hintergrund entscheidende Beiträge zum Verständnis der Genese, der Herausforderung und Gestaltungsoptionen politischer Ordnungen in der Gegenwart leisten, indem sie die Entstehung zentraler Verfassungsbegriffe rekonstruieren, ideelle und institutionelle Alternativen sichtbar machen und das Verständnis dafür schärfen, dass Verfassungen nicht nur institutionelle Arrangements sind, sondern auch normative und inklusive Projekte, deren Qualität und Stabilität von geteilten Ideen und geteilter politischer Verantwortung im täglichen Sprechen und Handeln abhängt.

 

Programm:

 

21.10.2026

Prof. Dr. Uwe Walter (Universität Bielefeld): Brücken über die Zeiten. Athen, Rom und die Frage nach dem Politischen in den Umbrüchen der Gegenwart

 

28.10.2026

PD Dr. Oliver Grote (Universität Regensburg): Die Entdeckung der bürgerlichen Gegenwärtigkeit. Politische Ordnungsvorstellungen im frühen Griechenland

 

04.11.2026 H3

Prof. Dr. Josiah Ober (Stanford University): Citizens or Subjects? Two Ancient Greek Pathways out of Social Crisis

 

11.11.2026

Prof. Dr. Christoph Riedweg (Universität Zürich): Zum Psychogramm des Tyrannen bei Platon

 

18.11.2026

Prof. Dr. Eva Helene Odzuck (Universität Regensburg):Platons Kritik an der Demokratie: Rekonstruktion und aktuelle Relevanz

 

25.11.2026

Ass.prof. Dr. Daniela Cammack (University of California, Berkeley): Why Not Demokratia?

 

Do 03.12.2026 H23

Prof. Dr. Ortwin Dally (DAI Rom): Winckelmann-Festvortrag Das Kapitol - zwischen Archäologie und Geschichte

 

09.12.2026

Prof. Dr. Volker Depkat (Universität Regensburg): Die „ancient republics“ in den *Federalist Papers* und die Verfassung der USA

 

13.01.2027

Prof. Dr. Dirk Steuernagel (Universität Regensburg): Vom Staatsmarkt zum Kaiserforum? Architektonischer und politischer Wandel im antiken Ephesos

 

20.01.2027

PD Dr. Alexandra Eckert (Erlangen/Freiburg): Das Spannungsfeld von Demokratie und Oligarchie – Antike Vorstellungswelten und moderne Debatten

 

27.01.2027

Prof. Dr. Angela Ganter(Universität Regensburg): Wie konservativ waren Griechen und Römer? Antike Verfassungsdebatten

Veranstaltungsort

H22

Standort: Zentrales Hörsaalgebäude, ZHGB , UG1, H22
Universitätsstraße 31
93053 Regensburg

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Kontakt

Zentrum für Klassikstudien

Prof. Dr. Dirk Steuernagel
0941/943-3155
dirk.steuernagel@ur.de

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