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Veranstaltung: Zwischen Postkolonialismus und Postsozialismus. Public History und Erinnerungskultur in Kirgisistan

28. Okt. 2026

Zeit: 18:15 Uhr

Ort: Seminarraum PT 2.0.09

Referentin / Referent:
Elmira Abylbek (Esimde, Kirgisistan)
Veranstaltungsart:
Vortrag
Zielgruppe:
öffentlich, uni-weiter Kalender

Wie gehen Menschen und Gesellschaften mit der Vergangenheit und ihrer eigenen Geschichte um, wenn diese sowohl durch den Kolonialismus als auch das Trauma der kommunistischen Vergangenheit geprägt ist? Das Land Kirgisistan in Zentralasien bietet ein faszinierendes Beispiel für diese Fragen der Erinnerungskultur. Die bergigen Territorien des heutigen Kirgisistans fielen im Laufe des späten 19. Jahrhunderts unter russische Herrschaft; 1916 schlug das Russische Reich einen antikolonialen Aufstand – der sogenannte „Urkun“ – blutig nieder. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde Kirgisistan eine Sowjetrepublik, und die Bolschewiki förderten sogar die Entwicklung der kirgisischen Sprache und einer nationalen Identität im Rahmen der sowjetischen Nationalitätenpolitik. Gleichzeitig starben viele Kirgisen im Laufe der Zwangskollektivierung am Ende der 1920er-Jahre, während in den 1930er-Jahren die UdSSR große Teile der kirgisischen Intelligenz erschoss. n der Nachkriegszeit konnte sich das Land von diesen Umbrüchen zwar teilweise erholen, doch nationale Identität und Kultur blieben weitgehend unterdrückt. Mit der Auflösung der UdSSR 1991 wurde Kirgisistan zwar ein unabhängiges Land, doch die Traumata des 20. Jahrhunderts waren noch kaum aufgearbeitet.

 

In ihrem Vortrag stellt Elmira Abylbek, Leiterin der kirgisischen Organisation „Esimde“, die Arbeit ihrer Initiative vor. Esimde (kirgisisch: „ich erinnere mich“) arbeitet an der Schnittstelle von Oral History und Public History: Durch Interviews zu Alltagserfahrungen während der Sowjetzeit sowie zur familiären Erinnerung an Ereignisse wie den Urkun erfasst die Organisation Stimmen aus der Bevölkerung. Zudem veröffentlicht Esimde Publikationen zur Geschichte der demokratischen Bewegungen Ende der 1980er-Jahre. Ziel ist es, ein neues historisches Bewusstsein zu fördern und die „weißen Flecken“ im nationalen Gedächtnis kritisch zu erforschen, um so einen Dialog über die Herausforderungen der Erinnerungskultur im globalen Kontext zu eröffnen.

 

Moderiert wird die Veranstaltung von Prof. Dr. Timothy Nunan (Transregionale Wissenskulturen/DIMAS). Die Veranstaltung findet im Rahmen des Kolloquiums der Juniorprofessur für Public History (Juliane Tomann) und in Kooperation mit dem Forschungsnetzwerk „Margins of Memory“ statt. Der Vortrag von Abylbek wird in russischer Sprache mit Simultanübersetzung erfolgen. Ansonsten findet die Veranstaltung in deutscher Sprache statt.

Veranstaltungsort

Seminarraum PT 2.0.09

Standort: Philosophie/Theologie PHTG , EG, Seminarraum PT 2.0.09
Universitätsstraße 31
93053 Regensburg

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Kontakt

Prof. Dr. Timothy Nunan

timothy.nunan@ur.de

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