Veranstaltung: Die vergeschlechtlichte Geschichte der KI - Gender Lectures Regensburg
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: H3
- Referentin / Referent:
- Andrea Reichenberger (TUM)
- Veranstaltungsart:
- Vortrag
- Zielgruppe:
- öffentlich, uni-weiter Kalender
- Veranstaltungssprache:
- Deutsch
Die Geschichte der künstlichen Intelligenz (KI) wird meist als lineare Erfolgsgeschichte erzählt, die von Männern dominiert wird – von der Dartmouth-Konferenz bis zu den heutigen Large Language Models (LLMs). Dieser Beitrag bricht mit dieser Darstellung.
Anhand spezifischer Fallstudien werden die strukturellen Bedingungen untersucht, die zur Marginalisierung der Beiträge von Frauen sowie zu geschlechtsspezifischen Dynamiken in der institutionellen und epistemischen Entwicklung der KI führten. Die Analyse beleuchtet unter anderem die Rolle der RAND Corporation in den 1950er-Jahren. Dabei wird der Einfluss von Akteurinnen wie Roberta Wohlstetter herausgearbeitet, deren Analysen zur nuklearen Abschreckung zentrale Denkweisen früherer KI-Modelle prägten. Zudem wird die oft unsichtbar gemachte Arbeit von Programmiererinnen bei IBM und im SAGE-System – tätig als „Human Computers“ und Codiererinnen – kritisch gewürdigt. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die geschlechtsspezifische Dimension technischer Terminologien. Am Beispiel der Kryptografie wird aufgezeigt, wie implizite Rollenbilder transportiert werden. So führten Ron Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman (RSA) im Jahr 1978 die personifizierten Platzhalter „Alice” und „Bob” ein, um kryptographische Protokolle und Public-Key-Verfahren anschaulicher zu erklären. In Verbindung mit militärisch codierten Metaphern wie dem „Man-in-the-Middle-Angriff” prägen diese Narrative bis heute das Verständnis von Cybersicherheit und KI-Strategien.
Der Vortrag plädiert für eine Neubewertung der KI-Geschichte, die sprachliche und soziale Strukturen analysiert, um zu einem inklusiveren Verständnis der technologischen Entwicklung von KI beizutragen.
Referentin:
Andrea Reichenberger (TUM) forscht im Gebiet der Wissenschafts-, Philosophie- und Technikgeschichte. Ein wichtiges Ziel ihrer Forschung ist es, Wissenschafts- und Technikgeschichte vor dem Hintergrund aktueller Herausforderung in Wissenschaft und Gesellschaft aus intersektionaler und gendersensitiver Perspektive neu zu denken und zu reflektieren.
Veranstaltungsort
H3
Universitätsstraße 31
93053 Regensburg
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Kontakt
Zusatzstudium Genderkompetenz (ZGK)
zgk@uni-regensburg.de